Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 49 (9.12.1910)
- Date
- 1910-12-09
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr.44$> sehe Studenten, die hierzulande an rituelle Kost gewohnt und mit Rücksicht auf ihre Zahl — 45 Prozent der gesamten Hörerschaft der Universität — zu dieser Forderung berechtigt sind: Die Schaffung einer jüdischen Mensa innerhalb derallgemeinenMensaakademica. Rektor Friedwagner versprach in kulantester Weise, daß diesem berechtigten Wunsche in kürzester Zeit werde Rechnung getragen werden. Jur. Brendzan (Ruthene) unterstützte die Forderung der jüdischen Studenten und trotz der rüden Ausführungen eines christlichsozialen Agitators wurde die Resolution auf Gründung einer Mensa mit dem Zusatzantrag der jüdischen Studenten fast e i nstimmig angenommen. Daß das christlichsoziale „Volksblatt“ am nächsten Tage in schamloser Weise über die jüdischen Studenten herfiel, macht uns wahrlich keine Unehre. Jedenfalls bezeichnend für die Herren, die dieses Sudelblatt in so verlogener Weise informiert haben. Die Darstellung des erwähnten Blattes, als ob die jüdischen Studenten gegen andersnationale Komilitonen aufgetreten wären, ist durchaus erlogen. Die jüdische Studentenschaft verlangt keine Aufteilung nach einem „Schlüssel“, sie verlangt nur bei allen Institutionen gerechte Berücksichtigung nach Würdigung und Dürftigkeit. Schmecker Bloch. schaftsberichte des Kultusvorstandes führende Willkür nicht gleich uns für einen schreienden, jeder Korruption Tür und Tor öffnenden Mißstand? Wollen Sie vielleicht glauben lassen, daß jene drei Apostaten alsbald wieder zum Judentum zu- 1 ückgekehrt sind, wie Ihr Protoge Klara Schnabel? Glauben Sie, daß uns Ihr Schwindel entgangen ist, wonach Sie, um Ihre verderbliche Praktik eigenmächtiger Verschweigung zu bemänteln, zwischen Abfall und Rücktritt* der Schnabel sieben Tage setzten, während wirklich sieben Monate (vom 4. Mai bis 16. Dezember 1909) darüber verflossen sind? Wollen Sie nicht lieber die Antimischumodimkomödie aufgeben und Ihren Freund Herrn Doktor Stern bitten, daß er Sie zwecks Vermeidung wei terer Ramponagen aus dem Gefecht zieht? Wie ersprießlich für das duldende Wiener Judentum könnten Sie beide Ihre Zeit für «die Lektüre und Beherzigung des so lehrreichen Programmes der jüdischdemokratischen Opposition verwenden! Gehen Sie in sich, alter Sünder, damit man Ihnen nicht dereinst Epitaph setze: , „Nehmt alles nur in allem, er war — ein Bloch!“ Aus dem jüdischen Leben. Valse, Romanze, Caprice. Erste Aufführung. Leschetitzky, Etüde op. 40 Nr. 1. Liszt, Tarantella aus „Venezia e Napoli.“ Palästinanachrichten. Konferenz palästinensischer Landwirte. Am 8. und November hat in Haifa auf Initiative des Herrn Agronomen Krause aus Sedschera eine Besprechung jüdischer Agronomen stattgefunden. Großes Interesse ei weckte das reiche Material, welches Herr Aaronsohn bezüglich der Arbeitsmethoden in den verschiedenen Kulturländern vorlegte. An der Beratung nahmen noch die Herren Beermann, Wilkansky, Dr. Levite, Blumenfeld und Dr. Pickholz teil. Es wurde beschlossen, eine zweite Konferenz am Schlüsse des Winters einzuberufen, in welcher über folgende Gegenstände Referate erstattet werden sollen: 1. Bodenbeweitung und Klassifizierung; 2. Arbeitsmethoden auf wasserarmen Böden; 3. Getreidewirtschaft; 4. Orangegärten; 5. Viehzucht; 6. Milchwirtschaft und Futterbau. Bis jetzt haben 17 fachwissenschaftlich ausgebildete Landwirte ihre Teilnahme an der geplanten Konferenz zugesagt. Der Chachambaschiposten in Jerusalem. Aus Jerusalem wird berichtet: Herr Antebi hat von Rabbi Haim Nahum ein Telegramm erhalten, wonach Rabbi Jakob Meir beschlossen habe, in Saloniki zu bleiben und somit den Chachambaschiposten in Jerusalem abzulehnen. Wenn dieser Entschluß des Rabbiners von Saloniki ein unwiderruflicher ist, dann wird die Frage der Besetzung des Chachambaschipostens in Jerusalem von neuem akut. Bei der versöhnlichen Stimmung, die jetzt in Jerusalem in den in Betracht kommenden Kreisen herrscht, ist zu hoffen, daß die Frage diesmal eine friedliche Lösung finden wird. Die Lage der landwirtschaftlichen