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Jüdische Zeitung · 1911-06-09 · 23 (9.6.1911) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
23 (9.6.1911)
Date
1911-06-09
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 23 Friedrich Austerlitz. Wo Eure Stimmen, j ü d i s c h e Proleten, Das Heil sind oder Unheil jedes Kandidaten, Dort haben die Meschumo demok raten, Ohn’ Euch au fragen, sich zu Gast gebeten, Fritz Austerlitz, der erste der Propheten, Die aus des Volkes Leid-Gemeinde traten! Der Schutz-und Schirmherr aller Renegaten, Soll Euch, die Märtyrer des Volks, vertreten! Ihr, die Ihr doppelt leidet durch die Treue, Die Euer Herz bewahrt den teuern Toten, Sollt diesen Ritter nackenweicher Schläue Entsenden nun als Eures Willens Boten! — So wirft der Machtwahn vor die Perlen Säue Und stempelt freie'Menschen zu Heloten! Beda. Sprengeleiuteilung der Agitation für den V. Wahlkreis (Leopoldstadt I): Sprengel I: Agitationslokal: Cafe Dohan, II., Untere Augartenstraße Nr. 26. Telephon Nr. 14590. Leiter: Ing. Rudolf Koppel, Stellvertreter: Dr. ~ Georg Weiner. Gruppe 1 umfaßt folgende Straßen: Rembrandtstraße, Krafftgasse, Zwerggasse, Förstergasse, Haasgasse, Obere Augartenstr. 2—50. Gruppe 2 umfaßt folgende Straßen: Obere Donaustraße 1—45 A, Mathildenplatz, Mathildengasse, Brigittenauerlände, Scholzgasse. Gruppe 3 umfaßt die Untere Augartenstraße. Sprengel II: Agitationslokal: Restaurant Hirsdibeih, II., Schiffamtsgasse Nr. 20. Leiter: Ing. Oskar Kramer, Stellvertreter: Dr. Zuckermann. Gruppe 1 umfaßt folgende Straßen: Nestroy-, Adamberger-, Raymund-, Malz-, Miessbadh-, Sehre}'- und Kleine Schiffgasse, Obere Augartenstraße 50—76. -Gruppe 2 umfaßt folgende Straßen: Große Schiff-, Nickel- und Flossgasse, Obere Donaustraße Nr. 45 A—77. Gruppe 3 umfaßt folgende Straßen: Schiffamtsgasse, Herminengasse. Sprengel III. Agitationslokal: Cafe Stefanie, II., Stefaniestr. 2. Telephon Nr. 21159. Leiter: David Nebenzahl, Stellvertreter: Alexander Geller. Gruppe 1 umfaßt folgende Straßen: Kleine Pfarrgastfe, Große Pfarrgasse, Schwarzingergasse, Im Werd. Gruppe 2 umfaßt folgende Straßen: Karmeliterplatz, Karmelitergasse, Große Sperlgasse, Kleine Sperlgasse. Gruppe 3 umfaßt folgende Straßen: Leopoldgasse 14—30, 15—51, Krummbaumgasse, Haidgasse. Gruppe 4 umfaßt die Straßen: Tandelmarktgasse, Rote Kreuzgasse, Stefaniestraße, Lilienbrunngasse. Gruppe 5 umfaßt die Straßen: Negerlegasse, Hammer Purgstallgasse, Schöllerhof, Gredlerstraße, Obere Donaustraße 77—111. Spren ge I IV. Agitationslokal: Hotel Arco, II., Rotensterngasse Nr. 7 A. Telephon Nr. 23761. Leiter: Dr. Hugo Löwy, Stellvertreter: Gustav Kohn. Gruppe 1 umfaßt die Straßen: Taborstraße 1—37, Taborstraße 2—44, Hafnergasse. Gruppe 2 umfaßt die Straßen: Novaragasse, Afrikaner-, Blumauer- und Glockengasse. Gruppe 3 umfaßt die Straßen: Rotensterngasse, Schmelzgasse, Kleine Mohrengasse, Odeongasse, cjroße Mohrengasse. Gruppe 4 umfaßt die Straßen: Zirküsgasse, Komödiengasse, Schrottgießergasse, Weintraubengasse. Sprengel V: Agitationslokal: Cafe Reklame, II., Praterstr. Nr. 34. Telephon Nr. 16409. Leiter: Emil Kaiser, Stellvertreter: Dr. Robert Beer. Gruppe 1 umfaßt die Straßen: Praterstraße (gerade und ungerade Nummern). Gruppe 2 umfaßt die Straßen: Franzensbrückenstraße, Körnergasse, Fischergasse, Tempelgasse. Gruppe 3 umfaßt die Straßen: Mayergasse, Hofenedergasse, Fruchtgasse, Czerningasse, Czerninplatz. Gruppe 4 umfaßt die Straßen: Lichtenauergasse, Robertgasse, Waschhausgasse, Schwemmgasse, Ferdinandstraße, Aspernbrückengasse, Untere