Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 3 (20.1.1911)
- Date
- 1911-01-20
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 3 Palästina-Landentwickhmgs- } Gesellschaft BericHt über die Sitzung des Direktoriums und die Generalversammlung der Aktionäre [29. Dezember 1910] der Palestine Land Development Co. Ltd. Der von dem Vorsitzenden der P. L. D. C., Herrn Prof. War bürg, über ihre bisherige Tätigkeit erstattete Bericht enthielt verschiedene Punkte, die das Interesse der Allgemeinheit beanspruchen dürften. Farm Kinereth. Die Einrichtung der Farm Kinereth war mit vielen Schwierigkeiten verbunden. Als die P. L. D. C. das Land in Besitz nahm, war dasselbe von den früheren Besitzern noch nicht vollständig geräumt und außer einem kleinen, halbverfallenen arabischen Gebäude waren keinerlei Unterkunftsräume vorhanden. Es galt, sich'mit den feindseligen Vorbesitzern und Nachbarn auseinanderzusetzen, die herumschweifenden Beduinen, die mit ihren Herden aufs Land kamen, an die Respektierung des jüdischen Eigentums zu gewöhnen, die Wirtschaftsgebäude zu erbauen und für einen Ort, Ger bis dahin vollständig unbewohnt war, -die richtigen Verbindungen für die Verproviantierung etc. zu finden. Es ist der P. L. D. C. gelungen, all dieser Schwierigkeiten Herr zu werden; neben der Farm ist jetzt bereits von der Jewish Colonization Association eine kleine Kolonisation angelegt worden und der Platz ist dadurch nicht nur zu einer jüdischen Ansiedlung, sondern infolge seiner günstigen Lage zwischen der Eisenbahnstation Semach, der jüdischen Kolonie Melhamie und der Stadt Tiberias sogar schon zu einem kleinen Verkehrsknotenpunkt geworden. Der Wert des Bodens ist dadurch natürlich erheblich gestiegen. Andererseits hat die Bewirtschaftung des Bodens, durch die Schwierigkeit der landwirtschaftlichen Arbeit in der ersten Zeit, durch die schwierige Beschaffung aller notwendigen Geräte und Lebensmittel, durch die notwendige Auseinandersetzung mit den Vorbesitzern und Nachbarn, sowie durch die Feindseligkeiten der Beduinen, die einmal einen regelrechten Ueberfall auf die Farm machten und eine Zeit lang die Arbeit störten, viele Ausgaben verursacht, die naturgemäß nicht wieder sofort durch die Einkünfte der Wirtschaft eingebracht werden, sondern in der eingetretenen Wertsteigerung des Bodens ihren Gegenwert finden. Die Bilanz von Kinereth .per 30. September 1910 schloß mit einem Verlust von 7290.82 Fcs., von denen 6917.63 Fcs. auf Abschreibungen entfallen. Das neue Jahr bietet für ein günstigeres Resultat bessere Aussichten als das verflossene, indem der Betrieb mit dem Fortschreiten der Arbeit einen regelmäßigen Charakter annimmt und der Verwalter der Farm auch für andere landwirtschaftliche Betriebe in der Nachbarschaft als Agronom gegen Entgelt fungiert, wodurch sich die auf die Farm entfallenden Verwaltungsspesen erheb'ich verringern. Die Farm hat außer dem Getreidebau auch bereits die Milchwirtschaft und Geflügelzucht eingeführt, eine Baumschule angelegt und eine Bewässerungsanlage eingerichtet, welche stündlich 70 ms Wasser dem Tiberiassee entnimmt und 300 Dunam Land bewässern kann. Mit Hilfe der Bewässerungsanlage werden jetzt auch bewässerte Kulturen [Gemüse, Baumwolle, Luzerne] gepflegt werden. Außerdem wird in diesem Jahre die Olivenpflanzung, welche die P. L. D. C. vertraglich für die Israelitische Kultusgemeinde in Dessau übernommen hat, begonnen. Es ist der P. L. D. C. gelungen, sämtliche landwirtschaftlichen Arbeiten durch jüdische Arbeiter ausführen zu lassen. Nach Ansicht des Verwalters von Kinereth lohnt es sich auch fernerhin, alle Arbeiten, trotz des höheren Lohnes, jüdischen Arbeitern zu übertragen, falls die ganz einfachen Arbeiten mehr und mehr durch qualifizierte Arbeit, z. B. der Handdrusch durch Maschinendrusdi, ersetzt werden. Im allgemeinen läßt sich sagen, daß die Farm Kinereth in der kurzen Zeit ihres Bestehens ein gutes Stück Arbeit geleistet hat; sie hat durch eine intensive Ameliorationsarbeit den Boden außerordentlich verbessert und wird sowohl hierdurch, wie auch durch ihre günstige Lage am See und in der Nähe der Eisenbahnstation sicherlich bald angemessene Erträge abwerfen. Arbeitergenossenschaft