Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 8 (24.2.1911)
- Date
- 1911-02-24
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr.. 8 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 entsprechend gefälscht werden. Die Wiener Presse hatte sich dem verflossenen Herrn .Singer gefällig erwiesen und in den Berichten alles „Mosaische“ unterschlagen, sogar die Reden des Oberrabbiners Güdemann. Die Charakterlosigkeit der Wiener Presse ist der Charakterlosigkeit des Täuflings hilfreich entgegengekommen. Schöne Seelen. Im „Neuen Wiener Journal“ des Herrn Lippowitz fand sich im Berichte über die Schänkerdeputation die Bemerkung, daß einige Hundert Schanker vom Komitee nicht untergebracht werden konnten und in den Eisenbahnwagen übernachten mußten. Natürlich eine böswillige Erfindung, die übrigens kein anderes Wiener Blatt gebracht hat. Nur ein Zeitungsmensch nahm mit Vergnügen das Märchen auf, Herr Dr. Bloch. In seiner Wut über den mächtigen Eindruck, den die von den Zionisten geleitete Demonstration erzielt hatte, griff er gierig zu und wiederholte prompt die Lüge in seiner „Oesterreichischen Wochenschrift“. Bloch und Lippowitz haben sich gefunden. Beiden ist zu gratulieren. Der Aufruhr in Yemen, Die junge Türkei will nicht zur Ruhe kommen. An allen Ecken des Reiches lodern die Flammen des Aufruhrs und sind nur schwer zu ersticken. In monatelangen Kämpfen und mit grausamen Exekutionen wurde eben erst die Revolte in Albanien mühsam unterdrückt, noch ist das Ost jordanland,, trotz Aufgebotes einer großen Truppenmacht, nicht völlig pazifiziert und schon ist in Yemen eine Revolte ausgebrochen, die noch ernster und gefährlicher für das türkische Reich zu werden droht, als jene beiden Aufstände. Würden die aus verschiedenen Gründen unzufriedenen Völkerschaften sich einmal gleichzeitig erheben, dann wäre es der türkischen Regierung unmöglich, mit ihnen fertig zu werden. .Zu deren Glück sind die unzivilisierten Araberstämme politisch noch nicht so reif. Das Yemen war immer ein Schmerzenskind der Khalifen. Nur unter Mohammed und Omar, dem eisernen, war es eine kurze Zeit lang ruhig, dann aber folgten Unruhen auf Unruhen, bis auf den heutigen Tag. Die Türken haben das Land nie völlig erobert, ihre Herrschaft daselbst ist stets nur eine ganz lockere gewesen und im arabischen Wüstensand verscharrt, ruhen die Gebeine ihrer besten Generäle und Truppen. Denn die Bevölkerung Yemens ist heute noch in demselben Zustande, wie vor dem Auftreten Mohammeds. Es sind unbändige Nomadenstämme, die ihr Vieh in den Oasen und auf den Berghängen spärlich nähren, untereinander, namentlich infolge von Blutrache, in immerwährendem Streite leben und den ansässigen Fellachen in Zeiten von Hungersnot berauben und plündern. Dazu kommen die Fehden, welche durch religiöse Spaltungen hervorgerufen sind. Namentlich die große Sekte der „Zeiden“ wird von den Sunniten aufs heftigste angefeindet. Yemen ist übrigens der von der Natur am meisten begünstigte Teil Arabiens, der ausgedehnte Wälder, große Mineralschätze, viele Quellen etc. besitzt und welcher dem sonst zumeist wüsten Lande den Titel „glückliches Arabien“ eingebracht hat. Die Führer der Aufstände in den letzten Jahren waren einerseits der Imam Yahia und Seid Idriß. Yahias Vater, Hamid-eddin, war ein großes politisches Talent. Man sagte ihm eine direkte Verbindung mit England nach, welches