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Jüdische Zeitung · 1910-12-30 · 52 (30.12.1910) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
4 (1910)
Issue
52 (30.12.1910)
Date
1910-12-30
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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JÜDISCHE ZEITUNG. m. .52 Seitje.,4 möglich. Hpfr jjGoldberger fiel und_an seine. St^ip trat fuöttzrat Timmendorfer, ein Funl&ionär des-geschmähten HilfsVereins.- Als ■ dieser, im.Gegensatz zw. Herrn Goldberger,;die deutsche Konfererizgeraeinschaft -aus einer bloßen Inkassantin . der Mife gliedsbeiträge zu einer, selbstständigen Mitarbeiterin empörheben, wollte, erklärten die Pariser Diktatoren sie als;aufgelöst, was sich natürlich das deutsche Komitee nichtgefallen läßt' Inr-diesem-Kampf ist Recht und. Vernunft auf seiner Seite und deshalb wird die Konferenzgemeinschaft zum Schluß den eisernen Willlen durchsetzen. Das Pariser System wird dadurch sehr stark erschüttert und hoffentlich im Laufe der Zeit gänzlich überwunden werden. Wir Zionisten stehen in diesem Streite mit voller Sympathie auf der Seite der deutschen Konferenzgemeinschaft, von deren Aktion zu erhoffen ist, daß sie den unjüdischen Geist aus der Alliance vertreiben und diese im zweiten Halbjahrhundert ihres Bestehens auf jene Grundsätze zurückführen wird, welche ihren Begründern vorgeschwebt haben. Die Nase des Ladislaus. Dozent zu sein, ist ehrenhaft, Man kriegt es von der Wissenschaft, Und „Wissenschaft“, so nennt man das, Wenn einer mehr als andre las. Wir Juden sind seit je gewesen Die Menschen, die am meisten lesen, Wir lasen schon zur Zeit der Sphinx, Nur damals noch von rechts nach links. Auch Ladislausen war es klar, Daß er hiezu berufen war, .• Er kannte nichts als seine Pflicht Und niemals kein Vergnügen nicht! Bereits auf dem Gymnasium, Betrieb er nur das Studium, Und wenn das Böse ihn beschlich, So machte er das ab für sich! Wohl dir, wenn du so früh erlernst Fünf Sprachen und des Lebens Ernst — Bald zierte ihn der Doktorhut — Doch — leider Gottes — war er Jud! Und mit dem juden ist es so: Er lebt in dulci jubilo Und steigt weit höher als der Christ, Sobald er nicht mehr Jude ist. Darum trat auch der Ladislaus Aus seiner Blutsverwandtschaft aus, Es taufte ihn der Patriarch, Er wurde Christ und blieb ein Parcli. Doch Jahre gingen in das Land Und Ladislaus ward nicht ernannt! Da bockte seine Lammsgeduld Und sprach: Da ist die Nase schuld! Denn Ladislausens Nase war Ein selten großes Exemplar, Es haßte sie der Ladislaus, Sie aber machte sich nichts daraus. Wohin er lief, wohin er schritt, Die Nase ging gemütlich mit, Sie kannte weder Scheu noch Scham — Auch wenn sie in die Kirche kam! Und wenn er schon ganz nah am Ziel, Erschien die Nase am Profil, Der Referent sah auf die Uhr — Und aus war’s mit der Dozentur! Da kam zu Ladislaus die Märe, Daß solcherlei zu heilen wäre: Es gebe einen Herrn Professer, Der taufe nach — mit einem Messer! Die Lücken, die dadurch entstehen, Vermag kein sterblich Aug* zu sehen, Denn man verschönert die Personen Durch Paraffininjektionen! Als solches unser Held erfahren, Da war er allsogleich im Klaren, Er dürfe keine Zeit verlieren, Die Nase zu rektifizieren! Und siebe da! Nach sieben Tagen ■;v.--::; ■= >t . Besah der Forscher mit Behagen v lra.Spiegel.-wievdas\Ding gedieh’n —; Und; rief begeistert: ^Unbeschrie’n!“ : , Was er. so schicksalsschwer empfunden War fort, , war weg, war ganz verschwunden — Er. hati’ das Näschen der Slaviner Und ähnelt einem; Bernhardiner! Zur selben Zeit ward noch dabei In Innsbruck eine Kanzel frei, Da murmelte der Optimist: „Mboh! — Wofür bin ich denn Christ!