Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 6 (10.2.1911)
- Date
- 1911-02-10
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 Die Zweckbedachtheit wird aber zur Zielstrebigkeit [Voluntarismus], wenn sie sich, wie bei' den Juden, mit einem starken Willen paart. Das ist es, was sie zu so zielstrebigen, zähen, hartnäckigen Menschen macht. Als viertes Element, kommt endlich jene eigentümliche Beweglichkeit im körperlichen wie moralischen Sinne hinzu, die man zumindest an den europäischen Juden — weniger bei den Sephardim — so häufig beobachten kann. Die oft gerühmte Beweglichkeit des Geistes besitzen wohl aber alle Juden. — So weit Sombart. [Schluß folgt.[ A. Aus dem jüdischen Leben. Paul Singer und das Judentum. Ueber den sozialdemokratischen Abgeordneten Paul Singer erzählt ein Mitarbeiter des „Breslauer Jüd. Volksblattes“, welcher den Sozialistenführer im Ostseebade Heringsdorf kennen lernte, u. a.: Singer war mit seiner Schwester dort. Sie sagte einmal zu mir: „Mein Bruder ist krank, denn er räsonniert gar nicht.“ Als er mir nun auch das Lob der Sozialdemokratie sang und ihres Programms, erwiderte ich: „Was daran gut ist, steht schon in unserer heiligen Schrift, die Lehre vom Schutze des Arbeiters, des Fremden, des Armen; da finden Sie die Grutidlehren unserer ganzen modernen Sozialpolitik“; und ich zitierte ihm eine Reihe von Bibelsätzen, daß er seine großen schwarzen Augen unverwandt auf mich richtete. Singer führte das Gespräch weiter. Er kehrte jetzt auch den Juden hervor. Er sei vor Jahren aus der jüdischen Gemeinde ausgetreten und Dissident geworden. Als dann später die Hochflut des Antisemitismus kam, habe er diesen Schritt bereut, er hätte ihn niemals getan, hätte er vorausgeahnt, was kommen würde. Singer hat als ehrlicher Mann wieder gut getan, was er für Unrecht hielt. Als ich am Montag die Nachricht von seinem Tode las, erinnerte ich mich sofort an diese’ Worte am Ostseestrande. Unwillkürlich schlug ich das Verzeichnis der Mitglieder der Berliner jüdischen Gemeinde auf und ich fand auf S. 166 unter Nr.- 19267 aufgeführt: „Singer Paul, Reichst.-Abgeord., Brückenallee Nr. 26“. Singer war also in seinen alten Tagen wieder Jude geworden; er ist als Jude gestorben.“ Man sieht, daß Singer aus wesentlich anderem Holze geschnitzt war, als die getauften sozialdemokratischen Führer [Adler, Austerlitz etc.] in Oesterreich. Regen in Palästina. Aus Jerusalem berichtet man: Nachdem die Not infolge des Regenmangels aufs, höchste gestiegen war, ging endlich Freitag, den 13., und Samstag, den 14; d. M., ein ausgiebiger Regen nieder, der die Zisternen wieder füllte und der unerträglichen Trinkwassernot ein Ende machte. Der Preis für Wasser hatte bereits eine für die ärmeren Bevölkerungskreise unerschwingliche Höhe erreicht, und auch sonstige Lebensmittel waren infolge des Regenmangels immer teurer geworden. Für die Landwirtschaft bedeutet der jüngste Regen ebenfalls eine Erlösung, da der Ackerboden im ganzen Lande vollständig verdorrt war und man für die nächste Ernte die schlimmsten Folgen befürchtet hatte. Von der Bezalel-Kolonie in Ben-Schamen. Aus Jaffa wird gemeldet: ln der Kolonie der jemenitischen Filigranarbeiter, die der Bezalel auf dem Boden des Jüdischen Nationalfonds in der Nähe des Herzlwaldes bei Lydda eingerichtet hat, ist man gleich nach der Einweihungsfeier an die Arbeit gegangen, und die neuen Ansiedler schaffen bereits tüchtig. Bemerkenswert ist auch, daß die jemenitischen Kolonisten, die landwirtschaftlichen Arbeiter von Ben-Schamen und die Arbeiter der Fabrik Kodriansky sich