Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 33 (18.8.1911)
- Date
- 1911-08-18
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2438141-2438327-2438360--2576-2442266- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 33 sondern auch für das betreffende Beich durch den Zuwachs loyaler Elemente, durch den Zuwachs von Intelligenz, Arbeitskraft. und Kapital ein Gluck.und vielleicht sogar eine Notwendigkeit; das wäre aber vor allem eine ganz unvergleichliche Exemplifikation der Ideen dieses Kongresses. Wenn den Juden wirklich die historische Mission Zufällen sollte, durch friedliche Kulturarbeit, wie nach Werner Sombart bisher in den meisten Ländern des Alpenlandes und der neuen Welt, so nunmehr in ihrem eigenen Heimatlande — diese Provinz des grossen türkischen Bei eh es wieder zur Blüte zu bringen und dadurch dem Beiche selbst sowie dem Orient einen Strom neuer gesunder Säfte zuzuführen, die begabten morgenländischen Bassen mit modernem Wissen und modernem Fortschritte zu durchdringen, so wäre das in dem hohen Sinne dieses Kongresses eines der sichersten Instrumente der modernen Kultur den alten Orient wieder zu erobern, OBt und West dnreh friedliche Methoden für einander zu gewinnen. Durch dasselbe Volk, das so oft schon die grössten Kultnrmissionen dnrehgeführt. Aus dem jüdischen Leben. [ 3osef Israels. I Das Wienar Komitee hat in den letzten Monaten mit massgebenden Organisationen und Persönlichkeiten, darunter auch mit der in Ihrem Blatte genannten hervorragenden. Persönlichkeit, welche schon wiederholt für die Emigratioasfrage tiefgehendes Interesse bekundete und grosse materielle Opfer brachte, einen regen Ideenaustausch betreib des Emigrations-Kongresses gepflogen. Es ist nun richtig, dass hiebei gegen den für Ende August d. J. angesetzten Termin, der manchem als ein verfrühter schien, Bedenken laut wurden, denen wir uns umso weniger versehliessen konnten, als sie von hörnt berücksichtigungswürdiger Seite erhoben' wurden. Bichtig ist es auch, dass im Laufe der Verhandlungen eine Vorberatung angeregt wnrde, die von dem Kongresse abgehalten werden soll und nunmehr in die Wege geleitet wird. Alle anderen Mitteilungen, besonders aber die erwähnte peisönliche Begegnung der Delegation der Petersburger Konferenz mit der genannten hervorragenden Persönlichkeit und die Behauptung über das gänzliche Fallenlassen der Kongress-Idee, gehören in das Gebiet vager Kombination. Für die Aufnahme dieser Darstellung in der nächsten Nummer Ihres geschätzten Blattes im Vorhinein dankend, zeichne mit vorzüglicher Hochachtung für das Komitee der Obmann: Dr. Gustav Kohn. Im hohen Alter von 87 Jahren ist Josef Israels, im Haag der grösste Maler der Gegenwart, am 12. d. M. sanft entschlummert. Israels ist am 27. Januar: 1824 in Groningen geboren, war von seinem Vater ursprünglich zum Babbiner bestimmt, trat aber in dessen kleines Effektengeschäft, wobei er in seinen freien Stunden seiner Liebhaberei folgte und zeichnete nnd malte. Da er ausserordentlich gut nnd sicher porträtierte, gab der Vater schliesslich seine Einwilligung, daes sein Sohn die Künstlerlaufbahn betrete nnd in Amsterdam sieb weiter ausbilde. Israels, der im Jndenviertel bei orthodoxen Jaden wohnte, dachte noch gar nicht daran, seine charakteristische Umgebung der künstlerischen Betrachtung wert’ zu finden, sein erstes Gemälde in Amsterdam stellte einen — kalabresischenBänber vor! Hierauf versuchte er sich mit wenig Erfolg auf historischem Gebiet, wandte sich aber später