Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1911-03-17 · 11 (17.3.1911) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
11 (17.3.1911)
Date
1911-03-17
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2438141-2438327-2438338--2335-2442003
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 11 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 unserer Volksgenossen ausgetragen Averden. [Noch weniger kann es die Billigung der jüdischen Oeffentlichkeit oder gar der jüdisch-nationalen Partei fipden, wenn Dr. Kellner, der hinlängliche Beweise seiner politischen Wandlungsfähigkeit und Untüchtigkeit gegeben hat, zum Führer auf den Schild gehoben wird. Was wir mit Recht verlangen dürfen, ist, daß nur bewährte Männer, die durch und durch jüdischnational sind und deren Vergangenheit genügende Garantie bietet, daß sie würdige und ausgesprochen jüdisch-nationale und zionistische Parteigänger sind, als Kandidaten nominiert werden und die Unterstützung der Partei finden sollen. Die Frage der Landtagswahlen in der Bukowina ist nicht lediglich eine interne Frage der Bukowinaer Judenschaft. Sie ist es vielleicht inbezug auf die Personen, welche als Kandidaten aufgestellt werden, sie hört es aber auf zu sein, wenn diese Personen nicht genügende Gewähr bieten, daß. sie weder nach rechts noch nach links schielen werden. Denn die Idee, welche die junge Generation erzog und zu selbständiger Arbeit im Dienste des Volkes drängte, ist die zionistische und deren Wirkungskreis hört aii der Gemarkung einer Provinz nicht auf. Der zukünftige jüdische Klub im Bukowinaer Landtag wird eine große Bedeutung für die jüdische Politik in Oesterreich haben. Es darf darum niemand unterstützt und niemand gewählt werden,. sei er auch von Doktor Straticher empfohlen, der sich nicht bedingungslos zum jüdisch-nationalen Programm bekennt und verspricht, dem zu gründenden Klub beizutret e n. Separatbestrebungen und Sondergelüste verdienen ebensolche unbedingte Zurückweisung, wie reine Mandatsstreberei, die je nach Bedarf jüdisch oder deutsch tut, um nur an die Krippe zu gelangen. Es liegt uns ferne, zur Kandi-. datenfrage Stellung zu nehmen. Uns handelt es sich um die Grundlinien, nach welchen unsere, die jüdisch-nationale Organisation in den Wahlkampf treten soll. Und diese Grundlinien können nur in der Richtung des strengnationalen jüdischen Bekenntnisses und der unbedingten Parteieinheit verlaufen. Purimscherze aus der Bukowina. ln Suczawa ist anläßlich' des Purimfestes von einigen Anhängern des Herrn U n i v e r s i * tätsprofessors Leon Kellner ein „Witzblatt“ herausgegeben worden, von dem der zionistischen Oeffentlichkeit einige Koste proben vorgesetzt werden sollen. Daß unter der Ueberschrift „pack“ von „Benno, dem Strauchler“ — dies die geistvolle Verdrehung des Namens des Obmannes des „Jüdischen Klubs“, Dr. Strauche r, — erzählt wird, daß er es übernommen habe, an Stelle der Christ* lichsozialen für den Antisemitismus zu agitieren, Juden und jüdische Institutionen zu beschimpfen und jüdische Existenzen zugrunde zu richten, und daß er von allen antisemitischen Gemein* den der Bukowina zum Ehrenbürger ernannt werden müsse, daß weiter im Inseratenteil „Strauchlin“ als „vortreffliches Mittel gegen Durchfall“ angepriesen wird: das alles ist im Vergleich zum sonstigen Inhalt des Blattes noch ein sehr feiner und harmloser Scherz; wenn aber unter der Ueberschrift „Dr. Straucher als -Vormund“ eine unbedruckte Stelle ge* bracht wird, die nur das Wort „konfisziert“ ent* hält, ist dies schon weniger ein Spaß, als" das hinterhältige Bubenstück eines feigen Verleumders, der sich für den Fall einer gericht* liehen Verfolgung ein Hintertürchen bereits ge* öffnet hat. — Geradezu geistsprühend ist aber folgendes „G e d i c h t“ über unseren Mitarbeiter Beda: „Aus Blöda wurde Bleda — Aus Bleda dann der Beda, — Doch Beda blieb ganz blöd da.