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Jüdische Zeitung · 1911-03-24 · 12 (24.3.1911) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
12 (24.3.1911)
Date
1911-03-24
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 12 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 Wut richtet sich daher in erster Linie gegen den Zionismus und in ihren Versammlungen spricht man mehr vom Zionismus als bei zionistischen Kongressen. Diese Reformrabbiner scheuen auch vor Denunziationen nicht zurück und haben das alte Märchen, Zionisten müßten schlechte Staatsbürger sein, in Amerika in Umlauf zu bringen versucht. Doch werden diese Verleumdungen den Siegeslauf der national-jüdischen Idee unter der amerikanischen jjpderischaft nicht aufhalten.“ \ Parteinachrichten. Mitteilungen des i. o. D.-K. Sch ek eI agi t at i o n 5671. Der in der heutigen Nummer veröffentlichte Aufruf soll die Grundlage für die diesjährige. Schekelagitation im i.-ö. Distrikte bilden. Er wird als Flugblatt gedruckt werden. Die Schekelkommissäre und jene Gg., die sich mi: der Agitation befassen, rppgen. die Schekelflugblätter im Büro, IX., Türkenstraße 9, beheben. . Schekelwochenausweis. „Zion... Frauenverein“ [Sch.-K. Frau Weissl K 60.—; „Theodor Herzl“ [Sch.-K. Rosenbaum[ K 13.20; „Zephira“ [Sch.-K. Grünbaum] [4- K 12| K 7.20; „Kadimah“' [Sch..-K. Buchbinder! [4- K 7.20] K 9.60; Teitelbaum [Block 591731 [-{- K 79.-j-j K 3.60; „Zion. Zentralverein“ [Sch.- K. Ing. Groag] [-J- K 295.20] K_4.S0; Jugendorganisationen Wiens per Ing. Groag [„Chewra“!, K 12.—; Dr. Körner (Block 59178, 591791 K 2O.S0. Summe: K 131.20; bereits ausgewiesen: K ,615.40; zusammen: K 746.60. Die jüdische Kunstge werbe schule „Bezahl*f in Jerusalem. Unter den Schöpfungen der Zionistischen Organisation rangiert der „Beza lei“ an erster Stelle. In überraschend kurzer Zeit ist dieses Institut emporgeblüht und hat schon eine stattliche Anzahl von Kunsthandwerkern ausgebildet. Die Produkte des „Bezalel“ haben in Europa, wo viele Ausstellungen veranstaltet wurden, Bewunderung erregt und finden reißenden Absatz. Nachstehend sei der 5. Berichtdes „Bezalel“ auszugsweise wiedergegeben: "Nachdem in unserer Schule eine große Anzahl tüchtiger Arbeiter und Arbeiterinnen herangebildet sind, dürfen wir nunmehr damit beginnen, einen Teil derselben auf dem flachen Lande anzusiedeln und somit den ersten Schritt zur Verbreitung des Kunstgewerbes äußerhalb Jerusalems zu tun. In der Nähe Lydda’s, einer Station der Eisenbahn Jaffa-Jerusalem, in Ben Schämen, geht die erste Arbeiter-Kolonie des „Bezalel“ ihrer Vollendung entgegen. Mit dem Bau der Arbeiterhäuser und der Werkstatt wurde bereits vor mehreren Monaten begonnen, eine Anzahl derselben sind unter Dach und Fach und die übrigen Häuser, sowie die Werkstatt, werden gleichfalls in Bälde beziehbar sein. Die Arbeiter werden sich in der gemeinsamen Werkstätte gegen ein festes monatliches Einkommen, wie sie es auch seither in Jerusalem bezogen haben, mit der Herstellung kunstgewerblicher Gegenstände befassen, während deren Frauen und die erwachsenen Kinder Gemüsebau, Geflügelzucht und Milchwirtschaft betreiben können. Den Frauen wird außerdem Gelegenheit gegeben werden, sich mit Teppichknüpfen und mit der Anfertigung von Spitzen zu befassen. Für die Ansiedlung haben wir zunächst 8 tüchtige jemenitische Arbeiter der Filigranabteilung mit ihren Familien, ferner 4 Arbeiter aus dem Holzatelier, sowie einen Werkmeister in Aussicht genommen. Bewährt sich unser erster Ansiedlungsversuch und finden wir die genügende pekuniäre Unterstützung, so werden wir später eine weitere Anzahl derartiger Kolonien in anderen Gegenden Palästinas zu begründen suchen. Der Aufschwung der Schule, den wir bereits in unserem letzten Berichte verzeichnen konnten,_ hat sich in der diesmaligen Berichtsepoche in rapider Weise fortgesetzt. Die erst 4 Jahre bestehende Schule ist zu einem wahren Großbetriebe ausgewachsen. Die Zahl der am „Bezalel“ beschäftigten Personen betrug im Jahre 1908 zirka 100, im Jahre 1909 zirka 