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Jüdische Zeitung · 1911-06-23 · 25 (23.6.1911) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
25 (23.6.1911)
Date
1911-06-23
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr; 25 n! . +■"- r£.. i; essen beschränken. Ist die Wahl Primavesis ein religiöses Interesse? 1 Wie es die Herren brauchen! Befremdend ist auch', daß unter dem- Aufruf neben dem Namen des Dr. Eben jener des Rabbiners Dr. Oppenheim steht. Laut - ‘Ankündigung der „W e 1t“ bewirbt sich Dr. Oppenheim um ein zionistisches Mandat für den Kongreß und wird drum aufklären müssen, ob ■er wirklich' der Pression seitens der Kultusvorsteher ,unterlegen ist oder ob sein Name nur mißbraucht wurde.' Trotz allem gaben im Wahlkreis 57 aufrechte Judfen ihre Stimmen dem Dr Ehrlich, und zwar in Proßnitz (Stadt- und Judengemeindej 33, Koritscban 14, Olmütz'6, Steinitz 3, Kojetein 1. Herr Dr. Eben, Ihr Vorgehen hat,uns überzeugt, daß wir nächstes Mal' mit der Aufstellung einer zionistischen Zählkandidatur ernst machen müssen. Denn schließlich haben die. Juden doch noch' andere Aufgaben, als laut ihrem Leitartike „Zur heutigen Reichsratswahl“ ausgerechnet gleich Siegfried das zerbrochene Schwert Nothung zu schmieden“. Eine „dentschfreiheitliche“ Wahlschlacht. (Wahlbild aus Znaim in Mähren.) Zwei „freiheitliche“ Wahlwerber, Landeshäuptmannstellvertreter Joset Jelinek-Brünn (deutschfortschrittlich | und Oskar Teufel (deutschradikal), standen sich . in. erbittertem Kampfe gegenüber. Den ersteren kandidierte die herrschende deutschfortscttrittliche „Rathauspartei“, den zweiten eine Verbindung junger Leute, welche" .als-.„deutschradikale Partei“ sich konstituierte.-Nom vor Kurzer Zeit lachten die Spießer über den radikalen .Kandidaten, welcher ' kaum das .vorgeschriebene Alter für einen Sendboten aufweisen konnte, und-konnten seine -Ueberhebung nicht fassen, sich einem im politischen Dienste erfahrenen Mann, sdem Vertrauensmann aller deutschen Parteien Mährens“, gegenüberzustellen. Einer 'zielbewußten, intensiveren Agitation 'der jungen Leute gelang es, durch Massensugestion und Hypnotismus den Deutschfreiheitlichen in die Stichwahl zu drängen, von derer gewiß als Sieger hervorgegangen wäre, wenn er es nicht vorgezogen hätte,'Vor der Stichwahl fahnen- .flüchtig die ganze fortschrittliche Partei buchstäblich' zu verraten und an die radikale" auszuliefern.- Ungeheure Bestürzung bemächtigte sich der fortschrittlichen Wähler aut die Nachricht des Rücktrittes“1 ihres Wahlwerbers ohne vorherige Verständigung, der Partei. Viele meinten, mit einem ^freiheitlichen“ Kandidaten hätte man auch für den Fall der, Stichwahl einen Vertrag schließen sollen, eventuell, um ganz sicher zu sein, wie bei einer neuaufzunehmenden Dienstmagd ein .Angeld nehmen sollen, äuf die Charakterfestigkeit 'ist.'kein yeflaß: Und nün wird" in‘der liberalen- Wiener Presse ein Konkurrenzmärchen, dem politisch' unreifen Wähler ein Bär aufgebmiden, wie er'nicht dümmer "sein "kann. Um die Wahl Redlichs in Nikolsburg zu sichern, wurde der Radikale Primavesi zum Rücktritte. veranläßt, hiefür träf in -Znaim zu "Gunsten des Radikalen Teufel der fortschrittliche Jelinek zurück. "Großmütig traf nun Primavesi zurück, wefeher "dort dieselben Chancen hätte," wie. der Exsultan Abdul Hainid, und feige trat hier Jelinek ' zurück,' weil er zu' spät erfahren hat, "daß der deutächnätiönale Verband von' seinen Plänen,' .Är- . ' beitsminister zu werden," nichts Hören Will. Für den jüdischen Wähler, welcher mit großem Elan' für Jelinek zür Urne schritt, ist" es ganz gleichmütig. ob .im. durch und durch antisemitischen " deutschnationalen Verbände mit dem Herrn Gross .einer -sitzt, der Jelinek oder der Teufel heißt. Wenn" sie aus ihrem tiefen politischen Schläfe;.vielleicht eihihal erwachen, wird es ein Verdienst des Teufels sein. Aus dem Easchalik Stern. Die Autokratie, in der'Seitenstettengasse hat wieder einmal bewiesen, mit -welch unerhörter Mißachtung sie die Gemeinde behandelt. ' Durch dün; Tod des' Rab. Dr. David find .den Rücktritt des -Ob.