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Jüdische Zeitung · 1911-03-17 · 11 (17.3.1911) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
11 (17.3.1911)
Date
1911-03-17
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 11 diese Besuche betreffenden Geboten gewidmet. Es bestanden von alters her und bestehen noch Bikkur-Aohin-Vereine, deren besonderer Zweck es ist, die Kranken zu besuchen und für sie zu sorgen. Die alten Chasidim waren in Gruppen geteilt, eine für jeden der sieben Zweige der Liebeswerke, die in der rabbinischen Literatur erwähnt werden und zu denen eben auch das Besuchen von Kranken gehörte. Die alten Juden hatten außerdem das Xenodochim oder Pandek zur Aufnahme von Reisenden oder Hilfslosen, dem das Ptochötropheum oder Krankenhaus angeschlossen war, wie der heilige Hieronymus sagt, als „ein Zweig von Abrahams Terebinthe“ von Osten nach dem Westen verpflanzt worden. Die Juden hatten die Gewohnheit, ein Zehntel ihres Besitzes der Wohltätigkeit zu opfern und — entgegen der Gepflogenheit der Essäer und ersten Christen, alles herzugeben, was sie besaßen — bestimmten die Rabbiner, daß keiner mehr als ein Fünftel fortgeben solle, damit er jederzeit imstande wäre, sich und seine Familie zu erhalten. Bei den Essäern, deren reine Sittenlehre dahin führte, daß sie jeder tierischen Nahrung entsagten, sich weigerten, Sklaven zu halten und eigenhändige Arbeit als ehrenhaft ansahen, war die Sorge für die Kranken eine beständige Pflicht. So sagt Philo von ihnen: „Sie vernachlässigen auch die Kranken nicht, die unfähig sind,» ihren Teil beizutragen, denn sie haben in ihrer Schatzkammer genügende Mittel, um denen zu helfen, die in Not sind:“ Und ferner:' „Wenn jemand krank ist, wird er mit Arzneien aus dem allgemeinen Vorrat geheilt und empfängt. die Fürsorge aller.“ Eine Richtigstellung. Die Nr. S. der „Mitteilungen des mähr.- schles. zionistischen Distriktskomitees“ enthielt Ausführungen, welche ihrer Fassung nach geeignet sind, das Ansehen des innerösterr. Distriktskomiiees und seines Organes „Jüd. Ztg“, herabzusetzen. Natürlich wurde dieser Umstand von der antizionistischen Presse, insbesondere. der „Oesterr. Wochenschrift“, freudig aufgegriffen. Der Präsident des Zentralkomitees für Oesterreich und das i.-ö. Distriktskomitee haben Gelegenheit genommen, dieser Irreführung der Oeffentlichkeit entgegenzutreten. Der Obmann des Z. K. antwortet auf eine Eingabe der „Jüd. Ztg.“, wie folgt: Löbl. Redaktion der „Jüdischen Zeitung“, Wien. Sehr geehrte Herren Gg.! In Beantwortung Ihres geehrten Schreibens vom vl3. d. bestätigen wir Ihnen, daß in der Sitzung des ZZK. vom 15. Jänner d. J. der Antrag auf neuerliche Entsendung eines Vertreters in das Redaktionskomitee Ihres geschätzten Blattes Vorgelegen ist und abgelehnt wurde. Daß mit dieser Haltung keinerlei Maßregelung der „Jüd. Ztg.“ beabsichtigt > war, geht schon aus dem Umstande hervor, daß im Einverständnisse mit den anwesenden Vertretern Ihres gesch. Blattes die Vertreter des i.