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Jüdische Zeitung · 1911-01-20 · 3 (20.1.1911) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
3 (20.1.1911)
Date
1911-01-20
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 3 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 3 der westösterr. Organisation und ihrer frei gewählten Organe.“ Es wurde beschlossen, mit allem Nachdruck diese Forderungen des Z. - K. beiden obersten Parteibehörden zu betreiben. Als eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein gedeihliches Zusammenarbeiten mit dieser, beschloß das Z.-K., zu verlangen, daß der Wiener Berichterstatter der „W eit“ nur mit Zustimmung des Z. - K. nominiert werden dürfe. Die Frage der Einberufung eines Zionistentages wurde einstweilen auf die nächste Sitzung vertagt und der Präsident ersucht, bis dahin die Geschäfte weiterzuführen. In der durch seine Erklärung im Zentralorgan neuaufgerollten Angelegenheit York-Steiner, beschloß das Z.-K., vom E. A. C. zu verlangen, daß es dieselbe durch ein Parteiehrengericht zur endlichen Austragung bringe. Die Beratungen erstreckten sich noch auf das Budget und eine Reihe anderer Gegenstände. Nach mehr als achtstündiger Dauer schloß die Sitzung um halb 9 Uhr abends. Zionistisches Zentralbureau für West-Oesterreich. . Oesterreichs Jahresleistung 1910 für den JNF. Seit 1902, dem ersten Jahre des JNF, sind ihm aus Oesterreich stetig steigende Eingänge zugeflossen. Dieser Aufstieg hat auch 1910 angehalten. Während dem JNF, einschließlich der Oelbaümspende 190S 60.000, im Jahre 1909 SO.OOO Kronen zugingen, trug das Jahr 1910 104.000 Kronen und für den dem JNF angegliederten Genossenschaftsfond überdies 24.000 Kronen, zusammen daher 128.000 Kronen. Kreiskonferenz. Sonntag, am 22. Jänner 1911, findet in Jaslo im Lokale „Jeszurun“ um 9 Uhr früh eine Konferenz des Kreiskomitees Jasto- Rzeszow-Rymanow mit folgender Tagesordnung statt: 1. Eröffnung; 2. Berichterstattung des Kreiskomitees; 3. Organisation; 4. Agitation und Presse; 5. Die kulturelle Arbeit auf der Provinz; 6. Unsere Stellung zum nächsten Kongresse; 7. Anträge und Eventualien. Jede Gruppe, je 25 Mitglieder, wählt einen Delegierten. Von der Wahl der Delegierten ist Gg. Abraham. W e r n e r in Jaslo, spätestens bis zum 19. d. M. zu verständigen. Dr. Felix Hopfen. Ben-Zion Fett. Abraham Werner. Samuel C h i 1 L An demselben Tage veranstaltet der Verein „Jeszurun“ in Jaslo eine Makkabäerfeier, bei der Gg. Dr. Leon Reich aus Lemberg die Festrede halten wird. Eine politische Grösse. Die Leser dieses Blattes werden sich erinnern, mit welcher Vehemenz wir stets Herrn Zangwill bekämpften. Mancher von ihnen wird sich gewundert haben, daß wir so viel Temperament an diesen Herrn verschwendeten, obzwar sein Werk, mit dem er dem Z i onismus Konkurrenz machen wollte, die J t o (jüdische territorialistische Organisation) in nichts zerfallen ist. Der Grund dafür lag teilweise darin, daß wir genau beobachteten, wie jene Assimilanten, die von den Argumenten des Zionismus in die Enge getrieben wurden, aber vor dessen nationalem Gehalt zurückschauderten, hier wie anderwärts in der Ito ein »Nachtasyl« zu finden glaubten. Sie konnten, geborgen in ihrem Schoß, pathetisch verkünden, daß aucn sie für die Lösung, der Judenfrage durch Massenkölonisationi einträten, daß sie aber trotzdem darin keinen Grund fänden, hier national oder demokratisch zu sein. Teilweise aber richtete sich unser Zorn gegen Herrn Zangwill selbst, als einem Repräsentanten jener Pseudozionisten, die im Laufe der Zeit sich' immer deutlicher als verkleidete Assimilanten erweisen, d. h. als antinational, antidemokratisch und antipalästinensisch fühlende Juden. Zangwills Entwicklung zeigt an einem hervorragenden Exemplar dieser Spezies, was wir von Leuten solchen Kalibers zu erwarten haben. Seine neueste Tat — und bisher bestan-. den seine „Taten“ immer nur in Reden oder Artikeln — ist ein Aufsatz in der „Jewish Review“. Daß Herr Zangwill darin gegen Palästina auftritt, wird uns nicht mehr Wunder nehmen, obzwar dies von einem Manne sehr geschmackvoll ist, der einst das heilige Land in glühenden Farben geschildert hat, — ebensowenig sind wir darüber erstaunt, daß dieser große Redner, der das Land der Juden mit dem Finger auf der Landkarte sucht, die Zionisten verhöhnt, „die in Berlin und Odessa Reden halten, statt nach Palästina zu gehen“. Das Neue in seinem jüngsten Artikel ist, daß Herr Zangwill die These aufstellt, daß es in der Diaspora keinen jüdischen Nationalismus geben kann. Er sagt dies zwar nicht so rund heraus. Er erklärt den ottomanischen