Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 18 (4.5.1911)
- Date
- 1911-05-04
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 malige Aufstellung des Renegaten Redlich eine allgemeine. Da in Kostei kein längerer Aufenthalt genommen werden konnte, wurde von der Abhaltung einer förmlichen Versammlung abgesehen. Dr. Jakob Ehrlich begrüßte die Erschienenen namens des Jüdischen Nationalvereins und dankte allen, insbesonders aber dem Kultusvorsteher Herrn Baruch Kohn, für den herzlichen Empfang. Auch Lucia n Brunner hielt eine kurze Ansprache und versprach, bald wieder zu kommen, wofür die improvisierte Versammlung mit stürmischem Beifall dankte. Unter herzlichen Abschiedsrufen fuhren die Gäste weiter, um am Abend in Ung.- Hradisch zu sprechen. Die Versammlung in Ung.-Hradisch. Die von der zionistischen Lokalorganisation und dem Jüd. Nationalverein einberufene Wählerversammlung fand im städt. Redoutensaal am 30. April statt. Zum Vorsitzenden wurde Herr Dr. Artur Brauner, Arzt in Ung.- Hradisch, gewählt, zu seinen Beisitzern Herr Kultusvorsteher Fürst und Herr Oberingenieur Wechsberg. Nach Eröffnung der Versammlung durch den Vorsitzenden hielt Gg. Dr. J akob Ehrlich eine kurze Ansprache, in welcher er aut die große Wichtigkeit des bevorstehenden Wahlkampfes hin wies. Seine Aufforderung, dahin zu wirken, daß der Wahlkreis von der Schmach, durch einen Renegaten vertreten zu sein, befreit werde, fand allgemeine, freudige Zustimmung. Auch das Referat des Gg. Dr. Fritz Löhner, der die Gesinnungslosigkeit Redlichs mit scharten Worten verurteilte, hatte den stürmischen Beifall der Versammlung. Der Kandidat Lucian Brunner entwickelte in einstündiger Rede sein Programm, wies auf den von ihm als Gemeinderat der Stadt Wien mit Erfolg geführten Kampf gegen die Christlichsozialen hin und versprach im Falle seiner Wahl so wie bisher treu zu seinem Volke zu stehen, die Grundsätze der Demokratie stets hochzuhalten und für den nationalen Frieden zu wirken. Auf seine Ausführung folgte minutenlanger Beifall. Schließlich besprach Herr Dr. Artur Brauner die .politischen Verhältnisse in Ung.-Hradisch und forderte die jüdischen Wähler aut, ihr Wahlrecht im deutschen Kataster auszuüben, wobei er mit Nachdruck betonte, daß in diesem Vorgang gewiß nicht eine Unfreundlichkeit gegen die tschechische Bevölkerung erblickt werden könne. Die von Herrn Sc h m iedeI eingebrachte Resolution , in welcher dem Dr. J oset Redlich wegen seines Abfalles vom Judentum,.und wegen seines Bühlens um die Gunst der Christlichsöziälen das Mißtrauen ausgesprochen und die Kandidatur Brunners begrüßt wird, wurde von der großen Versammlung einstimmig angenommen. Weitere Versammlungen. Am 4. Mai fand in Ung.-Brod eine vom jüd. Nationalverein einberufene Wählerversammlung statt. Der Bericht über diese Versammlung wird nachgetragen werden. Am Sonntag, den 7. Mai, wird Gg. Lucian Brunner in einigen anderen Orten des Wahlkreises sprechen. Die Wahibewegung. Wien. Wahlfond (III. Wochenausweis). M. Guggenheim, New-York Fs. 1000.— durch L. B„ K. S. E. K 50.—; Dr. A. L. K 10.—; A. B. K 10.—; Sammlung Eskompte-Gesellschaft durch Lamberg K 18.—*; Ing. E. Cz. d. Dr. E. Zw. K 20.—; Sammlung Dr. E. Zw. Köln — J. L. Mk. 10.—, N. Gs. Mk. 5.—; A. P. Mk. 2.—; F. N. London Mk. 5.—; Ing. L. A'. K 5.—; M. M. (II. Rate) K 10.—; A. L. K 20.—; S .K. K 5.—; B. C. K 10.—; Dr. F. Kl. K 10.—; Dr. A. S. K .50 —; K. R. C. H. di. Dr. P. W. K 300.—; Dr. E. L. d. Dr. P. W. K 100.—; Büchsensammlung Arko K 9.