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Jüdische Zeitung · 1911-04-07 · 14 (7.4.1911) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
14 (7.4.1911)
Date
1911-04-07
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr: 14 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 Die Begründung der modernen kolonialwirtschaft, Von Werner Sombart.*) Daß nicht zuletzt durch das Mittel der kolonialen Expansion der moderne Kapitalismus zur Blüte gelangt, fangen wir jetzt an, deutlich zu erkennen. Und daß bei dieser kolonialen Expansion wiederum die Juden eine hervor* ragende, um nicht zu sagen: die entscheidende Rolle gespielt haben, sollen die folgenden Ausführungen wahrscheinlich machen. In Ostindien waren offenbar 'schon seit dem Mittelalter zahlreiche Juden ansässig, die dann, als die europäischen Nationen nach 1498 ihre Hände nach den alten Kulturländern aus- Streckten, als •willkommene Stützpunkte der europäischen Herrschaft und namentlich als Pioniere des Handels dienen 'konnten. Mit den Schiffen der Portugiesen und Holländer kamen dann aller Wahrscheinlichkeit nach — genaue Ermittelungen sind noch, nicht angestellt . — größere Scharen von Juden in die indischen Besitzungen mit herüber. Jedenfalls finden wir die Juden an allen holländischen Gründungen auch im Osten stark beteiligt. Wir erfahren, daß beträchtliche Teile des Aktienkapitals der holländisch-ostindischen Kompagnie in jüdischem Besitze sich befanden. Wir wissen, daß derjenige Oeneralgouverneur der holländisch-ostindischen Kompagnie, der, „wenn man ihn auch nicht als Grünjder der niederländischen Macht auf Java bezeichnen kann, doch sicher am meisten zur Befestigung derselben beigetragen hat“ Cohn [Coen] hieß. Und können uns leicht davon überzeugen, daß er nicht der einzige jüdische Gouverneur der holländ.-indischen Besitzungen war, wenn wir etwa die Porträts dieser Beamten einer Musterung unterziehen. Wir finden aber Juden ebenso als Direktoren 'der Ostindischen Kompagnie, kurz überall in den kolonialen Geschäften. - , ln welchem Umfange die Juden dann .‘an der Kolonialwirtschaft in Indien teilnahmen, als die Engländer sich zu den Herren machten, ist noch unbekannt. Dagegen sind wir verhältnismäßig gut unterrichtet über den Anteil de? Juden an der Begründung der englischen Kolonien in Südafrika und Australien und wissen, daß hier [namentlich in der Kapkolonie] so gut wie alle wirtschaftliche Entwicklung den Juden . zuzuschreiben ist. ln den 1820er und 1830er Jahren kommen Benj. Norden und Simeon Markus nach Südafrika. Julius, Adolf, James Mosenthal begründen den Woll- und Häutehandel und die Mohair-Industrie; Aaron und Daniel de Pass monopolisieren den Walfischfang; Joel Myers begründet die Straußenzucht; Lilienfeld von Hopetown kauft die ersten Diamanten usw., usw. Eine ähnlich führende Rolle haben die •Juden in den übrigen südafrikanischen Staaten, namentlich auch in Transvaal, gespielt, wo heute 25.000 von den 50.000 südafrikanischen, Juden leben sollen. In Australien finden wir als einen der ersten Großhändler den Montefiore. Recht eigentlich aber das Feld jüdischer Wirksamkeit in Koloniallanden, zumal in den Jahrhunderten der frühkapitalistischen Wirtschaftsverfassung, ist der von dem Europäertum ganz neu gestaltete Westen der Erde. Amerika in allen seinen Teilen ist ein Judenland: das ist das Ergebnis, zu dem ein Studium der Quellen