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Jüdische Zeitung · 1911-03-03 · 9 (3.3.1911) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
9 (3.3.1911)
Date
1911-03-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 9 JÜDISCHE ZEITUNG ~r aus der Ablehnung einer von den Freisinnigen eingebrachten zahmen Resolution, in der nur die „Ausschaltung des konfessionellen Momentes“ bei der Offizierswahl verlangt wurde» Massenversammlung des »Jüdischen Nation&lvereices“. Am 23. Feber d. J. veranstaltete der „J üdische Nationalve'rein für Oesterreich“ eine von zirka tausend Personen besuchte Versammlung im „Goldenen Widder“. Tagesordnung bildete die Schanker- und Hausiererfrage. Den Vorsitz führte Vereinsobmann Dr. Jakob Ehrlich, Referenten waren die Gesinnungsgenossen Dr. Paul Weise n g r ü n, Reichsratsabgeordneter Stand und Lucian Brunner. Die interessanten und kraftvollen Ausführungen der drei Redner fesselten die Aufmerksamkeit des Publikums bis in die späten Nachtstunden. Für den Nationalverein, welchem im Verlaufe der Versammlung Viele neue Mitglieder beitraten, bedeutet dieser Abend den größten Erfolg. Alle Redner kamen auch auf das unqualifizierbare Verhalten des Wiener Kultusvorstandes in der Schänkerfrage zurück. Folgende Resolution wurde einhellig beschlossen: „Die am 23. Feber im Saale „zum goldenen Widder“ tagende Versammlung protestiert auf das energischeste gegen die unjüdische Haltung des Wiener Kultus Vorstandes anläßlich der Anwesenheit der Massendeputation jüdischer Schänker aus Galizien in Wien. Sie spricht ihre E mp ö r u n g darüber aus, daß die Repräsentanz der Wiener Judenschaft den unglücklichen Brüdern aus dem Osten die Gastfreundschaft herzlos verweigert hat. Die Versammlung fordert hiemit den Vorstand des „Jüdischen Nationalvereines für Oesterreich“ auf, unverzüglich mit der Aktion zugunsten des allgemeinen gleichen Wahlrechtes in den Kultusgemeinderat zu beginnen. Nur durch Beseitigung der ausschließlichen "Herrschaft der 'reichsten Juden ijt der Gemeinde und die Umgestaltung der. K u 1tusgemeinde zu einer jüdischen Volksgemeinde wird für die Zukunft ein solch unerhörtes Vorgehen, das mit dem Geiste des Judentumes und der Menschlichkeit unverträglich ist, unmöglich gemacht.“ £ Wie bereits in der vorigen Nummer der „Jüd.-Ztg.“ berichtet wurde, haben die Wiener Studenten in Angelegenheit der Wiener Kultusgemeinde ihre Meinung energisch zum Ausdruck gebracht. Nunmehr haben auch die breiten jüdischen Massen den Wiener Großjuden die richtige Antwort erteilt. Parteinachrichten. Mitteilungen des i. ö. Ö.-K. Schekel-Wochenausweis. »Zion. Zentral verein“ (Sch. Kommissär Ing. J. Groag) (+ K 243.60) . K 24.— „Ivria“ (Sek. K. Jurist Brand) . . . K 36.— „Kadimah“ (Sch. K. Buchbinder) . . K 7.20 Block Nr. 59090 (Dr. Zweig) (+ 9.60) K 2.40 . Block Nr. 58943 (Dr. Körner) . . . K 6.— Block Nr. 59091 (Ing. Kramer) . K 3.60 Summe K 79.20 bereits ausgewiesen 259.20 zusammen K 338.40 Die russischen Palästina-Touristen in Wien. Dienstag, den 26. Februar, 6 Uhr früh, langte am Nordbahnhof die—Reisegesellschaft an, welche über Veranlassung der in Warschau erscheinenden größten jüdischen Tageszeitung, des „H a j n t“, eine auf- 5 Wochen berechnete Exkursion nach Palästin^ unternimmt, um unsere dortigen Institutionen kennen zu lernen. Die Gesellschaft, die unter Führung des Redaktionsmitgliedes,-Gg. S. J,atzkau, steht, zählt 25 Reiseteilnehmer, darijpter 6 Damen. Von bekannten Gesinnungsgenossen der Exkursion seien Fr. Doktor Schapira und der Ttebr. Schriftsteller David Fr.ischmann erwähnt. Zur Begrüßung hatten siqh am Bahnhof namens des Z.