—. Die Gesinnungsgenossen werden aufgeforfordert, fleißig für den Wahlfond zu agitieren. Sammelbogen stehen im Wahlbüro zur Verfügung! Diejenigen Gesinnungsgenossen und Genossinnen, welche sich'zur freiwilligen Mitarbeit melden «vollen, mögen ihre Adressen mit Angabe der freien Zeit im Sekretariate, IX., Liechtensteinstraße 11, bekänntgeberi. Wähler Versammlung. Die jüngste Wählerversammlung des Jüdischen Nationalvereines, die in den Sälen des Hotel Arco stattfand, war derart massenhaft besucht, daß viele Teilnehmer nicht mehr Einlaß finden konnten. Gg. Dr. K a d i s c h führte den Vorsitz. Hof- und Gerichtsadvokat Gg. Dr. Krasny entwickelte das Programm des Jüdischen Nationalvereines und begründete unter lebhaften Beifallskundgebungen die Aufstellung unseres bewußt jüdischen Kandidaten. Kandidat, Gg. Ing. Stricker, stürmisch begrüßt, hielt die an anderer Stelle wiedergegebene Programmrede. Die Versammelten stimmten ihm begeistert zu. Mähren. Wahlkreis Fulnek-Leipnik. In diesem Wahlkreis, welcher im deutschen Kataster viele jüdische Wähler hat, wird diesmal abermals ein Antisemit, und zwar der R adikale Ulrich, kandidiert. Er hat selbstverständlich die Erklärung abgegeben, er werde sich an Feindseligkeiten gegen die Juden nicht beteiligen, was dem genügsamen Kultusvorst eher von Leipnik, namens David Spitzer, genügt, um diesem Kandidaten die ganze judengemeinde zuzuführen. Dieser David Spitzer, dessen Entschließungen übrigens infolge seiner materiellen Abhängigkeit vom deutschen Bürgervereih nicht frei sind, sollte sich der Führerrolle doch endlich .begeben. Er hat nach den Reichsratswahlen im Jahre 1907 namens einiger Kultusgemeinden an die deutsche Parteileitung jene jämmerliche „Petition“ geschickt, in welcher er demütig winselt, die deutsche Fortschrittspartei möge sich mit den Alldeutschen nicht zu einem Verband zusammenschließen. Die Antwort aut diese „Petition“ war die Gründung des deutschnationalen Verbandes. Herrn David Spitzers widerstandsfähige Natur scheint aber noch einige Fußtritte seiner deutschnationalen Freunde vertragen zu können. Da in diesem Bezirk die Aufstellung eines jüdischen Kandidaten nicht möglich ist, erwarten wir, daß die jüdischen Wähler dem Sozialdemokraten ihre Stimmen zuwenden. Durch die verderbliche Politik David Spitzers sind in Leipnik schon viele jüdische Familien das Opfer des wirtschaftlichen Boykotts der Tschechen geworden. Auch aus Mähr.-Weißkirchen mußten viele jüdische Familien, welche vom Boykott erwürgt wurden, fortziehen. Umso größer ist die Frechheit des deutschnationalen Verbandes, welcher gerade in diesem Bezirke einen antisemitischen Radikalen kandidiert. py! Galizien. Das zionistische Zentralkomitee hat Sonntag, den 30. April Wählerversammlungen in folgenden Wahlbezirken veranstaltet; Stryj, Stanislau, Kolomea, Bolechow, Sniatyn, Buczacz, Zaleszczyki, Skole. Adolf Stand in Brody. Aus Brody W'ird uns geschrieben: Welch großer Beliebtheit sich der Abgeordnete unserer Stadt, Gg. Adolf Stand, bei der hiesigen Bevölkerung erfreut, kam am 27. April deutlich zum Ausdruck. Für diesen Tag hatte Gg. Stand seine Ankunft angekündigt. Zu seinem Empfange hatten sich am Bahnhofe eine mehrtausendköpfige Menschenmenge eingefunden. Als Abg. Stand dem Zuge entstiegt; wurden ihm herzliche Ovationen entgegengebracht. Die *Hpchrufe wollten kein Ende nehmen. Stand begab pich hierauf in Begleitung angesehener Bürger in die Stadt. Auf dem ganzen Wege standen dicht gedrängt viele Tausende Menschen, welche ihm stürmisch zujubelten. Von dem Balkon des Hotels hielt Abgeordneter Stand an die vor dem Hotel versammelte Menschenmasse eine Ansprache, in welcher er für die herzliche Begrüßung in bewegten Worten dankte. Für 7 .Uhr war die Versammlung anberaumt, irt welcher er den Wählern über seine und des „Jüdischen Klub“ vierjährige parlamentarische Tätigkeit Rechenschaft geben sollte. Doch schon um1 6 Uhr war der Saal derart überfüllt, daß tausende Personen keinen Einlaß finden konnten. Auch viele polnische und ruthenische Wähler waren erschienen. Als Stand den Saal betrat, ergriff die Versammlung ein Begeisterungstaumel, nach langen Bemühungen gelang es dem Vorsitzenden Gg. Dr. Glassberg sich vernehmbar zu machen. Mit herzlichen Worten begrüßte er den Abgeordneten Stand und erteilte ihm das Wort zu seinem Rechenschaftsberichte. In einer großangelegten, meisterhaft aufgebauten Rede schilderte er nun seine parlamentarische Tätigkeit als Jude und als Demokrat. Immer sei er auf Seite der Unterdrückten, Verfolgten und Ausgebeuteten gestanden. Er wies unter anderem auf seine Tätigkeit in der Schänkerfrage, Volkszählung, beim Schmidschen Schulantrag und bei verschiedenen sozialen Gesetzgebungsarbeiten hin. Stand schloß seine Rede mit den Worten: „Vor vier Jahren habe ich von Euch das Mandat übernommen und nach vierjähriger selbstloser Arbeit lege ich es in Eure Hände zurück, blank und unbefleckt, wie ein Soldat seine Waffe. Ihr werdet nun darüber zu entscheiden haben.