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Jüdische Zeitung · 1911-03-31 · 13 (31.3.1911) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
13 (31.3.1911)
Date
1911-03-31
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 13 Nun ist aber ihre Lage eine Strafe Gottes, weil sie in ihrem Irrtume verharren und im Dunkeln wandeln, anstatt sich zum Christentum zu bekehren. Werden sie dies tun usw. . . . fort. Es waren nur sieben Zionisten anwesend, die aber die Fortsetzung der Feier unmöglich machten. Sie warfen sowohl dem Pfarrer, als auch dem Staatssekretär — der sonst im Brusttöne der Ueberzeugung gegen die unduldsamen Katholiken zu donnern pflegte — ihr lügnerisches Vorgehen vor. Es entstand _ ein Tumult, und die Versammlung war gesprengt. Am anderen Tage sprachen die Blätter von der Intervention von über 150 Zionisten. Wie auch dieser Fall beweist, verstehen es die Missionäre ebenso gut wie die Jesuiten, hochstehende Persönlichkeiten für ihre dunklen Zwecke zu gewinnen. Außer der Bibelgesellschaft, bezw. der von ihr unterhaltenen schottischen Mission bestehen verschiedene — auch katholische — Missionsvereine, die jedoch nicht nur den gemeinsamen Zweck, die Bekehrung der Juden, verfolgen, sondern auch ganz gleiche Mittel anwenden und in der Wahl dieser jsind sie ganz und gar nicht skrupulös. Dem jesuitischen Prinzipe: „Der Zweck heiligt die Mittel“ huldigen sie samt und sonders. Einen äußerst interessanten Beleg dafür, wie wenig' wählerisch sie in den Mitteln sind, erzählt Prof. Faitlowitsch aus Paris, der lange Zeit unter den abessinischen schwarzen Juden, Fallaschas genannt, verbracht hat. Obwohl die Fallaschas unter desolaten Zuständen und starkem Drucke zu leiden haben, bilden sie die Intelligenz des Landes. Sie haben sich nur einige Brocken des jüdischen Schrifttums und der jüdischen Ueberlieferung bewahrt, aber sie klammerten sich mit Leib und Seele ans Judentum und legen ein äußerst ausgeprägtes jüdisches Solidaritätsgefühl an den Tag. Die katholischen und protestantischen Missionäre wetteiferten miteinander, das Seelenheil dieses begabten Stammes zu retten. Allein die Fallaschas leisteten Widerstand und keiner unter ihnen war zu bewegen, den Lockrufen der Seelenfänger zu folgen. Da griffen die Missionäre zur List und verbreiteten unter ihnen die Kunde, daß der langersehnte Messias bereits gekommen sei und die Juden aller Weltteile aufgesucht habe. Alle Juden hätten sich zum Christentum bekehrt und seien nach Palästina gewandert. Die armen, naiven Fallaschas, die der lügnerischen Kunde Glauben schenkten, weinten, zerrissen ihre Kleider und wehklagten: „Warum hat der Messias uns nicht abgeholt? Auch wir stammen ja aus dem Hause Jakob!“ Auf diese schändliche Weise gelang es erst den Missionären einige tausend Juden zum Christentume zu bekehren. . Diese Vorfälle, wie auch der jüngste Wiener Versiuch, zeigen aufs deutlichste, daß sich die Missionäre nicht scheuen, die heiligsten Gefühle und hehren Ideale des jüdischen Volkes für ihre niedrigen Zwecke auszubeuten. Es wird wohl trotzdem Volksgenossen geben, die da meinen, daß die Freiheit der Meinungsr äußerung unter allen Umständen respektiert werden müsse. Ja, so lange der Gegner kein Betrüger ist. Wollte jemand zum Beispiel in einer Vorlesung den Zionismus wissenschaftlich oder sachlich bekämpfen, so würde ihn nicht einmal der hitzigste Jüdischnationale daran hindern. Wenn man aber versucht, unsere teuersten idealen Güter in den Dienst der Seelenfängerei zu stellen,“ dann wird das jüdische Volk den tückischen Angriff männlich abzuwehren wissen. Aus dem jüdischen Leben. Ein deutsches Fest In Prag. Es wird gebeten, die urgermanischen Namen zu beachten! Das „Prager Tagblatt“ berichtet über den Festkommers der deutschen Verbindung „Neustädter Kollegentag“: Nach den Klängen der „Wacht am Rhein“ begrüsste der Erstchargierte Phil. Morgenstern die Gäste und die alten Herren Dr. Fuchs, Thierfeld, Klinger, Posner, Eisner u. a. Der drittchargierte Woliryzek feierte das deutsche Prag und die deutschen Hochschulen, Ing. Fuchs