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Jüdische Zeitung · 1911-04-14 · 15 (14.4.1911) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
15 (14.4.1911)
Date
1911-04-14
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 14rang, sondern nur eine Einwanderung von Landarbeitern kennt, weist Oesterreich eine jährliche Auswanderung von solchen in der Höhe von 100.000 bis 200.000 Köpfen auf. Die innere Kolonisation d. h. das Ansetzen von Bauern auf parzellierten Grossgütern ist auch das einzig wirksame Mittel, um die isländische Viehproduktion zu erhöhen, was angesichts der hohen Fleischpreise, die wieder nur die städtisch-industrielle Bevölkerung zugunsten der ländlichen belastet, von grösster Wichtigkeit ist. ln Preussen ergibt die Statistik, dasB nach solchen Besiedelungen die Anzahl des gezüchteten Viehs auf derselben Fläche um rund 100 Prozent steigt. Aber nicht das Interesse der Grossgrandbesitzer ist das allein herrschende in Oesterreich. Hit ihnen verbündet sind die Grossindustriellen, die sich gleichfalls einer so eklatanten Bevorzugung erfreuen, dass dadurch die Entwickelung dar allgemeinen Wirtschaft gehemmt wird. Nur ein Beispiel: Der hohe Eisenzoll zugunsten des Eisenkartells, der sowohl der gesamten Jhittelindustrie den wichtigsten Rohstoff verteuert, als auch den Staat selbst, bei Bestellung von Kriegsschiffen, Waffen etc. in Tribut setzt. Es ist ein grosser Irrtum, eine durchgängige Interessensolidarität zwischen allen Industriezweigen anzunehmen. Die Interessen der grossen Bohstoffindustrien, die meist kartelliert und zollgeschützt sind, laufen zumeist jenen der Gesamtheit — eingeschlossen alle anderen Industrien und Gewerbe —: strikt entgegen. Aber sie allein haben eine Vertretung im Parlament nnd Einfluss auf die Regierung. Der Versuch, die mittlere Industrie und den Handel zn organisieren, ist erst jungen Datums, nnd es ist zn bezweifeln, dass schon bei diesen Wahlen durch die nene Organisation, den „österreichischen Hansabund“, rin nennenswerter Einfluss ausgeübt werden kann. Wir haben einige wichtige Kapitel der Wirtschaftspolitik des österreichischen Staates herausgegriffen, die bisher noch wenig erörtert wurden. Auf das, was allbekannt und worüber schon genügend gesprochen und geschrieben wurde, können wir kurz hinwrisen. So z. B. auf die furchtbare Rückständigkeit der politischen Verwaltnng auf den noch immer zünftlerisch gerichteten Geist des Parlamentes, die exorbitanten Militärlasten, den Dilettantismus in der Sozialpolitik n. s. w. Nimmt man all das zusammen, so kann es uns nicht in Erstaunen setzen, dass wir Oesterreicher dazu verurteilt sind, mit ohnmächtigem Neide znsehen zu müssen, welchen Aufschwung besser ■ regierte Staaten nehmen, indes wir nur im Schneckengang weiterkommen können. Dass wir trotz all dieser Hemmnisse und der Ungunst der’geographischen Lage des Landes überhaupt wirtschaftlich fortschreiten, dass ist vor allem der grossen Tüchtigkeit der in Handel und' Industrie' so zahlreich tätigen Jude n zuzuschreiben. Die führenden Elemente in diesen Berafzweigen sind überwiegend solche und deshalb hätten wir Juden darauf Anspruch, von diesem Staate nicht nur nicht verfolgt, sondern zärtlich gehegt zu werden. Wir verlangen das gewiss nicht. Aber wenn wir ins Parlament ziehen, dann wollen wir dort unsere Kenntnis der treibenden Kräfte des Wirtschaftslebens benützen, um uns wenigstens auf die