130, im Jahre 1910 zirka 270 Köpfe. Des Wert der hergestellten und verkauften Erzeugnisse belief sich im Jahre 1908 auf zirka 20.000 Francs, im Jahre 1909 auf zirka 35.000 Francs, im Jahre 1910 auf zirkä’v 90.000 Francs. , Vor mehreren Monaten besuchte ein Sachverständiger , — ein in Berlin wohl renommierter, tüchtiger Kunstgewerbler — die Schule. Aus seinem Berichte möchten wir folgende bemerkenswerte Stellen zur allgemeinen Kenntnis bringen: „Die jetzt in der Werkstatt hergestellten Teppiche weisen gegen die früheren, die ich Vor einigen Jahren in Berlin sah, schon einen ganz bedeutenden Fortschrkt auf. Die Technik als solche läßt meines Erachtens nichts mehr zu wünschen übrig, ehe wäre es zweckmäßig, die Formen und Farben noch etwas zu entwickeln. Die Entwicklung läßt erkennen, daß die Zeit nicht allzu fern ist, wo die Bezalel-Tepp i ch e voll und ganz den Wettbewerb mit persischen und türkischen Erzeugnissen werden aufnehthen können.“ „Die F i 1 i g r ä n - W e r k s t a 11 macht auf den Europäer einen eigenartigen Eindruck. An den Wänden entlang hocken auf den Tischen, jeder seinen Werkzeugkasten vor Sich, die jemenitischen Arbeiter, die in der Filigranarbeit bereits außerordentliche Kenninisse besitzen. Unter dem jungen Nachwuchs sind eine Reihe interessanter Typen, Knaben mit intelligentem Gesichtsausdruck, welche'’rtiit großem Fleiße lernen.“ „Die Erzeugnisse der Damaskuswerkstatt sind meines Erachtens auf derselben Höhe, wie die Arbeiten, die man in Cairo und anderwärts im Orient in den Basaren sieht. Außer jungen Leuten, arbeiten auch eine Anzahl junger Mädchen iti^dieser Werkstatt, und ich war erstaunt, Mädchen von 11—12 Jahren zu sehen, die mit großer Sicherheit die doch immerhin schwierige Ausgründung des Metalls beherrschen. ln der kurzen Zeit von 4 Jahren ist hier, wenn man berücksichtigt, daß man nicht mit vorgebildeten Kunsthandwerkern begonnen hat, sondern mit Menschen, die früher derartiges überhaupt nicht kannten, Erstaunliches geleistet worden. Größere Resultate kann man in so kurzer Zeit nicht erwarten.“ „Die Menschen, für die die Arbeit dort geleistet wird, sind dieser Fürsorge wert. Ich habe von ihnen den denkbar günstigsten Eindruck gewonnen. Die Mädchen, welche doch meistens aus sehr ärmlichen und einfachen Verhältnissen kommen, fühlen sich in der Schule sehr wohl, so daß sie auch ihre freie Zeit dort' verbringen.“' , ' : ' : - „Der Traum des Herrn Professors Schatz, später einmal die umliegenden freien Bauplätze für die Schule anzukaufen und dort Lehrerwohnungen und andere, der Schule zu Gute kommende Einrichtungen zu bäuen und so aus der Schule eine Kolonie zu schaffen für geistige und künstlerische Kultur in Jerusalem, möge sich in nicht allzuferner Zeit erfüllen!“ Es fanden Ausstellungen satt: Oktober 1909 in Katt o witz. Dezember 1909 in Beuthen. Januar 1910 in Hamburg, Leipzig, Wien, Königsberg, Duisburg, Dt. - E y I a u und Kempen. Februar 1910 in Posen, T arnowitz, Krotoschin und Lemberg. März 1910 in Suczawa, Stolp, Danzig, R a - dautz und Burstyn. April 1910 in Hildesheim und Halberstadt. Mai 1910 in Rohatyn. Juni 1910 in Gurahumora. August 1910 in 5 a r a j e w o. Ueber die Entwicklung der verschiedenen Ateliers ist das Günstigste zu berichten. Dieselben weisen gegen das Vorjahr eine bedeutende Zunahme des Arbeiterbestandes auf. Vor einigen Monaten wurde eia, von dem Verband Jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina subventioniertes Spitzenateüer am „Bezalel“ eröffnet, das von 3S jungen Mädchen besucht wird. Ein derartiges Spitzenatelier besteht bereits unter der Leitung von Frau Dr. Thon in Jaffa, welche auch die Oberleitung unseres Spitzenateliers übernommen hat. Für die Spitzenabteilung wurden zwei tüchtige Lehrkräfte engagiert. Der Lehrkörper an der Schule setzt sich aus folgenden Personen zusammen: Herr Professor Boris Schatz, Direktor der Schule. Aharony, Leiter des Museums, Sawulsky, Leiter des Teppichateliers. Kantorowicz, Werkmeister des Teppichateliers. Fruma Rein, Leiter des