erwiderte mit dem Walilspruch „Frei, Deutsch, Treu“. Namens der Verbindung „Markomania“ (siehe Beda) sprach juc- Kaufmana. Für die Verbindung „Staufia“ med. Stein, für den deutschen Turnverein Herr Fischer und für Turnverbindung „Eiche“ juc, Arendt (früher Abeies) Fuchs Frank toastierte auf die Alten Herren, worauf ihm Dr. Klep etar (Heil und Sieg!) erwiderte. Mit einem Tanz endigte das Bchöne deutsche Fest. — Wie lange wird die germanische Ghettokomödie noch dauern? Die jüdische Selbstmordstatistik in Deutschland. Die Selbstmordziffern sind bei den deutschen Juden in auffallendem Steigen begriffen. In den Jahren 1845—1855 kamen auf je eine Million in Preußen 46, in Bayern 106 Selbstmörder; 1891—1900 waren es 241 resp. 212, Ziffern, die für den Zeitraum von 1901—1907 auf 294 resp. 253 aufschnellten. Die Selbstmordziffer ist höher als die der christlichen Konfessionen. Auf eine Million evangelischer kamen 1901—1907 in Preußen 252, in Bayern 221, während die betreffenden Ziffern für Katholiken die überhaupt niedrigsten sind: 101 resp. 102. Als Ursache der starken „Selbstmordlichkeit“ der Juden nimmt Dr. Wassermann in der „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden“ an, daß die berufliche Gliederung der Israeliten und deren fortschreitende Konzentration die Wahrscheinlichkeit des Selbstmordes steigert. ' Judenhetzen in Marokko. In Debdo wohnten 300 jüdische Familien, die bisher in ihrer „Mellah“ [Judenviertel] ziemlich unbehelligt lebten. Vor kurzem brach nun eine Fehde zwischen den mohammedanischen Bewohnern des Städtchens aus, und die beiden streitenden Parteien wählten das Judenviertel zum Schauplatz ihrer Kämpfe. Später überfielen beide Parteien die' Häuser (der Juden, raubten und plünderten alles, was ihnen unter die Hände kam, und richteten unter der jüdischen Bevölkerung ein entsetzliches Blutbad an. ln den Straßen lagen zahlreiche jüdische Leichen umher. Kleine Kinder, die von ihren Eltern tagelang verborgen gehalten worden waren, .ohne daß ihnen ein Schluck Wasser hätte gereicht werden können, kamen vor Durst um. Einer Gruppe von 20 jüdischen Männern gelang es, nach Odschda, das unter französischem Schutz steht, zu entkommen. Hier überreichten sie den französischen Behörden eine Beschwerdeschrift und wandten sich auch an die Alliance Israelit»? um Hilfe. Bisher ist nichts Näheres über den Erfolg dieser Bemühungen bekannt . Von der größten Judenstadt. Die vor kurzem abgeschlossene amerikanische Volkszählung hat ergeben, daß New-York heute eine Einwohnerzahl von mehr als dreieinhalb Millionen besitzt. Aber unter diesen dreieinhalb Millionen befinden sich nur 737.447 echte Amerikaner, Bürger, deren Eltern bereits in Amerika geboren worden sind. Der übrige Teil der Bevölkerung setzt sich aus Europäern zusammen, die zum großen Teil zwar die amerikanische Nationalität formell erworben, aber noch keineswegs alle Eigentümlichkeiten ihrer Rasse und Heimat abgestreift haben. Unter diesem Gesichtspunkte zählt das heutige New- York nicht weniger als 639.000 Deutsche, 595.210 Iren, 262.864 Oesterreidier und Ungarn usw. Man könnte also sagen, daß nach dieser ausindischen Bevöälkerungszahl New-York nicht nur die größte Stadt Amerikas ist, sondern auch die drittgrößte deutsche Stadt, die größte irische Stadt und die viertgrößte österreich-ungarische. Als deutsche Stadt wird New-York nur von Berlin und Hamburg übertroffen. Doch zugleich ist New-York die Metropole des Judentums, denn die Volkszählung hat ergeben, daß in der amerikanischen Riesenstadt nicht weniger als 672.776 Juden leben. Warschau, das in Europa die Stadt mit der größten jüdischen Bevölkerung ist, zählt insgesamt nur 262.864 Juden. Eine Judenlegion in der türkischen Armee. ln der Konstantinopler „Jeune Ture“, erzählt Seif-Ed-Dine-Gaßtow vom Versuche des großen .polnischen Dichters M i ck i e w i c z und seines jüdischen Sekretärs Armand L e v y, eine jüdische Fremdenlegion für die türkische Armee anzuwerben. Das war im Jahre 1855, zurzeit des Krimkrieges. Bekanntlich hat Mickiewicz damals auch polnische und andere Legionen