“ Die Rede löste einen ungeheuren Beifallssturm aus. Der Eindruck der Rede ist in der ganzen Stadt ein gewaltiger. Wie verlautet, soll der Moschko Kolischer, der vom Polenklub gezwungen wurde, in Brody zu kandidieren, seinen Entschluß aufs tiefste bedauern. Denn Stands Wiederwahl in Brody ist sicher. Löwensteins Flucht aus Drohobycz. Aus Lemberg wird uns telegraphiert: Es verlautet, daß Dr. Löwenstein sich entschlossen hat, seine Kandidatur in Drohobycz zurückzuziehen. Er sucht sich einen anderen Wahlkreis, weil Drohobycz ihm nicht genug sicher scheint. In der vorigen Woche schickte er einen Emmissär zum Beizer Rabbi, um in diesem Wahlkreis das Terrain zu sondieren. Am Montag erschienen zwei Vertreter des Rabbi bei Schmelke Horowitz im Löwenstein in Lemberg. Es scheint, daß Dr. Löwenstein im Wahlkreis des Rabbi von Beiz kandidieren wird. Poalezionistische Kandidatur in Krakau. Die Poale-Zionistische Partei hat die Aufstellung zweier selbständiger Kandidaturen beschlossen. Bisher wurde die Kandidatur für Krakau (Kazimierz) bestimmt. Der andere Wahlkreis ist noch nicht festgesetzt. Ein Kompromiß zwischen Sozialdemokraten und Moschkojuden. Die galizischen Sozialdemokraten haben mit den Polenklubjuden ein Kompromiß zwecks gegenseitiger Unterstützung geschlossen. In Lemberg III, wo Dr. Diamant wiederum kandidiert, wird ihm seitens der Hausjuden ein sehr schwacher Kanditat entgegengestellt. Als Revanche dafür werden die Sozialdemokraten gegen Dr. Löwenstein in Drohobycz sich passiv verhalten. Auch in anderen Städten werden die Sozialdemokraten die Assimilanten gegen die Zionisten unterstützen. Man sieht, wenn es sich um Sicherung von Mandaten bandelt, ist den „antikorrt iptionistischen“ Sozialdemokraten, ein Zusammengehen mit der korruptesten Partei nicht schlecht genug. Die Moschkos betteln bei den Polen. Aus Lemberg wird uns telegraphiert: Die „Rada narodowa“, (das Zentralkomitee der polnischen Parteien! hat sich an die Moschkojuden gewendet, sie mögen ihm die „Forderungen“ der Juden vorlegen. Sonntag erschien nun eine Deputation dieser sauberen Volksvertreter unter Führung des Dr. Löwenstein bei der Rada narodowa und baten flehentlich, man möge ihnen den ohnedies schweren Kampf gegen die Zionisten nisjit noch durch die Aufstellung christlicher Kandidaten in jüdischen Wahlkreisen erschweren. Es kandidieren nämlich in mehreren Wahlkreisen mit überwiegend jüdischer Majorität Polen. Nackensteif sind unsere Moschkos nicht! Parteinachrichten. Mitteilungen des i. ö. D.-K. Schekelwochenausweis. „Jugendorganisationen Wiens“ per Ing. Groag: „Zion“ (-{- K 15.60) K 16.20, „Giskalah“ K S.40, „Mathatia“ K 33.60, „Neure Jehuda“ K 24.—; Alois Reich K 27.—; „Zion. Zentralverein“ (Sch.-K. Ing. Groag) (+ K 307.20) K2.40; W. Teitelbaum (-f- K 104.20) K 6.—; Dr. J. H. Körner (-j- K 62.80) K 2.40. Summe K 120.—; bereits ausgewiesen K 1509.60; Zusammen: K 1629.60. Parteisteuer 1911. Die Korporationen des i.-ö. Distriktes werden hiemit aufgefordert, die Parteisteuer pr. 1911 ehestens abzuführen. Dieselbe beträgt pro Mitglied für die bürgerlichen Vereine K 1.—, für die Studentenorganisationen laut Beschluß des letzten D.-T. K 1.20. Sitzung des Zionistischen Aktions-Komitees. Aus Köln a. Rh. wird uns berichtet: Am 27 .und 28. April d. J. fanden in den Räumen des hiesigen Zionistischen Zentralbüros Sitzungen des Engeren und des Großen Ak-