Arbeiter in Palästina. In der VI. Jahresversammlung der Arbeiterorganisation „Hapoel hazair“, die unlängst in Jaffa slattgefunden hat, wurde über die Lage der jüdischen landwirtschaftlichen Arbeiter verhandelt. Namentlich wurde der Auswanderung, die in letzter Zeit um sich gegriffen hat, viel Aufmerksamkeit zugewandt. Die Versammlung nahm folgende Resolution an: „Die in letzter Zeit verstärkt auftretende Auswanderung ist keine Folge der geringen Nachfrage nach Arbeitern in Palästina; die Nachfrage ist im Gegenteil in jüngster Zeit bedeutend gestiegen. Ebenso haben sich die Arbeitsbedingungen wesentlich gebessert. Es ist deshalb die Pflicht der Organisation „Hapoel hazair“, gegen die betrübende Erscheinung der Auswanderung sowohl durch planmäßige Organisierung dar Arbeiterschaft in ökonomischer Beziehung anzukämpfen.“ Wohnungsnot in Jaffa. Welche große Notwendigkeit die Erbauung des neuen Stadtviertels Tel Awiw für die jüdische Bevölkerung Jaffas gewesen ist, wird am besten durch den Umstand illustriert, daß auch jetzt, nachdem bereits ir. Tel Awiw ca. 50 Häuser mit mehr als 80 Wohnungen erbaut sind und auch außerhalb Tel Awiws eine allgemein rege Bautätigkeit herrscht, dennoch in Jaffa eine gewisse Wohnungsnot noch immer vorhanden ist und die Mietpreise fortgesetzt gesteigert werden. Die vom Palästinaamt vor etwa einem halben Jahre veröffentlichten Sätze für Wohnungspreise in Palästina treffen zum Teil für Jaffa nicht mehr zu. Dies gilt nicht bloß von Tel Awiw, wohin sich der Sauberkeit, gesunden Luft und verschiedener hygienischer Vorkehrungen wegen die Wohlhabenden wenden, sondern auch in Nweh Zedek und Nweh Schalom, den zum Teil recht ungesunden jüdischen Stadtvierteln, ist ein starkes Steigen der Wohnungsmiete zu konstatieren. Da nun im verflossenen Jahre Einwanderung und Auswanderung einander ungefähr die Wage hielten, so ist diese Wohnungsnot nicht etwa auf Zuzug von auswärts zurückzuführen, vielmehr scheint der Grund der ^u sein, daß die Familien, die in früheren Jahren eingewandert sind und in der ersten Zeit mit jeder Wohnung, die sie bekommen konnten, vorlieb nahmen, nunmehr sich hier eingebürgert haben und größere Bequemlickheit beanspruchen. In jedem Falle ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die Erbauung und Vermietung von Wohnhäusern in Jaffa für Jahre hinaus ein sicheres und einträgliches Geschäft sein wird. Die heimi- Bloch ist sein Geld wert. Er schreibt rechts, er schreibt links, je nach Wunsch und Befehl des Kahals, bald ist er blind, wenn er nämlich eine seinen Brotgebern peinliche Frage in der gegnerischen Presse sieht, bald wieder wandelt sich seinem scharfsinnigen Blick ein Sandkorn zum Felsblock, wenn der Vielgetreue glaubt, die bitterbösen Zionisten damit zermalmen zu können. Letzthin fragen wir in einer Notiz „Privilegierte Meschumodim“ den löblichen Kultusvorstand, der ja im Kuituswahlfieber die Bekämpfung der Taufseuche hat durch Bloch in Monopol nehmen lassen, recht höflich an, wieso es kommt, daß drei sozial hochgestellte, in Wien wohnhafte Apostaten, die Herren: k. k. Ministerialrat Sigmund Sonnenschein, k. k. Universitätsdozent Dr. Emil Glaß und k. u. k. Regimentsarzt Dr. Eugen Stiaßny in die Austrittsmatrikel der Israelitischen Kultusgemeinde keine Aufnahme fanden und ob dem nicht eine Protektion zugrunde liegt, der es genannte Herren zu danken haben, daß ihre Namen nicht gleich jenen der anderen Apostaten in den jüdischen Blättern verlautbart werden. Unsere Anfrage ging pflichtschuldigst an Herrn Kultuspräsidenten Dr. Alfred Stern, denlauten Rufer im Streite wider alle Meschumodim, den starren Wächter und Verfechter der Kultusstatuten und -beschlösse. Herr Dr. Stern blieb stumm. Dafür sprach Bloch, sein Freund und Vertrauter. Doch unserer schwerwiegenden Frage wich er behende aus und stürzte sich mit schön gespielter Entrüstung auf die dem Namen des Arztes Dr. Eugen Stiaßny irrtümlich beigerückte Apposition: „Sohn des seligen Kultusvorstehers Wilhelm Stiaßny“. „Gemeine Lüge, unwürdiges und strafbares Wahlmanöver“ usf. zetert Bloch in seinem Jargon der Offiziellen. Er schert sich den Teufel darum, daß der, welchen es eigentlich angeht, Arzt Herr Dr. Sigmund Stiaßny, unsere persönliche Entschuldigung längst freundlich zur Kenntnis genommen und daß die „J. Z.