Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 25 (23.6.1911)
- Date
- 1911-06-23
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr: 25 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 ■Ferner erhielten: Dr. Zipper (Zionist) 1152, •Stwiertnia (polnischer Demokrat) 947, Dr. Janowicz (Ukrainische Partei) 94,. Szmerykowski (parteilos) 51 Stimmen. K o 1 o m e a. Gewählt .Kleski (polnischer Demokrat) mit 4318 von 7132 gütigen Stimmen. Ferner erhielten: Dr. Zipper (Zionist) 1429, Dr. -Schorr (Sozialdemokrat) 1209, Danilowicz (Ukrainische Partei) 171 Stimmen. Drohobycz. Gewählt Dr. Löwenstein (polnischer Demokrat) jnit 5979 von 7726 gütigen Stimmen. Ferner erhielten: Kobryn (Ukrainische Partei) 768, Dr. Zipper (Zionist) 600 und JBalicki (fortschrittlicher Demokrat) 372 ■Stimmen. 4 Stimmen ungiltig, Rest zersplittert. Zolkiew. Stichwahl zwischen Dr. Starzynski (polnischkonservativ), der 1946, und Dr. Steinhaus (polnischkonservativ), der 1821 von 6487 gütigen Stimmen erhielt. Auf Rappaport (Zionist) pntfielen 1426 und auf Dr. Basilius Lewicki (Ukrainische Partei) 1290 Stimmen. B r o d y. Gewählt Dr. Kolischer (polnischer Demokrat) mit 3662 von 3928 gütigen Stimmen. Auf den Zionisten Stand entfielen 497, auf Sanat •(Urkrainische Partei) 9 und auf Dr. Sochocki ■(russophil) 58 Stimmen. 96 Stimmzettel ungültig. R a d a u t z. Bisher Skedl (d.-fr.). . Gewählt Eduard Hruschka (chr.-soz.) mit 3274 von 5493 gütigen Stimmen. 2219 Stimmen erhielt Lucian Brunner ^(selbst. Jude). Die Wahl verlief in vollster Ruhe. ' Die Wahlresultate .vieler Landgemeindebezirke sind poch ausständig, da neue Wahlgänge erforderlich sind. Zur Beleuchtung der Wahl Vorgänge: Ein Leser aus Brody schreibt uns: „In Beantwortung Ihres Briefes vom gestrigen teile ich1 Ihnen mit, daß heute (am -Wahltag, 19. jj uni) jim halb acht Uhr früh die Bezirkshauptmannschaft unser Volkshaus belagert hat. 1073 Stimmzettel die auf den Namen Stand busgestellt waren, wurden konfisziert. Um 9 Uhr wollte man dieselben zurückgeben, wir beschlossen überhaupt nicht-mehr unsere Stimme abzugeben/' Zu den Vorgängen in Radautz-Sereth'-Suczawa, "wo Gg. B r u n n e rj dank der Bemühungen der Regierung, die den Christlichsozialen Hruschka pnter jeder Bedingung durchbringen wollte, gefallen ist, schreibt die „Volks w ehr“ (Czernowitz): ln den letzten 24 Stunden erhielten wir . Meldungen aus den drei Städten, welche über Repressalien und unerhörte Vexat i o n e n der Wähler durch die Hruscnka- Partei berichten. Wer für Lucian Brunner ein Wort zu sprechen wagt, dem wird mit sofortiger Verhaftung gedroht. Flugzettel und Wahlaufrufe für Lucian Brunner werden einfach konfisziert und jedem, der nur irgendwie im Verdachte steht, für diesen Kandidaten eingetreten zu sein, ist ■den größten Vexationen,. ausgesetzt. Diese Vorgänge spielen sich vor den Augen der Behörden •und der öffentlichen Organe ab. ohne daß von •diesen auch nur ein Schritt zur Abstellung dieser Mißstände unternommen wurde. Aus den drei Städten Radautz-Suczawa- Sereth kommen ununterbrochen Nachrichten, welche von unerhörten Vergewaltigungen der Wähler berichten. Man droht Jedem mit Verhaftung, man spricht von Suspendierungen von Beamten, von Versetzungen und Amtsenthebungen von Lehrpersonen, kurz, von allen möglichen Vexationen,!wie sie in einem Kulturlande fast undenkbar sind. Die einzelnen Tatsachen, die in den Berichten aufgezählt werden, sind so naarsträubend, daß wir annehmen müssen, sie sind übertrieben. In jedem Falle aber