für die türkische Armee organisiert. Ueber die geplante Judenlegion schreibt Seif-Ed-Dine: ,,Mickiewicz, obgleich selbst Katholik, kannte genau den Geist der jüdischen Rasse, die eine so große Zahl .von Repräsentanten in Littauen, der Geburtsstätte des Dichters, besaß Die Idee des Denkers war, daß diese Rasse, die trotz scheinbarer Assimilation ihren nationalen Charakter zu erhalten! vermocht hat, imstande wäre, eine bewaffnete Macht im Dienste des Reiches zu bilden, für welches alle Israeliten Dankbarkeit empfinden müßten. Mickiewicz wollte nicht nur seine Nation, sondern auch alle andern Nationen sich zum Lichte und _ zru Gerechtigkeit erheben las-t sen. Aus diesem Gründe wollte er, der die Lage der russischen und polnischen Juden kannte, ihnen zur Wiedererrichtung jenes nationalen Ideals; verhelfen, ohne das kein Volk sich entwickeln könne. Da er wußte, daß die Haupteigenschaft der Juden die Liebe zu ihrer Rasse ist, so dachte er sich, daß er durch die Zusammensetzung einer ausschließlich aus Juden bestehenden Wehrtruppe, die sich in den Dienst der gerechten Sache gegen die Tyrannei stellen würde, in den Juden den Nationalstolz, das Andenken der Makkabäer und der großen Herren der Bibel erwecken und dadurch auch die Würde des jüdischen Volkes erwecken würde. Sein Sekretär Armand Levy tat als Jude sein Möglichstes, den Plan durchzuführen, aber die Versuche scheiterten an dem Widerstande der einflußreichen Juden, die, zu stark assimiliert, Angst hatten, auf. das Projekt eirizugehen.“ Dem Vertreter der „Aurore“ gegenüber bemerkte der erwähnte Publizist .überdies, daß er Kenntnis davon habe, daß die zwischen, Mickiewicz und seinem Sekretär Armand Lewy einerseits und den großen jüdischen Finanzi’rs jener Zeit andererseits in dieser Angelegenheit gepflogene Korrespondenz noch existiert und daß es für die Juden von besonderem historischen Werte wäre, sie zu erwerben und sicherzustellen. Neuentdeckte Zisternen in Ben-Schamen. Aus Jaffa wird gemeldet: Bei den Aushebungsarbeiten für den Bau der Arbeiterhäuser des Bezalel in Ben-Schamen bei Lydda stieß man auf zwei Zisternen aus altjüdischer Zeit. Diese Zisternen waren noch in so gutem Zustande, daß sie sofort in Verwendung genommen werden konnten. Dies ist um so wichtiger, als die Frage der Wasserversorgung in Ben-Schamen eine sehr schwierige Angelegenheit ist. Von der galiläischen Kolonie Magdala. Aus Tiberias wird geschrieben: Im Jahre 1909 kaufte eine Gesellschaft wohlhabender jüdischer Palästinafreunde aus Moskau die deutsche Besitzung Magdala [Medschdel] am Tiberiassee, in der Absicht, dort eine Baumwollpfianzung anzulegen. Seit dem Sommer 1910 werden nun die für die Anpflanzung notwendigen Vorarbeiten, wie Beseitigung des Gerölls, Umbruch und Tiefpflügung des Bodens, Anlage von Feldwegen usw. durchgeführt. Demnächst soll mit dem eigentlichen Anbau begonnen werden. Gegenwärtig arbeiten in Magdala 70 jüdische Landarbeiter, hauptsächlich Aschkenasim, doch auch eine Anzahl Sephardim. Unter den Aschkenasim gibt es auch einige Handwerker: Maurer, Schmiede, Schreiner usw., die aus Safed und Tiberias nach der neuen Kolonie gekommen sind. Eine Gruppe von 35 unverheirateten Arbei- . tern hat eine gemeinsame Küche und Speisehälle eingerichtet. Nur die „Wohnungsfrage“ ist bisher noch nicht befriedigend gelöst worden, da es an geeigneter Unterkunft für die zahlreiche Arbeiterschaft fehlt. Wohl baut man jetzt ein o Einlagen auf Büohei An- und Verkauf von Wertpapieren. Börsenordres. Darlehen auf Wertpapiere. Wechsel-Eskompte. (j Versicherung gegen Kursverlust Safes der besten Konstruktion. WIENER FILIALE DER Zivnostenskä banka PRO CECHY A M0RAVU WIEN, I. Herrengasse Nr. 12. Aktienkapital K 60,000.000. c Reserve- und Sicherstellungsfonds rund K 16,000.000 Zentrale in Prag, gegr. 1868. Filialen: Brunn, Budweis, Iglau, Krakau, Lemberg, Mähr.-Ostrauj Olmütz, Pardubitz, Pilsen, Proßnitz, Tabor u. Triest. Wechselstuben, I* Herreng. 12, II. Praterstr. 42, VII. MariahUferstr. 84, X. Favoritenstr. 95.

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