Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1911-01-20 · 3 (20.1.1911) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
3 (20.1.1911)
Date
1911-01-20
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2438141-2438327-2438330--2259-2441919
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Nr. 3 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 denhafte Major Lyons durch eine Kanonenkugel, schwer verwundet und aus dem Sattel geschleudert. Unter dem Rufe: „Rächen wir :unsern Major!“ stürzte sich die Hebräerkompagnie dann auf den Feind, den sie mit solchem •Ungestüm angriff, daß er in wilder Flucht das. -Schlachtfeld verließ. Als die Hebräer dann erfuhren, daß in ihrer Nähe ein Infanterieregiment von Savona von der feindlichen Uebermacht hart bedrängt werde und daß seine Fahne bedroht sei, wandten sie sich mit großem Elan dem neuen Feinde zu. Hauptmann Cattaneo, der Führer der Kompagnie, wurde :so schwer verwundet, daß er wenige Tage •darauf starb; der Leutnant Ritter R a d i c a t i, der an seine Stelle trat, wurde getötet; von der ganzen Kompagnie kehrten nur etwa vierzig Bersaglieri unter der Führung des Unterleutnants Dr. Modena heim; aber die Fahne war ger.ettet!“ Eine Pogromdebatte in der Petersburger Duma. Auf der Tagesordnung der letzten Dumasitzung stand die Interpellation der Kadettenfraktion über die jüngsten Vorgänge an der ‘Odessaer Universität. Der Abgeordnete aus •Odessa, N i k o 1 s k y , begründete die Interpellation und schilderte auf Grund genauer, persönlicher Feststellungen das empörende Verhalten der Polizeiorgane und den tatsächlichen Verlauf ■der Exzesse, von denen die Administration eine •durchaus wahrheitswidrige Darstellung gegeben habe. Der Redner’ wies darauf hin, daß die •Stimmung der Odessaer Bevölkerung, deren einzelne Klassen zu bekannten Zwecken gegen ein- ■ander aufgehetzt wurden, sich in einer nicht ungefährlichen Gärung befinde. Uni den tiefen Eindruck, den der oppositionelle Redner hervorgerufen hatte, äußerlich abzuschwächen, schickte ■die Rechte ihren nach oben einflußreichsten Führer, den echt-russischen „Patrioten“ Schulgin, vor. Dieser rief, warnend und mit erhobener Stimme, der Opposition zu: „In Odessa ■wird andauernd auf die Intellektuellen eingehauen. Auf Russisch: In Odessa ist ein J u- •denpogrom im Anzug. Achtet auf meine Worte und übermittelt dieselben an die entsprechenden Stellen: jede Revolution in 'Rußland wird über jüdische Leichen •schreiten. Denn die Juden bilden denjenigen Bevölkerungsteil, der am wenigsten widerstandsfähig ist und die aufgeregten Massen werden sich auf die Juden stürzen. Das mögen sich al'e diejenigen merken, die mit der Revolution zu schaffen haben.“ Die Pogromdrohung rief auf der rechten Seite stürmischen Beifall und bei den Oppositionellen tiefe Entrüstung hervor, die auch in den scharfen Erwiderungen ihrer Vertreter zum Ausdruck kam. Am Schluß der Debatte gab der jüdische Abgeordnete Nisselowitsch folgende Erklärung ab: „Hier ertönte das Wort Pogrom — und es war natürlich gegen die Juden gerichtet. Schulgins Bekenntnisse sollen und dürfen nicht der Vergessenheit anheimfallen. Alle Welt wird nunmehr wissen, daß die Judenmassakres nicht — wie regierungsoffiziell Europa gegenüber dargestellt wird — durch Verschulden der Juden, sondern lediglich deshalb ins Werk gesetzt werden, weil die Juden die widersllandsschwächeren sind. Bisher habe ich an dieser Stelle niemals auf die eigentlichen Urheber der Pogrome speziell hingewiesen. Die Schulginschen Ausführungen geben mir nunmehr die Berechtigung, zu erklären, wo die Urheber •der Pogrome zu finden sind.“ Lassalle. [„Israel. Wochenblatt für die Schweiz“.] Man spricht und schreibt in diesen Tagen wieder viel von Ferdinand Lassalle, der, wie bekannt, längere Zeit hier in ■Genf lebte, wo er in einem unglücklichen Duell ■durch die Kugel des Herrn von Rakowiz am 31. August 1864 seinen Tod fand. Ich kannte ihn wohl, den von Eitelkeit nicht freien, aber sehr begabten Mann. Da gedenke ich einer ■ Episode, der ich einen Tag nach seinem Tode hier beiwohnte. Auf der Montblanc-Brücke begegnete ich damals dem hiesigen Rabbiner Wertheimer, der mich ersuchte, ihn ins Hotel Victoria der Rue du Montblanc zu begleiten, wo •der Leichnam Lassalles neben dem Zimmer der Gräfin Sophie von Hatzefld aufgebahrt lag. Die Gräfin, Lassalles Freundin und Beschützerin, empfing uns freundlich; allein als Rabbiner Wertheimer seine amtlichen Dienste für die Bestattung des Verstorbenen anbot,- da brauste die Gräfin gleich mit den Worten auf: „Lassalle ist kein Jude und er soll auch nicht jüdisch begraben werden!