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Jüdische Zeitung · 1911-08-04 · 31 (4.8.1911) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
31 (4.8.1911)
Date
1911-08-04
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr: 30 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 Auswanderung persischer Juden nach Palästina, j Aus London wird berichtet: Einer telegra- | phischen Meldung fcüfolge treffen dieser Tage ungefähr 100 obdachlose Juden aus Schiras (Persien) in Buschir ein. Infolge der Judenverfolgungen in Persien haben sie sich entschlossen, nach Palästina auszuwandern. Sie benötigen zirka 4000 Mark, um ihre Fahrt fortsetzen zu können. Die Juden in Buschir appellieren daher an die jüdische Oeffentlichkeit, Spenden für diesen Zweck 1 per Adresse E. D. Sasson & Co. in Buschir 'zu senden. #■ Die Zahl der Juden. Nach einer soeben veröffentlichten Statir stik betrug die Zahl" aller lebenden Juden am' 1. Januar 12 Millionen. Davon entfallen auf Europa 9,125.000, auf Asien 375.000, Afrika 355.000, Amerika 2,125.000, Australien 20.000. Auf die einzelnen Länder verteilen sie sich folgendermaßen: Oesterreich 1,125.000, Ungarn 850.000, Bulgarien 36.000, Frankreich 95.000, Deutschland 608.000, Holland 106.000, Italien 50.000, Rumänien 250.000, Rußland 5,125.000, Europäische Türkei etwa 300.000, die Britischen Inseln 238.000. In Asien hat Palästina 100.000, Kleinasien und Syrien 56.000, Persien 63.000, Arabien 20.000, Indien 18.000, Turkestan und Afghanistan 18.000. In Amerika endlich haben die Vereinigten Staaten 2,000.000, Canada 60.000, Argentinien 45.000 jüdische Einwohner. In Afrika hat Marokko 150.000, Tunis 60.000," Algier 63.000, Abessinien 6500, Südafrika 50.000. * Die Juden und der Brand in Konstantinopel. Berlin. Nach den dem Hilfsverein der deutschen Juden zugegangenen Nachrichten sind bei dem Brande m dem Konstantinopler Stadtteil. Balat 2000 meist jüdische Häuser niedergebrannt, darunter mehrere Synagogen und Schulen Das Elend der nach vielen Tausenden zählenden obdachlosen jüdischen Bevölkerung ist außerordentlich groß. Zu einer Beratung über die Mittel und Wege, (Wie der schweren Not wirksam labgeholfen werden kann, treten am Mittwoch, den 26. Juli, unter dem Vorsitz des Großrabbiners sämtliche jüdischen Vereine Konstantinopels zusammen. Infolge eines dringenden Appells aus Konstantinopel "hat der Hilfsverein der deutschen Juden angesichts des großen Unglücks eine öffentliche Sammlung eingeleitet, um gemeinsam mit den übrigen jüdischen Institutionen eine rasche und zweckmäßige Hilfsaktion zu ermöglichen. * Verbot der Zusendung an Soldaten in Sibirien. Aus dem Leben der aus Dorpat gebürtigen, im 14. Sibirischen Schützenregiment dienenden estnischen Soldaten berichtet der „Post.“' folgendes: Um in der Ferne den Zusammenhang mit der Heimat und den Ihrigen nicht zu verlieren, baten mehrere in Sibirien im Militärdienst stehende estnische Soldaten ihre niesigen Ange-, hörigen, sie mit Zeitungen aus der Heimat zu versorgen. Nunmehr teilen, einige der Soldaten mit, dab die Militärobyigkeit ihnen und den Juden das Lesen von Zeitungen (allen Zeitungen) verboten habe und bitten, ihnen in Zukunft keine Zeitungen mehr zugehen zu lassen. Auch von Soldaten anderer Truppenteile sollen ähnliche Klagen verlautbart worden sein. Gegenwartsarbeit. (Ein Vorschlag an den Kongreß.) - Der Kongreß steht vor der Türe und noch wissen wir nicht, was er bringen wird. Es ist eine alte Klage, daß die Delegierten unvorbereitet in die Verhandlungen eintreten, da ihnen bis auf die allzu knappen Schlagworte des Arbeitsplanes nichts über die Tagesordnung bekannt ist. Noch geheimnisvolleres Dunkel umgibt die Referate, so daß wir nicht abwägen können, welcher Mandatswerber uns für diese oder jene, von uns gewünschte Stellungnahme geeignete rsCheint. Freilich, soviel ist bekannt, daß der X. Kongreß der Gegenwartsarbeit gewidmet sein wird lind sich mit dem Ausbau unserer Palästinaunternehmungen einerseits, dem der Organisation andererseits beschäftigen wird. Dabei ist es sehr bedauerlich, daß kein eigenes Palästinareferat mit daran anschließender Spezialdebatte vorgesehen ist. Breiterer Raum als der Diskussion i hierüber, ist den Organisationssorgen in der ziomstischen Presse eingeräumt