Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 11 (17.3.1911)
- Date
- 1911-03-17
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 i Nr. U der aus der katholischen Kirche Ausgetretenen ein ganzes Jahr hindurch an den Türen der katholischen Kirchen ausgehängt wurden, ohne daß darin irgend etwas Unzulässiges erblickt worden sei. Die Juden in der Schweiz. Nach der* Zusammenstellung des statistischen Bureaus des eidgenössischen Departements des Innern in Bern beträgt die Gesamtzahl der in der Schweiz wohnenden Israeliten 19.023 Seelen gegen 4216 im Jahre 1860; 6996 [1870], 7373 [1880], 8069 [1898] und 12.264 Seelen im Jahre 1900. Es lebten am 1. Dezember 1910 im Kanton Zürich 5526 Seelen, Bern 2088, Luzern 491, Uri 9, Schwyz 13, Obwalden 1, Nidwalden 1, Glarus 14, Zug 13, Fribourg 196, Solothurn 200, Baselstadt-2395, Baselland 232, Schaffhausen 45, Appenzell A. Rh. 41, Appenzell I. Rh. 2, St. Gallen 1010, Graubünden 390, Aargau 902, Thurgau 159, Tessin 109, Waadt 1883, Wallis 77, Neuchätel 1043, Genf 2182. Von den einzelnen Bezirken im Kanton Bern seien genannt: Aarberg mit 29 jüdischen Seelen, Biel 423, Burgdorf 57, Delemont 76, Laufen 26, Porrentruy 95, Thun 55, Wangen 18. Im Bezirk Olten leben 55 jüdische Seelen, in Solothurn 78, in Liestal 62, Sissach 22. Im Bezirk Schaffhausen werden gezählt 41 jüdische Seelen, in Gossau 26, R^rschach 51, Wil 13, im Bezirk Landquart 279, Maloya 41, Plessur 60 (hier handelt es sich um die Kurorte St. Moritz, Davos usw.). Von weiteren Einzelergebnissen seien noch erwähnt: lm Kanton Aargau, Bezirk Baden mit 356 Seelen, Aarau 56, Bremgarten 68, Brugg 40, Kulm 21, Laufenburg 21, Lenzburg 35, Muri 7, Rheinfelden 23, Zofingen 12, Zurzach 263. Im Kanton Thurgau: Bezirk Arbon 25, Dießenhofen 34, Kreuzlingen 74, Frauenfeld 9, Steckborn 4, Weinfelden 2. Im Kanton Tessin: 'Locarno 11, Lugano 77, Mendrisio 1, Riviera 6. Im Kanton Waadt: Bezirk Aigle 58, Avenches 72, Cossonay 23, Lausanne 2878, Morges 148, Moudon 4S, Nyon 183, Orbe 113, Payerne 38, Rolle 39, Vevey 826, Yverdon 138. Im1 Kanton Neuchätel: Chauxde-Fonds 892, Neuchätel 132. [Isr. Wochenblatt f. d. Schweiz1.] Abschaffung der alten hebräischen Lehrkanzel an der Pariser Universität. Das Professorenkollegium der Pariser Universität hat beschlossen, die hebräische Lehrkanzel, die durch den Rücktritt des Professors Philippe Berger vakant geworden ist, in eine Lehrkanzel für die Archäologie von Mittelasien. umzugestalten. Die hebräische Kanzel ist nahezu 400 Jahre alt geworden, sie wurde im Jahre 1531 gegründet. Auf dieser Kanzel haben stets die bedeutensten Hebräer und Kenner der Geschichte der Juden doziert, wie Munk, Renan etc. Zur Frage der Beisetzung verbrannter Leichen auf jüdischen Friedhöfen. Das Leipziger Reichsgericht hat jetzt zu Ungunsten der Israelitischen Gemeinde in Hamburg in einem Rechtsstreite entschieden, der über die Frage entstanden war, ob die Aschenreste verbrannter Leichen nur. an der hierzu bestimmten besonderen Stelle des Israe - litischen Friedhofes beigesetzt werden dürfen und nicht inmitten der übrigen Gräber, selbst wenn die Verstorbenen schon bei Lebzeiten Plätze für ihre Beerdigung reserviert hatten. Am 30. Mai 1909 war ein Mitglied der Gemeinde