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Jüdische Zeitung · 1911-02-24 · 8 (24.2.1911) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
8 (24.2.1911)
Date
1911-02-24
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 8 milanten seine Stimme gibt, dann verdient er keinen anderen „Vertreter“ seiner Interessen, als d en, der diese aufs schmählichste verrät. —m. Unter der prenssischen Pickelhaube. Preußen ist in Bezug auf Schikanierung und Brutalisierung der Juden erfolgreicher Konkurrent Rumäniens und Rußlands geworden. Seit vielen Jahren wird kein ausländischer Jude — natürlich auch keiner aus dem bundesgenössischen Oesterreich — naturalisiert. Oesterreichische Juden, darunter Industrielle und Akademiker, die jahrzehntelang ihrem Berufe ehrlich und still nachgegangen sind, werden über Nacht ohne Angabe von Gründen als lästige Ausländer aus dem Lande gejagt. Den durchreisenden russischen ' Juden, welche vor den Pogromhelden flüchten, wird -die empörendste Behandlung zu teil. Die preußischen Behörden leisten der russischen Polizei Spitzel- und Schergendienste und treiben ihr die jüdischen Flüchtlinge in die Arme. Die preußischen Juden haben (sich einer, auf mündlichen Ueberlieferungen beruhenden, gleichmäßig schlechten und verächtlichen Behandlung seitens ihrer vaterländischen Behörden zu erfreuen, für die ausländischen Juden aber werden fortwährend Ausnahmsbestimmungen stipuliert. So hat dieser Tage der Oberpräsident der Provinz Ostpreußen folgenden Erlaß herausgegeben: 1. Die Kinder derjenigen Ausländer, die seit dem Jahre 1882 hier ansässig sind* haben das Recht auf Naturalisation. 2. Diejenigen, die in späteren Jahren hier eingewandert sind, taüssen alle zwei Jahre die Genehmigung nachsuchen, hier mit ihrer Familie, falls sie solche von früher haben, wohnen zu dürfen. Diejenigen, die keine Familie haben, müssen sich bei jeder Erneuerung des Gesuches schriftlich verpflichten,hier keine Familie zu gründen, resp. solche aus Rußland mitzubringen. 3. Diejenigen, die in den letzten 5—10 Jahren hier eingewandert sind und auch diejenigen, die bereits seit 20 und mehr Jahren hier wohnhaft sind, aber erst unlängst geheiratet haben, müssen sich bei der Aufenthaltsgenehmigung verpflichten, daß ihre Söhne bei Erreichung des neunten Lebensjahres das preußische Gebiet verlassen werden. Bei der Genehmigung zum Aufenthalt wird ferner verlangt, daß der Aufenthaltsberechtigte keinen Besuch aus Rußland ohne vorherige Anfrage beim Oberpräsidenten empfangen wird. Im Anschlüsse sei folgender Fall mitgeteilt: Dem Kaufmann D., der seit 12 Jahren in Königsberg i. Pr. ansässig ist, wie auch1 dem Sch., der vor 8—9 Jahren eingewandert ist — beide haben keine Söhne — wurde die Aufenthaltsgenehmigung nur unter der Bedingung erteilt, daß, falls sie Söhne bekommen sollten, dieselben die Stadt zu verlassen haben. Die 10- und 12jährigen Söhne der Kaufleute I. und Y., die hier auch schon lange wohnen, wurden ausgewiesen. Jedoch äst es dem einen Herrn gelungen, für seinen Sohn, der kränklich ist, auf ärztliches Attest hin die Aufenthaltsgenehmigung zu erlangen; der zweite Sohn muß die Stadt verlassen. Ein Herr 1., ‘der seit 6 Jahren das Wohnrecht in der Provinz hat, erhielt plötzlich den Befehl, daß sein Sohn, der bereits die Tertia des Königsberger Gymnasiums besucht, das preußische Gebiet verlassen müsset Brutaler geht man in Rußland auch nicht vor. Väter werden ihrer Kinder beraubt, Familien .vernichtet. Mit der Bestimmung, daß ein Judesich verpflichten müsse, keine Familie zu gründen, hat aber der preußische Judenfresser den