-K. für Westösrerreich und des i.-ö. D.-K. Distriktsobmann D^. Körner und Ingenieur Groag, sowie mehrere Studenten eingefunden. Die Reiseteilnehmer gaben in bewegten Worten ihre Freude zu erkennen, die ihnen der Empfang in Wien durch Gesinnungsgenossen bereitet hat. Sie erhielten von Dr. Körner eine größere Anzahl von Exemplaren der letzten Nummer unserer Zeitschrift „P a1ä s tin a“ eingehändigt, welche in so-^klarer und sachlicher Weise über die rühmenswerte Tätigkeit der „P. L. D. C.“ informiert. Nach einstündigem Aufenthalt begab sich die Reisegesellschaft in sechs bereitgehaltenen Automobilen zum Südbahnhof, wo die Weiterfahrt nach Triest erfolgte. Donnerstag früh wird von dort aus die Fahrt nach Jaffa angetreten. i Die jüdische Schäpkerdeputation. Jeden Tag treffen seitens der Teilnehmer an der Schärfkerdemonstration an das i.-ö. D.-K. und an unser Parteiorgan Briefe ein, in welchen der Dank für die gastliche Aufnahme in Wien ausgedrückt wird. Insbesonders wird die Haltung der „J ü d.i Z e i t u n g“ gelobt, welche gegen die Entrechtung der brotlos gewordenen Schänker in so, wirkungsvoller Weise eingetreten ist. Nicht zuletzt ist es diesem Umstande anzureebnen, wenn seit dem Tage der Demonstration die (Zahl der galizischen Abonnenten unseres Parteiorgans einen bedeutenden Zuwachs erhalten hat. Es kommt auch hiedurch die Ueberzeugung zum Ausdruck, daß die Förderung unserer Zeitung eins ist mit der Geltendmachung unserer vitalsten Interessen. . Nachruf für Jeanette Herzl.; In der am 21. v. M. stattgefundenen Stu- I dentenversammlung hielt der Präsident des zionistischen Distriktskomitees für Innerösterreich der verstorbenen Mutter Theodor Herzls einen tief empfundenen Nachruf, der von der Versammlung stehend ' angehört wurde. Maskenredoute der „Moriah“. Das Arrangement dieser am 9. März, im Hotel „Kontinental“ stattfindenden Redoute, schreitet rüstig vorwärts. Das kam am besten am Komiteeabend zuni. Ausdrucke, der am Montag, den 27. Februar, im Cafe Konkordia alle Komiteemitglieder und zahlreiche Gäste versammelte. Nach Gesangs- und Klaviervorträgen wurden einzelne Beiträge aus der Purimzeitung vorgelesen, die anläßlich der Redoute erscheinen wird. Die Artikel und Notizen riefen Lachsalven hervor. Angesichts des Erfolges dieser Veranstaltung ist dem Komitee um das Gelingen der Maskenredoute gar nicht bange. Sie wird zu den gelungensten Veranstaltungen der Wiener Zionisten zählen. Zu den, schon in der letzten Nummer der „Jüd. Zeitung“ genannten Gruppen sind noch hinzugetreten: „Gruppe der Klesmorfm“ [Musikerj, „Arabischer Wüstlingsstamm“ „Eine moderne hebräische Sprachschule“, „Hirten und Hirtinnen vom Berge Moriah“ u. a. m. Anmeldungen von neuen Gruppen sowie Teilnahme an den schon genannten, insbesonders „Schnitter und Schnitterinnen aus der Kolonie Rischou-le. -Zion“ und „Weinlesefest auf dem Berge Karmel“, wolle man gef. unvermittelt dem „V e r g n ü g u n g s k o m i t e e“ IX., Türkenstraße 9, schriftlich oder telephonisch (Nr. 14.199J bekanntgeben. Maler Kr es rin. hat in freundlicher Weise mehrere Kostümentwürfe dem Komitee zur Verfügung gestellt und unser Gg., D.