H e i 1 b e r t gestorben und ' hatte in seinem Testamente bestimmt, sein Leichnam sollte im Hamburger Krematorium verbrannt und seine Asche in dem anläßlich des ‘Todes seiner Ehefrau für ihn reservierten 2. Nebengrabe beigesetzt werden. Die Gemeinde weigerte sich aber, dies zu dulden, denn die Beisetzung von Aschenresten dürfe nur in dem hierfür besonders bestimmten Teile des Ohlsdorfer Friedhofes geschehen. Ebenso war den Hinterbliebenen Heilberts versagt worden, die Aschenreste ihrer Mutter deren letztem Wunsche gemäß in der neben dem väterlichen Grabe gelegenen reservierten Grabstätte beizusetzen. Das Landgericht Hamburg hatte jedoch der Feststellungsklage stattgegeben, daß die Gemeinde verpflichtet sei, die Beisetzung der Aschenreste an diesen Stellen des Friedhofes zu dulden. Auch die Berufung der Beklagten war vom Oberlandesgericht Hamburg zurückgewiesen worden. Das Berufungsgericht hatte ausgeführt: Der Ohlsdorfer Friedhof sei zwar ein konfessionell - jüdischer und gäbe als solcher der Gemeinde ein Recht, alle Handlungen auf ihm zu verbieten, die dem jüdischen Kultus oder der Religionssitte widerstreiten. Daß aber die Feuerbestattung und die Beisetzung von Aschenresten auf einem jüdischen Friedhofe mit dem jüdischen Kultus nicht unvereinbar sei, gehe daraus hervor, daß die Israelitische Gemeinde ja selbst ausdrücklich für die Beisetzung von Aschen einen bestimmten Teil des Friedhofes reserviert habe, wobei sie ausdrücklich betont, daß dieser Teil des Friedhofes auch nicht etwa gegenüber anderen Stellen als minderwertig angesehen werden solle. Darnach müsse angenommen werden, daß weite Kreise der gläubigen Juden die Feuerbestattung als durchaus imit ihrer religiösen Uebjrzeugung und mit ihren Religionssitten vereinbar hielten. Auch das Reichsgericht als letzte Instanz wies die Revision der Gemeinde zurück. Es war gleichfalls der Ansicht, daß jüdische Kultus Vorschriften der Feuerbestattung nicht entgegenstünden und daß deshalb die Beisetzung von Aschenresten in den reservierten Grabstätten geduldet werden müsse. Der Antisemitismus in England. Ueber die Gründe und das Anwachsen der antisemitischen Bewegung in England schseibt der „Berl. B. C.“: „Schon die erste Fremdenbill war nur antisemitisch begründet. Die Konservativen sehen, daß die armen Juden in Whitechapel ihre Kinder vielfach akademischen Berufen zuführen, für die bis jetzt in England wegen des sozialen Konservatismus nur Reiche und Adelige in Betracht kamen. Nun erhebt sich eine Bevölkerungsklasse, die erst vor kurzem ins Land gekommen, und versucht es, den ganzen bisherigen Zustand zu revolutionieren und ein „intellektuelles Proletariat“ zu schaffen, das destruktive und revolutionäre Kräfte in seinem Schoße bergen muß, weil es in Armut aufgewachsen und mittellos ist. Die russischen Juden aber, deren Zahl sich in Ost-London auf ungefähr 150.000 und im ganzen vereinigten Königreich auf eine Viertel Million beläuft, haben Rußland verlassen, weil sie ihren Kindern wegen der in Rußland herrschenden Judennorm [5 bis 10 Prozent der gesamten Schülerzahl] überhaupt keine Erziehung angedeihen lassen konnten. Die Juden in Whitechapel arbeiten s:hwer und leben schlecht, um ihren Kindern ein Studium in