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Jüdische Zeitung · 1911-08-18 · 33 (18.8.1911) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
33 (18.8.1911)
Date
1911-08-18
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr: 33 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 wollte er wieder populär werden. Gleichzeitig will er auch die hiesige Bevölkerung in der Furcht vor falschen Anzeigen, bestochenen Zeugen und der heute in der ganzen Welt berüchtigten Drohobyczer Polizei erhalten. Auch meint Feuerstein auf diese Weise denZionistenzu schaden. Aber die Bevölkerung weiß, wo die Wahrheit zu suchen ist. Sie ist der Feuerstein’schen Streiche satt. Feuerstein spielt mit dem Feuer! Endlich sei noch erwähnt: Motche Sternbach, Vizepräses der Kultusgemeinde, welcher sich zur Zeit des „Attentates“ in der Gesellschaft Feuersteins befand, hat bereits zugegeben, daß er von einemAttentatabsolut nichts bemerkt habe, daß er den ganzen Vorfall als ein Produkt der krankhaftesten Furcht undEinbildungFeuersteins betracht ej! Will Motche Sternbach vielleicht seinen Brotgebdr Feuerstein vor der bevorstehenden Geiichtsverhandlung, wegen der blutigen Vorfälle vom 19. Juni, zum Narren stempeln, um ihm zu einem Freispruche zu verhelfen? Will er den Trick benützen, den heutzutage gemeine Verbrecher so häuüg ausführen? Galizischer Brief. S k o 1 e. ln den Wahltagen hatte unser Kreis Drohobycz-Skole-Boledhin-Torka einl »threcklieh es Bild geboten. In Drohobycz wurde, wie bekannt, aut Veranlassung der Machthaber und Matadoren Blut vergossen, in anderen wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den freien Willen der Wähler zu unterdrücken. Der Edle von L öwenstein ist zum Abgeordneten ernannt — pardon — gewählt worden. Er konnte aber keine Ruhe finden. Die Rachegeister verfolgten .ihn und er mußte sein mit unschuldigem Menschenblute beflecktes Reichsratsmandat niederlegen. Schon glaubten wir, daß jetzt endlich geordnete Zustände herrschen werden, daß man bei den lauszuschreibenden Wahlen einem jeden Bürger seinen freien Willen lassen wird, aber die Vorfälle in Skole beweisen, daß der galizische Statthalter von seinem: Standpunkte nicht abgehen Will, nämlich Löw enstein nochmals -durchzusetzen, koste es was immer. Der Ausschuß des Vereines „Dorschei Zion“ in Skole hat in einer Sitzung beschloßen, ein eigenes Haus zu bauen. Damit der Verein das zum Bau erforderliche Geld aufbringt, ließ er eine Anzahl von Sammelblocks drucken und verteilte sie unter seine Mitglieder, welche Spenden ä 10 Heller fc ntgegenehmen. Dies aber mißfiel einigen jüdisch-polniscfhen Assimilanten, welche sofort zur Denunziation übergingen. Auf ihre Veranlassung ordnete der hiesige Bezirkshauptmann eine Hausrevision im Vereine Dorsch ei - Zion, wie auch in der hiesigen Vorschüßbank an. Die Revision im Vereine war erfolglos, in der Bank dagegen konfiszierte der Beamte 5 ganic unbenützte Sammelblocks welche aut dem Schreibtisch des Bankdirektors Gg. Markus Klüger lagen. Gegen diese gesetzwidrige — ohne richterlichen Befehl — vorgenommene Hausdurchsuchung erstattete Genannter die Anzeige beim Strafgerichte. Jetzt beginnt die Angelegenheit konkrete Formen anzunehmen. Nach der erfolgten Hausrevision Wurden die Herren Markus Klüger und der Vizeobmann des Zion .Vereines Nathan Wolf Lehrer in die Bezirkshauptmannschaft zitiert und der Erste wurde mit 200 K bestraft, weil man bei ihm! 5 Blocks gefunden hat über den Yizeobraann wurde dieselbe Strafe verhängt, weil er die Blocks drucken ließ. Außerdem wurde Herr Nathan Wolf Lehrer aufgetordert binnen! 3 Tagen die gedruckten Blocks der Bezirkshauotmannschaft abzuliefern, unter Androhung einer weiteren Strafe von 200 Kronen Dem Eigentümer der Druckerei hat man erklärt, daß er ohne Erlaubnis der Be¬ Zi/ kshauptmannschaft für Zionisten nichts drucken dart. 