russischen übertroffen! Preußische Kultur! Hurrah! Parteinachrichten. Maskenredoute des Mädchenvereins „Moriah'S Für diese am 9. März d. J. - im Hotel Kontinental stattfir.dende Ve anstaltung gibt sich das regste Interesse (aller Zionistischen Kreise kund. In der stattgehabten Komi Besitzung am Sonntag, an der sich nahezu 100 Gg. Gg. bebeteiligteri, wurde das Programm eingehend besprochen von den schon angemeldeten Gruppen seien u. a. erwähnt: „Schnitter und Schnitterinnen aus der Kolonie Rischon-le-Zion“, „Weinlesefest auf dem Berge Karmel“, „Die 12 Kundschafter“, „Esther und ihre Gefolgschaft“, „Hedschasbeduinen“, „Die Expedition nach Uganda“, „Jungtürken und Jungtürkinnen“, „Der lebende Parteikataster“, „Kultuswahlagitatoren“, „Blau-weiße Gruppe“ usw., usw. Als Einzelmasken haben sich angemeldet: David und Goliath, Esther, Ruth, Noemi, Sennerin vom Libanon, Koloniewächter u. a. m. Die Einladungen sind bereits ausgeschickt. Reklamationen und Gruppenanmeldungen wolle man an das „Vergnügungskomitee der „M o r i a h“, IX., Türkenstraße 9, richten [Tel. 14199], - Karten für die Maskenredoute zu je 3 K, Familienkarten für 3 Personen zu je 8 K, Studenten- und Arbeiterkarten K 1.50, sind in den Lokalen päjntlicher zionistischer Korporationen Wiens, sowie im Büro, IX., Türkenstraße 9, erhältlich. Montag, den 27. d. M., findet im Cafe Konkordia, L, Konkordiaplatz 4, ein Komiteeabendrait Tanz statt. Gäste herzlichst willkommen. * Mitteilungen des i. ö. D.-K. Schekelagitation. Die Schekelkommissäre werden aufgefordert, allwöchentlich einen Bericht über den Stand der Agitation detn^EX-K. zu übermitteln und die während der Woche gesammelten Beträge bis! spätestens jeden Samstag abzuliefern, damit sie im Ausweis im Parteiorgan „Jüdische Zeitung“ erscheinen können. Dienstag, den 28, d. M., abends 7 Uhr, findet in unserem Büro, IX., Türkenstr. 9, eine wichtige Beratung satt, zu der alle Schekelkommissäre Wiens erscheinen mögen. Schekel-Wochenausweis. „Z. Zentralverein“ Wien [Sch.-Kommissär Ing. Groag].K 243.60 Block Nr. 58901 [H. Teitelbaum] . „ 6.— Block Nr. 59090 [Dr. Zweig] . . „ 9.60 , Summe K 259.20 * Sitzung der zionistischen Parteileitung für Böhmen. Das Distriktskomitee für Böhmen hatte für den 12. Februar, die Parteileitung einberufen. Außer den Mitgliedern des Distriktskomitees erschienen die Herren: Bechert-Teplitz, Dr Hirsch-KomotaUj Steiner-Karlsbad, Dr. Margulies-Leitmeritz, Dr. Kuh-Prag [beide vom Zentralkomitee], Fleischer-Gablonz, Soudek-Kolin u. Leo Herrmann-Prag [die drei letzten vom Preßkomiteej; ferner Vertreter: Jüd. Volksverein Prag, , Zion“ Karlsbad, Freie Zionistische Vereinigung, Alter Herren-Verband Bar Kochba Prag, Jüdischer Frauenverein Prag, Verein jüdischer Hochschüler Bar Kochba Prag, Verbindungen Barissia Prag und Jordania Prag und des „Spolek zid. akad. Theodor Herzl in Prag“. Nachdem der Obmann Herr Glaser eröffnet hatte, erstattete Herr Prof. Dr. Engel das Referat über Agita ion, wobei er eine Reihe von Leitsätzen aufstellte und über die vorgeschrittenen Vorarbeiten zur Eintei'.ung Böhmens in Rayons, sprach. Das ergänzende Referat des Herrn JUC. Goldstein bezog sich auf die Agitation in den tschechischen Gegenden. Nach längerer Debatte wurde empfohlen, ein Rednerbureau aufzustellen. Hierauf erstattete Herr . phil. cand. Hugo Herrman n das Referat, über Preßangelegenheiten. Es wurde mit Befriedigung das. gegenwärtige Verhältnis der „Selbstwehr“ zur Kenntnis genommen und die Unterstützung und Verbreitung dieses Organes allen Gg. dringend empfohlen. Herr Dr. Singer erstattete ein Referat über die