völlig der Genremalerei zn. Er wählte besonders das Fischerleben und das Leben der niedern Bevölkerung seiner Heimat .zum Gegenstände, bevorzugte aber auch jüdische Stoffe. Eines seiner gewaltigsten Bilder, vielleicht das genialste von allen, ist „Bin Sohn des alten Volkes“, einen armen, vor seiner Tür sitzenden Trödeljnden vorstellend, ans dem das ganze Leid, welches das Volk Israel im Laufe der Jahrhunderte erfahren, in beredten Worten zu uns spricht. Berühmt ist auch sein „Spanischer Jade, an einer Thorarolle schreibend“. * Zuni Emigrationskongress. Wir erhielten nachstehende Zuschrift: An die geehrte Bedaktion „Jüdische Zeitung“, Wien. Wir lesen in der vorwöckentlichen Nummer Ihres geschätzten Blattes eine Mitteilung über die Verschiebung des in Wien geplanten „All g. Jüd. Emigrations-Kongresses, die Dichtung mit Wahrheit vermengt. Da wir in diesem Belange eine Orientierung der Oeffentlichkeit für notwendig erachten, bitten wir zur Klärung des wahren Sachverhaltes um Aufnahme folgender Richtigstellung: Sammlung für die Hinterbliebenen der Drohobyczer TU. Ausweis: Sbg. 138 Dr. Kleinzeller, Triest 7.—, Sbg. 115 Dr. Weiner, Wien 40.—, Sbg. 36 Dr. Max Bernhard 33.—, Sbg. 680 Wolfmann 3.— , Sbg. 254 Dr. Scbechner, Znaim 24.55, Sbg. 173 Dr. Lanzer 189.—, Sbg. 702 Barber 5.—, Sbg. 739 F. Pick 31.—, Sbg. 744 F. Pick 35.50, Sbg; 745' F. Pick 41.—, Sbg. 779 Pilsner . Hilfskomitee 15.—, Sbg. 145 Ber Kochba, Wien 10 —, Sbg. 400 Altar 30—, Sbg. 17* Fritz Löw, Prossnitz 96.32, Sbg. 40Leo Ballek, Prossnitz- 30,—, Sbg. 478 Silvio Stössl, Klagenfurt 5. , Sbg. 538 Goliath Traiitenau T2.—, Sbg. 535—536, Naschtehradetz, Trautenau 6.—, Sbg. 584 Gamalah; Göding, 21.40, Sbg. 639, 640 -638 Tikwah Suczawa 130.10, Sbg. 199 R. Nassau, Friedek 67.—, Sbg. 83* Gewitsch, Wien 15—, Sbg. 735 F. Pick, Berlin 25.30, Sbg. 777 Ing. Oskar Löwy, Wien 84.20, Sbg. 295 Berthauer, Prossnitz 18.20, Sbg. 291 Berthauer, Prossnitz 2.—, Sbg. 117 Achiwah I. 8.—, Sbg. 312 Acbiwah VIIL 10.40, Sbg. 310 Achiwah VL 21.30, Sbg. 313 Achiwah JK. 9.70, Moriz Löwy, Prag 20—. ~ TU. Ausweis: K 997.97 In Nr.'31 ausgewiesen: K 15.345.68 Summe K 16.341.65 *’ An alle Gesinnungsgenossen, in deren Besitz sich noch Sammelbogen befinden, richten wir die Bitte, ihre Sammlungen ehebaldigst zu beenden und deren Ergebnisse im Wege der Postsparkassa an die „Jüd. Zeitung“ (Konto 104.067) oder direkt an die Administration, IX., Liechtensteinstraße 11, zu überweisen. Für den Jüd. Nationalverein O. Kramer, Kassier. Dr. J. Ehrlich, Obmann. Personalnachrichten. Dr. Michael Ringel hat seine Advokaturskanzlei in Lemberg, Walowagasse 11 eröffnet Bücherschau. Protokoll des ersten Zienistenkongresses. Das von der jädiscbnationaleu akad. technl Verbindung „Baris sia‘ in Prag neu aufgelegte Protokoll’ des I. Zionistenkongresses liegt alsJubiläumsausgäbe zum X. Kongress vor uns. Wie bekannt, ist das Originalprotokoll seit vielen Jahren vollständig vergriffen. Der Abdruck ist mit Genehmigung des A C. vollkommen wortgetreu hergestellt und hat die. redigierende Verbindung in allen Referaten diejenigen Stellen, die am modernsten anmuten und in ihrer Aktualität heute geschrieben sein könnten, 'durch den Druck herausgehoben. Die Ausgabe leiten drei Vorworte ein, von denen das des Präsidenten unserer Organisation und des Dr. Nordaus hervorzuheben ist, welch letzteres den meisten aus einer der letzten Nummern der „Wqlt“ bekannt ist. Die Ausgabe ist einfach und elegant ausgestattet und als durchaus historisches Dokument