Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 7 (17.2.1911)
- Date
- 1911-02-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 7 der Ausstellung, worauf Gg. Herr Ing. G 1 e i t smann die Führung durch die Ausstellung übernahm und dieselbe erläuterte. Die Ausstellung war von allen — auch den nichtjüdischen — Kreisen der Bevölkerung zjahlreich besucht und es herrschte nur eine Stimme der ungeteilten Bewunderung. Der Ankauf der ausgestellten Kunstgegenstände gestaltete sich äußerst lebhaft und es wurde ein Warenumsatz von zirka 4000 Kronen erzielt. Dem Verein „Bezalel“ wurden 15 neue Mitglieder gewonnen. — Das Komitee der Ausstellung bestand aus dem Ausschüsse des jüdischen Volksvereines „Z i o n“, der keine Mühe scheute, um das Gelingen der Ausstellung zu sichern. Der Ausschuß wählte ein engeres Ausstellungskomitee, bestehend aus den Herren Gg. .Gg. Ing. B. Gleitsmann, Professor A. Hahn, Oberlehrer F. Kraus und Bezirksrichter Dr. J. Schwarzkopf, welchem der Hauptanteil an dem so schönen Ergebnisse der Ausstellung gebührt. Den ständigen Dienst in der Ausstellung versah ein aus zirka 30 Damen und Herren zusammengesetztes Komitee, welches mit dankenswerter Gewissenhaftigkeit und Ausdauer unermüdlich ah der Arbeit war. Es sei hiemit allen der herzlichste Dank erstattet. Aus dem jüdischen Leben. Ein Erfolg der Schweizer jüdisch-nationalen Turner. Das „Züricher isr. Wochenblatt für die Schweiz“ berichtet: Mit 151 gegen 24Stimmen beschloß die Abgeordnetenversammlung des Zürcherischen Kantonalturnvereines am vergangenen Sonntag die Aufnahme des jüdischen Turnvereins als 121. Sektion [der Kantonalturnverein Zürich zählt gegenwärtig 120 Sektionen mit total 16.063 Mitgliedern, wovon 2743 aktive Turner sind]. Dieser Beschluß ist insofern von bahnbrechender Bedeutung, als es das erstemal ist, daß ein jüdischer Turnverein den Versuch machte, sich in die allgemeine Organisation schweizerischer Turnvereine einzugliedern. Bereits vor einem Jahre hatte -der jüdische Turnverein sein Eintrittsgesuch an den Kantonalvorstand gerichtet und nach genauer Prüfung seiner Statuten beschloß der Vorstand einstimmig, dem Gesuch zu entsprechen. Da jedoch der Turnverein Außersihl vom Einspruchsrechte "'Gebrauch machte, hatte die kantonale Abgeordnetenversammlung endgültig für oder gegen die Aufnahme zu beschließen. Der gegnerische Referent, H. Bieri, bekämpfte die Aufnahme von 3 Gesichtspunkten aus. Der jüdi- Turnverein sei ein konfessioneller Verein mit religiösen Tendenzen. Ferner leugnete er das Bedürfnis, daß man derartige Vereine mit Sonder- Tendenzen aufnehmen müsse, um die Mitgliederzahl zu stärken. Schließlich sei zu befürchten, daß andere konfessionelle Vereine, speziell katholische, daraufhin ebenfalls ihre Aufnahme beanspruchen werden. Auf Grund eines reichen Materials widerlegte dann der Referent des Vorstandes, H. Stähli, die erhobenen Angriffe. Der jüdische Turnverein stehe durchaus nicht auf religiöser, Sonde rn laut seinem Tendenzparagraphen auf rein jüdisch-nationaler Basis, ähnlich wie die in Zürich bestehende „Deutsche Turnerschaft“ auf deutschnationaler Grundlage organisiert sei. Er würdigte in anerkennenden Worten die Bestrebungen der jüdischen Turnbewegung überhaupt und zitierte lobende Berichte über einige große jüdische Turnvereine Deutschlands. Treffend bemerkte Herr Stähli, daß es nur auf Neid zurückzuführen sei, wenn der Turnverein Außersihl Einspruch erhoben habe. Nachdem noch einige Redner ihre Meinungen zur Sprache gebracht,: schließt H. Matthias [Präsident