-ö. Distriktes, dessen Organ nunmehr die Zeitung ist, für die Nichtentsendung stimmten. Die leitende Erwägung hiebei war die, daß Ihr gesch. Blatt als Organ des Jüd. N-Ver. für Oesterreich in politischen Fragen, die in der allgemeinen zionistischen Organisation noch nicht ganz geklärt sind, die nötige Bewegungsfreiheit haben müsse. Wir bestätigen Ihnen das gerne, da wir jeder Mißdeutung obigen Beschlusses Vorbeugen wollen. Mit bestem Zionsgruß ergebenst Zionistisches Zentralbureau. Adolf Böhm! ■ * Das Distriktskomitee für Innerösterreich hat anläßlich des Erscheinens der Nummer 8. der Mitteilungen des D. K. für Mähren-Schlesien einen Protest im Wege des Zentralkomitees an den mähr.-schles. Distriktstag gerichtet, dem wir folgendes entnehmen: „Zunächst stellen' wir fest, daß diese Mitteilungen in wesentlichen Punkten mit den Tatsachen in Widerspruch stehen. Es wird tendenziöser Weise hervorgehoben, daß das Zentralkomitee am 11. September 1910 noch die „Jüd. Ztg.“ den Gesinnungsgenossen empfehlen konnte, ferner, das die „Jüd. Ztg." am 1. Jänner 1911 in andere Hände übergegangen sei. Hiedurch wird absichtlich in der nicht informierten Oeffentlichkeit die Meinung hervorgerufen, daß das Zentralkomitee die „Jüd. Ztg*“ nunmehr als ein Organ betrachtet, das der Unterstützung der Zionisten unwürdig geworden ist und aus. dem Parteibesitz in die Hände unverantwortlicher und züder Partei im Gegensatz stehender Elemente geraten ist. Gerade das Gegenteil ist aber wahr. Die Haltung der „Jüd, Ztg.“ ist immer eine p arteitreue, streng zionistische und nationale und in dieser Richtung vom Zentralkomitee anerkannte gewesen, und die Zeitung selbst ist nach1 wie vor unter einer Leitung verblieben, die durchwegs aus unseren verläßlichsten, fleißigsten 'und opferwilligsten Gesinnungsgenossen besteht, die ausnahmslos offizielle Parteistellen bekleiden. In den „Mitteilungen“ wird eine Kritik an der Haltung und „Schreibweise“ der „Jüd.Ztg.“ geübt, die ohne jede sachliche Begründung und ohne Anführung von Tatsachen sich mit übelwollenden, herabsetzenden Bemerkungen zufriedengibt, die wohl einem Assimilantenorgan gegenüber viel besser am Platze wäre, als dieser von uns im Interesse der zionistischen Sache unter großen Opfern erhaltenen Zeitung.“ * . Auf die Besprechung der prinzipiellen Bedeutung der Angelegenheit und einzelner Details werden wir noch zurückkommen. Allerlei» Die Dönmes. Die Dönmes — nennt man in der Türkei die vor zweihundert Jahren zum Islam übergetretenen spanischen Juden. Sie sind an Zahl nicht sehr groß, ersetzen Mies aber durch scharfe Intelligenz und Betriebsamkeit. Ihr Hauptsitz befindet sich in der Provinz Salonik. Von den eigentlichen Muselmanen w'erden sie nicht für vollwertig anerkannt. Sie heiraten untereinander und haben verschiedene Gebräuche des Judentums in ihren neuen Glauben hinübergenommen und durch zwei Jahrhunderte zu bewahren gewußt. Ihre geistige Ueberlegenheit kam der Umwälzung im Juli 1908 sehr zu statten. Sie spielten hierbei eine nicht zu unterschätzende Rolle. Ohne die wirksame' Unterstützung der Dönmes mit ihren vielseitigen Verbindungen hätte die Umwälzung vielleicht andere Formen angenommen. In der Folge suchten sie ihren Platz in den "vorderen Reihen. Als ihr Führer gilt der begabte Finanzminister Mehmed Dschavid Bey. . Die Pariser jüdische Gemeinde. 