Wirtschaftspolitik des Staates Einfluss zu erobern. Das ist ein Gebiet, auf dem sich die Interesses Gesamt-Oesterreichs mit denen der Juden vollständig decke n. Deshalb wird sich auf keinem andern der künftige jüdische Klub derart hervortun können, wie auf diesem. Wollen wir hoffen, dass er seine diesbezügliche Aufgabe erkennen und ihr gerecht werden wird. Eingesendet. Wöhltätigkeitslotterie des Vereines »Einheit“. Die Lotterieverwaltung des jüdischen Vereines „Einheit“ hat bereits mit der Ausgabe| der Lose begonnen. Das große Interesse, welches (d ieser ausgesprochenen jüdischen Lotterie besonders in der Provinz entgegengebracht wird, beweist, daß die Wichtigkeit der vom Vereine in Wien, II., Malzgasse 12, errichteten jüdischen Volksspeisejiafle in den weitesten Kreisen der österreichischen Judenschaft aber-; kannt. wird. Der Ruf dieser jüdischen Volks- Speisehalle, jn welcher täglich 1200 bis 1500 Mahlzeiten an unbemittelte Juden gegen ein mäßiges Entgelt' verabreicht werden, ist von den hunderten galizischen Schänkern, die anläßlich der Schänkerdeputation in Wien in der Volksspeisehalle der „Einheit“ in mustergültiger Weise verköstigt wurden, auch in die Provinzstädte des Reiches getragen worden. Die vom Vereine „Einheit“ ausgegebenen Lose ipräsentiereh sich auch äußerlich in ihrer Form sehr einladend. Man sieht in drei Abbildungen die mit den modernsten Behelfen ausgestattete große Anstaltsküche, in der Mitte die große, saubere Speisehalle selbst, in welcher Juden jeden Alters vergnügt ihre Mahlzeit einriehmen; rechts - ist die Abbildung des separierten Saales sichtbar, den der Verein „Einheit“ den jüdischen Hochschülern als „Mensa academica judaica“ zur Verfügung gestellt hat. Besonders lobenswert ist die Einrichtung in der Volksspeisehalle der „Einheit“, daß die jüdischen Festtage auch in der Feststellung des Menus ohne erhebliche Erhöhung der billigen Preise fcum Ausdrucke gelangen. So wird es an Sabbathen und Festtagen geübt und so hat die Vereinsleitung auch am letzten Purimtage die Gäste der Volksspeisehalle mit einer Purimsude überrascht, wie sie in manchem bürgerlichen Hause nicht würdevoller und reichlicher zu sehen war. Diese Rücksichtnahme auf jüdische Sitte und Tradition macht die Volksspeisehalle der „Einheit“ so populär und förderungswürdig .Und für die Zwedke dieser Speisehalle, Welcher später noch andere in anderen Bezirken folgen sollen, ist das Reinerträgnis der Lotterie bestimmt. Abgesehen von dem humanitären Zweck, bietet .aber der -Spielplan der Lotterie auch) bedeutende Gewinnstchancen. Der gesamte Wert der Treffer beträgt K 63.000, darunter 4 Haupttreffer ivon K (30.000, K 5000, K 2000 und K 1000, die auf Wunsch des Gewinners nach’ den üblichen Abzügen auch in barem Gelde 'ausbezahlt werden j.Die Lose, zu K 1.— das Stück, sind im Lotteriebureau des jüdischen Vereines „Einheit“, L; Wollzeile 24 (Tel. 11.356), zu haben. Generalversammlung der „Austro-Americana.“ Freitag, den 7. April 1. J. fand in Triest in Anwesenheit von 38 Aktionären, die 74.116 Aktien vertraten, die 7. ordentliche Gneralversammlung der Austro-Americana statt. Dem Berichte des .Vorstandes ist zu entnehmen, daß entsprechend der allgemeinen Lage des Seegeschäftes auch die Verkehre «der Austro-Americana im Jahre 1910 eine Besserung erfuhren. Im Jahre 1910 wurden; ausfahrend: 142 Reisen gegenüber 134 Bejgen im Jahre 1909, heim-, •kehrend 143 Reisen ...jm Jahre 1910 gegenüber 124 Reisen im Jahre 1909, mit einem Gesamtmeilendurchlauf von: 1,544.728 Seemeilen gegenüber 1,489.708 im Vorjahre unternommen. Im Verkehre mit Triest wurden auf diesen Reisen: '3,743.384 Mtzt., gegenüber 3,185.755 Mtzt. Güter im Vorjahre und 27.440 Passagiere gegenüber 26.935 Passagieren im Vorjahre befördert. Einschließlich.,des neuen großen Passagierdampfers „Kaiser Franz Joseph I.