Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 26 (30.6.1911)
- Date
- 1911-06-30
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 jüdische Touristen nach Palästina herausgegeben, der bereits in größerer Zahl verkauft wurde. Eine größere Debatte entspann sidi über die Neugestaltung der österreichischen Organisation und das Verhältnis derselben zur Landespolitik. Die Vertreter des i.-ö. D.-K. betonten dabei wiederholt, daß für sie die nationale Erziehung der Juden auf dem Wege der Landespolitik einen integrierenden Bestandteil zionistischer Arbeit bedeutet und daß sie darauf bestehen werden, daß dieser Standpunkt in der österreichischen Organisation voll zur Geltung komme. Die Vertreter der beiden anderen Distrikte behielten sich die Stellungnahme zu diesem Punkte, welche Sache der D.-T. sei, vor und es wurde allgemein der Meinung Ausdruck gegeben, daß die ganze Frage in ihrer Breite erst nach dem Kongreß aufgerollt werden soll. Der Vorsitzende erstattete dann den Kassabericht, worauf Gg. Dr. Margulies über den Kongreß und über das Organisationsstatut referierte. Es wurde folgender Beschluß gefaßt: Das Z.-K. hält es im Interesse der Stärkung der Organisation einhellig für notwendig, daß die Friedensbedingungen der Jahreskonferenz eingehalten werden und macht es allen Delegierten Westösterreichs zur Pflicht, sich für deren Durchführung einzusetzeu. Es wurde ferner für notwendig erachtet, daß behufs Sanierung des Budgets der Zentralleitung die Besteuerung der zion. Institutionen erfolgen imüsse. Da das Z.-B. in Köln den Termin für die Ablieferung der Schekel für Oesterreich ausnahmsweise bis 10. Juli erstreckt hat, beschloß das Z.-K. die heurigen Kongreßwahlen in den ersten zwei J uliwochen, spätestens aber bis 15. Juli vorzunehmen. Für das zionistische Zentralbüro für Westösterreich, Wien, IX., Türkenstraße 9, der Präsident Adolf Böhm, m. p. * Mitteilung des Zentralbüros der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. In der Agitation der letzten Jahre mußten wir den Mangel einer brauchbaren programmatischen Broschüre schmerzlich empfinden, da die früheren Agitationsschriften sich als veraltet erwiesen. Wir geben nun in der allernächsten Zeit eine von Herrn Richard Lichtheim verfaßte Broschüre „Das Programm des Zionismus“ heraus, deren erste Auflage in 20.000 Exemplaren gedruckt wird. Wir sind der Ueberzeugung, daß diese Broschüre die wirksamste Unterstützung der Agitation in den deutschsprachigen Ländern darstellen wird, da in ihr in einer bisher nicht gekannten Weise der Ideenkreis des zionistischen Programms allseitig behandelt wird. Die Broschüre wird 48 Druckseiten stark sein. Der Preis für das einzelne Exemplar ist auf 30 Pf., festgesetzt, 100 Exemplare kosten 20 Mk., 500 Exemplare 75 Mk. und 1000 Exemplare 100 Mark. Vorbestellungen nimmt das Zionistische Zentralbüro, Charlottenburg, Bleibtreustraße 49, schon jetzt entgegen. Statistik der Auswanderung nach Palästina über Wien, vom 1. Jänner bis 31. Dezember 5910. Bericht des Informationsbureaus für Palästina in Wien. In dem Berichtsjahre reisten nacn Palästina unter Vermittlung unseres Bureaus 342 Personen und zwar: 251 Männer (63.1 o/o) und 91 Frauen (36.9o/o). Darunter wraren ledig: 111 Männer (44o/o), 35 Frauen (38o/o)- Als Herkunftsland gaben an: JÜDISCHE ZEITUNG Galizien 91, Palästina 86, Russisch Polen 76, Rußland 64, JJngarn 9, Oesterreich ,8, Deutschland 4, Rumänien 3, Nordamerika 1. Die Zahl der