Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 9 (3.3.1911)
- Date
- 1911-03-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4‘ JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 9 bei 30 Grad Kälte die Türen und die Fenster ihrer Wohnungen von der Polizei geöffnet, so daß die Ausgewiesenen schwer zu leiden haben. Der Gouverneur von Tschernigow befahl, alle gesetzlichen Beschwerden der Juden gegen die Ausweisungen ohne Prüfung abzuweisen. Ottomanismus und Zionismus. Man berichtet aus Saloniki: Dieser Tage hielt hier der Direktor der Anglo Levantine Banking Company, Herr Dr. Jakobson aus Konstantinopel. in einer von den vornehmsten jüdischen und türkischen Gesellschaftskreisen besuchten öffentlichen Versammlung einen Vortrag über das ii} der Ueberschrift genannte Thema. Der Vortragende wies an Hand der Beschlüsse und programmatischen Erklärungen der Zionistenkongresse die Loyalität der zionistischen Bestrebungen nach und erklärte es als eine Böswilligkeit, zwischen der ■ ottomanischen Reichstreue und dem Zionismus einen Gegensatz Konstruieren zu wollen. — Der glänzende Vortrag Dr. Jakobsons hinterließ einen günstigen Eindruck und wird von der gesamten türkischen Presse äußerst sympathisch besprochen, i Die maßgebenden jungtürkischen Blätter heben hervor, daß die zionistische Organisation in ihrem Bestreben, produktive Elemente ins Land zu bringen, auf die Unterstützung aller Vaterlandsfreunde und namentlich der Regierung rechnen könne. Erfolge des Bezalel in Warschau. Man schreibt aus Warschau: Die hier vor kurzem veranstaltete Bezalel-Ausstellung hat der Jerusalemer Kun'stgewerbeschule zahlreiche neue Freunde und Förderer gewonnen. Die Erzeugnisse der Anstalt fanden reißenden Absatz, und es sind nach Jerusalem Bestellungen auf Teppiche, Filigranarbeiten usw. im Werte von 10.000 Rubel aufgegeben worden. Eine Propagandareise für das Jüdische Technikum in Haifa. Man berichtet aus Berlin: Dieser Tage ist Herr Dr. Schmarjahu Lewin von einer längeren Amerikareise, die er im Interesse des Jüdischen Instituts für technische Erziehung in Haifa unternommen hatte, nach Berlin zurückgekehrt. Es ist Herrn Dr. Lewin gelungen, in den angesehensten jüdischen Kreisen Amerikas werktätiges Interesse für das Haifaer Technikum zu erwecken. U. ä. sind die Herren Jacob Schiff, L. Marshall, S. Strauß, Dr. Cyrus Adler und Professor Schlechter dem Direktorium des Technikums beigetreien. An Spenden, und Jahresbeiträgen für die Anstalt hat Dr. . Levvin insgesamt den Betrag von 370.000 Dollar aufgebracht, darunter 215.000 Dollar Stipendiengelder für mittellose Zöglinge. Die Verwaltung des Tempels Emanuel hat auf den Namen von Dr. Lewin eine Stipendienstiftung im Betrage von 5000 Dollar entrichtet. Jüdische Touristen in Palästina. Aus Jerusalem wird berichtet: Unter den zahlreichen europäischen Reisenden, die in den jüngsten Tagen unsere Stadt besuchten, befand sich auch eine Gesellschaft von 20 Juden aus Oesterreich-Ungarn. Häuserbau in Kafr-Saba. Aus Jaffa wird gemeldet: Die Bewohner der kleinen jüdischen Ackerbaukolonie Kafr-Saba nördlich von Pethach-Tikwah haben aus Konstantinopel die behördliche Genehmigung zum Bau von 13 neuen Häusern erhalten. Das zur Errichtung der Häuser erforderliche Kapital ist der Kolonie vom Hilfsverein der deutschen Juden leihweise zur Verfügung gestellt worden. Die Klagemauer in Jerusalem. In einem Artikel, den die Warschauer „H a z e f i r a h“ aus der Feder eines ihrijr Jerusalemer Mitarbeiter veröffentlicht, wird, der höchst unwürdige Zustand, in dem sich d^e.Klagemauer (Kothel Maarabhi) . in Jerusalem befindet, lebhaft beklagt. Der Zugang zu dieser geheiligten Stätte führt durch äußerstschmutzige, von Arabern niedrigsten