Donaustraße, Ulrichgasse. Wablbewegung. Wien. Kuranda, der Liebling der Christlichsozialen. Kurauda hat es herrlich weit gebracht. Er, der Generalagent des Wiener Freisinns und das Schoßkind der Wiener Kultusgemeinde, erfreut sich bei den Christlichsozialen seit jenem Tage, da er in öffentlicher Versammlung erklärte, gegen den Christlichsozialen Wittek nicht auftreten zu könnep, da er ihm den Leopoldsorden verschafft hat, grenzenloser Beliebtheit. Das Organ der christlichsozialen Parteileitung, die „Reichspost“, läßt keinen Tag vorübergehen, ohne ihm nicht ihre Reverenz zu bezeugen und die maßvolle Haltung Kurandas gegenüber den Christlichsozialen lobend hervorzuheben. Stadtrat Tomola h ält eine blutrünstige, antisemitische „Hep, Hep“-Rede und stellt ihn in einem Atem als das Muster eines im politischen Leben wirkenden Mannes hin. Kuranda revanchiert sich und erklärt, der von den Liberalen so sehnlichst herbeigewünsehte Zerfall der christlichsozialen Partei sei noch in sehr, sehr weite Ferne gerückt, welches Prognostikon die „Reichspost“ dankend quittiert. Man erzählt am Kai, daß Kuranda, dessen .Mandat von Dr. Hein arg bedroht ist, von den Christlichsozialen Wahlhilfe erhalten wird. Selbst Kurandas An- und Abhänger geben dies offen zu. Kuranda will offenbar das politische Raritätenkabinett um ein neues, wertvolles Objekt bereichern: den ch r i s 11 i chs o z i a 1 e n H a u s j u d„e n. * Deutschliberales Dirnentum. In den deutschliberalen, von Juden geschriebenen 'Zeitungen .findet bekanntlich der deutschnationale Antisemitismus seit Jahren die tatkräftigste Unterstützung. Jeder Angehörige des deutschnationalen Verbandes, und sei es auch der radikalste Antisemit, wird für den „deutschen Freisinn“ reklamiert, und alle jenen Politiker, welche von den deutschliberalen Zeitungen noch vor wenigen Jahren wegen ihres Antisemitismus aufs heftigste bekämpft wurden, werden’ besonders zu Wahlzeiten geradezu als die Zierden des deutschen Freisinns hingestellt. Ein Schandstück ganz hervorragender Art hat sich in ihrer letzten Sonntagsnummer die „Neue Freie Presse“ geleistet. Sie widmete mehrere Spalten ihres Blattes den Wahlaussichten des ehemaligen Abgeordneten Dr. Emanuel Weidenhofer. Herr Moriz Benedikt, dieser typische Vertreter des jüdischdeutschen Liberalismus, frohlockt über die angeblich guten Aussichten Weidenhofers und beeilt sich seinen jüdischen Lesern diese Freudenbotschaft mitzuteilen. Herr Weidenhofer, welcher Schriftführer des Deutschen Schulvereines ist, dem noch immer viele charakterschwache Juden angehören, hat bekanntlich für die Resolution Schmie dt gestimmt; er verlangte auch die Reduzierung der jüdischen Eisenbahner auf einen kleinen Prozentsatz, in welchem auch diejenigen eingerechnet werden sollten, .»welche jüdischer Abstammung sind. Bewerber, welche bei ihrer Aufnahme verschweigen daß in ihren Adern auch nur e i n Tropfen jüdischen Blutes fließe, sollen nach dem Anträge dieses famosen „Deutschfreiheitlichen“ mit schweren Geld- und Freiheitsstrafen belegt werden. Nun die Wahlprophezeiungen der „Neuen Freien Presse“ erweisen sich seit Jahr und Tag als höchst trügerisch und Weidenhofer ist noch nicht gewählt Die Juden werden aber die Pflicht haben, sich die „Deutsdhfreiheitlichen“ vom Schlage eines Weidenhofers, selbst bei den Stichwahlen, sehr genau zu besehen, und wir werden ihnen hiebei behilflich sein. Das Eine möge sich die „Neue Freie Presse“ schon heute sagen lassen: Herr Weidenhofer und Konsorten mögen mit wem auch immer in die Stichwahl kommen, jüdische