Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 32 (11.8.1911)
- Date
- 1911-08-11
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr: 32 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5> •Verfolgten jherausspielen, welche bei jeder Gelegenheit d as Mitleid Europas für sich in Anspruch nehmen. Die nämlichen Polen, welche in Galizien einzig und allein der Unaufgeklärtheit der jüdischen Massen und der Verderbtheit ihrer Führer die Vorherrschaft zu verdanken haben. * * Gleichberechtigung der spanischen Juden. Wie erinnerlich überreichten gelegentlich der Reise des Königs 'Alfons von Spanien nach Melilah' ini Januar die Juden dem Premier-Minister Senor Canalejas eine Petition, in der sie gegen die Ausschließung der Juden von der städtischen Verwaltung protestierten. Der Premierminister versprach Abhilfe zu schaffen und er hat sein Wort gehalten. Ein königlicher Erlaß (ist soeben veröffentlicht worden, wie pus Madrider Blättern ersichtlich, der die Gleiche berechtigung der Juden in Melilah anerkennt, sodaß diese, sobald sie naturalisierte Spanier sind, an der Verwaltung der Stadt beteiligt werden können. Die gesamte spanische Presse heißt diesen Schritt des Königs willkommen. Ist das Erreichte .auch in diesem Einzelfalle nicht von allzugroßer Bedeutung, da auf dieser ungesunden Insel der Strafgefangenen jedweder, der sich1 hier bereit findet, planvolle Kolonisationsarbeiten zu verrichten, hochwillkommen ist, und man ihm gern alles bewilligt, was er nur wünscht, so ist doch die Tatsache, daß die Juden in Spanien mit dem heutigen Tage nach 419 Jahren wieder die Gleichberechtigung erlangt haben, von weltgeschichtlicher Bedeutung. * Eine neue jüdische Ackerbaukolonie in der europäischen Türkei. Odessa. Als vor zwei Jahren die Umgestaltung des ottomanischen Reichs in einen Verffassungsstaat Sich vollzog, entstand unter den Juden Bessarabiens eine Bewegung, die dahin .abzielte, nach der benachbarten Türkei auszuwandern und dort jüdische landwirtschaftliche Kolonien zu begründen. In den Städten Nowosselitzi und BryCzany schlossen sich zu diesem Zwecke etwa 100 jüdische Familien zusammen, die einen Vertreter nach Konstantinopel entsandten, um für < die Gruppe ein geeignetes Grundstück ausfindig ■ZU machen. Der Abgesandte fand in der Nähe Konstantinopels ein Grundstück von 100 Acre, das er denn auch für Rechnung der betreffenden Familien erwarb. Die Ica hat sich, einer Melj düng des „Rasswjet“ zufolge an dem Kaufe friit Hälfte des Kaufbetrages beteiligt. Die neuen Kolonisten beabsichtigen bereits im Herbst d. J. auszuwandern und ihren Besitz in Bewirtschaftung zu nehmen. * Jüdisches vom allslavischen Journalistenkongreß Der „NJK.“ wird aus Belgrad berichtet: In '.Belgrad wurde vor einigen Tagen der zehnte allslavische Journalistenkongreß abgehalten, an dem Vertreter der russischen, polnischen, ruthenischen, tschechischen, slovenischen, slovakischen, serbischen und bulgarischen Presse teilnahmen. Die russische Presse war durch eine Anzahl von Reaktionären vertreten, die dem Kongreß im Aufträge des Petersburger Ministeriums des Aeußern beiwohnten. Bei einem Bankett der Stadt Belgrad povozierten diese „Journalisten“ arge Skandale, die von der serbischen Presse scharf verurteilt wurden. Unter dem Eindruck dieser Vorfälle wird auch eine geplante serbische Gesellschaftsreise nach Südrußland unterbleiben. Das angesehene Belgrader Blatt „Pravda“ motiviert das Unterbleiben der Reise damit, daß es den Russen einfallen könnte, unter den Serben wegen der jüngsten Differenzen einen „Pogrom“ zu arrangieren, wie dies gerade in Südrußland üblich sei, wo man die Juden in rohester Weise morde. Diese Motivierung ist um so bemerkenswerter, als bisher noch kein einziges serbisches Blatt seine Stimme zugunsten der Juden ernoben hat. Dasselbe Blatt erzählt noch folgende Episode, die wir der Originalität wegen in getreuer Uebersetzung wiedergeben wollen: „Es war beim Ausflug der Journalisten auf dem Schiffe Sumadija. Ein kleiner Junge von etwa 12 Jahren verkauft Feuerraketen und singt dabei alle möglichen!slavischen Lieder, wie „Boze carja chranin“, „Ah, Moskwa, Moskwa . . .