Standes. Gewöhnte Gäßchen. Die Anwohner verhöhnen und belästigen .die Juden, die an der Klageroaüer um die Wiederaufrichtung Zions beien, in der gemeinsten, unflätigsten Weise. , Der Artikelschreiber führt aus, es sei beschämend für die Judenheit der Diaspora, daß bis heute, nicht das Geringste versucht worden ist, um-diesem schmachvollen Zustand ein Ende zu' machen. Er fordert die jüdischen Wohlfahrtsgesellschaften und Palästina- Organisationen, wie überhaupt sämtliche wohlhabenden und einflußreichen jüdischen Kreise Europas und Amerikas auf, eine großangelegte Aktion einzuleiten, um mit Erlaubnis der zuständigen Behörden die Häuser und Plätze in der Umgebung der Klagemauer anzukaufen, den gesamten schmutzigen und verwahrlosten Gebäudekomplex niederz.ureißen und ßti dessen Stelle einen großen, freien, gutgepflasterten Platz zu schaffen, welcher der Würde und Heiligkeit des Ortes angemessen wäre. Oremeinderatswahlen in Lemberg. Dienstag, den 28. Februar, fanden in Lemberg Gemeinderatswahlen statt, deren Ergebnis wegen derin Lemberg geltenden Listenwahl noch nicht bekannt ist. Unter den 53 von dem! „Bürgerklub“ empfohlenen Kandidaten befanden sich nur sechs Juden, natürlich Assimilanten reinsten Wassers, denen gegenüber Dr. Löwenstein und Dr. Aschkenase, welche von den Polen nicht kandidiert wurden, als eifrige Juden anzusehen sind. Die Zionisten beteiligten sich an diesen Wahlen nicht. Sie beschränkten sich auf die Unterstützung der fortschrittlichen Liste und des verdienstvollen Abgeordneten Breiter, welcher als selbstständiger Kandidat auftritt. Wir werden über das Resultat der Wahlen mitteilen. Kleinkolonisa.tion.in den Kolonien Bekanntlich gehört das Problem der Seßhaftmachung minder bemittelter Elemente in P a 1 ä s t i n a zu den wichtigsten 'und interessantesten unserer Bewegung. In den nachfolgenden, in der „tDeutschen Koionialzeitung“ erschienenen Ausführungen wird die Frage der Kleinkolonisation gründlich erörtert. Ein Mitarbeiter des Blattes schreibt gegen die vielfach verbreitete Anschauung, daß nur Männer pachten oder kaufen können. Ich will hier versuchen meinen Bericht für die Versuchsfarm '[soweit es für unsere Kolonien lehrreich ist) wie ich ihn seinerzeit nach (meinem Besuch daselbst, der „Volksstem“ zugesandt, wiederzugeben: Oft schon hatte ich von Arbeiterkolonien gehört, mir aber nie ein rechtes Bild von dieser Arbeitsstätte [LagersdriftJ machen können. Im August 1910 führte mich meine Amtsreise nahe an Lagersdrift vorbei, .und ich ließ mir diese günstige Gelegenheit nicht entgehen, die Arbeiterkolonie zu besuchen. Ich war freudig erstaunt über das, was ich da gesehen, Mynheer van Wyk, der Superintendent der Ansiedlung, gab mir bereitwillig Einblick in die Administration und kurzen Bericht über die Erfolge seiner Arbeit. Da aber selber sehen der beste Lehrmeister ist, so benutzte ich meine sehr her messene Zeit, einen Teil der Anlagen zu sehen, die sich längs der Flußniederung hinziehen. Oberhalb, nahe dem felsigen Boden, steht ein nettes kleines Haus, von dem Bewohner selbst erbaut. Die Regierung gibt nur Wellblech zum Decken, Bauholz, Türen und Fenster, ein Hofraum umgibt das Gebäude. Unterhalb dieses Hofes ist ein Obstgarten, nach unten zu begrenzt von einer starken Wasserschloot, die zur Berieselung von Winterländereien dient, deren jede Haushaltung etwa 5—6 kapsc'he Morgen besitzt. Außerdem hat jede Haushaltung noch 50 kapsche Morgen für Trockenländereien. Dies das Bild einer Familienansiedlung. Gegen 800 Morgen können unter Wasser gesetzt werden, sodaß sich hier etwa .100 Fami'ien niederlassen k.