Umdjuni. Die Genossenschaft, der die P. L. D. C. von ihrem Land zirka 1000 Dunam zur Bewirtschaftung mit dem Inventar der P. L. D. C. überlassen hatte, hat sehr gut gearbeitet und nach der provisorischen Gewinn- und Verlustrechnung einen Gewinn von Fcs. 4437.80 erzielt, wovon der P. L. D. C. vertragsmäßig die Hälfte, d. h. Fcs. 2218.90, zufällt. Dieses günstige Resultat hat die P. L. D. C. veranlaßt, die Genossenschaft in diesem Jahre zu vergrößern und ihr 1500 Dunam Land zu überlassen. Parzellierungstätigkeit. Durch einen der P. L. D. C. vom Jüdischen Nationalfonds gewährten Kredit war es ihr möglich, ein Terrain, das sich für alle Kulturen, insbesondere für Ackerbau, eignet, in Galiläa zu erwerben. Da sich aber die endgültige Erledigung der Kaufformalitäten sehr lange hinzog, war es ihr bisher noch nicht möglich, an die eigentliche Parzellierung des Terrains heranzutreten, obwohl sie sehr viele Nachfragen nach kleineren und größeren Landstücken erhalten hat und das Land in kurzer Zeit mit entsprechendem Gewinn veräußern könnte. Anlage von Pflanzungen. Außer der bereits erwähnten Pflanzung, die die P. L. D. C. für Rechnung der Israelitischen Kultusgemeinde in Dessau vertragsmäßig übernommen hat, hat sie auch mit kapitalkräftigen Gruppen in verschiedenen Ländern wegen der Anlage größerer Pflanzungen verhandelt und es besteht die berechtigte Hoffnung, daß sie in naher Zukunft in der Lage sein wird, eine großzügige Pflanzungstätigkeit in verschiedenen Gebieten Palästinas zu entfalten. Der der P. L. D. C. durch die Pflanzungsanlagen zufallende Gewinn, der angesichts der großen Objekte eine beträchtliche Höhe erreichen dürfte, kann aus technischen Gründen erst nach vollständiger Fertigstellung Vermittlungsgeschäft. Die P-. L. D. C. hat der Pflanzungen zur Verrechnung gelangen, sich auch dem Landvermittlungsgeschäft zugewandt und dadurch kurz vor Schluß des Geschäftsjahres einen namhaften Betrag an Provision verdient, der allerdings gleichfalls aus technischen Gründen erst im neuen Jahr zur Verrechnung gelangen kann. Kapitalvermehrung. Das Kapital der Gesellschaft hat sich für die Zeit vom 1. Oktober 1909 bis zum 30. September 1910 nur um 2224.— Pfund Sterling auf 10.136.— Pfund Sterling vermehrt, welch’ ungünstiges Ergebnis hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, daß nur ein sehr geringer Teil der Vertrauensmänner der zionistischen Organisation bisher die nötige Aufmerksamkeit der P. L. D. C. gewidmet hat. Außerdem hat das Berliner Bureau der P. L. D. C. zur Vermeidung einer Beeinträchtigung der Sammlungen für den Genossenschaftsfonds in den letzten 6 'Monaten keine besondere Werbetätigkeit entfalten können. Nachdem die Sammlungen für den Genossenschaftsfonds ein erfreuliches Resultat ergeben haben, ist anzunehmen, daß die Funktionäreder zionistischen Organisation nunmehr ihre Kraft hauptsächlich in den Dienst der P. L. D. C. stellen werden. Mit Rücksicht darauf, daß die Ausdehnung der kolonisatorischen Tätigkeit der P. L. D. C. im wesentlichen von der Vermehrung seiner Mittel abhängig ist, hat das Direktorium das Berliner Bureau beauftragt, sein Augenmerk hauptsächlich auf den Verkauf der noch abzusetzenden 138 Gründeraktien zu je 50 Pfund Sterling zu lenken. Außerdem soll das Berliner Bureau an diejenigen wohlhabenden Gesinnungsgenossen, die sich bisher nur in ganz geringem Maße an der P. L. D. C. beteiligt haben, mit dem Gesuch herantreten, ihren Besitz an Aktien zu erhöhen. Aus dem Bericht des Vorsitzenden ging deutlich hervor, daß die P. L. D. C. gezwungen sein würde, verschiedene wichtige und günstige Gelegenheiten zur Ausdehnung des Kolonisationswerkes unausgenützt zu lassen, falls es ihr nicht gelingen sollte, im neuen Jahr ihr Kapital erheblich zu vermehren. Neuwahl. Da statutengemäß gelegentlich der letzten Generalversammlung sämtliche Direktoren zurücktreten mußten, so wurden Neuwahlen vorgenommen, die folgendes Resultat [in alphabetischer Reihenfolge] ergeben haben: Norman B e n t w i c h, London; Adolf Böhm, Wien, B. A. G o I d b e r g, Wilna, Bertrand Hamburg, Berlin, Dr. Hans Gideon Heymann, Berlin, Leopold Kessler, London, Dr. Arthur R u p p i n, Jaffa, Ing. M. U s s i s c h k i n, Odessa, Dr. E. W. T