unweigerlich führen muß. Und durch den überragenden Einfluß, den Amerika von dem Tage seiner Entdeckung an auf das europäische Wirtschaftsleben und die gesamte europäische Kultur gewonnen hat, ist natürlich die starke Beteiligung der Juden an dem Aufbau der amerikanischen Welt von ganz 'besonderer Bedeutung für den Ablauf unserer Geschichte geworden. In einer ganz seltsamen Weise sind die Juden gleich mit der Entdeckung Amerikas auf das innigste verwoben; es ist, als ob die neue Welt für sie' allein, durch ihre Beihilfe entdeckt worden sei, als ob die Columbusse nur die Geschäftsführer Israels gewesen seien. So betrachten jetzt auch stolze Juden selbst die geschichtliche Lage, wie sie durch neuere archivalische Forschungen klafgelegt worden ist. Danach soll zunächst [was hier nur im Vorübergehen erwähnt werden mag] erst die jüdische Wissenschaft die Seefahrtstechnik auf eine so hohe Stufe gehoben haben, daß die transozea- *) Aus dem soeben erschienenen, Aufsehen erregenden Werke „Die Juden und das Wirtschaftsleben“, Leipzig 1911. Verlag von Duncker und Humblot. nischen Reisen überhaupt unternommen werden konnten- Abraham Zacuto, Professor für Mathematik und Astronomie an der Universität Salamanca, verfaßt 1473 seine astronomischen Tabellen und Tafeln [Almanach perpetuum]; Jose Vecuho, Astronom und Leibarzt Johanns II. von Portugal, und der Mathematiker Moses erfinden 1484 auf Grund der Zacutoschen Tafeln im Vereine mit zwei christlichen Kollegen das nautische Astrolab [ein Instrument, um aus dem Stande der Sonne die Entfernung des Schiffes vom .Aequator zu bestimmen], Jose übersetzt den Almanach seines Lehrers Zacuto ins Lateinische und Spanische. Sodann soll die materielle Unterlage der Columbusschen Expeditionen von den Juden geschaffen sein. Jüdische Gelder haben die beiden ersten Reisen des Columbus ermöglichte Die erste unternimmt er mit Hilfe des Darlehens, das ihm der Kgl. Rat Luis de Santangel gewährt. An Santange’, den eijent ichen Protektor der Columbus-Expedition, sind auch der erste und zweite Brief des Columbus adressiert; an ihn Ujid an den Schatzmeister von Aragonien, Gabriel Saniheg, einen Marranen. Die zweite Expedition des Columbus wird wiederum mit jüdischem Geld ausgerüstet, das dieses Mal freilich nicht freiwillig gespendet worden war: nämlich mit dem Gelde, das von den vertriebenen Juden zurückgelassen war und das 1493 Ferdinand von Aragonien für den Staatsschatz hatte einziehen lassen. Aber weiter: im Schiffe des Columbus waren eine Anzahl Juden und der erste Europäer, der amerikanischen Boden betrat, war ein Jude: Luis de Torres. - So will es die neueste „aktenmäßige“ Forschung. Und was das Allerschönste ist: neuerdings wird Columbus selber für das Judentum reklamiert! Ich teile diese neueste Entdeckung mit, ohne imstande zu sein, ihre Richtigkeit nachprüfen zu können. In einer Sitzung der Geographischen Gesellschaft zu Madrid hat der Gelehrte Don. Ceiso Garcia de la Riega über seine Columims-Forschungen berichtet, aus denen hervorgeht, daß Christobal Colon [nicht Colombo] ein Spanier und mütterlicherseits von jüdischer Abstammung war. Don Garcia de. la Riega hat aus bischöflichen und Notariatsakten der Stadt Pontevedra in der Provinz Galizien nachgewiesen, daß dort zwischen 1428 und 1528 die Familie des Colon ansässig war, und daß in dieser Familie dieselben Vornamen üblich waren, die man bei