Cambridge und Oxford zu ermöglichen. Wegen ihrer Begabung und ihres Fleißes, der ihnen bedeutende Schulstipendien einbringt, erregen sie mehr Neid und ,Fur<:ht ais Bewunderung. Diese Aerzte, Anwälte, Ingenieure usw. werden sicherlich keine Fahnenträger des Konservatismus sein. Die Konservativen können die Erziehungsideale der in England ansässigen -russischen Juden nicht mehr ändern und können keine Ausnahmegesetze für diese Juden, die schon zum großen Teil englische Staatsbürger sind, schaffen, aber durch eine neue Fremdenbill, die die Landung von russischen Juden in England unmöglich machen soll, wollen sie einem sozialen Prozeß ein Ende machen, der, wenn er sich ungehindert weiter entwickelt, ihnen viel Abbruch tun und vielleicht sogar auf das ganze System der englischen Bildung und mithin der Politik nicht ohne Einfluß bleiben kann. Daß dieser Grund der einzige ernste ist, der die Konservativen zu ihrer wilden Fremdenagitation veranlaßt, beweisen zur Genüge die Artikel des „Standard“ und des „Daily Telegraph“, die einen Stöcker zum Verfasser haben könnten. Im übrigen ist es (weniger gefährlich, mit Judenhaß als mit Deutschenhaß zu spielen, und die konservativen Vaterlandsretter müssen immer einen Feind in Bereitschaft haben.4 Maskenredoute der „Moriah“, JÜDISCHE ZEITUNG 5SSS NRT1QNRL JüjmünREfw .. •). ritifi 14H Feuilleton. Or» Vorstehend ist die Aversseite der am 9. d. bei der Maskenredoute des Mädchenvereines „M o r i a h“ verteilten Damenspende reproduziert. Das Fest war ein alle Erwartungen übertreffender Erfolg. Die in großer Anzahl aufziehenden Gruppen, sowie zahlreiche äußerst gelungene Einzelmasken boten einen wunderschönen Anblick. Viele Gruppen, wie das „mesopotamische Kaffeehaus“, „die Chassidimgruppe“, Wahrsager, Schnitterinnen, Weinleserinnen, Apachen, Musikanten etz. erweckten lebhaften Beifall. Der Einzug der Gruppen vollzog sich in musterhafter Ordnung. Die Stimmung war ausgezeichnet und die zahlreichen Gäste — ungefähr 800 — unterhielten sich bis zum Morgengrauen. Dieser Erfolg wird gewiß dazu beitragen, dem Verein „Moriah“ neue Anhänger und Förderer zuzuführen. Wo stehen wir jetat und warum sind wir nicht weiter gekommen? So ist eine Betrachtung „zur gegenwärtigen Lage des Zionismus“ betitelt, die N a h u m Sok o 1 o w den B n e Zion in Moskau zu ihrer fünfundzwanzigjährigen Jubiläumsfeier widmet. Sie ist aber nicht bloß an diese gerichtet, sondern an alle Bne Zion, an die Söhne Zions in aller Welt. Es wird Zeit, daß die Zionisten sich rüsten, sich geistig vorbereiten. Das Fragezeichen, mit dem der IX. Kongreß schloß, harrt noch der Lösung. Soll der X. Kongreß eine befriedigende Lösung bringen, so muß er die Delegierten besser vorbereitet finden, als es dem neunten beschießen war. Nicht sollen sich Schlachtreihen gegenüberstehen, die sich vorher aut be- Die Böhmische Industrial-Bank-Filiale in Wien, I., Wipplingerstr. 2 Telephonnmnmern 18347,21813,23067, 23068,23069 — Aktienkapital K 30,000 OOP,— verkauft soweit der Vorrat reicht Österreichische KrOtldl-Rente ~ Emission 1911 - — : freie Stücke zum jeweiligen offiziellen Geldkurse. Stücke mit 6monatlicher Sperrfrist 5 h, Stücke mit 12 monatlicher Sperrfrist 10 h unter dem jeweiligen Geldkurse.