glauben wir, daß es sich da um Mißgriffe handelt, die gewiß gegen den Willen 'der Behörden verübt werden. Wir bringen diese Vorgänge dem Landesregierungspräsidium neuerlich Zur Kenntnis und erwarten mit Bestimmtheit, 'daß der Landespräsident, dessen Objektivität in allen Belangen rühmlichst bekannt ist, die nötigen Maßnahmen treffen wird, um diesen .unerhörten Zuständen ein Ende zu bereiten. Wir haben ein freies Wahlrecnt und Niemand darf daran gehindert werden, dieses Wahlrecht nach seinem freien Ermessen auszuüben. * Aus Czernowitz wird der „Jüdischen Zeitung“ telegraphiert: Die Stichwahlen in den Städten Radautz, Suczawa und Seret vollzogen sich nach galizischen Muster unter Ungeheuerem Terrorismus der Behörden. Der frechste Amtsmißbrauch wurde in Radautz betrieben. Den Wählern wurden keine Stimmzettel zugestellt, sondern erst im Wahllokal ausgefüllttnit dem Namen Hruschkas übergeben. Eine große Anzahl von Stimmzetteln mit dem Namen Brunners wurde zum Verschwinden gebracht. Die Urne wurde im Wahllokal unbewacht gelassen. Ein Beamter der Bezir kshaup tmannschaft wurde dabei betreten, wie er die Urne öffnete und für Brunner abgegebene Stimmzettel mit dem Namen Hruschkas überklebte. Das Wahllokal wurde von Militär cerniert und. die jüdischen Wähler wurden am Eintritt gehindert. In Suczawa|war der Neffe Hruschkas'Leiter der Wahlkommission. Die von der Bezirkshauptmannschaft bestellten Vertrauensmänner Brunners wurden aus dem Wahllokal gewaltsam hinausgedrängt, ebenso die Kommissionsmitglieder. Dann wurden ungeheuere Schwindeleien ausgeübt. Alle Intervention bei den Bezirksbehörden und der Landesregierung waren erfolglos. Auch der sozialistische Abgeordnete Grigorovici schritt bei den Behörden ein, gleichfalls ohne Erfolg. Die Regierungsorgane erklärten öffentlich, tfaß Hruschka unter allen Umständen gewählt werden m üsse. Das Wahlresultat. Trotz des erfreulichen Niederganges der christlichsozialen Partei in Wien und der Eliminierung "'eines GeßmaHn,' Liechtenstein, Bielohlawek und Pattai kann den Juden Oesterreichs, die pich vielfach in überschwenglichen Jubelfhymnen ergehn, nicht vorenthalten werden, daß die Zahl der. antisemitischen Abgeordneten im Parlamente g e w a c h s e n ist. An die Stelle der christlichsozialen treten 'die deutschnationalen Judenhasser und statt der Steiner und S ch m i d ziehen die E r 1 e r und Teufel ins Hohe Haus ein. Die Sudetenländer sind vielfach — Mähren fast vollständig — in die Hände der Deutschradikalen übergegangen, eine traurige, eine sehr traurige Entwicklung für die Juden dieser Länder. Mögen sie sich rechtzeitig warnen lassen, an dem leider zu ge wärtigenden Wiederau fblühndes nationalen Chauvinismus in diesen Gebieten nicht teil zunehmen und so den antisemitischen Boykott zu versch ä r f e n! Unsere jüdischen Renegaten standen wieder auf der Höhe der Situation. Der Täufling Dr. Redlich arbeitete piü einem Wahlplakate, das mit den Worten „An die Glaubensgenossen“ begann und jnit dem Bekenntnisse „iwri onauchi“ schloß — 'um dann einen Kuhhandel mit den D e u ts ch r ad i k al e n zu Gunsten des Antisemiten Teufel atfzuschlie- . ß e n. Im Wahlbezirke des Judenstämmlings Dr. Licht —bekanntlich eines „Freiheitsmannes“ sondergleichen — wurden galizische Wahlen gemacht. Seinen Kreaturen gelang es, durchzusetzen, daß die Eisenwerke just am Wahltage 1200 Arbeiter nach Ungarn „deportierten“ und sie so des Wahlrechts beraubten. Aufs Lieblichste hat sich auch der verflossene Jude Dr. Neumann gebärdet. Das geschäftige Devotationstelegramm an das kaiserliche Hoflager unmittelbar nach vollzogener Wahl — eine servile, klebrige Geschmacklosigkeit — mag man noch hinnehmen. Was soll aber die rasche Assekuranz auf ein Gemeinderatsmandat bedeuten, die er nach dem Wahlsiege eiligst durchführte? Er hat ja doch nur die Versammelten an die schmähliche Niederlage erinnert, die ihm die anständigen Juden bei den letzten Gemeinderatswahlen bereitet haben. 