Stimmen werden sie nicht erhalten. * Mähren. Der Kampf gegen den Renegaten Redlich. Aus Göding schreibt man uns: Je näher der Wahltag rückt, desto mehr kommt es nun auch der Redlichclique zum Bewußtsein, daß sie für eine verlorene -Sache kämpft. In ihrer ohnmächtigen Wut, da sie sieht, daß der Kreis der Redlichanhänger unter Juden und Christen immer kleiner wird, greift sie zum letzten Mittel: zur Lüge und Gewalt. Aus einigen Orten des Wahlkreises sind uns Nachrichten über Wahlmachinationen der Redlich a b hänger zugekommen, welche selbst in den dunkelsten Teilen Galiziens -zu den Seltenheiten gehören. Doch alle diese Mittelchen werden dem Täufling nichts nützen. Die jüdischen Wähler sind in ihrer erdrückenden Mehrheit fest entschlossen, Redlich zu Fall zu bringen, und selbst das saubere Quartett, die Kultusvorsteher Dr. Körner (Göding), Baruch Kohn (Kostei), Holl ä n d e r (Lundenburg) und B r a m e r (Ungarisch-Brod), die ihr Amt für einen Abtrünnigen in schändlichster Weise mißbrauchen, wird daran nichts ändern. * Aus Lundenburg wird uns geschrieben: Herr Dr. Ludwig Körner, Kultusvorsteher in Göding, welcher bekanntlich seit Monaten mit vielem Eifer, aber mit wenigem Erfolg für den christlich sozialen Täufling Dr. Josef Redlich tätig ist, hat die Kultusvorsteher des Wahlkreises nun dennoch zu einer Konferenz nach Lundenburg einberufen. Wie es von frommen Kultusvorstehern nicht anders zu erwarten ist, handelte es sich um Förderung einer außerordentlich wichtigen, jüdisch-religiösen Angelegenheit, nämlich um die Durchsetzung der . Wiederwahl des R e n e gaten Redlich.. Da seine Chancen die denkbar schlechtesten sind, 1 war die Stimmung der Herren sehr gedrückt und der Kreis der Erschienenen war ein sehr kleiner. Die meisten 'Kultusvorsteher blieben Her Beratung ferne und viele haben die sonderbare Zumutung, das jüdische Ehrenamt eines Kuftusvorstehers in den Dienst des Täuflings Redlich zu stellen, mit Entschiedenheit und Entrüstung zurückgewiesen. Der Verlauf der Beratungen war aber sehr erhebend. Zunächst erklärte Dr. Josef Redlich, der, falls er bei der Reichsratswahl durchfallen sollte, sich um die Kultusvorsteherstelle von Göding bewerben will, er verstehe nicht, wie ein Jude von Charakter ihn nicht wählen könne. Ob er auch mit seiner Lieblingsredewendung, die Wahl L u c i a n Brunners als „jüdische Chuzpe“ bezeichnete, ist leider der Oeffentlichkeit vorenthalten worden. Ein Kultusvorsteher erklärte, er müsse Antisemit werden, falls Redlich nicht gewählt würde, und ein anderer drohte sogar mit seiner Taufe. Nach längerer Debatte beschlossen die anwesenden vier Kultusvorsteher, Herrn Redlich einstimmig zu wählen. Sehr schlecht kam der Jüdische Na tionalvere i n davon; sämtliche Anwesenden waren einhellig der Ansicht, daß ausschließlich die Kultusvorsteher zu politischer Betätigung berechtigt seien und daß das Eingreifen des Jüdischen National Vereins als eine unerhörte Anmaßung zürückgewiesen werden müsse. Nachdem dies geschehen war, begaben sich die Kultusvorsteher in den Tempel, um für einen guten Wahlausgang zu beten. Herr Dr. Josef Redlich wohnte inzwischen einer stillen Messe bei. Damit war diese historische Konferenz be- endet. Die Christlichsozialen für Redlich, im 5. mährischen Wahlkreis haben die Christlichsozialen ein Mitglied des Redlichschen Wahlkomitees als Kandidaten aufgestellt. Da der Christlichsoziale keine Aussichten hat gewählt zu werden, so hat ihm Geßmann eine Stelle als Diener im Rathause

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