den Verwandten des Admirals wiederfindet. Zwischen diesen Colons und der Familie Fonterosa haben Heiraten stattgefunden. Die Fonterosas waren zweifellos ein jüdisches Geschlecht, oder doch erst seit kurzer Zeit zum Christentum bekehrt. Die Mutter Christobäl Colons'hieß Suzanna Fonterosa. Als in der Provinz Galizien Unruhen ausbrachen, haben die Eltern des Entdeckers Spanien verlassen! und sind nach Italien ausgewandert. Diese Behauptungen werden von dem spanischen Gelehrten noch durch weitere Beobachtungen gestützt. Er findet in den Schriften des Columbus zahlreiche Anklänge an die hebräische Literatur; die ältesten Porträts des Amerikaentdeckers zeigen einen echt jüdischen Gesichtstypus. Und kaum waren die Tore der neuen Welt den Europäern geöffnet, so strömten nun in Scharen die Juden hinein. Wir sahen ja, daß die Entdeckung Amerikas in genau dasselbe Jahr fällt, in dem die Juden in Spanien heimatlos werden; sahen, daß die letzten Jahre des 15. Jahrhunderts und die ersten Jahrzehnte des folgenden Jahrhunderts Zeiten sind, -in denen Myriaden von Juden zum Wandern gezwungen werden; in denen die europäische Judenheit wie ein Ameisenhaufen, in den man einen Stock steckt, in Bewegung gerät: kein Wunder, wenn von diesem. Haufen ein großer Teil sich' in die hoffnungsreichen Gebiete der neuen Welt begab. Die ersten Kaufleute drüben waren Juden. Die ersten industriellen Anlagen in den amerikanischen Kolonien rührten von Juden her. Schon 1492 lassen sich portugiesische Juden in St. Thomas nieder und beginnen hier die Plantagenwirtschaft im Großen: sie errichten zahlreiche Zuckerfabriken und beschäftigen bald 3000 Negersklaven. Der Zustrom der Juden nach Südamerika gleich nach der Entdeckung war so. groß, daß im Jahre 1511 die Königin Johanna es für notwendig erachtete, dagegen einzuschreiten. Offenbar aber blieb diese Verordnung ohne Wirkung, denn der Juden drüben wurden immer mehr. Durch Gesetz vom 21. Mai 1775 wurde dann endlich das Verbot der gesetzlichen Auswanderung in die spanischen Kolonien formell aufgehoben. Die .Geschichte der Juden in den amerikanischen 'Kolonien und damit deren Geschichte selbst zerfällt in zwei große Abschnitte, die gebildet werden durch die Vertreibung der Juden aus Brasilien [1654]. Wie die Juden gleich nach der Entdeckung im Jahre 1492 in S. Thome die Zuckerindustrie begründen, wurde schon erwähnt. Um 1550 finden wir diese Industrie auf der Insel schon in voller Blüte: 60 Plantagen, jmit Zuckermühlen und Siedepfannen versehen, erzeugen, wie der an den König entrichtete Zehnte ausweist, jährlich 150.000 Arroben Zucker (ä25Pfd.J. Von hier aus oder von Madeira aus, wo sie ebenfalls seit langem die Zuckerindustrie betrieben, verpflanzen die Juden diesen Industriezweig in die größte der amerikanischen] Kolonien: nach Brasilien, das damit in seine erste Blüteperiode — die durch die Vorherrschaft der Zuckerindustrie bestimmt wird — eintritt. Das Menschenmaterial für die neue Kolonie lieauch, der als erster Generalgouverneur die Verwaltung der Kolonie in Ordnung brachte: in der Tat begann die neue Besitzung erst recht in Blüte zu kommen, als man im Jahre 1540 Thome de Souza, einen Mann von hervorragenden Eigenschaften, hinüberschickte. Aber ihren vollen Glanz beginnt die Kolonie erst zu entfertcn in der ersten Zeit fast ausschließlich Juden und Verbrecher, von denen jährlich zwei Schiffsladungen von Portugal hinübergehen. Die Juden werden sehr bald die herrschende Kaste: „ein nicht geringer Teil der wohlhabenden brasilianischen . .vjfmannschaft bestand aus „neuen Christen“. _:ner ihres Volksstammes war es falten, als sie [1624] in die Hände der Holländer übergeht und nun die reichen holländischen Juden anfangen, hinüberzuströmen. 