“ '' Im „Briefkasten“ der Redaktion findet sich über die Wiener zionistischen Stu* denten nachstehende Stelle: „Natürlich sind, die Wiener Verbindungen „Zephirah“, „Makka* bäa“ und „Kadimah“ jüdisch*national. Es heißt sogar, daß sie zionistisch sein sollen. Wenig* stens von der dritten hat man’s mal behauptet. Wenn Sie meinen, daß sich diese Verbindungen von den anderen Korps' und Burschenschaften n|ir dadurch unterscheiden, daß nicht alle mit ihnen s c h 1 a g e n, ist das unverdiente Lä* sterling. Denn sie entschädigen sich doch da* durch, daß sie umsomehr untereinander sich prächtige Schmisse beibringen. Sind also ganz brave Juden. Können sogar über Kultusgemeinde und Liberale ziemlich gut schimpfen. Und Bier trinken sollen Sie sie sehen.“ — Das Ende krönt aber das Werk, ln der letzten Antwort des Briefkastens verfallen die geistreichen und noblen Redakteure — zio* nistisch sich nennende Hochschüler — auf die sonderbare Idee, es könnte jemand von ihnen Genugtuung verlangen. Und deshalb er* klären sie von vornherein: „Auf Kontrahagen antworten wir: Je schu...“ [Dies ist der An* fang der hebräischen Uebersetzung des bekann* ten Zitats aus „Götz von Berlichingen“. Anm. d. Red.} Wir brauchen dieser kleinen Auslese kei* nen Kommentar hinzuzufügen. Sie zeigt, wie es dem „hochverdienten“ Universitätsprofessor Leon Kellner in kürzer Zeit gelungen ist, den guten Geschmack und das geistige und moralische Niveau seiner Studenten zu heben. Die Kr ankenpflege bei den Juden. Von M. Adelaide Nutting, Präsidentin des amerikanischen Pflegerinnenbun des, Professor für Krankenpflege an der Columbia-Universität in Newyork. * Vor allen Nationen des Altertums zeichnet sich das jüdische Volk durch die Vortrefflichkeit und Vielseitigkeit seiner sanitären Vorschriften und sein reiches hygienisches Wissen aus. Die alten Hebräer scheinen in hohem Grade die Fähigkeit besessen zu haben, kritisch zu vergleichen und zu urteilen, was ihnen ermöglichte, aus dem geistigen Besitz ihrer Zeitgenossen das Beste zu wählen und das Schlechte zu verwerfen. So haben die Juden einen großen Teil ihrer Hygiene von den Aegyptern übernommen, verwarfen aber deren Wunderlehre. Die ägyptischen Priester und Aerzte scheinen ihre umfassenden Kenntnisse niemals den niederen Kasten zugänglich gemacht zu haben; sie hatten eine Aristokratie der Wissenschaft, während gerade die Demokratie des Wissens ein besonderer Zug der jüdischen Kultur war. Gewisse sanitäre Regeln, die bei den Aegyptern nur von den gebildeten oder priesterlichen Kasten befolgt wurden, wie zum Beispiel die Beschneidung, wurden iin Volke Israel dem Höchsten wie dem Geringsten zur Pflicht gemacht. Die Moses zugeschriebenen Gesetze berühren jede Einzelheit der persönlichen, häuslichen, öffentlichen und nationalen Hygiene .und sind auf die Erhaltung der Gesundheit und Verlängerung des Lebens gerichtet. „Darum sollt ihr alle diese Gebote halten, damit ihr gestärket werdet und länge lebet“, sagt der Prophet [5 Mos. 2., V. 8. 9.J V i r c h o w hat Moses den „größten Arzt aller Zeiten“ genannt. Die Gesetze der individuellen Hygiene beschäftigten sich mit Fragen der Arbeit, Ruhe, persönlicher Reinlichkeit [für die es unzählbare Vorschriften gibt] und Diät. Hart sind die gesundheitlichen Strafen, die dem angedroht werden, der Unrecht tut. „Denn ich will euch heimsuchen mit Schrecken und Schwulst und Fieber, daß euch die Angesichter * Aus der „Geschichte der Krankenpflege“, die soeben in einer von Schwester Agnes Karel besorgten deutschen Uebersetzung [Verlag von Dietrich Reimer in Berlin] erschienen ist. [Anm. d. Red.] verfallen und der Leih verschmachte“ [3. Mos. 26, V. 16J. Alle die strengen und widrig klingenden Stellen, die sich auf