“ besteht die Flotte der Austro-Americana aus 33 Ozean* dampfern, deren durchschnittliches Alter unter Berücksichtigung der Tonnage 5 Jahre und 8 Monate beträgt, und verschiedenen kleinen Fahrzeugen mit einem Gesamtbrutto-Tonnengehälte von 150.931 Tonnen. Die Generalversammlung genehmigte die vorgelegten Berichte und Schlußrechnungen und beschloß die Ausschüttung einer 4 prozentigen Dividende, d. i. 8.— Kronen pro Aktie, welche ab 15. April 1. J. iur Auszahlung gelangen wird. GEZA ÄRVAY Orthopädischer Schuhmacher WIEN, II. Gredlerstrasse 9. Gegründet 1888. Spezialität: Massarbeit. Schuhe für alle Fussleiden. Grosses Lager moderner Schuhe, und hygienischer Kinderchuhe. ■A-visr-astvmg-eix für Einjährig>Fi*eiWillige. ^«inniMiiiiuaHi Wien, II. Grosse Sperlgasse 7 ,=r TELEPHON 13347 ' - Zimmer von K 5S.— aufwärts J. Tolczyner, Hotelier. ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ Austpo-Americaoa Triest. 33 Ozeandampfer. 33 Ozeandampfer Regelmäßiger Passagier- und Warendierist zwischen Triest und Italien, Griechenland, Frankreich, Spanien, Nord-, Zentral- und Südamerika mit erstklassigen, neuerbauten Doppelschraubendampfern, auflv eichen Marconis drahtlose Telegraphenäpparate eingerichtet sind. Nächste Abfahrt von Triest in den Passagierlinien: 8. April. Doppelschraubendampfer „Martha Washington“ nach New-York über Cattaro, Patras, Palermo, Algier.' 9. April. Dampfer „Francesca“ nach Buenos- Ayres über Spalato oder Gravosa, Almeria, Las Palmas, Rio de Janeiro, Santos, Montevideo. 15. April. Doppelschraubendampfer „Laura“' nach ' New-York über Patras, Palermo, Algier. 24; April. Doppelschraubendampfer „Argentina“ Hach New-York über Patras, Palermo, Algier. 29. April. Einschraubendampfer „Eugenia“ nach New-York über Patras, Palermo. 13. Mai. Doppelschraubendampfer „Oceania“ nach New-York über Patras, " Palermo, Algier. Auskünfte bei der Direktion in Triest,- Via Molino Piccolo Nr. 2. — (Telegrammadresse Consulich, Triest), bei den Generalagenten Schenker & Co., Wien, I.,. Neuthorgasse Nr. 17,' Passagebureau, Wien, H/„ Kaiser Josofstrasse 36, L, Kärntnerring 7 und bei allen anderen Vertretern der Gesellschaft. ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ Frühjahrs-Anzug . . . ... . . . . K 30 — Erühjahrs-Ueberzieher.K 26.— Knaben-Schul-Kostüm.K 12.— Marine-Kostüm für Knaben u. Mädchen K 26.— Bordjaeke für Knaben und Mädchen . K 24.— Ktcidirhaas jÄ. ftewnann Wien, I., Kärntnerstrasse 19. Postaufträge gegen Machnahme. Nichtkonvenierendes wird bereitwilligst umgetauscht oder j der bezahlte Betrag rückerstattet Illustrierte Kataloge gratis und franko. Filiale : VI., Mariahilferstrasse Np. 35. Konditorei-Artikel HDÖ ItJO in feinster Qualität, bei der seit 70 Jahren bestehenden ältesten Firma (afKonditorei VI. Todes» (vormals Johanna Löwy) Wien, I., Rabensteig 2—4 (Telephon 20027) Reichste Auswahl aller Gattungen Torten, Mandel» ■ bäckereien, Konfekte, Bonbons iind Kompots, Eis-' torten und Eiscreme. 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