Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 26 (30.6.1911)
- Date
- 1911-06-30
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr: 26 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 schwindelte Mandat niederzulegen. — Sie spricht weiters dem bisherigen Abgeordneten der Stadt, ‘Herrn A d o 11 Stand, ihr vollstes Vertrauen aus und schwört, ihm nach wie vor um die gerechte jüdische Sache, ganz besonders aber im Kampfe um die Anerkennung der jüdischen Nation treu zu folgen! Vor dem zehnten Kongress. Von Ludwig BatÖ. I. Wesentlich andere Gefühle oenerrschen jetzt das zionistische Lager als im Herbste 1909, vor dem neunten Kongreß. Nur eins haben die beiden Stimmungen gemein: die Abhängigkeit von den Zuständen in der Türkei. Der IX. Kongreß stand vollends unter dem Eindrücke der türkischen' Revolution, obwohl seitdem bereits anderthalb Jahre verflossen waren. Allerdings sän man damals die Zukunft in viel rosigerem Lichte als jetzt; hervorragende türkische Staatsmänner äußerten sich überaus lobend über die Eigenschaften der jüdischen Bevölkerung und luden die bedrängten Juden aller Länder ein, sich im Ottomanischen Reiche niederzulassen. Seit dem Ausbruch der türkischen Revolution sind nunmehr drei Jahre ins Land gegangen und diese Zeit hat vollauf genügt, um die Lage in der Türkei ins richtige Licht zu rücken. Insbesondere haben die letzten Debatten im Konstantinopeler Parlamente in dieser Beziehung aufklärend gewirkt. Die jderren Politiker mochten es ja mit der Ansiedelung auswärtiger Juden im Ottomanischen Reiche ernst gemeint naben, aber leider hat die frühere Sympatnie für die Idee der jüdischen Siedelung vieles eingebüßt und mußte nur zu oft einer gewissen mißtrauischen Stimmung den Platz einräumen. Woher dieser Umschwung in der Anschauung der leitenden türkisdien Kreise? Die anderweitige Inanspruchnahme der ottomanischen Regierung: der stete Kampf mit den Resten des hamidischen Regimes, die fortwährenden Wirren in Albanien und der Aufstand ln Arabien, kann nicht als annehmbarer Grund hierfür gelten, ln der Tat liegt die Ursache dieses Gesinnungsumschwunges vor allem in der fast unglaublichen Uninformiertheit der türkischen Regierung, die vor einigen Wochen, als der türkische Minister des Innern die zionistische Bewegung mit der ganz unbedeutenden Allgemeinen Jüdischen Kölonisations - Organisation verwechselte, nur zu deutlich an den Tag kam. Hauptsächlich dieser Uninformiertneit und der Oberflächlichkeit ist es zuzuscnreiben, daß die Alliance durch ihre im Zeicnen der Lüge und Verleumdung stehende Kampagne gegen den Zionismus einen solch mächtigen Einfluß ausüben konnte. Kurz nach dem IX. Kongreß erschien im Pariser- „Journal des Debats“ eine Artikelserie von einem französischen Journalisten, der den Verhandlungen in Hamburg angeblich angewoh'nt haben soll, in der klipp und klar dargelegt wurde, daß der Zionismus keine national jüdische, sondern eine national deutsche Bewegung sei, die von den leitenden deutschen Politikern zur Förderung der Idee des deutschen Imperialismus und zur Eroberung Palästinas für das Deutsche Reich gegründet wurde. Auf die Quelle dieses blödsinnigen und öden Märchens deutete der Artikel des sattsam bekannten Leroy-Beaulieu hin, der in demselben Blatte einige Tage darauf erschien und sich an der patriotischen Alliance, die allerorts im Oriente der penetration pacifique Frankreichs Vorschub leiste, nicnt sattloben konnte. In der Tat tischten die Konstantinopeler Allianceblätter dieselbe Mär von dem