“ Er wurde loco u n i c o Genannt von dem Kollegio, Denn diese hochgelahrten Herrn, Die denken meist in eschu -modern! Doch, hochverehrtes Publikum, Wie staunte das Kollegium, Als folgendes zur Antwort kam, Was Ladislaus den Atem nahm: „Der Herr, der sich uns vorgestellt, Und sei er auch ein Geistesheld, Paßt nicht für unser Musenhaus — Der Herr sieht viel zu.— slavisch aus! Wir müssen nur um Deutsche bitten, Wenn’s sein muß — einen Israeliten! Doch — dieses war der letzte Trumpf — Die Nase ist uns viel zu stumpf! Als Ladisläuschen dies; vornommen, Ist er um den Verstand gekommen — War bei der „Reichspost“ Redakteur Und starb sodann als Missionär! Und die Moral von der Erzählung, Bedarf nicht weiterer Empfehlung Als: Wohl dem Manne, welcher ehrt Die Nase, die ihm Gott beschert! Beda. Die Unruhen in Ostpalästina. Die Unruhen in Kerak östlich vom Toten Meer werden von den türkischen Blättern darauf zurückgeführt, daß einzelne Beduinenstämme, die Rewale und die Beni-Sahar zur Steuerleistung herangezogen werden, während sie früher von Steuern befreit waren. Außerdem sollen sie unzufrieden sein, weil sie durch die Nedjazbahn materiell geschädigt werden, da ihr Handel mit den früher zu Fuß reisenden Pilgern durch sie überflüssig wurde. Entgegen den anfänglich ungemein übertriebenen Nachrichten der europäischen Blätter wird jetzt festgestellt, daß die Beduinen keine Massakres verübten, sondern daß nur im Kampf gegen sie einige Offiziere und Soldaten gefallen sind. Groß sind die Zerstörungen welche die Beduinen an der Strecke Katrane—Maan und in Kerak selbst verübten. General Samy Pascha, der mit 27 Bataillonen im Haurän steht, sandte sofort eine genügende Truppenmacht, welche die Beduinen zurückwarf und die Eisenbahnlinie wieder herstellte. Bekanntlich gilt das Ostjordanland seit jeher infolge der fortwährenden Beduineneinfälle als unsicher. Durch den Bau der Hedjazbahn ist eine schrittweise Pazifizierung des Landes ermöglicht worden. Viele Stämme sind schon zur Steuerleistung (Viehsteuer) gezwungen worden und zum Teile zur Seßhaftigkeit übergegangen. Die Energie, mit welcher die neue Regierung die letzen Aufstände im Hauran und im Kerak niederwirft, und die fortschreitende Entwaffnung der Bevölkerung wird zweifellos in absehbarer Zeit das Ostjordanland völlig pazifizieren. Aus dem jüdischen Leben. Bund jüdischer Korporationen in Deutschland. Der Bund jüdischer Korporationen (B. J. C.) feiert jetzt sein 10 jähriges Bestehen. Das wird weitere Kreise deshalb interessieren, weil der B. J. C. als Kartell der zehn an verschiedenen Universitäten Deutschlands bestehenden V. J. St. (Vereine jüdischer Studenten) einen Sammelpunkt aller jüdischen Akademiker darstellt, die sich bewußt als Juden fühlen, und an der Entwicklung eines lebendigen Judentums mitarbeiten, wollen. Der-zehnte Kartelltag des Bundes,; der yom:;25. jbis29.Dezem- J}er;stattfindet, wird aus die.sem.iVnlaß mit groß anr gelegten, externen. ■ Veranstaltungen /verbunden sein; Ein.iFestkonvent am,Sonntag, den; 25:; Dezember* mittags 12; Uhr*; im» Klindworth-Scharvenka-Saai (Lützowstr>, 76), soll, durch eine '■ akademische Err örterung,der Themen: ,,*pie historischen Grundlagen de&B. J. C. und seine-Gründung“,- „Was bedeutet uns die Korporation?“, „DieAufgaben des B.J.C.