'Das alles geschieht in einem konstitutionellen Staate, ohne Rücksicht aut Gesetze und Verordnungen ohne Einvernahme von Zeugen und auf Grund eines Gubernialerlasses vom Jahre 1833. Herr Nathan Wolf konnte der Aufforderung der Bezirkshauptmannschaft keine Folge leisten, weil die Blocks dem Biblothekar des Vereines Moses Richter, welcher zur Zeit abwesend ist, abgeliefert Wurden. Herrn Lehrer halt weder sein Einwand, daß er eine Sache, die er nicht mehr besitzt, auch nicht abliefern kann, noch seine Beschwerde und sein Rekurs an die Statthalterei, nach. 3 Tagen wurde er wieder zur Bezirkshauptmannschaft geladen und mit e iner neuen Strafe von 200 Kronen und dem wiederholten Auftrag unter Androhung von weiteren 200 Kronen Strafe die Blocks abzulietern, gnädigst entlassen. Es wurde ihm ererklärt, daß er jeden 3. Tag eine Strafe von 200 Kronen zu gewärtigen habe, insolange die Blocks nicht abgeliefert sind. Aber noch andere Heldentaten sind zu verzeichnen. Die Clique schickt arme Wähler mit Bittgesuchen aller Art zur Bezirkshauptmannschaft. Dort aber erklärt der k. k. Bezirkshauptman dem Petenten nach1 Einsichtnahme in ein Notizbüchlein, „gehenSie zum Kultuspräsidenten Klüger oder zu Dr. Tau, so11en die für Sie sorgen. Sie sind doch ein Zionist.“ Der Führer der hiesigen zionistischen Organisation Kultuspräsident Benjamin Klüger ist seit langem der herrschenden Clique ein Dorn im Auge und siet will ihn um jeden Preis aus dem Sattel heben. Um dies zu erreichen, glaubt die Bezirkshauptmannschaft die Auflösung der Gemeinderepräsentanz und die Ernennung eines „regierungstreuen“ Kommissärs aut Wunsch der Bürger (!) Dr. Th. Der Rassenkongreß in London. (Rede des Dr. J. Zollschans.) Wenn ich vor einem Forum, wie es dieser Kongress ist, die Judenfragj bespreche, so brauche ich nicht erst vorauszuschicken, dass nach den antropologischen nnd soziologischen Forschungen gerade der letzten Zeit, die sogenannte wissenschaftliche Begründung des Antisemitismus, dass die Juden eine inferiore Rasse darstellen, heute eine abgetane Sache ist. Wenn ich über die jüdische Rassenfrage hier noch spreche, so geschieht es, weil ich aus kulturpolitischen Motiven tiefer in dieses interessante Problem hineinleuchten will. Ich betonte in meiner vorgestrigen Rede, dass die bisherigen Redner wohl darin Recht hatten, dass es grundsätzliche Verschiedenheiten zwischen den einzelnen Rassen nicht gibt, dass die Begahungsqualität derselben im Laufe der Jahrhunderte nach den verschiedensten entgegengesetzten Richtungen sich ändern kann, dass sie nur einen Ausdruck der Einwirkungen de3 Milieus und der jeweiligen Entwicklungsstufe darstellt, dass man daher höchstens von einer spezifischen Klassen- oder Stufenpsychologie, aber niemals von einer spezifischen Rassenpsychologie reden kann. Dass aber die Quote der Begabun’g nur abhängig ist von der Rasse selbst, abhängig ist von ihrem Alter und der Impensität ihrer bisherigen Kulturtätigkeit. Ich betonte weiter, dass wir das Bestreben haben müssen, gerade damit wir das kosmopolitische Ziel erreichen, unsere Kultur auf eine möglichst hohe Stufe der Entwicklung zu bringen, hoch gezüchtete Rassen, deren Begabungsquote eine überragende ist, rein zu erhalten, die Assimilation ihres Blutes, das heisst ihre Auflösung zu verhindern. Es steht heute fest, dass die jüdische Rasse, neben der chinesischen die älteste der Welt, mit ihrer seit ihrem Bestände ununterbrochenen Knltnrtätigkeit, mit ihrer ganz beispiellosem auf die geistige und seelische Auslese gestellten Zuchtwahl, wenn sie begabnngsqualitativ ihre Anlagen noch nach anderen Richtungen hin entfalten könnte, als ihr das in ihrer gegenwärtigen Diaspora möglich ist, dass sie dann ganz ungeheure kulturelle Möglichkeiten in sich birgt. Es steht nun fest, dass diese Rasse im Sinne meiner Definition als