s c h 1 e n o w, Moskau, Prof. O. W a r b u r g, Berlin, Prof. Ch. Weizmann, Manchester. Das Direktorium konstituierte sich darauf wie folgt: Prof. O. Warburg, Vorsitzender, Dr. E. W. Tschleiiow, Moskau, und Dr. H. G. Heymann, Berlin, stellvertretende Vorsitzende; Dr. Arthur Ruppin, Jaffa, director managing. Berlin, den 4. Januar 1911. P. S. Anfragen sind nicht an die einzelnen Mitglieder des Direktoriums, sondern nur an das Berliner Bureau, Berlin W. 15, Bleibtreustraße 34/35, zu richten. Die Adresse für Einschreibbriefe lautet: Immobiliengesellschaft „Palästina“, G. m. b. H., Berlin W. 15, Bleibtreustraße 34/35. Zahlungen für Rechnung der P. L. D. C. nehmen entgegen: für Oesterreich: Bankhaus A. & J. Brecher, Wien, Kolingasse 5, und die Sammelstelle des Jüd. Nat.-Fonds für Oesterreich, Wien, IX., Türkenstraße 9; für Böhmen: Volksvorschußkassa in Prag, Prag, Königshofergasse 12; für Galizien: Kredit-Union, Lemberg, Karl Ludwigstraße 35. Eine Gründeraktie kostet K. 1212.50. Eine gewöhnliche Aktie kostet K. 24.25. Eine Vorzeigeraktie kostet: K. 26.50. * Aus dem jüdischen Leben. Ein frischgeadelter Täufling. Als frischgeadelten Täufling müssen wir Herrn Maximilian Kraßny, Direktor der Niederösterreichischen Eskomptegesellschaft registrieren. Seine Verdienste, um derentwillen er geadelt wurde, sollen in Plazierung österreichischer Renten, Mitwirkung . beim Ankauf von Aktien der Süddeutschen Dampfschiffahrtsgesellschaft durch die Regierung, sowie in seiner industriellen Betätigung liegen. Kraßny hat jedenfalls seine Berufung zu etwas Höherem vorausgeahnt und sich deshalb vor zwei Jahren taufen lassen. Die typische Karriere unserer „Edelsten“! Jüdische Geschäftsreisende in Rußland. Der „Generalanzeiger“ [Berlin] berichtet: „Seitens einer Reihe hiesiger Exporteure sind den Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin Klagen über schikanöse Behandlung von Geschäftsreisenden jüdischen Glaubens in Rußland, namentlich in Kiew, übersandt worden. In der Beschwerde wird ausgeführt, daß die Maßnahmen sich vornehmlich gegen die deutschen jüdischen Reisenden richten, während ihre Glaubensgenossen anderer Nationen, Engländer, Amerikaner usw., von den politischen Anordnungen nicht betroffen werden, weil deren Pässe keinen Vermerk der Religionszugehörigkeit aufweisen. Abgesehen von der persönlichen Seite der Angelegenheit sind die russischen Maßnahmen aber auch geeignet, den deutschen Handel in Rußland empfindlich zu schädigen. Nach Prüfung der Angelegenheit hat das Aeltesten-Kollegium beschlossen, bei der Reichsregierung vorstellig zu werden. — Das wird nach den bisherigen Erfahrungen kaum etwas nützen, wenn die deutsche Regierung in Petersburg nicht energischer einschreitet.“ Die Juden in den italienischen Kriegen. , Aus der „Grande Italia“: 1 „Im Jahre 1848 wurden die Freiwilligen aus Piemont meist den Bersaglieri zugeteilt; man teilte sie in drei Kompagnien: die Studenten bildeten die 3. Kompagnie des 4. Bataillons, die Juden die 7. Kompagnie und die anderen Freiwilligen die 4. Kompagnie. Die sogenannte Hebräerkompagnie zeichnete sich ganz besonders aus. Sie war aus der Katastrophe, in welche das piemontesische Heer hineingeraten war, unversehrt hervorgegangen und rettete dann in Mailand Karl Albert aus großer Gefahr. Als dann im Jahre 1849 der Krieg von neuem begann, überschritt die Hebräerkompagnie mit der 8. Kompagnie, unter Führung König Alberts den Ticino und kämpfte überaus tapfer bei der „Sforzesca“. Zwei Tage später tat sie bei der „Bicocca“ wahre Wunder von Tapferkeit. Inmitten der Kompagnie wurde General P e r r o n e getötet und der hel- Einlagen auf Buchei 4% An- und Verkauf von Wertpapieren. Börsenordres. Darleben auf Wertpapiere. Wechsel-Eskompte. Versicherung gegen Kursverlust Safes der besten Konstruktion. WIENER FILIALE DER V Zivnostenskä banka ) PRO CECHY A M0RAVU WIEN, I. Herrengasse Nr. 12. Aktienkapital K 60,000.000. Reserve- und SicbersteHiingsfonds rund K 16,000.000 Zentrale in Prag, gegr. 1868. Filialen: Brünn, Budweis, Iglau, Krakau, Lemberg, Mähr.-Ostrau Olmfitz, Pardubitz, Pilsen, Proßnitz Tabor u. Triest. Wechselstuben, 1., Herreng. 12, II. Praterstr. 42, VII. Mariahilferstr. 84, X. Favoritenstr."95.