Juden, an die sich seine Epistel richtet, daß es verfehlt wäre, wenn sie pure Jüdischnationale oder gar Zionisten wären. Sie müßten jüdische Ottomanen sein, wie die in der Türkei lebenden Griechen griechische Ottomanen! Eine Vorherrschaft von Juden auf irgend einem türkischen Territorium dürfe man nicht verlangen. Einen jüdischen Nationalismus könne es nur auf jüdischem Territorium geben. Wir wollen davon absehen, darzulegen, wie verräterisch gegen den Zionismus der ehemalige Zionist Zangwill durch diese Ratschläge an die ottomanischen Juden handelt. Wir wollen ihm auch nicht entgegenhalten, daß er selbst bis vor kurzem von „der Vorherrschaft des jüdischen Elements auf einem türkischen Territorium“ geträumt hat — nämlich in Mesopotamien, denn wer nimmt Zangwills politische Enunziationen noch ernst! Nicht darum handelt es sich uns, Zangwill zu widerlegen oder zu zeigen, welches Maß von Bosheit dieser Mann besitzt, wir wollen nur an Hand der Entwicklung Zangwüls allgemein klar machen, warum wir ein so ungeheures Mißtrauen gegen Zionisten ‘haben, die nicht bis ins Mark national sind. Solche sogenannte Zionisten sind in unseren Augen überhaupt für uns schlechter als die ärgsten Gegner. Früher oder später kommt der Tag, wo sie ihren Zionismus in emem ernsten Moment zu erproben haben, und wer da nicht durch und durch national gesinnt ist, der stolpert rettungslos, trotz des bißchen Palästinaliebe, ins Lager der Assimilation" hinüber. Wo sind heute so manche Größen der Kongresse? Wo ist heute Herr Doktor Amand Kaminka, wo ist heute Herr Zangwill? Man sage uns nicht immer, unser Mißtrauen sei nicht gerechtfertigt, so lange es sich um verdiente Zionisten handelt, die sich noch keine Verfehlung zu schulden kommen ließen. Ja, wenn diese erfolgt ist, dann ist es zu spät, dann hat dieser Zionist auch schon den Zionismus kompromittiert. Ein bißchen mehr Mißtrauen hat noch keiner Partei, die schwer zu kämpfen hat, geschadet, wohl aber zu viel Leichtgläubigkeit und Hurrastimmung. Wie viele erinnern sich nicht des Momentes" — es sind erst 10 Jahre her, — als der große Zionist Zangwill die Kongreßtribüne betrat und nach jedem Satze, den er sprach, lauten Jubel erregte? Wer hätte damals Mißtrauen gehabt, als Zangwill in beredten Worten schilderte, wie die „Ica“ Juden, 'die nach Palästina wollen, nach Argentinien schickt! Wer hätte gedacht, daß derselbe Zangwill nach (‘paar Jahren, Juden, die nach Palästina wollen, nach Galveston expedieren wird! Es ist gewiß ein schöner Zug, daß das jüdische Volk zu seinen „Größen“ mit Bewunderung auf blickt. Leider aber hat auch diese Tugend ihre Schattenseite. Aus lauter Bewunderung für irgend eine Größe der Literatur, der Wissenschaft etc. glaubt das Volk, daß alles, was diese Leuchte auch auf ihr völlig fern liegenden Gebieten tut, unweigerlich richtig ist. Das ist, seit das jüdische Volk gezwungen ist, Politik zu machen, eine furchtbare Gefahr. Es mag jemand noch so schöne Romane schreiben, noch so gute Statuen bilden, noch so glänzende Analysen machen usw., deshalb ist er noch nicht im mindesten zum Politiker befähigt. Es kann ja sein, daß einmal ein Journalist ein genialer Politiker ist, wie es H e r z 1 war, aber a priori anzunehmen ist das nicht. Politische Begabung ist eine ebenso spezifische, als etwa die literarische, aber viel seltener und viel öfter bei undifferenzierteren, mit ungebrochenen Instinkten begabten Männern aus dem Volke zu finden, als bei Ideologen. Wenn aber eine Nation, die eine so furchtbar schwere Politik zu machen hat, wie das jüdische Volk, und dabei so arm ist an politischen Begabungen, sich der politischen Führung von auf anderen Gebieten talentierten Größen oder von Kowedjuden unterordnet, so muß es, wie bei Zangwill, die schrecklichsten Erfahrungen machen. Das jüdische Volk ist durch solche gewitzigt worden und hat heute ein gesundes Mißtrauen gegen alle „Führer“. Und es gibt auch keine ernstere Pflicht der jüdischen Journalistik, als die, durch einen energischen Kampf die jüdische Politik von allen Dilettanten zu befreien, mag es sich dabei um noch so populäre Größen handeln. Dieser Pflicht, so unangenehm sie auch sein mag, sind wir wohl bewußt und trachten, sie zu erfüllen, so sehr wir uns dadurch auch oft mit der landläufigen Meinung in Gegensatz bringen. Die Böhmische IndustrialBank-Filiale Wien, I, Neuer Markt 8 Telephon 7734 n. 10.000 — Aktienkapital K 30,000000 — verzinst Geldeinlagen H öl Besorgt sämtliche Bank- und auf Einlagsbüchel mit *4 lö‘ Wechselstubengeschäfte. iü! j. 4 M Vj'i ■i: I j $ ■i -is

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