Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 35 (1.9.1911)
- Date
- 1911-09-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 35 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 den' Willkommgruß der ganzen Gemeindet Nach einer kurzen Erwiderung des Rabbiners setzte sich der Zug wieder in Bewegung, und man begab sich nach der festlich geschmückten iTalmud-Thora-Schule, wo ein Schülerchor den Rabbiner empfing und der Direktor der Anstalt eine Begrüßungsansprache hielt. Am Abend versammelten sich in den Amtsräumen des Waad sämtliche Bewohner der Kolonie zur Begrüßung-des neuen Rabbiners. .; Rabbiner Zitron genießt den Ruf eines tüchtigen Talmudisten und verfügt auch über ein reiches Maß weltlichen Wissens.- Er ist der europäischen Hauptsprachen durchaus kundig und spricht fließend hebräisch in der hier gebräuchlichen sephardischen Aussprache. iVon Pethach-Tikwah begab sich Rabbiner Zitron für einige Tage nach Jerusalem.zum Besuche seiner dort wohnenden Mutter. Auf der Rückreise wird er einige Jüdische Kolonien besuchen. i. i . . * Der Pascha yon Jerusalem, in den Räumen der Anglo-Palestine Company. Jerusalem. Der neue Pascha von Jerusalem D j aud a t B e y stattete am- S.; d. M. der hiesigen jüdischen Bank Ariglo-Pälestine Company einen offiziellen Besuch ab und weilte über eine halbe- Stunde in den Räumen der Anstalt. Direktor Dr.! J. Levy informierte den Pascha eingehend über die Einrichtungen und die geschäftliche Tätigkeit der Bank-. Eine Verfügung des Großvesirszum Schutze der jüdischen Bevölkerung Palästinas. * Jerusalem. Wie die hier erscheinende hebräische Zeitung „Hacheruth“ erfährt, hat der Großvesir infolge der wiederholten Vorstellungen des Großrabbiners- Haina Nahum den neuen Pascha von Jerusalem telegraphisch angewiesen, den Sicherheitsverhältnissen in den jüdischen Kolonien, pamentlicb in Galiläa, sein besonderes Augenmerk zuzuwenden und. darauf zu achten, daß den ottomanischen Juden beim« Erwerb von Grund und Boden keine Schivierigkeiten 'seitens der-lokalen Behörden’in deif,Weg gelegt-vyerden. Der,‘Pascha hat . die ministerielle.. Verfügung bereits an die Kaimakams in der Provinz telegraphisch weitergeleitet. Die--Nachricht hat unter der jüdischen Bevölkerung des Landes große Befriedigung hervorgerufen. . .. .— ... ■ v».*. A>- Der ungarische Ministerpräsident und der amtliehe Antisemitismus. Budapest. Der aus dem ungarischen Grenzstädtchen Sztropko von der antisemitischen Grenzpolizei ausgewiesene jüdische Tischler Moritz Tkäts war, wie bereits gemeldet, beim Ministerpräsidenten Grafen Knuen-Hederväry in Audienz erschienen, um die Zurücknahme des ungerechten Ausweisungsbefehles zu erbitten. Bei dieser Gelegenheit äußerte sich der Ministerpräsident, wie erinnerlich, sehr abfällig über die auch in amtlichen Kreisen immer mehr zutage tretenden antisemitischen Tendenzen. Nunmehr hat der MinLterpräsident nach Prüfung der Akten den Ausweisungsbefehl annulliert und die Grenzpolizei hiervon telephonisch in Kenntnis gesetzt, indem er sie zugleich ermahnte, in Zukunft derartige Uebergriffe zu unterlassen. * Die Juden in Polen. Nach den neuesten statistischen Erhebungen beläuft sich die Zahl der Juden in Russisch- Polen auf 1,748.000 Seelen, das sind bei einer Gesammtbevölkerung von 12 Millionen ca. 14%. Die Zahl der Juden in Russisch-Polen nimmt seit 10Q Jahren ständig, zu, während in den polnischen Gebieten Deutschlands und Österreichs ein Rückgang der jüdischen Bevölkerung zu verzeichnen ist Im Jahre 1831 betrug die Zahl der Juden in der Provinz Poseu ungefähr 77 000 Seelen, im Jahre . 