deutschen Z i o n i s m u s ihren Lesern auf, was bei der Regierung vielleicht keinen Glauben fand, aber danach angetan war, das durch schnöde Denunzierung und Verleumdung erweckte Mißtrauen gegen die Zionisten zu stärken. Wie alle Wege nach Rom führen, so laufen alle Fäden dieser Hetzkampagne gegen die jüdischnationale Bewegung in der Türkei im Pallais der Alliance in Paris zusammen, von den lügenhaften Nach richten in einer Wiener Korrespondenz bis zu den Interpellationen der ualästinischen Abgeordneten in der Kammer. Denn selbst die christlichen Araber, die bekannterweise den Juden nicht besonders gewogen sind, hätten niemals den Mut aufgebracht, gegen sie in einer solchen Weise aufzutreten, wenn sie das Quertreiben der Allianceleute nicht mitangeschaut hätten. Mittelbar und unmittelbar hat die Alliance alles aufgeboten, um uns z u schädigen. Wenn die aus Paris kommenden Nachrichten nicht täuschen, geht es nun bergab mit der jetzigen Leitung und Herr Reinach, dieser Jezer harah, der böse Geist der Alliance, wird seinen Platz verlassen müssen, um ihn anderen zu überlassen, die mehr um das Wohl der Juden, als um das der französischen Interessen im Orient besorgt sind. Der Umschwung in der Zentralleitung wird und muß logischerweise einen Umschwung in der.Lage des Zionismus in der Türkei hervorrufen. Wenn es die neue Leitung der Alliance mit dem Aufräumen des Reinachschen Systems auch nur halbwegs ernst meint, so muß ihrer bisherigen angeberischen Hintertreppenpolitik in der Türkei der Garaus gemacht werden, Kreaturen, wie David Fresco müssen von der Oberfläche verschwinden und der jetzige gehässige Kampf gegen den Zionismus wird von selbst aufhören. Und sind die gewissenlosen Aufwiegler des Volkes zum Schweigen gebracht, so eröffnen sich unserer Bewegung in der Türkei neue Horizonte, neue Möglichkeiten einer Aufklärung der öffentlichen 'Mfeinug und der ottomanischen Juden. Nur müssen jvir auf der Hut sein, um den richtigen Augenblick, den günstigen Moment nicht zu versäumen. Selbst die in der Allg. 'Jüd. Kolonisations-Organisation dieser Tage ausgebrochene Krise kommt uns hierin zur Hilfe, von der ITO gar nicht zu sprechen, die nur insoferne besteht, indem sie in einigen Blättern ein Scheindasein fristet. In Anbetracht dessen, daß unsere Organisation nunmehr als die alleinige Vertreterin der jüdischen Nation mit der Hohen Pforte verhandeln und sie aufklären kann, ohne daß sie Von seitens einer großen jüdischen Organisation irgend eine Denunzierung zu oefürchten hätte, ja selbst im Falle, als Reinach trotz aller Vorzeichen an seinem Posten verbliebe, wäre es ernst in Erwägung zu ziehen, ob es nicht am Platze wäre, mit Konstantinopel eine engere Verbindung zu schaffen, als es bisher der Fall war. Ich meine beileibe nicnt, daß die Zentrale der Bewegung nach der Türkei verlegt werden müsse, nur möge diese Verbindung über den Rahmen der Anglo-Lewantin-Banking Co. hinausgehen. Denn nicnt nur der Zionismus selbst, auch unsere wackeren palästinischen Pioniere, ja unsere oisherigen Leistungen bedürfen eines mutigen und einflußreichen Verteidigers. Wie und auf welche Weise diese Vertretung geschaffen werden könne, das wird die Sorge der neuen zionistischen Leitung bilden. Allerdings wäre es nicht übel angebracht, wenn wir vor allem unsere wirtschaftlichen Beziehungen zu Konstantinopel ausgestalten würden. In Palästina haben wir es selbst gesehen, welches Prestige die A. P. C. unserer Bewegung verliehen hat. Mit der Frage der Aufklärung der ottomanischen Regierung