zu einer Konsumgenossenschaft vereinigt haben, die demnächst in der neuen Kolonie einen Laden eröffnen wird. Auch ist die Gründung eines Gasthofes unter dem Namen „Bezaell“ in Aussicht genommen, da man auf einen ziemlich regen Besuch der Bezalelkolonie, des Herzlwaldes usw. seitens der jüdischen Bevölkerung des Landes, sowie seitens ausländischer Touristen rechnet. Die Bezalelkolonie wird nach ihrem völligen Ausbau drei Straßen umfassen. Eine davon wird den Namen von Prof. Warburg tragen, die zweite soll nach dem Schatzmeister des Bezalel, Herrn Bertrand Hamburg in Berlin, benannt werden, und die dritte wird Modeinstraße heißen, weil sie nach Modeln, der Heimat der Makkabäer, führt, die . 1 iJ3 Stunden von der Kolonie entfernt ist. Russische Jüdinnen an der Pariser Universität. Unter den dreißig Frauen, die im verflossenen Jahre air der medizinischen Fakultät der Pariser Universität promovierten, waren vierzehn Jüdinnen aus Osteuropa [Rußland und Rumänien]. Eine russische Jüdin, Savina Aavonowitz, erhielt eine besondere Auszeichnung bei der Prüfung. Allen diesen erfolgreichen Kandidaten war in ihrer Heimat die Zulassung zum Universitätsstudium wegen ihres Judentums verweigert worden. Ausweisungen aus Kiew. Aus Kiew wird über massenhafte Ausweisungen jüdischer Apothekergehilfen berichtet. Als Grund für die rigorose "Maßregel wird eine Senatserklärung angegeben, wonach Apothekergehilfen nur dann das Wohnrecht außerhalb des Ansiedlungsrayons genießen, wenn sie sich über ihre Beschäftigung in bestimmten Apotheken ausweisen können. Die Bibliothek des verstorbenen Barons Günzburg. Aus Jerusalem wird gemeldet: Im hiesigen „Haor“ richtet Elieser Ben-Jehuda in einem langem Aufsatz an alle Zionsfreunde und Verehrer der jüdischen Literatur und Wissenschaft die Aufforderung, die kostbare Büchersammlung des kürzlich in Petersburg verstorbenen Barons David Günzburg für die jüdische Nationalbibliothek in Jerusalem zu erwerben. Die erforderlichen Geldmittel können nach Ansicht Ben-Jehudas durch. Beihilfen der verschiedenen Palästinaorganisationen, sowie durch eine in großem Stile einzuleitende Sammlung aufgebracht werden. Eine ähnliche wertvolle Büchersammlung, die Tausende der seltensten jüdischen Drucke und Handschriften enthielt, die sogenannte Friedlandiana in Petersburg, ist vor Jahren dem jüdischen Volke dadurch verloren gegangen, daß der Besitzer sie testamentarisch der Kaiserlichen Bibliothek in St. Petersburg hinterließ. Es müsse nun unter allen Umständen vermieden werden, daß auch die Günzburgsche 'Bücherei in nichtjüdischen Besitz gerate, anstatt in der Jerusalemer Nationalbibiliothek, der einzigen Stätte, wo sie hingehöre, aufbewahrt zu werden. Inzwischen wird aus Berlin gemeldet, daß Herr Jakob Schiff aus Newyork mit der Witwe Baron Günzburgs wegen des Ankaufs der Bibliothek für ein amerikanisches wissenschaftliches Institut in Unterhandlung getreten sei. Angeblich soll Herr Schiff eine Million Rubel für die Sammlung geboten haben. Wo Sodom und Gomorrha lagen. Zwei Amerikaner versuchten vor kurzem, durch Erforschung der Umgebung des Toten Meeres, das alte Problem zu lösen, wo Sodom und Gomorrha lagen. Der eine von ihnen, Ellsworth Huntington, berichtet darüber in,.Harpers Magazine“: „Manche haben behauptet, daß die Katastrophe von Sodom und Gomorrha eine frei erfundene Legende wäre, die anderen wieder sagen, daß die beiden Städte nördlich vom Toten Meere gelegen waren und durch einen Ausstoß von in Brand geratenen Petroleum — man kann das oft auch an den Petroleumquellen von Texas und von Baku beobachten — zerstört worden seien. Nach einer dritten Version, die die meisten Anhänger hat, hätte man die beiden verfluchten Städte nicht am nördlichen, sondern am südlichen Ufer xhes Sees zu suchen; diese Version hat die arabischen Ueberlieferungen für sich. Sie irrte nur darin, -daß sie gleichfalls annahm, die Städte seien durch Petroleum und nicht durch ein Feuer vulkanischen Ursprungs zerstörtworden. Man glaubte behaupten zu können, daß an der Südspitze des Sees sich niemals ein Vulkan befunden habe, wenigstens nicht so nahe, daß seine Lava die beiden Städte hätte erreichen können. Huntington hat jedoch jetzt bei der Erforschung der Ruinen von Suvaimeh deutliche Spuren von Lava entdeckt. „Der alte Mann, der uns führte,“ erzählt er, „sagte mit großer Bestimmtheit, daß wir uns aut dem Platze von Sodom befänden, und der Name von Suvaimeh scheint auch wirklich nur eine korrumpierte Form von Sodom zu sein. Ich suchte sofort nach dem Orte, von welchem die Lava gekommen sein konnte, und fand drei Kilometer, von den Ruinen entfernt einen kleinen Vulkan. Von hier kamen die Lavaergüsse, deren Anhäufung zwischen Suvaimeh und Ghuvair ein kleines Vorgebirge gebildet hatte“. Den beiden Amerikanern scheint damit die Frage nach der Lage von Sodom und Gomorrha gelöst zu sein. _ [„Palästina“] Parteinachrichten. Mitteilungen des i. ö. O.-K. Neuauflage der Katasterblätter für den Parteikataster. , Das i.-ö. D.-K. hat eine neue Auflage der Katasterblätter herausgegeben. Die Korporationen, sowie die einzelnen Gesinnungsgenossen, die noch keine Blätter erhalten haben, wollen solche ins Sekretariat des i.-ö. D.-K. beheben. Ausgabe des Schekelblocks für 567t [1911]. Das i.-ö. D.-K. hat mit der Ausgabe der Schekolim für das laufende Schuljahr begonnen. Zur Uebernahme verpflichtet sind die von den einzelnen Korporationen gewählten Schekelkommissäre, deren Namen und Adressen unvermittelt dem D.-K. bekanntzugeben sind. Einzelne Gesinnungsgenossen erhalten über Wunsch Schekelblocks gegen Rückbestätigung. Es wird schon jetzt darauf aufmerksam gemacht, daß die Verrechnung bis spätestens Ende April erfolgen muß, da das D.-K. gezwungen ist, die Wahlen zum Kongreß im Juni durchzuführen. Ueber die Art und Weise der Agitation wird demnächst in der „Jüdischen Zeitung“ ausführlich berichtet werden. Ausgabe der Blocks nur im S ekretariat des i.-ö. D.-K. [IX., Türkenstraße Nr. 9] täglich von 5 bis 7 Uhr abends. [Sonntag von 10—12 Uhr vormittags.) Parteiorgan „Jüdische Zeitung“. Die Korporationen des i.-ö. Distriktes werden auf den Beschluß des D.-T. vom 22. v. Mts. aufmerksam gemacht, wonach Verlautbarungen nur im Parteiorgan, d. i. in der „Jüd. Z e i t u n g“, gebracht werden dürfen. Die Korporationen haben ferner nicht nur der Redaktion dieses Blattes, sondern auch dem D.-K. die "Voranzeigen ihrer Veranstaltungen rechtzeitig bekanntzugeben, damit Kollisionen vermieden werden können. Laut Beschlusses desselben D.-T. sind ferner die Korporationen zum sofortigen Abonnement der „Jüdischen Zeitung“ und zur Verbreitung dieses Parteiorgans nicht nur im Kreise ihrer Mitglieder in Wien und jn der Provinz, sondern auch in dem ihrer Bekannten und Gesinnungsfreunde verpflichtet. * Palästina-Geseifschaftsreis: n. Die vom Informationsbureau für Wien arrangierte Palästinareise wird am 23. März 1. J. gemeinsam in Triest angetreten. Die Böhmische Industrial-Bank-Filiale Wien, I., Wipplingerstr. 2 Telephon 23067,23068, 2m 21813 — Aktienkapital K 30,000 OOP — verzinst Geldeinlagen lj öl * besorgt sämtliche Bank- und auf Einlagsbüchel'mit 1^ Wechselstubengeschäfte.