-K. Mitglied Architekt Dr. Kar- Seite 3 plus, war so gefällig, die Dekoration für das Zelt des „W crnTe-? e fest“ zu entwerfen. Samstag, den 4. d. M., abends präz. halb 8 Uhr findet im Vereinslokal IX., Türkenstraße 9 die letzte Komiteesitzung statt. Gäste herzlichst willkommlen. Eintrittskarten sind bei den Komiteemitgliedern, im Vereinslokal, sowie in allen von Zionisten frequentierten Gast- und Kaffeehäusern erhältlich. Einladungsreklamationen wollen gefälligst an das „Vergnügungskomitee gerichtet werden. Aus dem jüdischen Leben. Die Judenfrage in der Duma. Der Hilfsverein der Deutschen Juden erhält aus St. Petersburg folgendes Telegramm: ln der Duma wurde der Gesetzentwurf eingebracht, der die bestehenden Beschränkungen der Juden in der Wahl ihres Wohnortes und der Freizügigkeit von einem 'Orte nach einem anderen abschaffen soll. Der Gesetzesvorschlag, der von über 160 Deputierten unterzeichnet war, darunter von einer großen Anzahl rechtsstehender Deputierten, wurde von dem Kadettenführer M a k l a - k o vv in ausführlicher Rede begründet. Er sprach sich aus allgemein menschlichen und aus Staatsgründen für Aufhebung der nutzlosen Judengesetzgebung aus, die nur die Beamtenschaft und die russische Bevölkerung demoralisiere und die Millionen russischer Untertanen gegen Rußland aufbringe. Redner appelliert zum Schluß an das Gerechtigkeitsgefühl der russischen Volksvertretung und betont, daß eine Lösung der Judenfrage in gerechtem Sinne einen Triumph des Gerechtigkeitsgefühls überhaupt bedeute. Von den Nationalisten beantragten die Abgeordneten Markow und Tscherkass o w die Ablehnung des Gesetzentwurfs ohne Ueberweisung an eine Kommission, indem sie unter den von der Rechten beliebten Ausfällen in niedrigster und1 gehässigster Weise gegen die jüdische Bevölkerung hetzen. Die in Rußland üblichen, von den Reaktionären stets angeführten Argumente, daß die Befreiung der Juden der anderen russischen Bevölkerung, insbesondere den großen russischen Bauernmassen Gefahr bringen würde, wurde; was besonders zu beachten ist, gerade von einigen Bauernvertretern, der Arbeitsgruppe, den Oktobristen und den Parteilosen als unbegründet zurückgewiesen. Ein den Oktobristen angehörender Bauernvertreter führte beispielsweise aus, daß die Gouvernements mit jüdischer Bevölkerung nicht im geringsten ärmer seien, als Gouvernements mit nichtjüdischer Bevölkerung. Der parteilose Bauernabgeordnete G u 1 k i n erklärte, wenn aus seinem Gouvernement Bessarabien die Juden ausgewiesen würden, würde der ganze Handel stocken und alle Bauern würden in schwere Abhängigkeit von den Großgrundbesitzern geraten, ln ausführlicher, warmer Rede trat der jüdische Abgeordnete N i s s e 1 o - witsch -für die Annahme des Entwurfs ein. Schließlich wurde der Gesetzentwurf mit 208 gegen 138 Stimmen einer Kommission (der Kommission für die Fragen über die persönliche Unantastbarkeit) überwiesen und für die Ausarbeitung des Entwurfes die Frist von einem Monat bestimmt. Judenverfolgungen. Der Hilfsverein der deutschen Juden erhielt aus Petersburg folgendes Telegramm: Aus dem Gouvernement Tschernigow kommen Nachrichten über massenweise Ausweisungen von Juden. Aus dem Kreise Surasch dieses Gouvernements werden allein 219 Familien von der Ausweisung betroffen. Diese völlig gesetzlosen Ausweisungen vollziehen sich zudem unter sehr grausamen Begleitumständen. Um die jüdischen Familien zur schleunigen Abreise zu zwingen, werden Die Böhmische Industrial-Bank-Filiale in Wißü» IM Wipplingerstr. 2 Telephonnammern 18347,21813,23067, 23068,— Afctiflnfrapital K 30,000 000.— verkauft soweit der Vorrat reicht Österreichische Kronen-Rente ~ - Emission 1911 , : : freie-Stücke zum jeweiligen offiziellen Geldkurse. Stöcke mit 6monatlicher Sperrfrist 5 h, Stücke mit 12 monatlicher Sperrfrist 19 it unter dem jeweiligen Geldkurse.

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