“, „Kde domov muj“ und andere. Die Journalisten sind frappiert von der Stimme des Knaben und von den vielen slavischen Liedern, die er singt. Der Russe Stschawinski küßt und kost den Jungen vor Begeisterung, indem er zu ihm spricht: „Ach, du mein Täubchen, du liebe slavische Seele!“ Der Slovene Gabrschek beantragt, daß der Junge zur Ausbildung nach Rußland geschickt werde. Der Antrag wird angenommen. Jeder verspricht, etwas beizutragen. Die Hälfte aller Kosten will natürlich Stschawinski tragen. Er küßt noch immer den überglücklichen Knaben. „Wie heißt du, mein Täubchen?“ fragt endlich der begeisterte Stschawinski. „Isaak Farchy“, antwortet der Knabe. Da beginnt der Russe auszuspucken, aus Ekel darüber, daß er diesen Juden geküßt hatte.“ * Mr. Jacob Schiff und der Emigrationskongreß Petersburg: In hiesigen gutunterrichteten Kreisen führt man die Verschiebung des Wiener Emigrationskongresses auf den Einspruch Mr. Jacob Schiffs zurück, der erklärte, die Abhaltung eines Emigrationskongresses im gegenwärtigen Zeitpunkte würde eine schwere Gefahr für die amerikanisch-jüdische Emigration bedeuten. Die vor kurzem in Petersburg abgehaltene Emigrationskonferenz hatte eine Abordnung an die großen jüdischen Organisationen in Westeuropa entsandt, um sie für den Plan des Emigrationskongresses günstig zu stimmen und zur Beschickung der Wiener Versammlung zu veranlassen. Diese Abordnung besuchte auch Mr. Schiff in Frankfurt a. M. Herr Schiff erklärte den Herren jedoch, daß nach seiner Kenntnis der Sachlage ein internationaler Emigrationskongreß wie der jetzt geplante die Verschärfung der Einwanderungsbestimmungen in den' Vereinigten Staaten zur Folge hätte, also gerade das Gegenteil von dem erreichen würde, was seine Veranstalter beabsichtigten. Diese Erklärung ides Herrn Schiff hat auf das Wiener Organisationskomitee einen solchen Eindruck gemacht, daß es die Verschiebung des Kongresses beschloß. Es wird auch versichert, daß die Idee des Emigrationskongresses überhaupt fallen gelassen worden sei, und daß anstelle des Kongresses im nächsten Jahre eine geschlossene Konferenz in kleinerem Maßstabe abgehalten werden soll, an der sich dann auch die Ica und der Hilfstverein der Deutschen Juden beteiligen dürften. * Die Juden als Seeleute. Aus Anlaß des 25 jährigen Jubiläums des Generaldirektors Balhn-Hamburg weist Prof. Dr. Gotthard Deutsdh im „American lsraelite“ darauf hin, daß der Anteil der Juden an der Entwicklung des Schiftahrtswesens im1 allgemeinen von jeher ein bedeutender gewesen ’ ist. Schon im 4. Jahrhundert erwähnt Bisenot Synecius in seinen Briefen einen jüdischen Schiftsmann, der am Sabbat nicht arbeiten wolle und zollt in diesem Zusammenhänge den jüdischen Soldaten volles Lob. Der Poet Claudianus, der im 5. Jahrhundert lebte, spricht wiederholt von jüdischen Scniffern, die bis -nach Indien segeln und Bischof Gregor von Tours im 4. Jahrhundert berichtet von jüdiscnen Schiffleuten, die zwischen Nizza und Marseille den Schiffsverkehr aufrecht erhalten. Jakob I. von Arragon verlieh einem Juden im 13. Jahrhundert ein Privileg für eine PassagiersChiffahrt in Barcelona. Gasper de las Indias begleitete Vasco di Gama aut zweien seiner Expeditionen. Jakob ibn Habil, der Verfasser eines hagadischen Sammelwerkes in