“ „Beruhigen Sie sich, Frau Gräfin, wir Juden haschen nicht nach toten Leibern,“ entgegnete Herr Rabbiner Wertheimer und wir gingen beide hierauf stillschweigend wieder unseres Weges davon. Wenn ich nicht irre, so wurde Lassalle nachher doch, wahrscheinlich auf Verwendung seiner Familie, auf dem jüdischen Friedhof in Breslau beerdigt.“ Antisemitisches aus den galizischen Schulen. [Ein Beitrag zur Judenenquete in Lemberg.] Die jüdischen Lehrer in Galizien — meistens Assimilanten, da im Gerüche des Zionismus stehende Bewerber nicht angenommen werden — planen die Gründung einer jüdischen Lehrerorganisation und veröffentlichten zu diesem Zwecke in dem Assimilantenblati „J e d n o s c“ einen Aufruf. Die löbliche Redaktion, an deren Spitze der berüchtigte Gymnasial-Supplent Dr. Berthold M e r w i n [allerdings nennt er sich in der „N. Fr. Pr.“ stolz „Professor“] steht, bemerkt in einer Fußnote, daß sie sich die Meinung über eine Organisierung der Lehrerschaft m. K. [soll heißen mosaischer Konfession] vorbehält. Auf der nächsten Seite desselben Blattes findet sich ein Artikel, in welchem von einem jüdischen Lehrer darüber Klage geführt wird, daß an keiner einzigen Lemberger Volksschule, welche von christlichen Kindern, sei es auch in sehr geringer Anzahl, besucht wird, außer den jüdischen Religionslehrern jüdische, Lehrer angestellt sind. Hingegen sind an den ausschließlich von jüdischen Schülern besuchten Volksschulen Czacki und Sobieski [die Schulen werden in Galizien immer nach nationalen Koryphäen benannt] von 8 definitiven Lehrern 7 Christen, bezw. von 17 definitiven Lehrern 12 Christen. Also: nicht genug, daß Juden an Volksschulen, welche von Christen oder von Christen und Juden besucht sind, nicht angestellt werden, müssen sie an rein jüdischen Schulen den christlichen Lehrern [lauter Polen| ^eichen, trotzdem unzählige jüdische Bewerber brot- und beschäftigungslos verkümmern! Und da können die polnischen Assimilanten nicht begreifen, warum sich die jüdischen Lehrer organisieren wollen! Das ist schon mehr als Kurzsichtigkeit, das ist bereits heller Wahnsinn oder empörender Sklavensinn. Uebrigens ist es im galizischen Landesschulrate nicht besser bestellt. Der Vizepräsident Dembowski [nomineller Präsident ist der Statthalter] forderte vor einigen Wochen in einem Rundschreiben die Volksschullehrer des Landes auf, den Kindern mitzuteilen, daß in Lemberg eine Eierverkaufsgenossenschaft ins Leben gerufen wurde-und daß sich die Eltern in Hinkunft bei ihren Verkäufen nicht mehr an die Dorfhändler [lies Juden!] zu wenden brauchen. So sehen wir also den Lemberger Gemeinderat und den galizischen Landesschulrat, der, nebenbei bemerkt, fast gar keine Juden anstellt, brüderlich im Judenhasse beisammen! Ihnen gesellen sich ausnahmslos alle Landesbehörden zu. All ihre antisemitischen Ausschreitungen finden die offene und heimliche Unterstützung der polnischen Gesellschaft. Und nun sei die Frage gestattet: Kann die Enquetekomödie über die wahre Gesinnung der maßgebenden polnischen Faktoren in Galizien hinwegtäuschen? Hunderte stellenloser Lehrer, Tausende brotloser Schänker, Zehntausende verarmter Dorfjuden, Hunderttausende verhungerter Luftmenschen sind ein beredtes Zeugnis für die hinterlistige, tückische, judenmörderische Praxis der galizischen Verwaltung. ÜBFBiQS-i. fBfSammlUliaSBBGbriElrtBB. Voranzeigen. Wien. Zionistischer Mädchenverein „M o r i a h.“ Montag, den 23. Jänner findet, wie allwöchentlich um dreiviertel 8 Uhr abends, im Lokale des „Zionistischen Zentralvereines“, IX. Törkenstraße 9, ein Vereinsabend statt. Programm: Fortsetzung der Besprechung von Nordaus „Dr. Kohn“. Gäste, Frauen und Mädchen, willkommen. Wien. (Vorlesung Rudolf Schildkraut. Bei der Sonntag, den 22. d. M., zu Gunsten stellenloser jüdischer Angestellter stattfindenden Literarischen Matinee (Festsaal des Ingenieur- und Architektenverienes, I. Eschenbachgasse 9) wird neben Frl. Lia Rosen, (k. k. Hotburgtheater», Schriftsteller Felix Salten, Dr. Walter Friedemann, (Regisseur des Deutschen Volkstheaters), Max Bing (Bürgertheater), auch Herr Rudolf Schildkraut, (Mitglied des Berliner Deutschen Theaters) am Vorlesetisch erscheinen. Eintrittskarten ä K 5.