Auswanderer bleibt also fast in derselben Höhe >vie im Vorjahre. Von den 275 Personen, die nähere Angaben gemacht haben, standen im Alter von: bis 15 Jahren ' 31 (11.30/0) von 15—30 Jahren 125 (44.7o/o) von 30—50 Jahren 56 (20.4 o/0) über 50 Jahren 63 (23.60/o) Im produktiven Alter yon 15 bis 50 Jahren standen somit 65.1 o/0. Dem bisherigen Beruf waren laut ihren Angaben : Handwerker 35 (darunter 6 Schneider, 4 Schlosser, ferner Tischler, Setzer, Elektromonteure, Buchbinder, Drechsler, Hutmacner, 2 Schuster, Steinhauer, Weber, Kürschner, Korkmacher etc.), Kaufleute 49, Landwirte 18, Handelsangestellte 13, Angehörige freier Berufe 27, Studenten 8, „Jeschiwah bechurim“ (Talmudisten) 5, den |Eltern fm Berufe behilflich Waren 8, (Chalukahempfänger 3, von Kindern unterstützt 3, Angehörige diverser Berufe (Rabbiner, Sofrim, Melamdim, Schenker, Kutscher, Konditore, Esrogim- Kändler etc) 106, beruflos (Kinder Frauen) 25. Als künftigen Beruf gaben an: Landwirtschaft 66 (24o/o) (hievon waren früher 18 „andwirte, 13 Kaufleute, 11 Handelsangestellte, 10 Handwerker, 6 Studenten, ß Angehörige diverser Berufe), Handw'erk 25, Kaufmannsberuf 17, freie Berufe 18, Chalukah 17, Studium 9, Handelsanstellung 3, von Kindern W'erden Unterstützung empfangen 12, berufslose und unbestimmten Berufen entgegengehend 35, diverse Berufe 73. Als Reiseziel gaben an: Jerusalem 76, Jaffa und umgebende Kolonien 132, Haifa und umgebende Kolonien 28, Saffed und Tiberias 26, Beyruth 9, Bagdad 1, unbestimmt 3. Als Grund der Auswanderung gaben an: Materielle Motive 54 Religiöse Motive 26 Andere ideelle Motive 39 Fahrt zur ‘Familie 13 Studium 9 Rückkehr nach Palästina 86 Der physische Zustand der Emigranten war bis auf 34 Personen -ein zufriedenstellender. Von den 275 Personen, die nähere Angaben gemacht haben, verfügten: über mehr als 100.000 Kronen einer, über mehr als 25.000 Kronen 5, über mehr als 10.000 Kronen 3, über mehr hls 5000 Kronen 3, über mehr als 1000 Kronen 8, über mehr hls 500 Kronen einer, zwischen 100 und 500 Kronen 4. 20 Personen verweigerten die diesbezüglichen Angaben. Nur über die Reisespesen verfügten 206 Personen. , 29 Auswanderer haben nur teilweise die Reisespesen decken können und mußten unterstützt werden. Davon durch Zionisten 26. An den gewährten Unterstützungen beteiligten sich erfreulicher Weise auch die Israelitische Kultusgemeinde und die Israelitische Allianz in Wien. Mit besonderer Befriedigung konstatieren wir dies bezüglich der Allianz, welche sich bisher den palästinischen Auswanderern gegenüber ablehnend verhielt. Besonders hervorzu.ieben w,:ire das Interesse des I. Wr. Zion. Frauenvereines für die mittellosen Emigranten. Ueber die Sprachenkenntnisse der einzelnen geben 'die folgenden Zahlen Aufschluß: Fast alle 328 Personen (96o/o) beherrschten die jüdische Sprache, hebräisch sprachen 180 Personen (51o/0). Außer der Muttersprache (meistens jüdisch) beherrschten 156 (46o/o) die Landessprachen, mehr als drei Sprachen beherrschten 110 (34o/o). Nr. 26 Auf die einzelnen Monate verteilt sich die- Emigration folgendermaßen: Jänner 26, Februar 12, März 18, April P, Mai 30, Juni 38, Juli 34, August 51, September 56, Oktober Jl, November 30, Dezember 27. Wie ersichtlich, fällt das Minimum in den April (9), das Maximum in den September (56). Dieser Umstand, daß in der günstigsten Zeit,, im Frühjahr, am wenigsten Emigranten reisen und in der ungünstigsten, im Hochsommer, die meisten, ist darauf