1910 zählte die jüdische Gemeinde 3870 Mitglieder [195 mehr als im Vorjahre], die 258.400 Francs aufbrachten. Angestellt w'aren 11 Rabbiner, 16 Kantoren, 19 Sekretariatsbeamte, 5 Ghordirektoren, 124 Chorsänger, 17 Schächter und 36 Synagogendiener. Der. Religionsunterricht wurde von 2830 Kindern besucht. Die Anzahl der Barmizwohs, Trauungen und angemeldeten Todesfälle ist erheblich zurückgegangen, ein Beweis des zunehmenden religiösen Indifferentismus. Bodenschätze am Toten Meer. Ein großes Syndikat, das hauptsächlich über amerikanisches Kapital verfügt, hat von der türkischen Regierung eine Konzession von weittragender Bedeutung erworben: das Recht,die unermeßlichen Bodenschätze zu heben, die bisher unausgenutzt an der Umgebung des Toten Meeres schlummerten. Die Umgebung des berühmten Meeres, jene althistorische geheiligte Region, ist von der Natur mit einem außerordentlichen mineralischen Reichtum bedacht werden. Dort findet sich das feinste und reinste Erdpech, und in der Zeit von Byzanz w'ar die Gegend durch ihre reichen Kupferbergwerke berühmt. Daneben finden sich Marmor, Porphyr und andere kostbare Steine. Doch auch große Mengen von Phosphat, das für die Landwirtschaft von so großer Bedeutung ist, sind in jenen Gegenden^-gefunden worden, ohne daß je systematisch eine Hebung dieser Schätze betrieben worden wäre. Aber die Reichtümer des Toten Meeres sind damit noch nicht erschöpft; die Amerikaner, die die Gegend nun genauer untersucht und das Tote Meer in allen seinen Teilen befahren haben, haben an den Ufern gewaltige Salzanhäufungen gefunden und auch Anzeichen endeckt, die auf große Fundstellen für Petroleum und Kohlen hinweisen. Wie weit die Gewässer heilkräftig sind, wird eine wissenschaftliche Untersuchung erweisen. Das Tote Meer zählt zu den salzreichsten Gewässern der Erde; während das Kaspische Meer in einer -Tonne Wasser durchschnittlich elf Pfund Salz enthält, die Ostsee 18 Pfund, das Schwarze Meer 26,vif er atlantische Ozean 31, der Aermelkanal 72, das Mittelmeer 85 und das Rote -Meer 93 Pfund, zeigt das Töte Meer auf eine Tonne Wasser einen Salzgehalt von, nicht : weniger als 187 Pfund. Juden auf;der Insel Ceylon. Ein jüdischer Forscher, der gegenwärtig in Indien weilt, unternahm jüngst eine Reise nach Ceylon, um dort das unter dem. Namen „Synagoge“ bekannte historische Gebäude zu besichtigen. Er fand ein Gebäude vor, das im. Synagogensfile des 17. Jahrhunderts gebaut ist,-und heute als Mietshaus von Privaten bewohnt ist. Die Juden, die im 17. Jahrhundert, als Ceylon noch den Holländern gehörte, daselbst eine eigene Gemeinde bildeten, sind zum Teile ausgewandert und zum Teile in der übrigen Bevölkerung aufgegangen. Unter der eingeborenen europäischen Bevölkerung1 gibt es zahlreiche christliche Familien mit jüdischem Familiennamen. Mehrere Ortschaften auf der Insel tragen biblische Namen. 9epeins-ii.!lBrsainmlDngsiiac1iriGlitBii. Voranzeigen. Der Verein jüdischer Hochschüler „Cheruth“ und der Allgemeine Jüdische Arbeiterverein „Poale Zinn“ veranstalten Sonntag, den 26. Marz d. J., im Saale des Hotel Kontinental, II., Taborstraße 4, einen — Bibelabend. bei dem Frl. Lia Rosen, Mitglied des Burgtheaters, ferner die Herren Hermann Bahr, Hofschauspieler Albert Heine und Dr. Franz Oppenheimer, Dozent an der Universität Berlin, mitwirken. Beginn präzise halb 8 Uhr abends. Karten ä K 10.