—, 3.— und 2,— sind noch in beschränkter Anzahl im Lokal des „Verbandes jüdischer Handelsangestellter *, II., Taborstraße 20 (Soterrain), und zwar täglich ab 7 Uhr abends erhältlich. Wien. (V e rband d. jüdischen Handel s- und Priva tanges te 111en), II., Taborstraße 20 ('outerrain). Dienstag, den 24. d. M.; 8 Uhr abends, findet der 2. Teil des Vortrages des Herrn Dr Koloman Freuder über das „Rassen*p ro bIem“ statt Gäste, (Damen und Herren) willkommen. Wien. Der I. Zion. Frauenverein ladet höflichst zum Vortrag des Herrn Dr. .Ruthblum über Siedlungs-Genossenschaften mit besonderer Berücksichtigung des „0ppenheimerischen Projektes“ ein. Ort: Cafe City, IX., Porzellangasse 1, präzise halb 7 Uhr abends. Wien. (Jüdische Toynbee-Halle, XX,. Othmargasse 46.) Freitag, 20. Jänner, Bibelvor- (trag, Lehrer Leopold Weiß. Samstag, 21. Jänner, Konzert, Mitwirkend die Herren: Prof. Roderich Baß Klavier), Lissauer (Gesang), Paster (Geige). Sonntag, 2. Jänner, Ueber Erbrecht, Dr. Leodold Plaschkes. Montag, 23. Jänner, Das Eindringen sozialer Triebkräfte in die Medizin, Dr. Heinrich Grün. Dienstag, 24. Jänner, Geschichte der Juden in Oesterreich, Zyklus II, Dr. K. Kupfer. Mittwoch, 25. Jänner, Das I. und das 11. Wiener Ghetto. Nach dem Buche des Dr. Ig. Schwarz. Donnerstag, 26. Jänner, Kunst und Kultur im alten Orient (Mit Lichtbildern), Prof. Dr. Emmerich Kohn. Freitag, 27. Jänner, Bibelvortrag, Herr I. Rosner. Wien. (Human itäre rVerein„DerEisenstädter“. Sonntag, den 22. Jänner 1!-11, um 10 Uhr vormittags findet in J. Hirsch’s Restauration, II. Rez., Kaiser Jesefstrasse 15, die IV. ordentliche Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Verlesung und Genehmigung des Geschäftsberichtes. 2. Ergänzungswahlen in den Ausschuss. 3. Eventuelles. Wien. Populäre Vorträge im Vereine „Achwah., Jüdische Brüder“ rituelle Volksspeisehalle, Wien, II. Herminengasse 8. Im Lokale dieses Vereines, in dessen Speisehalle an Unbemittelte zu dem bei den heutigen Teuerungsverhältnissen eminent billigen Preise von 40 Hellern mittags und 30 Hellern abends, eine kräftige, streng rituelle Mahlzeit verabreicht wird, finden vom 21. Jänner d. J. angefangen, allwöchentlich am Samstag, präzise 8 Uhr abends, populäre Vorträge statt, zu denen jedermann freien Zutritt hat. Stryi. Am 1. Jänner fand hier eine Makkabäerfeier * statt, welche von sämtlichen jüd.-nat. Vereinen der Stadt veranstaltet wurde. 600 Personen waren erschienen, um die Nationalhelden zu feiern. Hervorzuheben sind die Tendenzrede des Redakteurs des „Jüd. Arb.“, Dr. Schipper, welche einen wahren Beifallssturm hervorrief, ebenso die hervorragenden Leistungen des Czernowitzer jüd. Gesangvereines. Auf diesem Wege spricht das Publikum dem sympathischen Vereine seinen Dank aus. Geschlossen wurde die Feier mit der Aufführung des III. Aktes aus „Messias Zeiten“ von Schalom Asch. Bemerkt sei noch, daß alle Produktionen in jüdischer Sprache ausgeführt wurden. Vom Reinerträge wurde ein Teil dem JNF zugeführt. — Im vergangenen Jahre wurden in der Tyonbeehalle 9 Vorträge abgehalten, welche von 1500 Personen besucht waren. Herrn jur. A. H., Wien. Ihrer Bitte kann nicht entsprochen werden. Wir bringen die vollständige offizielle Liste der Ausgetretenen und lassen einzelne Namen prinzipiell nicht aus. Eingesendet. Verdauungsstörungen bei erwachsenen Magenkranken und Greisen beseitigt erwiesenermaßen das ursprünglich zur Ernährung von Kindern vor fünfzig Jahren erfundene Nährmittel Nestle, welches reinste Alpenmilch enthält. Aeußerst leicht verdaulich, nahrhaft, in der ärztlichen Praxis als vorzügliches Diätetikum erprobt und verordnet. Probedosen und Literatur versendet gratis Gesellschaft Nestle [Abteilung für Erwachsene], Wien, I., Biberstraße 11. Ganze Dosen ä K. 1.80 in allen Apotheken und Drogerien nebst Gebrauchsanweisung erhältlich.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.