und der ottomanischen Brüder ist das Problem der Palästina-Arbeit aufs engste verbunden. Bis die Möglichkeit der Gründung einer Agrarbank, die die einzige Grundlage einer gesunden und großzügigen Kolonisation bilden kann, durch die gänzliche Regelung der türkischen Agrargesetze gegeben sein wird, muß mit aller Kraft an den Ausbau der Palästina- Land-Entwicklungs-Gesellschaft gegangen werden, um mittlerweile das zu leisten, was zur Zeit unter den gegebenen Verhältnissen menschenmöglicn ist. Als ein erfreuliches Symptom ist die gesteigerte Investierung von Nationalfondsgeldern :n Palästina anzusehen. Die letzten Sammlungen, die von unserer Seite unternommen wurden, haben aufs deutlichste bewiesen, daß auch von Nicntzionisten entsprechende Geldmitteln zur Verfügung gestellt werden, wenn es sich um vorzüglich praktisene Projekte handelt. Ebenso ist auch daß Zusammengehen mit anderen Jüdischen Organisationen, wie dem Hilfsverein der deutschen Juden, gut möglich und — wenn die Berliner Liste bei de» Pariser Wahlen durchgedrungen ist — wird auenf die Alliance nicht mehr auf dem bisher bei folgten ablehnenden Standpunkt beharren können. Allein was die Palästina-Arbeit betrifft, kommt vor Allem die ICA in Betracht, deren Leitung, die bekanntlich aus einem Komitee der Alliance besteht, höchstwahrscheinlich auch fine Aenderung erfahren wird. All diese Faktoren, und insbesondere die ICA, die über ein jährliches Budget von mehreren Millionen Franken verfügt, könnte ein Segen für das jüdische Volk und für Seine Zukunft werden. Wir dürfen jedoch niemals außer Acht lassen, daß — wie es unser Herzl so scharfsinnig voraussagte — zur Kolonisation außer dem Menschenmateriale und dem Boden auch ein Ideal vonnöten ist. Dieses Ideal vertreten wir, an da» wir beim Zusammenarbeiten mit den übrigem Organisationen niemals vergessen dürfen. An uns liegt es, mit gutem Beispiel in der praktischen Palästina-Arbeit vorzugehen, die zugleich Mittel und Zvvetk ist, bei entsprechender Leistung werden uns die großen jüdischen Organisationen ihre Mitthilfe nicht versagen können. Parteinachrichten. Sitzung des zionistischen Zentralkomitees für Westöst er reich. Kommunique. Sonntag, den 25. Juni, fand im Sitzungssaale des i.-ö. D.-K. Wien, IX., Türkenstraße 9, die ordentliche Sitzung des Z.-K. statt. Anwesend waren die Herren: Präsident Adolf Böhm, Vizepräsident Dr. Emil M a r g u 1 i e s und die Mitglieder Dr. Otto A b e 1 e s und Fritz L ö w. Für das i.-ö. D.-K. Dr. Hugo Zuckermann, für das mähr.-schles. D.-K. Dr. Fritz Eckstein und für das D.-K. Böhmen Anton Glaser. Ferner nahmen' an [der Sitzung mit beratender Stimme teil die Mitglieder des i.-ö. D.-K.: Dr. Low, I Ing. Kramer, Dr. Weiner, Ing. Groag, I Eben. Schließlich der Leiter der N.-F.-Sammelstelle Dr. Zweig, und als Gäste der Obmann des „Jüd. Nationalvereines für Oesterreich“, Dr. Jakob Ehrlich, mit mehreren Vorstandsmitgliedern. Der Präsident hielt vor Eingang der Sitzung der verstorbenen Frau Jeanette Herzl einen tiefgefühlten Nachruf. Hierauf erstattete er einen ausführlichen Tätigkeitsbericht, aus welchem insbesonders hervorging, daß es bereits gelungen ist, die Zeitschrift „Palästina“ aktiv zu machen. Das Palästina-Informationsbüro hat einen Reiseführer für Die Böhmische Industrial-Bank-Filiale in Wien, 1., Wipplingerstr. Z Telephonnnniineni 23067,23068,23069,18347,21813 — Aktienkapital K 30,000 000.— verzinst Einlagen auf - Einlagsbücher mit - 4 II 0 4 — emittiert eigene Bank- 0 - Schuld - Verschreibungen. - 41 2 0ige