1905 zählte man dort nur etwas über 30.000 Juden. Ähnlich verhält es dich in der Provinz Westpreussen: die Zahl der Juden in dieser Provinz betrug im Jahre 1858 25.000, hingegen im Jahre 1905 bloss ltj.000 Seelen. Auch in Galizien ist seit dem Jahre lö80 die jüdische Bewohnerschaft absolut und relativ in ständigem Rückgang begriffen. In dem genannten Jahre machte die jüdische Bevölkerung 19% der Gesammtbevölkerung aus; gegenwärtig beträgt der Prozentsatz etwa 5,5. Der Grund für den. rapiden Rückgang der jüdischen Bevölkerung in. den. polnischen Gebieten diesseits . der russischen: Grenze liegt in den starken Abwanderung : nach, den Grosstädten Berlin, Wien,, sowie in. der Auswanderung nach den überseeischen Ländern. Anderseits ist die starke Zunahme der jüdischen Bewohnerschaft i Russisch-Polens auf die Zuwanderung ans Inner- [Russland, and Lithaaen zurückzntühren. nicht in allerkürzester Zeit unterdrückt wird, kann die Bewegung Dimensionen annehmen, die man jetzt bei allem Pessiniismus dennoch nicht änzunehmen wagt. Bemerkenswert ist, daß die Bewegung, die zu Ende der letzten Woche in Monmouthshire ausbrach und auch nach Breconshire Übergriff, jetzt bereits das eigentliche Wales,' und zwar Idie Grafschaft Glanmorganshire erreicht hat. Sie springt-' von Tag zu Tag auf neue Ortschaften über, - während sie in ihrem Ursprungsgebiet um •Tredegar nachzulassen scheint. ■ Donnerstag abends griff die Menge in der Ortschaft Bargold eine Anzahl jüdischer Läden an und wurde erst nach’ wiederholten Vorstößen der Polizei vom Militär durch Bajonettangriff zerstreut. In Gilfach kam es während der Nacht zu ähnlichen Szenen und in Senghenzod wurden heute morgens zwei jüdische Geschäfte eingeäschert. ln den betreffenden Siedlungen dauerte während der Nacht ein wahrer Guerillakrieg an, den organisierte Banden der Plünderer mit der durch Infanterie verstärkten Polizei führten. , Aus dem jüdischen Lehen. Rabbinerinstallation in Pethach-Tikwflhy Jaffa. Am. 8.. d. M.hirft der neugewählte Rabbiner von Pethach-Tikwah, Herr A. J. Zitron aus Wilna, "seinen feierlichen Einzug in die Kolonie.: Die Vorsteher der Kolonie waren tags zuvor dem neuen Rabbiner nach Jaffa entgegengefahren und holten ihn. hier vom. Dampfer ab. ln Jaffa besuchte Rabbiner Zitron den zurzeit hier weilenden Chacham-Bascni von Saloniki, R. Jakob Meir, der ihn auf das herzlichste be-t grüßte und zu seinem Amtsantritte nach Pethach- Tikwah begleitete. Auch viele angesehene Jaffaer und Jerusalemer .Bürger, geleiteten in einem langen Wagenzuge den neuen Rabbiner von Pethach-Tikwah nacn seinem Amtssitze., Freudige Festesstimmung herrschte in der Kolonie, wo jung und alt vor der blumengeschmückten Pforte Aufstellung nähmen, die dem neu^n Rabbiner zu Ehren errichtet worden war. Als der Wagen» in' dem Rabbiner Zitron und Rabbi Jakob Meir saßen, sich der Kolonie, näherte, stimmte die „Tismoreth“ (Musikkapelle) der Kolonie einen Begrüßungsmarsch1 an. Der Vorsitzende des Waad trat vor und entbot dem neuen religiösen Oberhaupt der Kolonie in -herzlichen Worten . Abbildungen des in Palästina häufigsten Baumes, des Olivenbaumes. Er. spielt in der Schrift eeine große Rolle,'sowohl im wirklichen als im bildlichen Sinne. Ebenso häufig ist der Feigenbaum und seine Varietät, die Sykomore. Ein Baum, . der der Forschung aufangs Schwierigkeiten machte, ist der Johannisbrotbaum (Ceratonia siliqua), der die „Trebern“ lieferte, von denen sich1 in der Legende der verlorene Sohn nährte. Lieber die in Palästina vorhandenen Palmen bringt die . Ausstellung den Nachweis, daß, wenn in der Bibel von solchen die Rede ist, immer die Dattelpalme (Phoenix dactylifera) gemeint ist. Sie war früher in Palästina häufiger als jetzt und bildete an manchen Orten, ganze Alleen. Granatapfel und Mandelbaum, häufig in .der Schrift erwähnt, sind* in alter wie in neuer Zeit in jenem Lande heimisch. Von Eichen gab es und gibt es eine immergrüne Abart. Der berühmte Hain Mamre bestand zum Teil, aus Eichen. Unter den. Fruchtbäumen ist noch; der^ Nußbaum erwähnenswert, womit immer unser- Walnußbaum gemeint ist, der sich früh von Persien aus nach Westasien. verbreite! hatte. *• , Auch über die Tiere erfahren wir, daß die Deutung ihrem Namen manchem Wandel begegnet ist. So bezeichnete das hebräische (Wort für „Dromedar“ nicht bloß das in Palästina heimische einhöckerige Kameel, sondern auch eine besondere /Art von Rassepferden, und die Uebersetzer haben d as nicht immer scharf unterschieden. Unter, .dem wilden Esel der Schrift ist der noch 'heute in Syrien lebende wilde Onager zu verstehen, der kein eigentlicher Esel mehr, sonder ein Mittelding zwischen Pterd und