älleu denen zu empfehlen, die an der Entwicklung des zionistischen Gedankens Interesse haben. Liste der Überläufer. i Vom 8. bis 14. August 1911. Deutsch Ernestine, 1877, Neutra, Ung., ledig, XL, Kopalgasse 47; Spitzer Mathilde, 1889, Wien, ledig, Handarbeiterin, XX., Traunfelsgasse 5; Eisenstädter Leopold, 1877, Wien, getrennt. Ingenier, VI. Mariahilfergürtel 14; Viertel Auguste, :869, Krakau, •: ledig, Schirmerzeugerin, XVIL, . Ortliebgasse 28; Egeltnann Otto, 1884, Wien, ledig, VL, Mollardgasse 17; Fabri Alice, 1887, Wien, ledig, Schauspielerin, IX., Günthergasse 2; Wecker Helene Ernestine, 1891, Lemberg, ledig, Private, XIII., Salzberggasse 10; Justiz Frieda, 1890, Stob (Kom. Oedenburg) ledig, XVII., Rokitanskygasse 39; Winter Max, 1892, Wien, römisch-katholisch,-laut Zuschrift des Pfarramtes in Egbell, Ung. Laut Zuschrift der k. k. Bezirkshauptmannschaft in Cbrzanöw (Galizien): Gottlieb Rosalie, 1895, Wien; Rosenfeld Rosalie, 1796, Wien; Frey Rebeka, 1896. Wien; Schneider Fryderyk, 1896, Wien; Appel Zygfrid, 1896, Wien, Barch Izydor, 1896, Wien * Die in der vorigen Nummer als Überläufer veröffentlichten Meier Strul Hersch, 1891, Jassy, ledig, Lehrer, II., Odeongasse 6, Veczler Feija, 1889, Botosani (Rumänien), ledig, Lehrerin, II., Odeongasse 6, haben ihren Rücktritt wieder angemeldet. Vereinsnachrichten. : Eger. (Ahavas Zion). Eines schöne Herzlfeier veranstaltete unser Verein am Donnerstag in Franzensbad. Herr Ludan Brunner aüs Wien und Herr Dr. Nossinsohn aus Jaffa übernahmen gütigst die Festreden. Beiden Herren kam man mit großen Erwartungen entgegen und beide verstanden es, vom ersten Augenblick an die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu fesseln. Herr L. Brunner, der nur aus seiner reichen Erfahrung zu schöpfen braucht, um reichen Genuß zu bieten, sprach, von Herzls Schöpfung ausgehend in etwa ein einhalb ständiger Rede über den Wert einer, zielbewußten jüdischen Politik und setzt in seiner mitunter von feinem Humor gewürzten Darlegung die günstige Wirkung einer einigen jüd. - nat. Arbeit auseinander. Mit einem herzlichen Apell an die Damen schloß Herr Dr. Brunner unter reichem Beifall und allseitiger Zustimmung des Publikums. Hierauf schilderte Herr Dr. Mossinsohn, Professor am :hebr. Gymnasium in Jaffa in stimmungsvollen Worten Herzls Leben, Wirken und seinen vielbetrauerten frühen Tod. Es war "bewundernswert, wie Herr Dr. Mossinsohn, dem, wie er selbst entschuldigend meinte, das Deutsche eine fremde Sprache sei, Bilder von herrlichen Zartheit und Plastik anwandte, um seine geistreichen Gedanken zu erläutern. Nur wem die Sprache der Bibel Muttersprache ist, kann in so goldenen, weichen, eindrucksvollen Worten sprechen, so schöne, treffende Bilder malen. Mit reichem Beifall dankten die Zuhörer. Frau Caplan in Franzensbad hat sich um die Veranstaltung wie um die Aequisition des’ Herrn Dr. Mossinsohn unseren Dank vedient. Mit Freude dürfen wir berichten, daß Herr L. Brunner die große Güte hatte, auch in Eger im großen Saale des Hotel Kronprinz im Samstagabend vor einem vornehmen Publikum zu sprechen. Er wählte das Thema „Jüdisch Frage“ und .wußte in allen Zuhörern durch die zwanglose Art seines Vortrages der eben dadurch überzeugend wirkte, Die Böhmisehe Industrial-Bank-Filiale in Wien, I., Wipplingerstr. 2 Telephonnnmmera 23067, 23068, 230g9,18347,21813 — Aktienkapital K 30,000 OOP.- verzinst Einlagen auf ^Jll 0 - Einlagsbücher mit - 0 -- emittiert eigene Bank- — - Schuld - Verschreibungen. - 0 0^e J