Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 17 (28.4.1911)
- Date
- 1911-04-28
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr: 17 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 Kurandas Dank für den Orden.; Unter dem Ministerium Wi 11 e k hat Mini-, ' sterialrat Camil Kuranda einen Orden {bekommen.’' Der frühere Minister' von W i t t e k kandidiert" nun abermals im Rathausviertel, in welchem er im Jahre. 1907 mit einer geringen Majorität als Christlichsozialer gewählt wurde. Es ist daher eine Pflicht der Dankbarkeit, wenn K ü - randa nunmehr dafür Sorge trägt, daß Herrn von W i 11 e k — der selbstverständlich für die berüchtigte Resolution Schmiedt gestimmt hat — bei Wiedererlangung des Mandats keine Schwierigkeiten gemacht werden. Ursprünglich wollte er von einem Kampf gegen Wittek überhaupt {nichts wissen. Da aber schließlich -bei der diesmaligen Wiedereroberung Wiens dieser Bezirk nidht ausgenommen werden konnte, befürwortete Kuranda den allerschwächsten Gegenkandidaten, nämlich den Abfa’.ljuden Dr. Wilhelm N e u m a n n, der bei den letzten Gemeinideratswahlen schmählich durchgefallen ist. Ueberäll also dasselbe Bild! Der Polenklub wirft 10.000 : jüdische Schänkerfamilien ins größte Elend, sein .Hausjude Löwenstein bekommt. Adel und Orden und in Wien mag weiter der dhristlichsoziale Klerikalismus herrschen, wenn nur Herr Kuranda auf dem Ball der Stadt Wien seinen Frack mit einem Ordensband schmücken darf. Eine neue Firma und ihr Träger. Wenn ein Bankerotteur aufs neue Geschäfte machen Will, so steckt er eine andere Firma aus, um das Publikum, das kein Vertrauen mehr zu ihm hat, zu täuschen. Genau so schlau versucht der gänzlich abgekrachte „Judenüberalismus“ die Wählerschaft durch neue Firmabezeichnungen i rrezuführen. Man nehnt sich : „Deutschfreiheitlich“, „deutsch-demokratisch“, „freiheitlich-sozial“ . usw. Ist es doch den Assimilanten sozusagen immanent, eine solche Vogel- Straußpolitik zu betreiben. Sie verbergen scheu ihr Judentum und glauben, die anderen erkennen es nicht, und wird ihnen die politische Maske vom Gesicht gerissen, so meinen sie, es .genüge einfach, ’ eine andere vorzustecken und das Publikum sei gefoppt. Doch immer wieder sind s ie selbst die Gefoppten, was sie nicht abhält, sich in stets neuen Vermummungen zu versuchen. Da lasen wir kürzlich in der „Neuen Freien Presse“ von der Gründung einer funkelnagelneuen Partei in Wien, der ^Wirtschaftlichen Bürgervereinigung“. Und ehe wir uns noch orientiert, was dies für ein Gebilde sei, fällt unser erstaunter Blick auf die Worte: „Proponent-Herr Max Frank.“ Dieser betriebsame Herr ist doch ein Tausendsassa. Er zahlt Schekel, um als Zionist zu gelten, und ist gleichzeitig der Flügeladjutant und künftige Thronerbe Dr. Sterns, er führt bei der Gemeinderatswahl die deutschfreiheitlichen Israeliten gegen die Getauften ins Feld und gleich danach gründet er die „wirtschaftliche Bürgervereinigung“, um im Parkviertel dem Sohn eines Getauften, dem Millionär Friedmann, zu einem Reichratsmandat zu verhelfen. Wahrlich, unser künftiger Kultuspräsident zeigt alle Qualifikationen zu einem solchen. Er ist der berufene Führer der Judengemeinde, denn er versteht sie auf'alle Wege zu führen. Gegenüber dem Starrsinn eines Dr. Stern wird man die politische Beweglichkeit eines Frank sicher izu schätzen wissen! Der gefälschte Weidenhoff er. Die „Neue freie Presse“ teilte triumphierend mit, der gewesene Abgeordnete Dr. Weidenh o f f e r habe anläßlich der bevorstehenden Reichsratswahlen die Parole ausgegeben, alle ten sich im Kampfe gegen die christlichsozialen die Hände reichen. Die Gläubigen der „Neuen Freien“ sehen schon im Geiste, wie Dr. Weidenhoffer, der Antisemit „von Gestern“, Kuranda an die Brust sinkt, um dann im Bunde (mit diesem den christlichsozialen Burgerklub in die Schranken zu fordern. Dies Organ Benedikts hat aber dreist gelogen. Dr. Weidenhoffer sagte nämlich wörtlich.: „Deutsche Antisemiten reichet euch die Hände, allerdings von G e ß m a n n wollen wir nicht wissen.