Esel ist. Ueber d as „Einhorn“. meinen die Gelehrten äes Londoner Museums, daß damit in Wahrheit ein zweihörniger- Wiederkäuer gemeint sei, nämlich eine d amals in Kleinasien lebende, jetzt aber ausgestorbene Auerochsenart, die wir aus den assyrischen Skulpturen kennen. Die Auslegung dürfte Widerspruch’ begegnen. Von Rindern als Häustieren waren in Palästina eine langhörnige und eine kurzhörnige Art bekannt, die beide nach d_erheutigen Auffassung ihre Abstammung vom indischen Zebu 'herleiten. Mit der wilden Ziege, von der die Schrift spricht, ist, so nimmt man an* der im Sinai lebende Steinbock gemeint! Was „Behemot“ und „Leviathan“ sind, wissen wir jetzt besser als die Uebersetzer des 16. Jahrhunderts, die das erstere Tier wenigstens überhaupt noch nicht kannten. ,£s ist der gemeine nippotamus, das Flußpferd, das heute bis oberen Nil zurückgewichen, damals noch die Uferlandschaften des unteren Aegypten belebte. Auch der Löwe, der jetzt aus. Palästina verschwunden ist und erst an. den Ufern des. Euphrats wieder erscheint, war früher im Heiligen Lande häufig. Der Bär ist ebenfalls in der. Bibel mehrfach erwähnt, aber er. lebt noch heute im Libanon und ist ausdrücklich in der Abart „syrischer Bär“ bekannt. Die Hyäne' war ebenfalls den Israeliten gut bekannt, nicht aber den Uebersetzern im England des 16. Jahrhunderts. Gänzlich unbekannt mit dem Tier, machten diese äus dem 'hebräischen Worte einen „gefleckten Vogel“. Unter dem Leviathan hat man, Was schon längere Zeit bekannt war, den,Wal zu verstehen: Mehr Schwierigkeiten machte ein anderer'Meerbewohner, der nämlich, der die angeblichen „Dachshäute“ lieferte, mit denen einige Räume im Tempel Salomonis bedeckt waren. Diese Dachshäute rührten in Wahrheit von der sogenannten Seekuh (Dugong, Halicore) her, einer Art von Sirene, die im Roten Meer lebt. Auch über die in der Bibel vorkommenden Schlangen unterrichtet uns die Ausstellung; sie nimmt fünf Arten von giftigen Schlangen an, von denen die ägyptische Köhra die bekannteste, ist. Die Juden in Persien. Die Zahl der Juden sowohl wie ihr wirtschaftlicher Einfluß in Persien wird gewöhnlich unterschätzt. Man darf in. ganz Persien wohl 40.000 bis 50.000 zählen. Anr dichtesten sitzen sie in Hamadan und Umgegend (Ttissierkan, Nähawand, Burdjerd), wo'sie äuf; 12.000 bis 15.000 zu beziffern sind-. Vielleicht waren Juden schon vor der Diaspora, wie in Mesopotamien, so. auch in Ham'aidan, den* alten medischen und persischen Herrschersitz, ansässig. Hier in Hamadan ist es der Handelsweg nach Bagdad, der ihnen eine Entfaltung ihrer wirtschaftlichen Fähigkeiten und einen finanziellen Rückhalt bei allen Unternehmungen an der Judenschaft Bagjdads sichert. Erklecklich ist auch ihre Stärke in Teheran (5000). An diesen Plätzen wie auch in Schiras (rund 1000) sind die ärmeren Klassen in der Ueberzahl, doch beginnt Wohlhabenheit und europäische Bildung, namentlich infolge der kulturellen Arbeit der Alliance Israelite Universelle, sich zu verbreiten, die Schulen in Teheran (seit 1898), Hamadan und in drei Hamadan benachbarten kleinen Städten, in Schiras, Ispahan und Jasd, eingerichtet hat. Da die Unterrichtssprache das Französische ist und die Lehrer, die von Paris entsandt werden, französische Untertanen sind (meist Algerier und Tunesier), also unter französischem Schutz stehen, arbeiten diese Anstalten in Persien im Interesse der französischen Bildung und des französischen Handels, wie dies auch in Mesopotamien, bei den Schulen der Alliance in Bagdad und Mossul, der Fall ist. Als arm wird die numerisch nicht unbedeutende Gemeinde von Ispahan (5000) geschildert. In tiefer Dürftigkeit und in der Stellung von Parias leben die Juden des südöstlichen* Persiens in Jasd (etwa 1000) und Kerman (an 200). Hier sind sie noch gezwungen, ihre Niedrigkeit durch aut die Brust geheftete rote Stoftstücke zur Schau zu tragen; auch wohneq sie in den Quartieren der Parsi, denen der Perser als Bekenner der Lehre Zarathustras gleiche Verachtung zuteilt. Die größte Gemeinde Aserbeidschans befindet 'sicty in Urnria (350 Familien); auch Uschnu, auf der Straße Urmia-Rowandus-Mossul