Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 5 (3.2.1911)
- Date
- 1911-02-03
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 5 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 Teplitzfr Reformen. Der Referent der Teplitzer Kultusgemeinde stellte den Antrag, den Rabbinern den Inhalt ihrer Reden vorzuschreiben. ln Teplitz, da lebt ein Mann von Talent, Ein Schrecken der slawischen Feinde, Ein kühner Recke und Referent Der löblichen ' Kultusgemeindei. Sein Herz ist deutsch und sein Name ist Stein; Er ist germanischen Stammes, Und sieht zum Teile wie O d d in drein, Zum andern Teil wie ein Schammes... An einem neuen völkischen Weh Hat jetzt "der Arme zu leiden: Es quält ihn eine fixe Idee: Er will den Rabbiner beschneiden! Denn dieser sprach jüngst [daß Gott ihn verdamm*!] Vom „Volk“ und von „jüdischen Sitten“ — Seit wann lebt in Teplitz ein jüdischer Stam!mj? Dort leben doch nur Israeliten! War’ Mosche Rabbenu, der große Ahn’, In Teplitz Gabbe gewesen, Er wäre sicher beim Turnverein „Jahn“ Und nicht auf dem Sinai gewesen! Und hätte Aaron, total verpfafft, Von. „jüdischen Sitten“ gepredigt, Bei Sudes der deutschen Bürgerschaft Er wäre in Kürze erledigt! Das deutsche Teplitz ist erwacht, Die schwarzen Nebel entschwinden — Der große Stein ist ins Rollen gebracht, Das übrige wird sich finden! Beda Aus dem jüdischen Leben. Paul Singer. Am 31. Jänner starb Paul Singer, neben Liebknecht und Bebel der bedeutendste Führer der deutschen Sozialdemokratie. Der Verstorbene entstammte einer wohlhabenden jüdischen Familie und war deswegen oft angefeindet. Die Sozialdemokraten der ganzen Welt verehrten in Singer einen der opferfreudigsten, tatkräftigsten und hervorragendsten Genossen. Um die Juden hat sich Singer sehr wenig gekümmert. Diese starke Individualität, dieser grosse Organisator hat seine Kräfte in den Dienst einer internationalen Bewegung gestellt und die Juden wurden um seinet- und um anderer jüdischer Sozialistenführer willen von der Reaktion grimmiger gehasst und rücksichtsloser befeindet, als es sonst geschehen wäre. Nicht, dass wir die Tätig- und die Wirksamkeit eines Singer verurteilen würden! Wir hegen sogar eine gewisse Befriedigung da« rüber, dass Juden der Freiheit Vorkämpfer sind und an erster Stelle im Kampfe gegen Ausbeutung und Unterdrückung stehen, aber unwillkürlich stellt sich bei uns das Gefühl des Schmerzes ein! Für das eigene Volk, das am meisten unterdrückt und verfolgt wird, haben die Marx, Läsalle, Singer und wie sie heissen, nichts übrig gehabt. Im Gegenteil! Sie waren des Abfalls Vorbilder und oft — vide Mail — ihres Stammes Verurteiler und Verleumder! Für die deutsche Sozialdemokratie hat Singer viel bedeutet; sein Tod wird von ihr als schwerer Verlust empfunden. Uns, seinen Stammesgenossen, ist er nichts gewesen; sein | Tod erinnert uns nur daran, wieviel wir der ■ Welt an Kämpfern und Befreiern liefern, indes wir immer schwerer unter der Knechtschaft des Golus zu leiden haben! Das jüdische Landtagsinandat in Bosnien. Bei der. am 30. v. M. stattgefundenen Ersatzwahl für das jüdische Landtagsmandat in Bosnien wurde Dr. Vita A I k a 1 a y gegen Avram Salon mit großer Majorität zum Abgeordneten gewählt. Das neue Schulgesetz in der Türkei. Der Minister Emrullah Effendi hat vor kurzem den neuen Gesetzentwurf über den öffentlichen Unterricht in der Kammer eingebracht. Der Entwurf ist für das jüdische Unterrichtswesen im türkischen Reiche von höchster Wichtigkeit. Nachfolgend