1 Alles in allem: Verstärkung der antijüdischen Liga, Wiederwahl zweier jüdischer Renegaten, Neuwahl eines Täuflings. Wir fürchten, der Jubel der „Israeliten“, zu welchem Herr Kultuspräsident Dr. Stern das Signal gegeben hat, wird bald abflauen. Verheerende Wirkung der Zählkandidatur Ehrlich. Der Jüdische Nationalverein hat bekanntlich. in letzter Minute jenen Zionisten, welche keinem der lokalen Kandidaten ihre Stimme geben können, empfohlen, den Vereinsobmann Dr. Jak. Ehrlich zu wählen. Der Schreck über diese bescheidene Empfehlung, welche oloß bezweckte, dem und jenem unserer Gesinnungsgenossen aus der Quai der Gewissensnot zu hefen, ist u. a. den Herren „Deutsdhfreiheitlichen“ von Olmütz und Umgebung, die wohi ein sehr schlechtes Gewissen haben müssen, arg in die Beine gefahren. Sofort mußten in Olmütz und Proßnitz die Leibisraeliten ausrücken, Ehrlich in den Bann tun und für Primavesi einen Mischeber ach steigen lassen. Von der bissigen Notiz, welche der Olmützer Kultuspräsident Dr. Jak. Eben in das „Mährische Tagblatt“ eingerückt hatte, und von der Proßnitzer Protestversammlung haben wir schon berichtet. Am Morgen des Wahltages prangten an allen Straßenecken von Olmütz große Plakate mit folgendem Inhalt: „An die geehrten jüdischen Reichsratswähler von Olmütz! Die Führer der hiesigen Judenschaft, unter ihnen die Präsidenten des Kultusausschusses, die Beiräte und Mitglieder dieses Ausschusses erklären hiermit einhellig, daß sie die Aufstellung eines besonderen jüdischnationalen Kandidaten für die heutige Reichsratswahl im Olmützer Wahlkreise entschieden verurteilen und die jüdischen Wähler auffordern, einmütig und ohne Schwanken heute ihre Stimmen auf den deutschfreiheitlichen Kandidaten Robert Primavesi, Handelskammerpräsident in Olmütz, zu vereinigen. Die Stimmenabgabe der jüdischen Wähler soll untrüglich beweisen, daß wir, wie bisher, in vollkommener Eintracht mit unseren Mitbürgern Vorgehen wollen. Im Namen der ‘Obgenannten: Dr. Jakob Eben. Dr. Berthold Oppenheim.“ Dieser denkwürdige Aufruf war im „Mähr. Tagblatt“ wiedergegeben und zugleich Doktor Gustav Zweig, Bürgermeister der politischen Judengemeinde Proßnitz, angegriffen, weil er erst die Unterstützung Primavesis zugesichert habe und nun für Ehrlich stimmen wolle. Demgegenüber sei betont, daß Dr. Zweig sich Herrn Primavesi gegenüber von allem Anfang an Vorbehalten hatte, einen zionistischen Kandidaten vorzuziehen, falls ein solcher nominiert würde. eine Anmaßung aber seitens des Olmützer Kultusvorstandes ist es, sich in die Politik zu mengen, wo doch er gleich seinen israelitischen Kollegen stets den Standpunkt vertreten hat, die Kultusgemeinden müssen sich statutengemäß auf die Pflege religiöser Inter- Die Böhmische Industrial-Bank-Filiale i& Wien, I.f Wippliügerstr. 2 T6l6phonniiiiiin8ni 23067,33068,23069,18347, %1813 — Aktienkapital K 30,000000.— besorgt sämtliche Bank- und Wechselstubengeschäfte All Ol und verzinst die Einlagen auf Einlagsbücher mit |0 ..j -’-i-.-j Die Rentensteuer trägt die Bank aufs Eigene. ■ — - -■ —