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Jüdische Zeitung · 1911-04-14 · 15 (14.4.1911) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
15 (14.4.1911)
Date
1911-04-14
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr: 15 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 Parteinachrichten. Mitteilungen des i. ö. D.-K. Das i.-ö. D.-K. hat die neugegründete V e r= -einigung zion. Hoch schul.er aus Wien, und Niederösterreich, „Massädah“, in den Distriktsverband ausgenommen. Schekel-Wochenausweis. Grazer Korporationen (Sch.-Komm. Karl Schwarz) (-f- 120.—) K 72.—; „Lesehalle“ Wien (Sch.-K. E. Sacher) K 12.—; „Hat’chijah (Sch.- K. Diesendruck) K 14.40; „Zion. Zentralverein“ '(Sch.-K. Ing. Groag) (+ K 306.—) K 1.20; „Theodor Herzl“ (Sch.-K. Rosenbaum) (+ 58.80) K 9.60; Dr. Körner (+ K 26.80) K 36.—; Teitelbaum (+ K 95.80) K 3.60. Summe K 148*80; bereits ausgewiesen: K 1109.60; zusammen K 125840. Sitzung des zionistischen Aktions-Komitees. Die nächste Sitzung des großen Aktions- Komitees der zionistischen Organisation ist nun endgültig für den 27. April und die folgenden Tage nach Köln einberufen worden. Zweite Palästina-Gesellschaftsreise. Die vom Informations-Büro für Wien arrangierte Palästinareise wird am 4. Mai 1. J. gemeinsam in Triest angetreten. Auf dem Schiffe wird koschere Kost verabreicht werden. Die Schiffspreise von Triest nach Jaffa und retour mit dem Eildampfer betragen für I. Klasse Frs. 590.10, II. Klasse Frs. 401.10, III. Klasse Frs. 166.—, IV. Klasse Verdeck ohne Verpflegung Frs. 110.—. Die definitive Reservierung der Schiffsplätze erfolgt erst nach Einsendung des ganzen Passagebetrages für die Tour- und Retourfahrt. Der letzte Zeitpunkt für die Anmeldung ist der 22. April 1. J. Ausführliche Prospekte versendet das Informationsbüro für Palästina und die Türkei Wien, IX., Türkenstraße 9. Oesterreichs Wirtschaftspolitik und die Jaden. (Zn den Reichsratswahlen.) Von A. B., Wien. II* Die Abgeordneten des bisherigen jüdischen Klubs hatten vor allem die Aufgabe, die jüdischen Wirtschaftsinteressen speziell dort zu verteidigen, wo sie am unmittelbarsten bedroht waren, wie z. B. in der Schänker- und Hausiererfrage. Diese mit grösstem Eifer geleistete Arbeit hatte natürlich die Kräfte des kleinen Klubs vollständig absorbiert und die einzelnen Abgeordneten furchtbar überlastet. Wir wollen hoffen, dass der „Jüdische Klub“ im nächsten Parlament numerisch viel stärker als der bisherige, und dadurch in der Lage sein wird, sein Tätigkeitsgebiet auszudehnen. Insbesondere ist die energische Propagierung einer modernen Wirtschaftspolitik, so paradox es auf den ersten Blick scheinen mag, für die Juden Oesterreichs fast ebenso wichtig, als jene Schutzaktionen. Denn, wenn erzielt werden könnte, dass durch eine solche vernünftige Politik Gewerbe und Handel in Oesterreich eine auch nur annähernd so rasche Entwicklung nehmen würden,wie in Deutschland, dann könnten die JudenmitsteigenderSclinelligkeit von ihrenvielfachgefährdetenund telweise e in e r rü c k st än d i ge n Wirtschaft sve rfa s s nn g entstammenden Berufen, in denen sie heute, namentlich im Osten der Monarchie, tätig sind, zu produktiveren übergehen. * Siehe Nr. 14 der „Jüd. Ztg.