worden. I Die leitenden iFaktoren sind sich dessen bewußt, daß weder das Organisationsstatut, noch die Finanzlage und schon gar nicht die Art der Propaganda den heutigen Anforderungen entsprechen, daß sie sich mit dem Zionismus nicht fortentwickelt haben. Den ersten beiden Punkten sind spezielle Referate eingeräumt, ebenso auch der Propaganda in Frauenkreisen. Von der Notwendigkeit einer geeigneten Agitation ist wohl jeder überzeugt. Denn nur sie kann uns genügend Geldmittel zur Verfügung stellen und nur .sie kann immer und immer wieder neue Streiter, neue Arbeiter unseren Reihen zuführen. Und doch vermisse ich jegliche Diskussion über das Wie der Agitation. Daß propagandistisch gearbeitet wird, kann niemand bezweifeln. Denn schon die zahllosen Nebenerfolge des. Zionismus, wie: gehobenes Selbstgefühl der Juden, Kampf gegen die Abtallbewegung etc., etc., sprechen hiefür. Warum also sind wir trotz dieser enormen, bisher geleisteten Arbeit, trotz der nicht abzuleugnenden Seitenertolge, unserem Ziele, breite Massen mit uns tortzureißen und dauernd an uns zu ketten, - nicht näher gekommen? Es wurden Zahlreiche Angaben vorge-* bracht, die meiner Ansicht nach unstichhältig; sind, z. B. die, daß wir die Massen nicht geistig aut die Dauer tesseln könnten. Der Hauptfehler unserer bisherigen Arbeit war aber der, daß sie nicht stabil war. Und der Grund hiefür liegt in der Fluktuation der Arbeiter für Propaganda und Agitation. Die Elemente, die bisher beides besorgten, waren sich stets der Wichtigkeit Ihrer Arbeit bewußt, sie taten, was sie konnten. Doch sie taten dies nur im Nebenamt, sie konnten nicht ihre ganze Kraft widmen und außerdem kam es immer und fmmer wieder zu einem Wechsel in den Funktionen. Deshalb mangelte es stets an einem System, es wurde wahre Sisyphusarbeit geleistet^ die nie zu einem ersprießlichen Resultat führen kann. Das ist auch der Grund, warum die bisher Gewonnenen mit wenigen Ausnahmen der Organisation nicht erhalten wurden.. Denn die neuen Kräfte wandten sich fast stets an andere Kreise, statt die bisher bearbeiteten durch immer intensivere Aufklärung tester zu binden. Die Forderung nach geeigneter Agitationsarbeit muß daher in dem Willen zu deren Stabilisierung gipfeln und das ist nur durch Schaffung von Bureaux mit ständigen Kräften möglich. Wir sehen an dem kolossalen Aufschwung des Nationalfonds, was solche Bureaux leisten können. Es ist ferner der Wille da, eigene Schekelbureaux zu schaffen. Warum in aller Welt könnte das Alles nicht zu Propagandabureaux vereinigt werden? Die Landesorganisationen oder Föderationen können sich solche Bureaux nicht leisten. Ea sind außerdem noch weitere gewichtige Gründe vorhanden, warum diese Bureaux von der Zentrale aus geschaffen werden müssen. Die Grundlage aller Propagandasoll der Kongreßzionismus sein, aut dem dann für Teilanschauungen weiter gebaut werden kann. Ferner soll für Schecket, Nationaltond una andere Zwecke 'kontorm' gesammelt Werden, |damit es nicht Vorkommen kann, daß eine vom Kongreß bestimmte Aufgabe einfach darum nicht erledigt wird, weil sie der einen oder anderen Föderationsleitung nicht paßt. Auch ist ein Misradiischekei oder Poale Zion-Schekel ein Nonsens. Und endlich werden diese Bureaux nur dann voll und ganz ihref Aufgabe erfüllen können, wenn eine' h oehquai/tizierte Beamtenschaft herangezogen sein wird. Dies ist aber nur durch die Zentrale mögliCn, weil nur diese über genügend Geldmittel verfügen kann, um gute Kräfte entsprecnend zu honorieren und weil diesen die Garantie des Avancements gegeben sein muß. Ich spreche mich auch entschieden dafür aus, daß für alle finanziellen Zwecke, Schekel, NF. etc. und für Propaganda ein gemeinsames Bureau vorhanden sein muß. Denn nur durch diese Einheit ist eine systematische, die verschiedenen Möglichkeiten nicht hinderliche Arbeitseinteilung imöglich. Je besser diese Kräfte bezahlt werden, umso höher qualifiziert können sie sein, umso früher und besser werden sie sich selbst bezahlt machen, umso rascher wird' unsere Arbeit fortschreiten. Die Leitung dieser Bureaux kann, ebenso wie die der heutigen NFj$ammetsitetIen, welche sich schon jetzt vielfach mit 'Propaganda beschäftigen, örtlichen Kommissionen oder den Föderationsrespektive Landesleitungen anvertraut werden. Die Errichtung solcher Bureaux ergibt nicht allzuviei Schwierigkeiten in materieller Beziehung. Ein Teil der Budgetbedeckung ist bereits dadurch gegeben, daß die bestehenden NF.