—, 5.—, 3.50, 3.—, 2.50, 2.— und 1.50 sind im Zentralkartenbureau Kehlendorfer, I., Krugerstraße 3, im Hotel Konti- ’nental [Portierloge], Jüdischen Handelsangestelltenverband, II., Taborstraße 20 [7—9 Uhr abends] und Komiteelokal: Cafe Mocca, I., iSchöttenring 12 [6—9 Uhr abends] erhältlich. Wien. [Ness-Zionah.] Das Seminar ries Herrn Dr. Hermann Kadisch hat am Dienstag, den 14. März 1911, begonnen. Am Diestag, den 21. März 1911, abends 8 Uhr findet im Vereinslokale Cafe MocC'1, I., Schottenring 12, der 2. Vortrag statt. Die weiteren Vorträge finden je an den d arauffolgenden Dienstagen im Vereinslokale statt. Wien. [Allgemeiner jüdischer Arbeiterverein „Poale-Zion“.] Wir ersuchen alle unsere Parteigenossen zu der am Samstag, den 18. d. M., im Saale des „Cafe Stefanie“, II., Stefaniestraße 2, stattfindenden, [dringenden] Mitgliederversammlung um 8 Uhr abends, vollzählig zu erscheinen. _ Wien. Verein jüd.-soziaüstischer Hochschüler „Cheiruth“.] Freitag, den 17. d. M. im Cafe Rembrandt, Vortrag des Hr. Ing. Levontin aus Palästina. „Das Kolonisationswerk Palästinas“^ Anfang halb 8 Uhr. *, Wien. [Jüdischer Schulverein für den IX. Bezirk, IX., Seegasse 16.] Zweiter Elternabend am 20. 1. M. präzise halb 8, Uhr abends im iVereinslokale. Referent Sri Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. D. Feuchtwang. Gäste, auch Damen, willkommen. Kinder haben keinen Zutritt. Wien. [Das Purimfest des Vereines „AchWah- Jüdische Brüder“, Speiseanstalt, Wien, II., Herminengasse 8] findet Samstag, 18. d., im Hotel Guth, II., Stefaniestraße 14, verbunden mit Vorträgen hervorragender Kunstkräfte und Tanzkränzchen statt. Karten im Vorverkauf zu K 1.20 im Vereinslokale erhältlich. Wien. [Protestversanimlung der Hausierer.] Der „Erste österr. Rechtsschutzverein für Hausierer“. beruft behufs, Stellungnahme zum Hausiergesetze für Montag, den 20. März 1. J. um 7 Uhr abends in Müllers Saal „zum goldenen Widder“, II., Taborstraße 36, eine allgemeine Hausiererversammlung ein und ladet alle Hausierer, Fabrikanten, Kaufleute und Professionisten zur massenhaften Teilnahme ein. Tagesordnung: Das neue Hausiergesetz. Ref. Herr S. A. Freund. Mehrere Herren Reichsrätsabgeordnete werden in dieser Versammlung erscheinen und das Wort ergreifen. Wien. [Vereinigung Zionistischer Handelsakademie-Absolventen „Neure Jehuda“.] Wie: bereits verlautbart, findet Samstag, den 18. d. M., im Kursalon, der Festabend mit anschließendem Kränzchen statt.1 Der Abgnd dürfte sich nach all den Vorbereitungen zu schließen, zu einem in nationaler und gesellschaftlicher Hinsicht glänzenden Feste gestalten. Hervorragende Künstler und Künstlerinnen unserer Theaterwelt haben ihre Mitwirkung auf das bestimmteste zugesagt. Die Musik'besorgt das Infanterie-Regiment Nr. 67. Kartenverkauf und Auskünfte täglich von 7—9 Uhr abends auf der Bude, IX., Servitengasse 10. Mödling. Das Turnfest in Mödling, bei dem u. a. die Herren Dr. Fritz Löhner, Kantor Grob, Dorf Kohn, Porges, Präger und Humorist W i e s e n t a I mitwirken werden, findet Sonntag, den 19. d. M., im Hotel „Stadt Mödling“, um halb 8 Uhr abends statt. Sämtliche Gg. werden ersucht, die Veranstaltung zu besuchen.

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