-Rab. Dr. Schmiedl war ein _ Oberrabbinerposten jn der Leopoldstadt zu ■besetzen. Natürlich' liefen Gesuchein großer Menge ein und durch' Monate", wogte der Kampf der Protektoren "der einzelnen .Bewerber. Allgemein nahm pian an, daß, wie recht und billig, einer "der altgedienten Wiener Rabbiner, unter denen sich tüchtige Männer befinden, auf. •den Posten des Öberrabbiners vorrücken .unddie dadurch entstehende Vakanz neu besetzt werden Würde. 1 Aber so kams.; nicht! Von Anfang an. setzte sich1 der Oberrabbiner Güdemann für die Ernennung des Rab. jpr. Löw aus Szeged in zum Oberrabbine’r "ein. Die Begründung war die, "daß dieser Mann eine so hervorragende Leuchte der Wissenschaft sei, wie es keine zweite gebe. Dr. Löw habe ein .berühmtes Werk über die „Aramäischen Pfläiizennamen“ geschrieben1 und dies sei ein genügender Beweis, daß er Und kein anderer der geeignete Kandidat für den Oberrabbinerposten der Leopoldstadt sei. Alle Einwendungen waren vergebens. Als gar kein Mittel mehr half, bat 'man schüchtern, daß der berühmte Mann wenigstens eine Probepredigt [halten solle, ein Verlangen, das so selbstverständlich ist, daß man' staunen muß, daß es erst ausdrücklich' gestellt wurde. Aber da kam "man schön an.' Herr . pr. ' Löw verwies fiuf sfein: Werk über die hramäischen Pflanzennamen, welches ihm so berühmt gemacht - habe, däfe es unter seiner Würde wäre, vor der Gemeinde, .'als dessen Seelenhirte er bestellt werden solle, »eine Probepredigt zu halten. Er setze sich dem -Urteil des fluktuierenden Leopoldstädter Tempelpublikums nicht aus. Vergebens wies Gg. Hermann Plaschkes in der von. der .Kultusgemeinde einberufenen Vertrauensmännerversammlung diese Mißachtung der ganzen Leopoldstädter’,ja Wiener Gemeinde zurück. Dr. Löw und Dr. Güdemann gaben nicht nach und die Ernennung wurde vollzogen. Wahrlich, noch_pie ist der „Autonomie“ der Gemeinde so ins^-Gesicht geschlagen wor- 1 den, wie jn .diesen? fjafS’ Ist es-nicht ein Hohn auf die - religiöse -Selbstverwaltung, wenn einer angeblich autonome'ri*Cfeineinde ein Seelsorger aufgedräftgt -WirdJ.^däJ si£ g|ir-TÜtht*kenn4?l|md zuin Teil gfagifjrjiIL*^ Freilichbfdie :• Wähler der Herren Stern iitttf*l<rölle'gen haben gär kein Recht, sich über.' -Wr^|^lfigungen zu "beklagen. : Sie kennen jiun . sdien~4angegenug - den phä-" rakter des -Stern-Gi^creännsdien " Regimes - und wenn sie. diesem ^noehfWeiter ihre Stimmen geben, dann haben sie jsichs nur Selbst zuzü« schreiben, wenn [die ' Autokratie immer 'härter .wird. Freilich: Die Menge der wirklich religiösen Juden und 'das sind meist die ärmeren —. welche ihren Rabbiner nicht nur feu Trau-' und Grabreden brauchen, haben gar kein Wahlrecht. Ihre .religiösen Angelegenheiten verwalten sie deshalb .nicht „autonom“, sondern) .sie werden .von der Clique reicher Juden, Welche die Gemeindestube. in Erbpacht haben, nur als Domäne ihrer Machtgelüste b&fiändelt. Es ist ja immerhin möglich, daß Herr Löw, der qs trotz-seiner .Gelehrsamkeit nicht weiter als bis Szegedin gebracht hat, ein tüchtiger Mann ist. Wir wissen das .nicht, glauben aber, daß sprachliche Kenntnisse Und Befähigung zum Seelsorgeamt . zwei grundverschiedene Sachen sind. Und etwas anderes lals trockene ' Gelehrsamkeit rühmen ihm auch seine Freunde nicht nach'. Aber -wer äst schließlich- Herr Dr. 1 Löw gegenüber einer Wiener Judengemeinde von 180.000 Seelen,' deren religiöse -.Interessen " in diesem Fall mißachtet wurden?. Und was hat er" vor Öen Wiener Rabbinern ybräus, daß er über ihren Kopf hinweg, bloß' "durch - die Protektion des Herrn Güdemann, nahezu die erste religiöse