*, den Inrellektuellen Berlins, soweit sie jüdisch interessiert sind, ein Bild vom Werdegang und Wesen des B. J. C. geben. Der am 27. Dezember, abends 8 Uhr, im Theatersaal des Krollschen Etablissements stattfindende große Kommers, dem auch die Damen als Zuschauerinnen auf den Rängen beiwohnen werden, wird die aktiven Mitglieder und Alten Herren des B. J. C., die aus ganz Deutschland ihr Erscheinen in Aussicht gestellt haben, mit den zahlreichen Berliner Freunden jüdisch-akademischer Bestrebungen vereinigen. Und den Abschluß der Festlichkeiten bildet ein Ball, den am 28. Dezember im Hause des Brüdervereins, Kurfürstenstr. 116, die Berliner Vereine Jüdischer Studenten den ihnen gesellschaftlich nahestehenden Kreisen geben. Baron Dawid Günzberg gestorben. Die russischen Juden haben einen großen, unersetzlichen Verlust erlitten: Ihr Repräsentant und eifrigster Förderer, Baron Günzberg, ist nicht mehr! Dieser ausgezeichnete jüdische Gelehrte und Philantrop war Vorsitzender der Petersburger jüdischen Gemeinde und Vorstandsmitglied der „Ica“. Er war Herausgeber der in russischer Sprache in Petersburg erscheinenden „Jüdischen Encyclopädie“ und Gründer vieler jüdischer Wohltätigkeitsinstitute. Er fehlte niemals, wenn eine Aktion für die russischen Juden ins Leben trat. Die jüdische Wissenschaft hat ihm viel zu danken. Seine reichhaltige Bibliothek hat durch ihren Bestand an seltenen Handschriften, Erstausgaben und unschätzbaren Kurios einen Weltruf erlangt. Baron Günzberg war ein Mann, der sich auf allen Gebieten des jüdischen Lebens betätigt hat. Er ist kaum 53 Jahre alt geworden. Ein hebräisches Gymnasium in Jerusalem. Schon seit langem machte sich der Mangel eines hebräischen Gymnasiums in Jerusalem sehr fühlbar. Denn die bestehenden Schulen bezwecken fast ausnahmslos den Anfangsunterricht, während diejenigen, die ihre Kinder für den Besuch einer Hochschule vorbereiten oder auch sonst etwas gründlicher ausbilden wollten, sie nach anderen Städten oder gar nach dem Auslande schicken mußten, wo sie häufig in die Einflußsphäre der christlichen Missionsgesellschaften gerieten und ihre Ausbildung in jüdischer Beziehung jedenfalls sehr im argen lag. Anderseits werden durch das Fehlen einer jüdischen Mittelschule wohlhabende jüdische Eltern verhindert, sich in Jerusalem niederzulassen. Für den Fortschritt des wirtschaftlichen Lebens in Jerusalem ist aber der Zuzug wohlhabender und gebildeter Familien unerläßlich. Die Gründung des Lehrerseminars und der Handelschule durch den Hilfsverein der deutschen Juden ist gewiß mit großer Genugtuung zu begrüßen. Aber eine völlige Besserung konnten diese lobenswerten Institute schon deshalb nicht bringen, weil doch unmöglich alle Eltern ihre Kinder zu Lehrern oder selbst zu Kaufleuten ausbilden lassen können. Auch sind ja jene Institute ausschließlich Knabenschulen, während für die Fortbildung der Mädchen so gut wie gar nichts geschehen ist. Unter diesen Umständen haben sich einige Einwohner von Jerusalem vor einigen Jahren zusammengetan, um hier eine Mittelschule nach Art des hebräischen Gymnasiums in Jaffa zu gründen. Leider waren diese Leute ungeachtet ihrer materiellen wie auch sonstigen Opferfreudigkeit nicht in der Lage, die neugegründete Schule zweckentsprechend auszugestalten. Es fehlten dafür genügende materielle Mittel und es fehlten auch die entsprechenden Lehrer. Nunmehr soll in beiden Punkten Wandel eintreten. Den Anfang dazu machten — fast möchte man sagen natürlicherweise — Herr und Frau Moser aus Bradford. Als sie im vorigen Frühjahre in Jerusalem weilten, überzeugten sie sich von der hohen Bedeutung, die ein gut geleitetes Gymnasium j "j ■i .1 'i i ■i J 3 i i i i i } i ■i i ■i

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