seien die Bestimmungen, cue uns Juden besonders interessieren, kurz dargestellt. Der Volksschulunterricht wird allgemein und obligatorisch. Die jüdischen Schulen sind entweder 'Anstalten der Gemeinden oder Privatschulen. Eine Privatschule darf ohne Autorisation nicht eröffnet werden. Das Gesuch um Autorisierung ist an die Lokalbehörde, , an den Unterrichtsrat der Provinz und an den Vali der Provinz zu gleicher Zeit zu richten; erfolgt binnen vier Wochen keine Antwort von der Lokalbehörde, so muß der Wali entscheiden. Die Privatschulen können von der Regierung Subvention verlangen, aber ihre Lehrer haben, zum Unterschiede von den staatlich angestellten, kein Pensionsrecht. Die Leiter der Privatschulen können ihre Lehrer, ihre Lehrbücher und ihr Lehrprogramm frei wählen, doch müssen die Programme denen der gleichstufigen Regierungsanstalten entsprechen. Obligatorisch sind neben den Realfächern Türkisch und ottomanische Geschichte. Als Unterrichtssprache ist jede beliebige Sprache erlaubt, doch ist in allen Fällen der Unterricht des Türkischen in das Programm aufzunehmen. Die Staatlichen Schulinsepktoren haben jederzeit freien Zutritt zu den Schulen. Die von ihnen zurückgewiesenen Schulbücher sind aus dem Gebrauche zu entfernen. Doch ist der Religionsunterricht von dieser staatlichen Aufsicht frei, die durch eine Aufsicht von geistlichen Beamten der betreffenden Religionsgemeinschaft ersetzt wird. Die Kinder nichtmuselmanischen Glaubens ln den staatlichen Anstalten werden an diesen einen eigenen Religionsunterricht durch Geistliche ihrer Gemeinschaft empfangen. Wer jedoch die Kosten - für ihn tragen soll, ist in dem Gesetze nicht vorgesehen. Lehrer an sämtlichen, also auch an Gemeinde- und Privatschulen, dürfen nur ottomanische Untertanen sgin. Jedoch können ausländische Lehrer eine spezielle Autorisation von seiten der Regierung erlangen. Es wird den Schulen, die in irgend einer Hinsicht den Forderungen des neuen Gesetzes nicht entsprechen, ein Zeitraum von vier Jahren gelassen, um sich ihnen anzupassen. Regenmangel in Palästina. Das Ausbleiben eines genügenden Frühregens - beginnt auf alle interessierten Kreise beunruhigend zu wirken. Bis* nun ist nur wenig Regen niedergegangen, so daß harter Boden noch nicht gepflügt werden kann. Ebenso sind die Zisternen in Jerusalem noch nicht gefüllt, worunter insbesondere die arme jüdische Bevölkerung sehr zu leiden hat. Wenn es nicht in nächster Zeit reichlich regnen wird, so wird voraussichtlich das kommende Jahr für den Körnerbau ein sehr ungünstiges sein und die allgemeine Teuerung wird noch einen größeren Umfang annehmen, als sie schon bis jetzt erreicht hat. Eine Handschrift aus der Zeit der Hasmonäer. Eine englische Revue bringt die überraschende Mitteilung, daß in Damaskus einige Blätter einer alten Handschrift gefunden wurden, die aus der Zeit der Hasmonäer stammen und Mitteilungen über die Geschehnisse jener Zeit enthalten. Vorläufig konnten bloß 60 Blätter der auf Pergament geschriebenen Handschrift sichergestellt werden. Die Schrift ist die althebräische Quadratschrift, ähnlich der Schrift der Samaritaner. Der genaue Inhalt konnte bisher noch nicht festgestellt werden, weil die Schrift auf dem halbverfaulten Pergament schwer zu entziffern ist. Bis jetzt ist es bloß gelungen, die erste Stelle vollständig zu entziffern Hier befindet sich auch eine Stelle, die lautet: „... und auch Antiochus, der König von Aram, und nach ihm werden auch die übrigen Könige Antiochus genannt; auch Chuniw, der Sohn des Jadua, der Vater des Simon...