Seidenteppichateliers. Persow, Werkmeister der Filigranabteilung. Eidam, Werkmeister des Rahmen- und Inkrustationsateliers. Baradon, Leiter der Kupferabteilung. Persow sen., Werkmeister in der Kupferschmiede. Dawidow, Leiter der Musterabteilung. Frau Katarbursky, Lehrerin am Spitzenatelier. Frau Lisetansky, Lehrerin am Spitzenatelier. Herr Silman, Lehrer im Hebräischen. Jacob Stark, Zeichenlehrer der Abendkurse. Jaryczower, Turnlehrer. Samuel Levy, Gesangslehrer. Jacob Rein, Leiter der Färberei. Popovits, Leiter der Korbflechterei. Gerzowitsch, Leiter der lithographischen Abteilung. Es waren beschäftigt: im Teppichatelier 84 und im Seidenteppichatelier 10 Arbeiterinnen, in der Filigranabteilung 54, in der Holz- und Inkrustationsabteilung 33 und in der Kupferabteilung 21 Arbeiter, im Spitzenatelier 38 Arbeiterinnen, in der Musterabteilung und der Zeichenklasse 15 Schüler. Es stammten: aus Palästina 121, Persien 7, Rußland 41, aus dem Yemen 62 und aus der Türkei 9 Arbeiter resp. Arbeiterinnen, aus Amerika 1, Spanien 1, Rumänien 1 und England 1 Arbeiter, aus Galizien 4 und aus Bulgarien 2 Arbeiter resp. Arbeiterinnen und aus Grusien 4 Arbeiterinnen. Verheiratet waren: 43 Arbeiter resp. Arbeiterinnen. Waisen waren: 31 Knaben resp. Mädchen. Aus dem jüdischen Leben. Statistik der Judentaufen. Dr. J. Zoll sch an, der Verfasser 'des bekannten Werkes „D as Rassenproble m“, brachte kürzlich in einem Vortrage folgende Daten: Man schätzt, nicht hoch gegriffen, die Zahl der Taufen im 19. Jahrhundert auf etwa 204.000. Davon entfallen auf Deutschi.and rund 22.000, England samt Kolonien 28.000, Oesterreich-Ungarn 44.000, Rußland 84.000, Amerika 13.000 Taufen, ln Berlin beträgt die Zahl der Taufen 1 auf 146, in Wien ist das Verhältnis 1:260. In den letzten 25 Jahren verließen in Wien 10.000 Juden (das Judentum; die Zahl der Taufen stieg hier von 300 im Jahre 1890 auf 661 im Jahre 1904. Bei den getauften Männern überwiegen die Angehörigen der höheren und freien Berufe, bei den Frauen die niederen und proletarischen Berufe. Was die Mischehe betrifft, so entfallen in Wien auf 100 jüdische Eheschließungen 13 Mischehen, ln Budapest, wo sich der Westen mit dem orthodoxen Osten berührt, bildeten die Mischehen im Jahre 1907 10 Prozent. In Deutschland waren in den letzten Jahren 24 Prozent, in Frankfurt a. M. 30 Prozent, in Berlin in den Jahren 1905 und 1907 35 Prozent und 40 Prozent, in. Hamburg 46 Prozent aller jüdischen Ehebündnisse Mischehen. In Italien hat die Mischehe besonders verheerend und zersetzend auf die jüdische Bevölkerung eingewirkt. Schon in Triest ist der italienische Einfluß sehr fühlbar; es waren dort 1891 38 Prozent, 1896 46 Prozent, 1903 61 Prozent aller jüdischen Ehen Mischehen! ln Dänemark stieg der Prozentsatz der Mischehen von 35 Prozent auf 83 Prozent im Jahre 1905. In Frankreich und England steigt der Prozentsatz der Mischehen ebenfalls von Jahr zu Jahr. Dagegen spielt die Mischehe bei den Ostjuden Rußlands, Galiziens, Amerikas und Englands eine verschwindend kleine Rolle. Vorwurf der Taufe,— (keine Beleidigung. Die Budapester Königliche Tafel fällte kürzlich ein interessantes Urteil: In einer Provinzzeitung wurde ein Gemeindefunktionär als g etaufter Jude bezeichnet. Der Angegriffene klagte und der Redakteur des Blattes wurde, da er die jüdische Abstammung des Klägers resp. das Faktum der Taufe nicht erweisen konnte, der Ehrenbeleidigung für schuldig erklärt und vom Gerichte erster Instanz zu einer Geldstrafe im Betrage von 120 Kronen verurteilt. Er legte Revision ein und die Königliche Tafel kassierte das erflossene Urteil und fällte einen Freispruch, der wie nachstehend begründet wird: „Der Uebertritt von einer Konfession zur anderen ist Die Böhmische Industrial-Bank-Filiale in Wien, I.t Wipplingerstr. 2 Telephonnnmmern 18347,21813, 23067, 23068,23069 — Aktienkapital K 30,000 OOP.— verkauft soweit der Vorrat reicht Österreichische KrOfien-Reilte ~ —" Emission 1911 .. . . freie Stücke zum jeweiligen offiziellen Geldkurse. 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