die „Unreinheit“ der Frauen bejziehen und so unnötig demütigend erscheinen, wenn man sie bloß als Abstrakta betrachtet, sind in Wirklichkeit Zeugnisse der außergewöhnlichen Fürsorge und Sorgfalt der Juden für ihre Frauen und die Heiligkeit und Schönheit des Familienlebens. Alle Prinzipien des modernen Sanitätswesens sind von den jüdischen Gesetzgebern vorempfunden worden. Die Ueberwachung der Nahrungsmittel, die Erhaltung nützlicher Bäume, die Methoden für die Beseitigung der Abgänge, die Wichtigkeit von Lebensstatistiken, die Feststellung der Infektionskrankheiten und ihre Anzeige bei den Behörden, die Notwendigkeit der Isolierung oder Quarantäne und die Ausräucherung und Desinfektion nach Ansteckung — alles findet sich im Alten Testament. Die mosaischen und talmudischen Bestimmungen für die Prüfung und Schlachtung der Tiere und die Untersuchung ihrer inneren Organe zur Feststellung von Krankheiten, ehe sie zur Nahrung verwendet werden durften, sethen auf gleicher Stufe mit den fortgeschrittensten Sanitätsvorschriften der Jetztzeit. Dis , moderne Medizin hat erst kürzlich die Schalen der Auster als Träger krankheitserregender Bazillen erkannt, während den Juden der Gemuß von Schalentieren von jeher aus sanitären Gründen verboten war. Es waren vier Hauptpunkte in bezug auf die tierische Nahrung zu beobachten. Erstens war das Blut immer und unter allen Umständen als Nahrungsmittel verboten. Aus diesem Grunde muß alles Fleisch vor dem Kochen ausbluten, und kein strenggläubiger Jude kauft ein geschlachtetes Huhn. Er kauft nur lebendige Tiere, die er selbst schlachtet und kunstgerecht ausbluten läßt. Ferner durfte kein von Raubtieren zerrissenes oder sonstwie durch Unfall getötetes oder von selbst gestorbenes Tier gegessen werden, und endlich war das Schwein als unrein verboten. Alle orientalischen Völker haben diese Abneigung gegen das Schwein geteilt. Die Hindu betrachten es als unrein und die alten Aegypter waren derselben Meinung, zweifelsohne weil das Schwein in heißen Ländern in besonders hohem Maße allen möglichen Krankheiten ausgesetzt ist. Vom Standpunkt der Humanität und der Sorge für die Unglücklichen aus betrachtet, ist die Geschichte der Juden durchweg herrlich. Eine alte Verordnung, die auch in dem alten athenischen Menschlichkeitsgesetz vorkommt und die der entsprechenden ägyptischen Vorschrift überraschend gleicht, bestimmt den Begriff der Nachbarlichkeit folgendermaßen: „Niemandem Feuer zu versagen, der darum bittet; den Wasserzufluß nicht abzuschneiden; Bettlern und Krüppeln Nahrung zu geben; freundlose Tote anständig zu begraben; denen, die im Unglück sind, kein neues Leid zuzufügen; nicht grausam gegen Tiere zu sein.“ „Die Kranken zu besuchen und ihnen Teilnahme zu beweisen, sie in ihren Leiden aufzuheitern, ihnen Hilfe und Erleichterung zu bringen,“ wird von den Rabbinern als eine jedem Juden obliegende Pflicht erklärt, selbst wenn der Kranke ein Heide wäre. Das Alte Testament enthält kein ausdrückliches Gebot dieser Art, aber die Rabbiner finden in mehreren Stellen des Pentateuch Hinweisungen darauf. Die Chasidische Gesellschaft machte die Erfüllung dieser Pflicht zu ihrer besonderen Aufgabe, und das Besuchen von Kranken ist in Matth. 25, V. 36, unter den verschiedenen Formen der Wohltätigkeit aufgezählt. Im Schulchan Aruch ist ein ganzes Kapitel den VVAl W/h/.y 2>T©*ijJn.eixe23.-T7"erTxieTo „l£onopol4fc Wien V. Laurenzgasse Nr. 11 offeriert Sortiment von Tisch- und Taschenfeuerzeugen von 1 E aufwärts. Cereisen (Feuerstein) per Dtzd. 1 sK. Bei Engros-Abnahme Spezial-Offert. Rauchreqnisiten aus Meerschaum, Bernstein, Elfenbein etc. Grosse hx eleürtr. Jateoto.e-n.l ra.m pen -u_ Batteiien- Prospekt gratis. - — Bei Berufung auf dies» Insserat Preisermäßigung.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.