Stelle; in Oesterreich,, ohne die geringste' Anstrengung erhält? . -TV'._' .. . . . . Diese Frage .wollten wir gerne an Herrn Dr. Stern richten. Aber dieser ist momentan zu beschäftigt. In Drohobycz hat Militär auf arme, jüdische Wähler. geschossen, 20 Leichen* sind am Platz geblieben, Schmerz und Trauer erfüllt die ganze. Judenschaft Oesterreichs. Da kann Dr. Stern wohl nicht* schweigen? Weit gefehlt! Diese Kleinigkeit ist es nicht, die Herrn Dr. Stern beschäftigt und ihn bewegt, aüs einem Sönimersejour .an . die Öffentlichkeit zu treten. Nein. Es gibt wichtigeres zu tun. Es gilt der „Neuen Freien Presse“ Lob über ihre geschmalzenen Leitartikel zu spenden; durch die sie tien „schmählichsten Pakt“ zerrissen habe,. . . Wirk-! lieh? 183 "deufschantisemitische Vertreter im Par-- lament, Herr LöWenstein, Mitglied des Sternschen Gemeindebundes über jüdische" Leichen schrei-. tend . . wahrlich ein Moment, der für den, KüU tuspräsidenten von Wien ein erhabender genannt werden kann. ' . ' ‘ . . . Parteinachrichten. An die' zip ri. " D i's" fV.i kft s;k o mit ee& . und die Mi t g.lie d e"r; d e-s-'; W'e s t ö s t e rr eichiscjiqn . z'i o'jh-. 7en"t r äik o in it e e ’s. Wir-beehren-uns, Sie hiemit -zu Jder, Bonntag, 25. Juni 1911, 3,.Uhr Nachmittag, in 'Wien, IX., Türkensträße 9, stättfindenden Sitzung des Zion. Zentralkomitees für'Westösterreich höflicnst einzuladen. " " " ) . ■ : Tagesordnung. 1. Bericht des Zentralbüros. 2. Kassabericht. ’ 3. Budget. 4. Berichte der Distr.iktskomitees". ' 5. Schekelabrechnung « und-Kongreßwahlen: 6. Stelluhgsnähme zürn jCöngreß" insbesondere zum’OrgärifsatiönSstatut (Referat Gg. Dr. Emil Margulies)., . 7. Eventuelles. ' ■'• " . Zum Punkt .4 bemqr.ken wir, daß eiheWervollstäiidigung der U.ebersichtsehr erwünsent wäre, weshalb wir .die D.-Ks. um Vorbereitung genauer ‘Berichte höfl., ersucnen. . Zionistisches Zentralbureau für ^West- . ,• Oesterreich', Wien," IX., Türkenstr. 9. Präs. Adolf B ö h nf: f-y; SchekelwochenausweB. ';i „Bar-Kochba“ Sch.-K. Wistreich); K ,33-^0 i-, - .;;jQfdania“ (Sch.-K.'$chapirä) (-f- K 18.-^-) Kronen 6.—; „Libanonia“ (Sch'.-K. Sokal) K 12l— „Zephira“ (Sch.-K. Ornstein) (-f- K 31.201 K 22.80; pr, V. Kleinzeller, Triest K 28.80;; Is. Qewitsch' (-{- K 24.—) K 8.40; Ing. Löwenhein K 24.—; Summe K 135.60; bereits-ausgewieseh K 1962.20; zusammen: K 2097.80. ' Liste der Ueberläufer! Vom 15. bis 2Ö. juni Scböngut Max, 1882, Wien,- Tedig, Vertreter, VII.1, Neustiftgasse T0. r*-'"Bienenstock geh. Se^ gab Mali, 1887, Wien, gerichtl. geschieden, Private, IX., :Währingefstraße 15. — Herzfelder geb. HoIIitscber "WäII6urga, 1877, Wien, verheirätet, I.,-Maxuhilianstr. "4.— 'Heller ‘Ernst, 1886, Wien, ledig, Kaufmann, J., Zelinkagasse 4. — Griiiiliolz Mar'tha, T885, Wien,; Tedig, Private, IV., Heugasse T4. Vereinsnaqhrichten. Brünn. Jüdisch-akad. Lese- und Redehalle; Bei der' am Mittwoch, den =14. Juni 1911, sta'ttgefundenen außerordentlichen Qeneralversammlüng des Vereines wurden folgende Mitglieder in den Ferialausschüß gewählt: Eduard'Fischgrund, Jacques Spitzer, Richard Barn. Ich praktiziere in Bad Kudoma — .. Dr. Sandlerr Breslau. - EINLAGEN auf Büchels EIBLAGEH im Eonto Bach Veyeinbarpng.. Zentrale in’ Prag,' gegr. .1868; Filiale Wieni. H2i*^an9as se 12. I Aktienkapital und Reserven: K 75 Millionen. . Wechselstuben üt'Wiwr}'- UHerrme!l^lU^iäs^2l^viirMiiriähmeKlr!^ir^ lf OM 9 X. Favpritenstrssse!>5; XVIC Neulerchenlelderslrasse 41. I ™ Q Kul«j^e?Besorgung aller Bapk:, and Böraentransaktionen." gegen Bankschuld* | Stähjjfenmefinit vermietbaren SAFES^Abonnementvon K 7.— an. | Verschreibungen * 0 Filialen: Brünn, Budwcäs, FriedÄ-Mistek,Tglau, Klattau,-Königgrätz, Krakau; Lemberg, 0imütz,Mährisch-03trau,-päraub'ife,'Pilsen Pisek, Proßnitz, Tabor, Triest. ft

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