“ Auf der letzten Seite befindet sich das Datum, das dem Jahre 268 vor der christlichen Zeitrechnung entspricht. Die Handschrift wäre demnach 2178 Jahre alt und es ist kein Zweifel, daß, wenn die vollständige Lesung der Handschrift gelingt, sie uns noch manche wichtige Aufschlüsse aus der Zeit der Hasmonäer liefern wird. Georg V. — kein Judenfreund. König Georg V. von England soll, nach den Berichten Londoner Korrespondenten deutscher Blätter den Juden gegenüber eine wesentlich kühlere Haltung beobachten als sein Vater. Der Londoner Vertreter des „Lokal-Anzeigers“ behauptet, Georg V. fühle sich als energischer Brite, er sei nicht so kosmopolitisch wie Eduard VII. und deshalb habe sich auch Sir Ernest Cassel, der bekanntlich zu den Intimen des verstorbenen Königs gehörte, vom öffentlichen Leben zurückgezogen. Im „Tag“ [6. I.J glaubt Legationsrat a. D. vom Rath auf Grund eigener Beobachtungen ebenfalls eine Aenderung der Windrichtung am Hofe Georgs V. gegenüber den Juden feststellen zu können; er schreibt nämliclt : „Sein und der Königin Streben geht dahin, den Hof wieder von der Ueberflutung durch Parvenüs, namentlich jüdischen Ursprungs, zu säubern und die alten Familien, die sich unter dem bisherigen Regime; zum Teil zurückhielten, wieder heranzuziehen. Darauf hin deutet die Bestimmung, daß die bisherigen Vorstellungen bei Hofe nicht mehr ziehen, daß jedermann neu vorgestellt werden muß. Darauf hin deuten die Einschränkungen bei der Ausgabe der Billette zu den Royal Enclosure der Ascot-Rennen; Tausende von Gesuchen, die früher Berücksichtigung gefunden hätten, sind abgewiesen worden. Darauf hin deutet das sichtbare Bestreben des Königs, die vielfachen Freunde seines Vaters, namentlich aus der deutsch-jüdischen Finanzwelt, allmählich und höflich, aber konsequent abzustoßen.“ Rechtlosigkeit der spanischen Juden. Die Reise des spanischen Königs nach Meliila ist jüngst programmäßig verlaufen. Man hat ihm die eroberten Plätze gezeigt und die unterworfenen Stämme mit ihren Kaids haben ihm gehuldigt. Böse Zungen behaupten allerdings, daß sich unter den Huldigenden viele, eigens zu diesem Zweck gemietete Subjekte befinden; die Regierungspresse stellt dies aber aufs entschiedenste in Abrede. Dagegen muß sie zugeben, daß ein M i ß t on in die allgemeine Festesfreude hineinklingt, nämlich die Denkschrift der spanischen Juden in Meliila, die dem Ministerpräsidenten überreicht wurde. In dieser Denkschrift heißt es, daß zahlreiche Spanier, die sich zur israelitischen Religion bekennen, weder ein aktives noch passives Recht auf die Vertretung in der Gemeindeverwaltung haben, obwohl sie sämtlichen Pflichten der übrigen Untertanen Spaniens unterworfen seien : Militär- und Steuerpflicht, obwohl ein großer Teil der Grundstücke und des Handels von Meliila sich in ihren Händen befinde, obwohl Einlagen auf Büchel 41 An-und Verkauf von Wertpapieren. Börsenordres. Darlehen auf Wertpapiere. Wechsel-Eskompte. O Versicherung gegen Kursverlust- Safes der besten Konstruktion. WIENER FILIALE DER Zivnostenska banka PRO CECHY A MORAVU WIEN, I. Herrengasse Nr. 12. Aktienkapital K 60,000.000. Reserve- und Sicherstellungsfonds rund K 16,000.000 Zentrale in Prag, gegr. 1868. Filialen: Brünn, Budweis, Iglat», Krakau, Lemberg, Mähr.-Ostran, Olmütz, Pardubitz, Pilsen, Profinitz, Tabor u. Triest. Wechselstuben, 1., Herreng. 12,ll.Praterstr. 42,VlI.Mariahilferstr. 84, X- Favoritenstr. 95.