önnen. Dazu sind noch etwa 5000 Morgen für Trockenländereien bestellbar. Da die ganze Anlage ,9000 Morgen groß ist, bleibt noch genug Räum für Weideland. Leider vermißte ich jegliche Aufforstung, die zur gesunden Entwicklung solcher Anlagen unerläßlich ist» ' Ein Laden besorgt den Umsatz und die Bedürfnisse des Lebens. Eine Post sorgt für die Verbindung mit der Außenwelt; und in einem allen Ansprüchen der Gesundheit und Erziehung gerecht werdenden Schulgebäude werden die 100 Schüler von fünf Lehrern und Lehrerinnen in allem Wissenswerten, für ihr späteres Fortkommen Nützlichem erzogen. . Diese Schule hat einen Vorzug vor vielen anderen Landschulen, daß die Kinder schulgemäß zu Gartenbau angewiesen werden, und ihnen ■ somit von Jugend auf der Segen des Landbaues praktisch zum Bewußtsein gebracht wird. Von Bedeutung ist, daß die Ansiedler ihren Boden ohne Hilfe von Kaffern bestellen müssen, sie werden dadurch zur Selbständigkeit erzogen. Die Regierung hat hier eine Stätte geschaffen, die von jinberechenibarem^ -’Wert; '^ür.daSH.-Land^iUt,/ nämlicheine praktische Ackerbauschule, oi: aus armen Afrikanern Kleinbauern heranzieht und dem Land fremde Elemente überflüssig macht. ' Sollte es unserer Regierung nicht auch 'möglich sein, willige Arbeiterfamilien von Deutschland nach unseren Kolonien zu senden, zunächst nach einer solchen Versuchsfarm? Um sich zunächst in die ganz neuen Verhältnisse einzuleben, um unter guter Anleitung ihnen das oft recht teure Lehrgeld zu ersparen und sie so schneller zur Selbständigkeit, zum Segen unserer Kolonien zu erziehen? mit einem gewissen Kapitale für die Besiedlung von Kolonien in Frage kommen, wie folgt: -; Auf diesem Wege werden unsere Kolonien nur sehr langsam unter Kultur gebracht. Es. ist ja bekannt, wie die Briten in früheren ’ Jahren durch Änwerben von armen deutschen Arbeiterfamilien, die sich nach hier verschifften, hier in Südafrika durch deren Arbeit aus unfruchtbaren Steppen blühende Landstriche geschaffen. Freilich haben manche dieser Armen schweres Lehrgeld zahlen müssen, andere £ind untergegangen;aber die meisten Kolonisten sind dem Lande zum großen Segen geworden. Sollte dies nicht auch für unsere Kolonien möglich sein? Nach' dem südafrikanischen Kriege versuchten die Engländer die Besiedlung Transvaals mit Soldaten’1 [Settiers]. Der gänzliche Mißerfolg lag aberJ an dem Menschenmaterial. Unser jetziges Bureifministerium hat einen anderen Weg eingeschlagen, der vielleicht auch für unsere Kolonien' 'Von Bedeutung sein dürfte; nämlich, dann Buren unter fachmännischer Leitung auf einer .Versuchsfarm anzusiedeln, um sich fort einzuarbeiten, bis sie sich selbst Grund Liste der Ueberlänfer vom 25.—-28. Februar 1911. Weil Emilie, 1878, Brandeis a. E., ledig, Private, XIL, Schönbrunnerstraße 290. — U jhazi Ludwig, 1888, Budaepst, ledig, Kaufmann, 1., Annagasse 1. — Sborowitz Max, 1884, Proßnitz, ledig, XVI., Hellgasse 4. — Luzker Rudolf, 1855, Wien, ledig, XVI., Stillfriedplatz Nr. 3. — Lustig Otto, 1886, Liesing, Paris, 45 Boulevard Magenta. — H a j e k Gustav, 1886, Prag, ledig, Schirmmachergehilfe, XX., Brigittalände 42. — Rosenzweig Julie, 1886, Teplitz (Böhmen), ledig, Kassierin, XX., Salzachstraße Nr. 21. — Holländer Irene, 1880, Kaschau, sUng., ledig, III., Marxergasse 15. — Nagel Friedrich (Fritz), 1885, Wien, ledig, Architekt, IX., Widerhofergasse 8. — Nagel Olga, 188S, Wien, ledig, Privat, IX., Nußdorferstr. 4. — Grünwald Dr. Hermann Friedrich, 1880, Wien, ledig, Arzt, IX., Porzellangasse 31 a. — Fürst Edithj 1890, Wien, ledig, Künstlerin, 11., Hotel de l’Europe, Asperngasse. — Löbl Viktor, 1885, Saaz, ledig, Techniker, IV., Mostgasse 14. x\w\ 2£TertrieTo Wien V.] Laurenzgasse Nr. 11 . offeriert Sortiment von Tisch- und Taschenfeuer zeugen von 1 K aufwärts. 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