Konstantmopei zu Beginn des 16. Jahrhunderts, dankt in der Einleitung Werke seinem Förderer Chajim ibn Saruk „dem großen Fürsten in Israel, einem jener Männer, die aut den Schiften aut hoher See fanren“. John Chamberlein nennt in seinen Briefen an Sir Dudley Carieton einen marokkanischen Juden, der im Jahre 1614 eine Expedition zur See befehligte und ein spanisches Schiff, das sicn aut dem Wege nach London befand, gefangen nahm. * Eine Vergnügunsreise nach Palästina. Saloniki. Der Klub „Einheit und Fortschritt“ in Saloniki veranstaltet am 6. August im Einvernehmen mit der Zentralleitung eine Vergnügungsreise nach Syrien, Palästina und Aegypten. An dieser Reise beteiligen sich 350 Personen, darunter viele Juden. Durch die Veranstaltung wird vielen Jungtürken auch Gelegenheit gegeben, die Verhältnisse der jüdischen Kolonien kennen zu lernen und sich von den großen Vorteilen zu überzeugen, die das ottomanische Reich von einer jüdischen Ansiedlung in Palästina zu erwarten hat. •* Anerkennung des Hebräischen als lebende^ Sprache. Die französische medizinische Fakultät in Beyrut fordert von jedem- Hörer bei der Aufnahme eine besondere Prüfung in einer lebenden Sprache. Bei den letzten Aufnahmsprütungen meldete sich ein Hörer namens Juda Barzel, der als die lebende Sprache, in welcher er geprüft zu werden wünschte, die hebräische angab. Das Rektorat sprach sich für die Anerkennung des Hebräischen als lebende Sprache aus und ließ das Examen in derselben zu. * Das Programm der Kommission für hebräische Sprache in Jerusalem. Aus Jerusalem wird berichtet: Der hiesige Waad HalasChon Haibrith, dem unter andern Ben-Jehuda, D. Yellin, Dr. Torczyner, Dr. Masie angehören, veröffentlicht jetzt die Grundsätze für seine Tätigkeit, die in fünf Sitzungen in langen Diskussionen durchberaten wurden und die alle Freunde des Hebräischen interessieren dürften. Die Grundsätze lauten: Aufgabe des Waad Hai a sc hon. Die Aufgaben des Waad sind folgende: 1. die hebräische Sprache dazu geeignet zu machen, daß sie als gesprochene Sprache in allen Lebensverhältnissen, zu Hause, in der Schule, im öffentlichen Leben, in Handel und Wandel, in Handwerk und Industrie, in Kunst und 'Wissenschaft gebraucht werden kann; 2. apf den orientalischen Charakter der Sprache, ihre Aussprache, ihre Buchstaben im Wortbau und ihren Stil zu achten und zugleich ihr die nötige Biegsam!» keit zu verleihen, damit sie die Gedanken unserer Zeit voll und ganz ausdrücken kann. Arbeit de9 Waad Halaschon. Damit der Waad seine Aufgabe erfülle, befaßt er sich mit folgenden Arbeiten: 1. Er publiziert jene Wörter, die sich bereits imhebräischen Wortschatz befinden, dem größeren Publikum jedoch nicht bekannt sind; 2. er sucht die fehlenden Wörter durch Schaffung neuer Wörter zu ergänzen; 3. er ist bestrebt, die orientalische Aussprache, die einen größeren lautlichen Unterschied der eia* zelnen Buchstaben aufweist, zur Geltung? zu bringen; 4. er setzt .die Orthographie und Syntax fest und macht auf die sich in die gesprochene Sprache und den Stil einschleichenden Fehler und Irrtümer aufmerksam. Sprachliche Quellen. 1. Der Waad durchforscht alle Gebiete der hebräischen Literatur und greift heraus: a) alle rein hebräischen Wörter, die im Laufe der verschiedenen Epochen gebildet worden sind. In Fällen, in denen der Sinn eines Wortes zweifelhaft ist, sucht der Waad auf wissenschaftlicher Grundlage den Sinn klarzulegen. Wo eine endgültige Klärung nicht Die Böhmische Industrial-Bank-Filiale iß Wien, 1., Wipplingerstr. 2 Telephommmmera 23067, 23068,1M69,18347.21813 — Aktienkapital K 30,000 OOP,— verzinst Einlagen auf - Einlagsbücher mit - 41 0 -- emittiert eigene Bank— 0 - Schuld - Verschreibungen. - 41 0 0ige