der „Alten Sektion Zürich“] die Diskussion mit einem warmen Appell an die Turner, Idie engherzigen Vorurteile fallen zu lassen und für die Aufnahme zu stimmen. Hervorzuheben an dem hiemit erfolgten Eintritt des Jüdischen Turnvereines in die Organisation der kantonalen und damit zugleich der eidgenössischen Turner ist die Tatsache, daß der Eintritt unter besonderer Betonung unserer jüdischen Tendenz geschehen ist. Das ist wiederum eine Lehre für diejenigen, welche ängstlich jedes Hervortreten als Juden vermeiden und jüdische Vereine als eine schädliche Absonderung anse'nen. Vielleicht wird auch mancher von denjenigen Juden, die bisher nur ein geringpchätzendes Lächeln für jüdische Turnerei übrig hatten, jetzt sein Urteil über die jüdischen Turnvereine korrigieren und einsehen, daß es moralische Pflicht eines Juden sei, der jüdischen Turnsache seine Kraft oder sein Scherflein zur Verfügung zu stellen. Die Linkshändigkeit der alten Hebräer. Fast alle Völker schreiben von links nach rechts, nur die semitischen Volksstämme machen eine Ausnahme. Ein physiologischer Grund dafür ist noch nicht gefunden worden, wenn man nicht der Erklärung von Dr. Erlenmeyer Glauben schenken will, der behauptet, daß die alten Hebräer linkshändig gewesen seien. Sie haben alles mit der linken Hand getan und so war es natürlich, daß sie von rechts nach links ihre Zeilen dirigierten. -Dr. Erlenmeyer liefert die Beweise der Linkshändigkeit der Hebräer aus dem Talmud. An einer Stelle heißt es nämlich ausdrücklich, daß gewisse Gebetinschriften mit der rechten Hand geschrieben werden müssen. Die Grundzüge des jüdischen Wesens. H. Es gab eine Zeit, die viele fleißige Juden an der Arbeit fand, Gutachten über die Vorzüge des Judentums zu sammeln.- Die erlesensten Autoren, die größten Päpste, die hervorragendsten Männer-haben,ihre Beiträge geliefert. Ist es zu verwundern, daß das verleumdete, verfolgte Judentum an solcher Lektüre Labsal und Entschädigung fand? Auch wir sind dankbar für ein gutes Wort. Es zeugt für uns wie für den hohen Sinn des Spenders. Aber es ist immer ein Zeichen der Schwäche, sich auf Anerkennung und Würdigung zu viel zu gute zu tun. Durch die Tat leben wir; aber auf einem „Bravo“, das einmal erscholl, seine Lebensphilosophie sich gründen, ist nicht starker Charaktere Art. Und wir sind mißtrauisch geworden. Jede Tugend hat ihre Reversseite: „hart im Raume“ verliert seinen Wert, was in der Welt der Ideale glänzte; und wirtschaftliche Tüchtigkeit findet keine Gnade beim Moralphilosophen. Rühmt man jemandes Güte, so ist gar oft dumme Vertrauensseligkeit gemeint; geistige Ueberlegenheit geht auf Kosten des Charakters; und fast ausnahmslos folgt ihrem Zugeständnis das dicke Warnungszeichen! Auf Geistlosigkeit deutet Schönheit; Frömmigkeit auf Seelennot; Wohltätigkeit auf Wucher; Mäßigkeit ist ja doch nur ein Symptom für senilen Marasmus und Gastfreundschaft ein Korrelat asiatischer Barbarei; nur dort entwickelt, wo sie notwendig ist, — und bestenfalls ein Atavismus: nur dort noch im Schwang, wo sie einmal notwendig war. Wir wollen dankbar anerkennen, daß Prof. Sombart in einer geistreichen und interessanten Abhandlung „Grundzüge des jüdischen Wesens“ die Anerkennung’ nicht versagt, die manchem oberflächlichen Juden seinen - wahren Wert erst zum Bewußtsein treibt. -Jetzt hat er’s ja schwarz auf weiß, welch ein , geistig überlegener, zielbewußter Mensch er sei. Ein Arier sagt es und Professor, dessen Sympathie für das Judentum objektivste Betrachtungen durchbricht! Da kann man es gerne