1624 vereinigen sich zahlreiche amerikanische Juden und gründen in Brasilien eine Kolonie, in die 600 angesehene Juden von Holland her übersiedeln. Noch in dieser ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts waren alle großen Zucke^plantagen in den 'Händen von Juden, von deren umfassender Wirksamkeit und von deren Reichtum uns die Reisenden berichten. Diese Vorherrschaft des jüdischen Elements im Plantagenbetrieb überdauerte die Episode der holländischen Herrschaft über Brasilien und ' dehnte sich — trotz der „Vertreibung“ der Juden im Jahre 1654 — bis in das 18. Jahrhundert aus. Jedenfalls erfahren wir noch aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts: einmal „als mehrere der angesehensten Kaufleute von Rio de Janeiro dem Heiljgen Amte [der Inquisition!! in die Hände fielen, stockte der Betrieb auf so vielen Plantagen, daß Produktion und Handel der Provinz [sc. Bahia] sich erst nach längerer Zeit von diesem Schlage erholen konnten.“ Durch Dekret vom 2. März 1768 werden dann alle Register über die neuen Christen zur Vernichtung . eingeliefert; durch Gesetz vom 25. März 1773 werden die. „neuen Christen“ in bürgerlicher Hinsicht den alten Christen vollkommen gleichgestellt. Es haben sich also offenbar wieder zahlreiche Kryptojuden auch nach der Besitzergreifung des Landes durch die Portugiesen im Jahre 1654 in Brasilien an hervorragender Stelle erhalten und haben dem Lande zu seiner Zuckerblüte dann noch die Edelsteinblüte gebracht, da sie den Handel mit Edelsteinen sehr bald ebenfalls sich unterwarfen. g Aber darum bleibt das Jahr 1654 in der r jüdisch - amerikanischen Geschichte doch von epochaler Bedeutung. Denn ein sehr großer Teil der brasilianischen Juden wandte sich doch damals anderen Gebieten Amerikas zu und verlegte dadurch das wirtschaftliche Schwergewicht dorthin. Vor allem sind es einige wichtige Teile des westindischen Archipels und der angrenzenden Küste, die durch die Erfüllung mit jüdischem Wesen seit dem 17. Jahrhundert erst redit zur Blüte kommen. So Barbados, das fast nur von Juden bevölkert wurde. Es war 1627 von den' Engländern in Besitz genommen worden; 1641 wurde das Zuckerrohr einge- .führt; 1648 begann der Zuckerexport. Die Zuckerindustrie konnte sich .aber nicht behaupten, da die Zucker wegen ihrer schlechten Qualität die Transportkosten nach England nicht deckten. Erst die aus Brasilien vertriebenen „Holländer“ führten daselbst eine regelmäßige Fabrikation ein und lehrten die Einwohner, trockenen und haltbaren Zucker zubereiten, I dessen Ausfuhr alsbald in raschem Maße zu- \x\\W I M/s o-a-ixeixerx-TT"erxxielo „l^onopol“ Wien V. Laurenzgasse Nr. II offeriert Sortiment von Tisch- und Taschenfeuerzeugen von 1 K aufwärts. Cer eisen (Feuerstein) per Dtzd. 1 K, Bei Engros-Abnahme Spezial-Oflert. Rauchrequisiten aus Meerschaum, Bernstein, Elfenbein etc. Grosse -Ä.-o.S’wstill, in eleüstr. TsLSci1.e2aIaj3a.pe2x -u_ Satterien. Prospekt gratis. Bei Berufung auf diese Insserat Preisermäßigung. 's”/ e

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