zurückzuführen, daß die meisten Emigranten keine Landeskenntnisse besitzen: und keine Informationen einziehen. Vereinsnachrichten. Wien. Jüdischer Handlungsgehil-. tenverband, II., Schmelzgasse 1 (Souterrain). — Dienstag, den 4. Juli, 8 Uhr abends, Vortrag des Herrn Dr. Hermann Löw. Thema: „Jüdische Bevölkerungsbewegungen“. (Gäste will-, kommen.) Sonntag, den 2. Juli: Besichtigung des Botanischen Gartens und Instituts. Zusammenkunft der Teilnehmer um 10 Uhr vormittags, III.,. Rennweg Nr. 14. * Verein „Mensa academica Judaica“ in Wien. Der Umstand, daß seit Jahren Hunderte unbemittelter jüdischer Hochschüler in verscniedenen Volksspeisehallen . sehr karge Mahlzeiten, einnehmen, w'eshalb sie in steter Gefahr schweben, sich unterernähren zu müssen, zumal sieangestrengte geistige Arbeit zu leisten haben, zwingt die jüdischen Hochschüler diesem ungeheuren Uebelstande Abhilfe zu leisten. Daher stellen sich die jüdischen Hochscnüler die Aufgabe für ihre unbemittelten Kollegen eine „jüdische Mensa academica“ zu schaffen, in dereine genügende, kräftige und billige Nahrung verabreicht werden soll, um ihnen den schweren Kampf um die Erhaltung ihrer Existenz und Erlangung ihres Zieles nach Kräften zu erleichtern. Diesem edlen Gedanken gelang es in Kürze einen wesentlichen Teil der jüdischen Studentenschaft zur „Mensa academica Judaica“ zu vereinigen, und die bisherigen Organisationserfolge lassen mit Sicherheit erwarten, daß in einer kurzen Spanne Zeit der weitaus größte Teil der jüdisch akademischen Jugend für diesen Verein, gewonnen werden wird. Allein die materielle Kraft der jüdischen Studenten reicht nicht hin, um dieses große Werk aus eigenen Mitteln zu errichten, und deshalb richtet der jüdisch akademische Verein nunmehr an die gesamte Judenheit die Bitte um energische und ausgiebige Unterstützung seines Projektes. Seit jeher wurde die Wissenschaft im Judentume hochgehalten, und ihre Unterstützung galt zu allen Zeiten als allgemeine Ehrenpflicht. Es ist dies ein alter und schöner jüdischer Brauch den Studierenden von kleinlichen Sorgen des Magens frei zu machen und ihm durch Gewährung eines. Freitisches die Studiumsmöglichkeiten zu erleichtern. Die Judenheit wnißte zu allen Zeiten, welche Bedeutung die akademischen Berufe für die Stellung des gesamten Judentumes besitzen, und w'ird diesmal überdies sicherlich nicht daran vergessen, daß die jüdisch akademische Jugend derzeit ausschließlich auf die Hilfe der jüdischen. Kreise angewiesen ist. So fordern wir Sie den auf, nach Maßgabe ihrer Verhältnisse durch Ihren BeitrittzudemVereine „M ensa academica Judaica“ oder durch eine Spende an der Realisierung des Gedankens m i t z u w i r k e n, die jüdisch akademische Jugend in ihrer Bedrängnis zu unterstützen, und ihr die Gründung einer Mensa zu. ermöglichen, in welcher sie in würdiger Weise ihren minderbemittelten Kollegen eine kräftige,. Zivnostenskä banka Filiale Wien i. Herrengasse 12» 4 Aktienkapital und Reserven: K 75 Millionen. 0! i Wechselstuben in Wien: 1. Herreng. 12, II. Praterstr. 24, VII. Mariahilferstr. 84, X. Favoritenstrasse 95, XVI. Neulerchenfelderstrasse 41. ] Verzinsung^» 1 0 EINLAGEN auf Büchels EINLAGEN im Konto aach Vereinbarung. _ Zentral in Prag, gegr. 1868. — Filialen: Brünn, Budweis, Friedek-Mistek, Iglau, Klattau, Königgrätz, Krakau, Lemberg, Olmütz, Mährisch-Ostrau, Pardubic, Pilsen, Pisek, Proßnitz, Tabor, Triest. 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