ein großes Interesse daran hat, das Khalifat, das nach dem Scheriatgesetz nur einem Araber gebührt, unter seinen Schutz zu bringen, um so einen Einfluß auf die 100 Millionen Mohammedaner, die unter englischem Szepter leben, auszuüben und dem Panislamismus jede Spitze gegen England zu nehmen. Ein zlweites, territoriales Interesse Englands geht dahin, einen Verbindungsstreifen zwischen Indien und Aegypten zu gewinnen, um den Besitz beider Länder noch mehr zu sichern. Der Streit um Kuweit am Persischen Golf, die Affäre von Akaba, die ewigen Aufstände der Araber in Mesopotamien und Yemen, all das sind Mittel für die britischen Pläne. Auch Italien, das am Roten Meer territoriale Interessen hat, soll die Araber gegen die Türkei hetzen; jedenfalls ist es sicher, daß aus dem englischen Aden und der italienischen Kolonie Erythrea ein lebhafter Waffenschmuggel nach Yemen -betrieben wird und die Aufständischen mit vorzüglichen Martini- und Gras-Gewehren bewaffnet sind. Zur Verhinderung dieses Schmuggels entsandte die türkische Regierung einige Kanonenboote ins Rote Meer. Der Sohn Hamid-ed-Dins, der Imam Yahia, ist nicht so begabt, wie sein Vater, immerhin ist er von einem ungeheuren Ehrgeiz beseelt, man sagt sogar, daß er das Khalifat anstrebt. Der . zweite Unruhestifter, Seid Idriß, ist ein geborener Aegypter und Schüler der berühmten mohammedanischen El-Azhar-Universität in Kairo, der es durch List und Klugheit zu großem Reichtum und Ansehen gebracht hat. Diese beiden Prätendenten, der Imam in der Provinz Haschid und Seid Idriß in der Provinz Assir, haben die Aufstände in den letzten Jahren organisiert, niemals aber gingen sie mit einander, sondern stets bekämpfte einer den anderen. Erst diesmal haben sie sich vereinigt und das gibt dem Aufruhr den gefährlichen Charakter. Die Türken konnten, wie bereits erwähnt, das Land nie völlig unterwerfen. Sie begnügten sich damit, gewisse .Steuern einzuheben, im übrigen trachteten sie, die Rebellen dadurch an sich zu fesseln, daß sie den Führern offizielle Stellungen einräumten. Auch jetzt denkt man daran, den Rebellen Yahia zum Gouverneur [ValiJ eines großen Teiles des Landes zu machen; allerdings müßte vorerst der Aufstand militärisch niedergeworfen werden. Dies wird den Türken nicht leicht fallen. Die Aufständischen sollen 40.000 Mann stark sein. Sie haben berejÄs*3»e Hauptstadt von Yemen, Sanäa, zerniert und deren Verbindung mit dem Meere [nach Hodeidaj abgeschnitten. Die Besatzung ist schwach, doch hofft man, daß sie sich bis zum Eintreffen von Ersatztruppen halten wird. Diese sind zwar schon aufgeboten, resp., soweit sie zur Reserve [Redifj gehören, einberufen worden, aber der Transport zu Schiff geht sehr langsam von statten, da die Türkei über keine geeigneten Fahrzeuge verfügt und die privaten, resp. fremden Gesellschaften deren Zwangslage aufs äußerste ausnützen. Es wird eines enormen Aufwandes an Menschenleben, Zeit und Mitteln kosten, den Aufstand in Yemen niederzuringen. Ob die junge Türkei auf die Dauer all diese Aderlässe ertragen und sich ihrer zahlreichen inneren und äußeren Feinde erwehren können wird, ist heute fraglicher, denn je. Die Anforderungen, die an die Mittel des Staates gestellt werden, sind jedenfalls außer Verhältnis zu ihrem Umfang. Es ist nur ein Glück für die Türkei, daß die Bewegung in Yemen keinen panarabischen Charakter hat, so daß sie