“ vom 7. d. M. - Ein gut Teil der Lösung der Judennot in Oesterreich ist daher von dem Tempo unserer ökonomischen Entwicklung, diese selbst aber sehr stark von der Wirtschaftspolitik des Staates abhängig. Dass diese in Oesterreich eine völlig rück- : ständige ist, hat viele Ursachen. Zunächst fehlt bei Regierung und Parteien die prinzipielle Klarheit und man huldigt einer Gelegenheits-Gesetzmacherei, welche die kläglichsten Missgeburten zutage fördert , (Wasserstr-ssen-, Pensionsversicherung's;, Hausiergestz etc.). Des weiteren sind unsere Parteien, wie schon im vorhergehenden Artikel erwähnt, ans nationalen Gründen keine reinen Wirtscbaftsparteien. In der Hauptsache aber ist es das Vorherrschen des Grossgrundbesitzes und das Verhältnis zu Ungarn, das uns verhindert, energisch den Willen zum Industriestaat zu betätigen. Wir müssen uns aber endlich einmal entscheiden, ob wir uns weiter von diesen Mächten behindern lassen, ob wir unseren Bevölkerungszuwachs noch ferner durch Auswanderung und Aushungerung loswerden wollen oder ob wir durch ein energisches Fortschreiten zum Industriestaat demselben lohnende Beschäftigung bieten sollen. Diese Frage wird sich das nächste Parlament, das den Ausgleich mit Ungarn und sämtliche Handelsverträge zu erneuern haben wird, vorlegen müssen, und sie ist für Oesterreich und für uns Juden viel wichtiger, als etwa die, ob die freie Schule katholische Religionslehrer ohne bischöfliche Zustimmung anstellen darf oder nicht. Der Schlüssel zu unserer wirtschaftspolitischen Stiuation liegt in unserem Verhältnis zu Ungarn. Dieses Land ist trotz aller Industrieförderung noch Agrarstaat und seine Regierung liegt Dank dem rückständigen Wahlrecht in den Händen der Grossgrundbesitzer. Oesterreich ist dagegen trotz aller beengenden Schranken heute schon ein Industriestaat, der Getreide importiert und Fabrikate ausführt. Früher oder später muss das auf Grund des allgemeinen Wahlrechtes gewählte Parlament diese Sachlage auch in dem Parteienverhältnis zum Ausdruck bringen. Die Verbindung mit Ungarn hat uns aber bisher gehindert, eine Industriestaatspolitik zu machen. Der jahrelange Zollkrieg mit Rumänien, der zugunsten der ungarischen Grossviehzüchter geführt wurde, hat unsere Industrie Milliarden gekostet und ganze Branchen ruiniert. Und während unsere Regierung kindische und darum erfolglose „Exportförderungsaktionen“ unternimmt, um unsere Industrieprodukte in Ostasien einzuführen, lässt sie den nächsten und providentiellen Absatzmarkt für unsere Erzeugnisse, die Balkanstaaten, zugunsten der ungarischen Agrarier verloren gehen. Und während sip uns einreden will, dass wir Ungarn alles nachgeben müssen, damit dieses Land gegen unsere Industrieprodukte keine Zollschranken errichtet, benützt die ungarische Industrie die reichlichen staatlichen Subventionen, die sie erhält, um unserer Industrie in Oesterreich selbst eine vernichtende Konkurrenz zu machen. Dabei ist es völlig klar, dass ein mässiger ungarischer Zoll (und ein hoher kann wegen der eventuellen Gegenmassregeln Oesterreichs nicht statuiert werden) unserem Industrieabsatz in Ungarn nicht schaden würde. Des weiteren verteuern die hohen Agrarzölle, die wir gleichfalls dem Bündnis mit Ungarn verdanken, die Lebenshaltung der städtischen Bevölkerung, ohne der Bauernschaft zu nützen, was selbst ein Teil der Christlichsozialen (Pantz, Hoffmeister) heute zugibt. Die Agrarzölle nützen nnr den Grossgrundbesitzern diesseits und jenseits der Leitha. Das nächste Parlament wird die Frage zu entscheiden haben, ob die Gemeinsamkeit die Opfer wert ist, .die sie uns kostet. t Gewiss ist es richtig, dass der Zug der Zei auf die Schaffung grosser Wirtschaftsgebiete gerichtet ist. Aber solche müssen auch einheitlich regiert werden! Der Dualismus, der Zustand, dass zwar ein grosses Wirtschaftsgebiet besteht, dasselbe aber in zwei verschieden regierte Teile zerfällt, ist wirtschaftspolitisch völlig unhaltbar. Es gibt nur zwei Lösungen: die Zolltrennung oder Grossösterreich. Das Fortbestehen des jetzigen tatsächlichen Zustands, in welcher Rechtsform immer, ist wirtschaftspolitisch zu verwerfen, es sei denn, dass Ungarn sich unseren berechtigten Forderungen fügt. Nebst der Zollpolitik ist die Verkehrspolitik für die Wirtschaftsentwickelung von grösster Bedeutung. Die Rückständigkeit unseres Eisenbahnnetzes ist allbekannt. Um nnr eine Ziffer zu zitieren: In Oesterreich sind 12*3 Prozent der Linien zweigeleisig, in Deutschland 37*3 Prozent. Aehnlich rückständig sind unsere Wasserstrassen In Oesterreich kommt 1 km Wasserweg auf 106, in Deutschland schon auf 33 km. Noch ärger steht es mit der Verwaltung unserer Eisenbahnen. Dieselbe ist statt einer kaufmännischen eine schwerfällig-bureankratische und daraus resultiert auch finanziell ein klägliches Resultat. Statt dass die Staatseisenbahnen eine, wenn auch mäscige Verzinsung des Anlagekapitals wie seiner/:*;.' unter privater Verwaltung, und wie es?.r. •:> u Deutschland der Fall ist, abwerfen ..i/..'!eu, belasten sie den Staatsschatz noch mit hohen Summen, die immerwährend steigen. 1909 waren es über 114 Millionen. Die Folge ist eine fortdauernde Erhöhung der Tarife und ein Zurückhalten mit den dringendsten Neuinvestitionen, beides Sünden an der Volkswirtschaft, die genau so auch auf dem Gebiete des Post-, Telegraphen- und Telephonwesens begangen werden. Ohne das Riesendefizit der Staatsbahnen wäre es auch trotz der übergrossen Militärlasten nicht nötig, fortwährend neue Stenern einzuführen. Die Steuerpolitik ist übrigens ein besonderes Kapitel. Der österreichische Staat befolgt die Maxime, die Landwirtschaft, namentlich aber den Grossgrundbesitz gar nicht, sondern ausschliesslich die städtischen Berufskreise zu belasten und in diesen durch die indirekten Steuern vor allem die breiten Massen. Dadurch wird natürlich der Wachstum der Konsumkraft derselben, welche die bewegende Kraft für die Entwicklung von Handel und Industrie ist, künstlich gehemmt. Nachstehende Ziffern (nach Renner) werden dies klar erweisen: Es stieg im Zeitraum 1850—1908 in Oesterreich die Summe der direkten Steuern von 67*5 Millionen Kronen auf 232*5 Millionen Kronen, also auf das dreieinhalbfache, der indirekten Abgaben von 144*2 Millionen Kronen auf 956 Millionen Kronen, also auf das neunfache, die Grundsteuer von 52*7 Millionen Kronen auf 53*5 Millionen Kronen, also gar nicht So sehen wir, dass Zoll- und Steuerpolitik in Oesterreich noch heute stark agrarisch gefärbt sind und namentlich im Interesse des Grossgrundbesitzes geführt werden. Aber selbst in der eigentlichen Landwirtschaftspolitik ist nnr das Interesse der Grossgrundbesiter massgebend. Für die Bauernschaft und namentlich die Landarbeiter selbst ist wenig geschehen. Beweis dessen ist, dass von einer inneren Kolonisation auf zerschlagenen Grossgütern, wie sie in dem stockreaktionären Prenssen seit 30 Jahren mit bedeutenden Mitteln und grossem Erfolge durchgeführt wird, in Oesterreich noch keine Spur zu finden ist. Und doch ist sie bei uns viel nötiger, denn während Deutschland gar keine Answande- \W\l \\lh//‘ M"e-u.ia.eitean.-T7“ertri©'b ,,2*£o:n.o;pol*fc Wien V. Laurenzgasse Nr. 11 offeriert Sortiment von Tisch- und Taschenfeuerzeugen von 1 Iv aufwärts. Cer eisen (Feuerstein) per Dtzd. 1 K. Bei Engros-Abnahme Spezial- Oflert. Rauchrequisiten aus Meerschaum, Bernstein, Elfenbein etc. Grosse -A_-u.s*waJnl. In elehrtr. TasdxenlSLrapeii n. Ba/tteiien- Prospekt gratis. .... --Bei Berufung auf diese Insserat Preisermäßigung.

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