“ Man vergleiche den authentischen Wortlaut mit der obzitierten Fälschung und man kann die ganze abscheuliche Kriecherei und niedrige Würdelosigkeit der „Neuen Freien Presse“ ermessen. Gleichwohl muß man Benedikt zubilligen, daß er von richtigem Instinkt geleitet wird, wenn ihn der heiße Wunsch beseelt, mit Dr. Weidenhoffer Arm in Arm gehen zu dürfen. Denn die beiden gehören trotz alledem zusammen. Die jüdische „Neue Frei Presse“, die sich unseren Todfeinden an die Frackschöße hängt und der famose rassenantisemitische Führer, der bei den Frauen der israelitischen Kultusvorstände um die Stimmen ihrer Männer schnorrte, um dann anläßlich der Resolution Schmid für die Ausschließung der jüdischen Kinder vom Schulunterricht zu plaidieren. Mähren. Wahlkreis GSding. Aus allen Orten des Wahlkreises kommen lebhafte Zustimmungskundgebungen zur Kandidatur Lucia.n Brunners. Die Arbeit unserer Gesinnungsgenossen hat überall.mit.Erfolg eingesetzt. Die Agitation durch Versammlungen wird Samstag, den 29. April eröffnet. Galizien. Unsere ga'izisdien Gesinnungsgenossen haben den Wahlkampf bereits mit aller Energie aufgenommen. Das Lemberger Zentralkomitee wird aus allen Städten und Ortenbestürmt, zionistische Kandidaten aufzustellen. In der letzten Woche fanden Wählerversammlungen in Buczacz, Tarnopol, Drohobycz, Stanislau, Kolomea, Turka, Sniatyn, Bursztyn, Zydaczow, Tlumacz und Brody statt, mit der Tagesordnung „die Auflösung des Parlamentes und die bevorstehenden Reichsratswahlen“. Alle Versammlungen waren massenhaft besucht und wurde überall die Aufstellung zionistischer Kandidaten beschlossen. Die Veröffentlichung der Kandidatenliste wird in den nächsten Tagen erfolgen. Die antizionistische jüdische Presse ist bereits an der Arbeit. Durch Verleumdungen und Ausstreuungen falscher Gerüchte von dem angeblich bevorstehenden Absdiluß eine^. Kompromisses zwischen Zionisten und Assimilanten, will sie in unsere Reihen Uneinigkeit tragen. Das Organ der gaüzischen Zionisten, das Lemberger „Tagblatt“ dementiert diese Gerüchte in entschiedenster Weise: „Klar und deutlich erklären wir,daß allediese Gerüchte falsch sind und von keinem Komprqmiß Zwischen cffen Zionisten und der Ässimifantenpartei die Rede ist.- Wahr ist, daß die Assimilanten, denen die zionistische Agitation großen Schrecken eingejagt hat, ein solches Kompromiß wünschen. Löwenstein, Rauch, Kolischer, und die andern Moschko-Kandidaten fühlen, daß ihre Lage eine sehr prekäre ist. Die jüdischen Massen verurteilen ihre verräterische Arbeit und Werden ganz sicher bei den kommenden Wahlen mit noch größerer Begeisterung als vor 4 Jahren, all diese Juden bekämpfen, die im Polenklub sitzen wollen, um weiter gute Geschäfte und eine schöne Karriere zu machen.