lokalisiert bleiben wird. Aber alle Kenner der Araber glauben, daß in ' absehbarer Zeit doch die nationale Idee über die Stammesfehden siegen wird. Und dies wäre für die Türkei der Anfang vom Ende. E. Dreifacher Verrat. Die Tatsache der Judenenquete war unserem roten Antisemitenblatt natürlich sehr unangenehm. Hat es doch den Jargon des Deutschen Volksblattes“ übernommen, um vergessen zu machen, daß seine Redakteure selbst Juden sind. Daß es so etwas wie eine jüdische Massennot gibt, daß die Juden Oesterreichs zu drei Vierteln aus verelendeten Proletariern und nur zu einem geringen Bruchteil aus bösen „Kapitalisten“ bestehen, das einzugestehen, ging der „Arbeiterzeitung“ wider den Strich. Also schwieg sie anfangs die Enquete einfach tot. Da man aber doch einige hunderttausend jüdische Wähler in Galizien hat, mußte man wohl oder übel ein Wörtchen verlauten lassen. Abg. Diamand veröffentlichte daher in der „Arbeiter-Zeitung“ vom 7. d. M .einen Artikel über die Enquete, der ihm alle Ehre macht. Herr Diamand spricht mit einer rührenden „Objektivität“ über die Lage der Juden in Galizien. Er läßt durchblicken, daß die Arbeitsscheu, Unbildung und übertriebene Frömmigkeit der galizischen Juden die Hauptursache ihrer Not sind. Nun gutj wir sind von roten Assimilanten nicht gewöhnt, daß sie sich mit Feuereifer jüdischer Inter-< essen annehmen, auch wenn sie jüdischen Stimmen ihre Wahl verdanken. Aber Zorn und 'Entrüstung muß jeden anständigen Menschen packen, wenn er sieht, daß ein Jude und Sozialist, also ein Angehöriger einer Partei, welche sich des Volkes annehmen und der Regierung die schärfste Opposition machen sollte, über die Schänkerfrage in seinem fünfspaltigen Artikel keine anderen Worte findet, als diese: ,;£inen großen Einfluß auf diese Verhältnisse dürfte die plötzliche Verminderung der Dorfschenken ausüben und es dürften 50.000 mittellose Juden gezwungen sein, aus den Dörfern in die kleinen Städte zu ziehen und das dortige Lumpenproletariat zu vermehren. Diese unvermittelte Maßregel des Statthalters, die im Gegensatz zu den Aufgaben der Enquete steht, wurde ei ng c-h end besprochen“!! Das ist wirklich alles, aber auch alles, was der jüdische Sozialist Diamand zu einem Streich der von ihm sonst blutig befehdeten schlachzizischen Regierung zu sagen hat, die 50.000 seiner Volksgenossen mit einem Federstrich brotlos machte. Herr Diamand! Diese Ihre Haltung „dürfte“ unter Ihren Wählern gleichfalls „eingehend besprochen“ werden. Es wird sich hoffentlich kein einziger Jude in ganz Galizien mehr finden, der Ihnen oder einem andern roten Assimilanten seine Stimme gibt! Denn dier ses Vorgehen der Herren Diamand, Austerlitz und Konsorten ist ein dreifach verräterisches. Es ist ein Verrat der Juden an den Stammesgenossen, die sie verleugnen, ein Verrat der Sozialisten an einer entrechteten Volksmasse, und schließlich ein Verrat an der Opposition gegenüber einer gewalttätigen Regierung. Mit Abscheu und Ekel muß diese Summe von Verlogenheit, Feigheit und Heuchelei jeden ehrlichen Menschen erfüllen, und wenn sich noch ein einziger Jude findet, der einem roten Asssi- \\w\i m/A. ^T©ULii.eIteri.-T7“ertrIo'b Wien V. Laurenzgasse Np. 11 offeriert Sortiment von Tisch- und Taschenfeuerzeugen von 1 K aufwärts. Cer eisen (Feuerstein) per Dtzd. 1 K. Bei EDgros-Abnahme Spezial-Offert. 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