Inzuchtsgruppe seit mehreren Jahrtausenden gegenwärtig von Vernichtung bedroht ist. In» Osten durch politischen Druck und ökonomische Not, im Westen, wo sie überall nur in kleinen Minderheiten zerstreut leben, durch den überraschend starken und von Jahr zn Jahr zu nehmenden Umfang der Taufen und Mischehen. Die letzte Ursache der ökonomischen Not im Osten liegt darin, dass die Juden, seit sie in der Zerstreuung leben, nur Händler aber nicht Ackerhauer sind. Es ist ein auch an Gruppen irgendwelcher anderer Völker sich stets wieder manifestierendes, soziologisch begründetes Gesetz dass Bevölkerungsklassen, die nur Lücken in der Wirtschaftsordnung anderer Völker ausfüllen, aus dieser Stellung depossediert werden, wenn dieses Volk selbst zu einem geschlossenen Wirtschaftsorganismus sich weiter entwickelt. Irgendwie heterogene Bevölkerungselemente werden stets depossediert, wenn sie nicht mehr der Urproduktion, der Bodenbewirtschaftung angehören. Die letzte Ursache aber für die Auflösung des Blutes liegt darin, dass kleineMinderheitenbeigleicher Kulturstufe stets sich verlieren, wo die Mischehe nicht durch den äusseren Zwang des staatlichen Gesetzes oder durch den inneren Zwang des Religionsgesetzes verhindert wird. Beide Faktoren bestehen heute im Westen nicht mehr. Deshalb die innere Notwendigkeit des tatsächlichen Resultates. Die bei der Besprechung der jüdischen Rassenfragen sich ergehenden Probleme lassen sich daher in drei Hauptpunkte zusammenfassen : 1. Die wissenschaftliche Untersuchung, der den Antisemitismus stützenden Rassentheorien. 2. Die notwendige Behebung der ökonomischen Not im Osten und die damit zusammenhängende Regelung der Auswanderer frage. 3. Die in nationalem, vor allem aber im kosmopolitischen Sinne noch viel wichtigere Menschheitsfordernng, die Rasse wegen der vielen Möglichkeiten, die in Folge ihrer reichen Begabung in ihr schlummern, zu erhalten. Die definitive Beseitigung der Not, und gleichzeitig die Möglichkeit einer Regeneration läge in der Rückführung zur Landwirtschaft. Die hei freien Gesetzen einzige Möglichkeit, ihre automatische Erhaltung als Stamm, würde darin liegen, sie als kleine isolierte Minderheiten zn einer grossen geschlossenen Masse zn konsolidieren. Beide Notwendigkeiten nun führen auf das zionistische Programm, das nicht eine Sache der staatlichen, sondern im Wesen eine Sache der Kulturpolitik repräsentiert. Sie führen uns auf das zionistische Programm, weil uns nur in einem einzigen Lande die Durchführung einer schweren Aufgabe möglich erscheint. Denn Kaufleute, ein Jahrtausende dem Pfluge entwöhntes Volk, wieder zu Bauern zu machen, ist nur dort möglich, wo so starke idielle Faktoren mitwirken, wie es die historischen Beziehungen der alten Heimat sind, dass es aber dort möglich ist, ist heute auch schon durch die Tatsachen bestätigt. Die wissenschaftliche Forderung, die sich aus dem Studium des jüd. Rassenproblems ergibt, lautet: Territoriale Konsolidierung unter Rückführung zur Urproduktion unter freien kulturellen Entfaltungsmöglichkeiten, unter der den auswärtigen Schutz, die Stabilität und eine kräftige ökonomische Entwicklung sichernden Souveränität eines Grosstaates, z. B. der Türkei. Im Mai a. c. wurde im ottomanischen Parlament der Antrag gestellt, eine Kommission einzusetzen, die die Regierung über das Wesen dieser Bewegung aufzuklären habe. Es wäre eine der schönsten Aufgaben des Rassenkongresses, seinen moralischen Einfluss auf das Zustandekommen einer derartigen Aktion zn verwenden. Die Erreichung eines solchen Zieles würde nicht nur die Rückführung einer uralten Rasse ns dem 2 Jahrtausende alten Exil bedeuten Zivnostenskä bsnk3 Filisl© Wi©n l- Herrengasse 12. EINLAGEN auf Büchels EINLAGEN im Konto nach Vereinbarung. -Zentrale in Prag, gegr. 1868. 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