“ Eine* vernichtende Niederlage Löwensteins. . -Aus D rohobycz schreibt uns unser Berichterstatter: Ueber die Moschkojuden des Polenklubs ist eine sdiwere Zeit gekommen. Kolischer ist aus seinem Wahlkreis geflüchtet, Dr. Golds Chancen sind in Zloczow erheblich gesunken und nun hat auch Dr. Löwenstein das Schicksal erreicht. Am 21. d. wollte Dr. Löwenstein seinen Drohobyczer Wählern den Rechenschaftsbericht erstatten. Sein Wahlmächer, der berüchtigte Feuer stein, mußte ihm einen ruhigen Verlauf der Versammlung garantieren, da Löwenstein, der seit seiner Wahl es nicht der Mühe wert gefunden, vor seinen Wählern zu erscheinen, nichts Gutes ahnte. Er ließ urbi et orbi verkünden, daß er als Erster vor der Oeffentfichkeit den Zusammenschluß der Konservativen, der Volkspartei, der Demokraten und der polnischen Christlichsozialen gegen die Allpolen begründen werde. Angeblich habe ihn der Statthalter mit dieser Mission betraut. Alles war gut vorbereitet und Feuerstein mühte sich im Schweiße seines Angesichtes ab, das Löwenstein gegebene Versprechen einzuhalten. Doch es sollte anders kommen. Schon lange vor Beginn war der Saal von fast 2000 Personen, größtenteils Zionisten, besetzt. Im Saale herrschte eine erregte Stimmung, die für Dr. Löwensteftv nichts gutes erwarten ließ. Als dieser, umgeben von 20 Trabanten zu seiner persönlichen Sicherheit und in Begleitung Feuersteins im Saale erschien, tönten ihm itausuudif-i stimmige Pfui- und Abzugsrufe entgegen. Nurmit großer Anstrengung konnte der Vorsitzende Ruhe verschaffen. Da meldete sich ein Wähler.. zum Wort und erklärte namens der Versammelten, daß diese Dr. Löwenstein nicht anhören wollen. Vier Jahre habe er sich den Wählern nicht gezeigt und nun, da Neuwahlen bevorstehen, sei er erschienen. Die Wähler seien nicht gewillt, sich am Narrenseil führen zu lassen. Nach dieser Erklärung, welche von den Versammelten fnit stürmischem Beifall aufgenommen wurde, wurde die Versammlung von eindringenden Gendarmen aufgelöst. Die Menge begab sich hierauf ins „Jüdische Haus“, wo verschiedene Redner Löwenstein in der heftigsten Weise angriffen. Es wurde eine Resolution angenommen, in welcher Löwenstein das Mißtrauen ausgedrückt und das zionistische Zentralkomitee aufgefordert wurde, in Drohobycz einen zionistischen Kandidaten aufzustellen. Die Niederlage Löwensteins hat bei allen Parteien die größte Ueberraschung hervorgerufen. In polnischen Kreisen hat man nicht erwartet, daß die Zionisten es wagen würden, Löwenstein so energisch' entgegenzutreten. Das „Slcwo polskie“, dem Löwenstein als einer der Führer des gegen die Allpolen gerichteten Blocks verhaßt ist, äußert ganz unverhohlen Freude über dessen Niederlage und verlangt von der „Rada Narodowa“ die Aufstellung eines anderen Kandidaten für Drohobycz, da sonst der Verlust dieses Wahlkreises an die Zionisten sicher ist. Am Sonntag veranstalteten die Zionisten Drohobycz eine Wählerversammlung, in der Abg. Stand sprach. Die Versammlung war von mehr als 3000 Personen besucht und bedeutet für unsere Partei nach der Niederlage Löwensteins einen besonderen Erfolg. Der „unabhängige“ Dr. Gross. Der Abgeordnete vom Krakauer Kazimierz,“ Dr. Gross, der sich einen „unabhängigen Juden“ nannte, hat auf diesen stolzen Titel verzichtet. Da er seines Mandates nicht mehr sicher ist, hat er eine Erklärung abgegeben, daß er dem Polenklub beitreten wird, um sich die Unterstützung der Polen zu sichern. Das Ende seiner „Unabhängigkeit“ wird auch das Ende seiner politischen Karriere bedeuten. „freiheitlichen“ Elemente des Deutschtums mü߬ ^Te-CL3n.eit©anL-T7"er-cxI©lD Wien V. Laurenzgasse Nr. 11 offeriert Sortiment von Tisch- und Taschenfeuerzeugen von 1 K aufwärts. Cer eisen (Feuerstein) per Dtzd. 1 K. Bei EDgros-Abnahme Spezial-Offert. Rauchrequisiten aus Meerschaum, Bernstein, Elfenbein etc. Gross© ixx ©lslctx- Taaeh »n i a.m p>n m._ Batterien. Prospekt gratis. — Bei Berufung auf dieses Inserat Preisermäßigung.