Vorbereitungen zum zehnten Kongreß. Herr Dr. Emil M a r g u 1 i e s erstattete Bericht über die Neugestaltung des Organisationsstatuts. Entsprechend den Anregungen des Herrn Adolf B ö h m, Präsidenten des wiener Zentralkomitees, wurde es für erwünscht erklärt, daß beim Kongreß eine großzügige Aktion für die P. L. D. C. eingeleitet werde. — Nach dem Referat des Herrn Moritz L ö w y über Finanzangelegenheiten, wurde beschlossen, die Parteisteuer auf 1 Krone 50 Heller zu erhöhen. Das Referat des Herrn Ing. S1 on i t z über Parteiangelegenheiten gipfelte in der Forderung nach Respektierung der Krakauer Beschlüsse, die das Verhältnis der zionistischen und der jüd.-nat. Organisation regeln. Es wurde einstimmig folgende Resolution beschlossen: „Die b ö h m i s ch e P a r t e i 1 e i t u ng bedauert die Demission des Präsidenten des Zentralkomitees und beauftragt den Vertreter des Distriktskomitees im Zentralkomitee, dahin zu Wirken, daß die hervorragende und,unersetzliche Kraft des Herrn Adolf Böhm dem Zentralkomitee erhalten bleib e.“ Aus dem jüdischen Leben. Begnadigte Judenmörder. Vor wenigen Wochen wurde in Petersburg in einer belebten Straße und in einer Wohnung, deren Fenster auf die Straße führten, die Fami ie des jüdischen Schneiders Löwenstein, bestehend aus fünf Personen, in grausamer Weise ermordet und beraubt. Als Täter wurde bald darauf der Schneidergehilfe Popow ’festgenommen, der bei Löwenstein arbeitete. Die von der Untersuchung festgestellten Einzelheiten des Mordes zeugten von solcher Bestialität, daß Ministerpräsident Stolypin die Uebergabe des Mörders ah das Kriegsgericht anordnete. Der Prozeß entrollte ein entsetzliches Bild der Mordtat. Der der Gerichtsverhandlung anwohnende Gehilfe des Oberkommandierenden der Gardetruppen des Petersburger Militärbezirkes, General Hasenkampf, schien tiefbewegt zu sein. Auch der Polizeichef, der die Leichen zuerst sah, erklärte, daß er beim Anblick dieser gräßlich verstümmelten Leichen in einen Weinkrampf verfiel. Das Kriegsgericht verurteilte Popow einstimmig zum Tode durch den Strang und General Hasenkampf bestätigte das Urteil. Die Hinrichtung wurde auch bereits anberaumt, aber eine Stunde vor der Exekution ordnete der Zar die Aufhebung des Todesurteils. an. In den Kreisen der russischen Volksverbändler, die ohnehin behaupten, daß Russen Juden straflos ermorden können, erblickt man in der Begnadigung Popows eine Bestätigung dieser ihrer Ansicht, zumal täglich Personen hingerichtet werden, die Verbrechen begangen haben, die nicht von solchen gemeinen Motiven begleitet waren. Vom neuen jüdischen Stadtviertel in Jaffa. Aus Jaffa wird gemeldet: In der jüngst abgehaltenen Generalversammlung der Bewohner des neuerbauten jüdischen Stadtviertels „Tel- Awivv“ wurde beschlossen, die Straßen des neuen i Hotel de Russie: ■ B ■ Wien, II. Grosse Sperlgasse 7 ■ s =r TELEPHON 13347 5 ■ ■! Zimmer -von K 2.— aufwärts; 5 J. Tolczyner, Hotelier. ■ Einlagen auf Büohei 4»/0 — An* und Verkauf von Wertpapieren. Börsenordres. Darlehen auf Wertpapiere. W echsel-Eskompte. i Versicherung gegen Karaverlnst Safes der besten Konstruktion. WIENER FILIALE DER Zivnostenska banka PRO CECHY A M0RAVU WIEN, I. Herrengasse Nr. 12. Aktienkapital K 60,000.000. Reserve- und Sichersteliungsfonds tund K 16,000.000 Zentrale in Prag, gegr. 1868. Filialen: Brünn, Budweis, Iglau, Krakau, Lemberg, Mähr.-Ostrau, Olmütz, Pardubitz, Pilsen, Proßnitz, Tabor u. Triest. Wechselstuben, I., Herreng. 12, II. Praterstr. 42, VII. Mariahilferstr. 84, X. Favoritenstr. 95.

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