in Kauf nehmen, nein, da sollte man es kritiklos hinnehmen, wenn er auf der anderen Seite dem Judentum Werte abspricht, die den gepriesenen Qualitäten nur hindernd im Wege stünden. Oder sollte man es doch nicht so hinnehmen? Die andere Seite! Da kommt der Pferdefuß wieder hervor. Und zertritt schonungslos alles, was auf der einen Seite die, Epikuräer, des "Lobes so in Entzücken versetzt hat. Noch mehr: Diese Apologie wird zum. Epitaph des Judentums. . Bewußt oder unbewußt ist .Sombart einer argen Selbsttäuschung unterlegen. Ihm waren, gewisse wirtschaftliche Ueberzeungen gegeben, lange bevor .er das Judentum in den . Kreis seiner Studien zog. Und als dann „auf einsamen Wegen plötzlich die Vision über ihn kam,“ daß das ganze moderne Wirtschaftsleben jüdischem Einflüsse .zuzuschreiben sei, da suchte er natürlich die schon feststehenden kapitalistischen Prinzipien im jüdischen Wesen zu finden. Auch am die Spitze der Untersuchung über die Grund- Züge des jüdischen Wesens stellt er die Behauptung, daß „das Wesen des Judentums tein k a p i t a I is t i s ches“sei. Er befolgt also die analytische Methode der Untersuchung, die sich stets rächt bei abstrakter Forschung. Für die Mehrzahl der Theorien liegen die Beweise auf (der Gasse. Die Wirtschaftsprinzipien des Kapitalismus erblickt er „im Gewinnstreben und ökonomischen Nationalismus“ [Sozialismus und soziale Bewegung], Und a tempo ist Nationalismus, Erfolgsinteresse, „Tachlis“, Zielstrebigkeit und subjektivster Subjektivismus, eine Hauptwesenheit des Judentums. Ist es ein Wunder? Ich finde sie beim Engländer, beim Preußen, selbst auf Königsthronen. Die Begründung dieses jüdischen Teleologismus? „Die überragende Geistigkeit“ des Judentums! Und die Begründung dieser Wesenheit? Die ist uns Sombart allerdings schuldig geblieben. Nur beiläufig möchte ich Zweifel setzen,' daß das eine wirklich und notwendig das andere bedinge. Gerade geistig schwerfälligere Naturen findet man, die sich von festen, unverrückbaren Zielen leiten lassen, die stets nach dem Wozu fragen; wahre Prinzipienmenschen, die mit großen, harten Händen sich ihre Wege bahnen; die dem Zwecke alles opfern und nie einen Seitensprung wagen, der sie ihren Vorsätzen entfremden könnte. Eine gewisse Nüchternheit, höhere geistige Kultur und ein starker Bildungstrieb sind dem Juden zweifellos zu eigen. Gedankenloses Bierphilistertum ist nicht seine Art. Aber so sehr es manchen schmerzen mag, der Jude ist nicht diese reine geistige Potenz, die für Gefühl, Instinkt und Anschauung keinen Platz übrig läßt. Daß ihm der Sinn für Wirklichkeiten fehle, daß aller Patriarchalismus, Ritterlichkeit und Sentimentalität seinem Wesen widerspreche, ■ ist ‘eine ganz geistreiche Konstruktion, — Anspruch auf historische Wahrheit hat sie nicht. Wenn aber heute Juden sich, zu den Deutschen, Tschechen und anderen Nationen zählen, so ist dies nur eine unselige Folge der Emanzipation, vielleicht nur die Angst vor dem (Verluste neu errungener Freiheiten. In aller Vergangenheit haben sie ihr eigenes Volkstum betont, sie haben sich für das auserwählte Volk gehalten und sind für ihr Volkstum in den Tod gegangen. Die Böhmische Industrial-Bank-Filiale in Wien, 1, Wipplingerstr. 2 Telephomnimmerii 18347.21813,23067,23068, 2W9 — Afctiepfcapital K 30,000 OOP.— verkauft soweit der Vorrat reicht Österreichische Kronen-Rente — Emission 1911 ~ freie Stücke zum jeweiligen offiziellen Geldkurse. Stücke mit 6monatlicher Sperrfrist 5 h, Stücke mit 12 monatlicher Sperrfrist 10 h unter dem Jeweiligen Geldkurse.