-Sammelstellen Zu derartigen Propagandastellen ausgebaut werden können, ferner könnten, wohl ohne Widersprudh seitens der Beteiligten, die bisherigen Schekelrückvergütungen an die Landeszentralen hiezu verwendet werden. Werden noch die 'zur Schäftung von Schekelbureaux odetf Finanzzentralen vorgesehenen Summen hinzugeschlagen, so scheint das Budget völlig gedeckt. Resume: Es ist unbedingt notwendig, daßdie Propagandaarbeit stabilisiert werde. Dies ist nur möglich durch Schaffung ständiger Bureaux mit gut bezahlten, hochqualifizierten Beamten. Zu diesem Zwecke ist es nur nötig, die bereits bestehenden NF.- Sammelstellen auszubauen, eventuell dort wo noch keine bestehen, neue zu» errichten. Die finanzielle Bedeckung findet sich in den Zuschüssen des NF., der anderen zion. Sammelzwecke (Provisionen) und des Zentralbureaus; für welches sie das Schekelinkasso ganz zu besorgen haben. Eventuell jener Organisationen, denen sie neue Mitglieder zuführen; und der Stärkung aller Organisationen werden sie ein Hauptaugenmerk zuzuwenden haben! Die Leitung dieser Bureaux, die vom A. C., respektive dem Zentralbureau autgestellt werden, obliegt den Landesleitungen, die hiezu eigene Kommissionen bestellen können. Die Zahl der Bureaux richtet sich nach den örtlichen Verhältnissen. Werden diese Bureaux errichtet, dann ist noch immer kein Grund vorhanden, die bisher tätigen freiwilligen Kräfte nicht auch weiter zu verwenden. Es werden sich im Gegenteil immer neue finden, da sie das Bewußtsein haben werden, dab ihre Arbeit, wenn sie von ihr lassen müssen, fortgesetzt Wird. Zahlreiche unserer Besten aber, die in kleinlicher Arbeit ihre Kräfte zersplittern müssen, werden hiedurch trei werden, gu neuer, produktiver .Geistesarbeit im Interesse des Ausbaues unserer Theorie, unserer Organisation und im Interesse der großen Aufklärungsarbeit, die die Ziomsten unter ihren Volksgenossen noch noch zu verrichten haben. Sie werden aber auch für wichtige lokale Arbeiten trei werden, die sich in immer größerem Umfange in den zionistischen Interessenkreis drängen. ür. Emil Stein, Wien. Die Tagesordnung des Kongresses. Wir hatten in unserer vorletzten Nummer bemerkt, daß die Anregung des Gg. A. Böhm, am Kongreß ein Referat über die Emigration»- frage erstatten zu lassen, ursprünglich „wenig Entgegenkommen“ fand. Die „Welt“ findet es für gut, diese Bemerkung für „unrichtig“ und uns für falsch „informiert“ zu bezeichnen. Die „Welt“ verschweigt aber, daß Herrn Böhm geschrieben wurde, daß ein Mitglied der Leitung die schwersten Bed enken gegen Erstattung eines solchen Referates habe. Da die Entscheidung hinausgeschoben wurde, urgierte Gg. Böhm die Sache am 30. Mai, erhielt aber auf diesen Briet überhaupt kei ne Antwort mehr. Ob das ein „Entgegenkommen“ ist, überlassen wir dem Urteil unserer Leser. Gg. Böhm hat natürlich, da er — obzwar Mitglied des A.-K. — trotz Urgenz keine Mitteilung in dieser Sache mehr erhielt, annehmen müssen, daß der Antrag nicht weiter behandelt wurde. Des weitern konstatieren wir aus der veröffentlichten Tagesordnung, daß für eine spezielle Palästinadebatt e und für eine solche über die sehr wichtige Finanzfrage kein Raum reserviert ist! Ebenso wurde der Anregung des Wiener Z. B., einen Bericht Zollfhaus über seinen Erfolg am Rassenkongreß — der übrigens, wie wir hören, ein sehr guter gewesen sein soll — auf die Tagesordnung zu setzen, keine Folge gegeben. Dafür aber wird ein hochwichtiges Reterat über „Die Frau im Zionismus“ erstattet werden ... Briefkasten. „Ben Aron“ ist nach unseren Informationen Dr. Friedemann. Parteinachrichteo. Sitzung der westösterr. Landsmannschaft in Basel. ' Dienstag, den 7. August, nachmittags 2 Uhr, findet im Stadtkasino in -Basel eine Sitzung der Die Böhmische Industrial-Bank-Filiale in Wien, IM Wipplingerstr. 2 . verzinst Einlagen auf j\ 1| - Einlagsbücher mit - 14 Telephonnnrnmem 23067,23Q68,23069, 18347,21813 — Aktienkapital K 30,000 000.— 0 — emittiert eigene Bank- — 0 - Schuld - Verschreibungen. - 4 II 0 £ €>tee

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