“ spontan berichtigt hat. Bloch braucht seinen Skandal und so beschuldigt er uns — der Schelm denkt, wie er ist — eines Wahlmanövers und erklärt jeden Irrtum von vornher für ausgeschlossen. Ei, da seht Ihr Blocli, den Tausendsassa, in einer neuen Attitüde: als naive Unschuld vom Lande mit dSr zagen Frage auf rosiger Lippe: „Mama, was ist ein Leutnant?“ „Was ist ein Meschumedl ben Kahalnik?“ Als ob in dieser altehrwürdigen Gemeinde noch nie und nimmer die Nachkommenschaft der Kultusgewaltigen der. Weg zum Taufbecken gefunden hätte! Als ob nicht die gute Stube der Seitenstettengasse mit ihrer Galerie von Bildern israelitischer Ahnen erlauchter christkatholischer Geschlechter eine traurige europäische Berühmtheit wäre!- „Mama, was ist ein Leutnant?“ Herr Bloch, kennen Sie nicht die Nachkommen der in Oelgemälden verewigten Parnassim Hermann Todesko, Heinrich Ritter von Sichrovsky, Salomon Edler von Herz, Markus Ritter von Neuwall, Jonas Freiherr von Königswarter, Dr, Leopold Kompert etc. etc.? Haben Sie die derzeit in der Seitenstettengasse amtierenden Kirchenväter vor ihrem glühenden Torquemadaantlitz schon Revue passieren lassen? Wissen Sie, daß Herr Dr. Alfred Stern seine Freundschaft zwischen Ihnen und Herrn Hofrat Dr. Theodor — Gomperz teilt, dessen ganzer Nachwuchs gewässert ist? Bitte schön, studieren Sie doch nach! Zuvor aber beantworten Sie unsere wiederholten und präzisierten Fragen! Bestreiten Sie, was bezüglich der Fälle Glaß und Stiaßny der Herr Leiter des Matrikelamtes ohneweiters zugibt, daß die dorthin amtlich gemeldeten Austritte jener drei Privilegierten mit vollem Bewußtsein der Eintragung in das Apostatenbuch vorenthalten wurden? Halten Sie eine solche, zur Täuschung der jüdischen Öffentlichkeit und zur Fälschung der Rechen¬ Eine russisch-jüdische Ansiedlung in Mexiko. Aus Odessa meldet man: In den jüdischen Ackerbaukolonien dis Gouvernements Cherson weilten vor kurzem Vertreter der mexikanischen Regierung, die einer Anzahl jüdischer Kolonisten den Antrag stellten, eine neue landwirtschaftliche Ansiedlung in Mexiko zu begründen. Den betreffenden Kolonisten wurde die tatkräftigste materielle und moralische Unterstützung der mexikanischen Behörden zugesagt, , Wie verlautet, reisen einige Abgesandte der Qiersoner jüdischen Kolonisten demnächst nach Mexiko, um die angebotenen Län-, dereien in Augenschein zu nehmen. Die Abschaffung des Eides „more judaico“ in Rumänien. Aus; Jassy wird oerichtet: Der zielbewußten und aufopferungsvollen Arbeit des hiesigen Rabbiners Gg. Dr. Niemirower ist es gelungen, einen großen Erfolg in der Frage des sogenannten Judeneides zu erzielen. Der vereinigte Kassationshof, die höchste richterliche Instanz des Landes, hat sich im Prozesse Niemirower, gegen die Vereidigung jüdischer Zeugen nach der mittelalterlichen more judaico-Formel ausgesprochen. Auf Grund dieser Entscheidung' des Kassationshofes hoffen die jüdischen Notabein ' und Rabbiner Rumäniens eine ministerielle oder legislatorische Verfügung zur endgültigen Abschaffung des schmachvollen Judeneides erwirken zu können. So wird nach 40jährigem Kampfe die Beseitigung dieses Ueberbleibsels aus dem finstersten Mittelalter, die einzelnen mutigen Männern, wie Rabbiner Dr. Nacht aus Jassy u. a., schon früher lokal gelungen war, jetzt hoffentlich für das ganze rumänische Staatsgebiet durchgesetzt werden. Dr. Niemirower und die ihn unterstützenden Bnei-Brith-Vereine, welche die durch den Großpräsidenten Dr. A. Stern gesammelten Gutachten in dieser Frage herausgegeben haben, werden zu dem erreichten Erfolg allgemein beglückwünscht. Großer Erfolg einer zionistischen Künstlerin. Tarnow (Telegramm), Sonntag, den 4. d. M. fand im hiesigen Musiksaaie das Klavierkonzert der Gg. Frl. Myriam Salz statt. Das Haus füllte ein distinguiertes Publikum und lauschte atemlos den vollendeten Interpretationen der Chopinschen Ballade, List Tarantella und den Meisterwerken Beethovens, Mozarts. Nach Schluß des Konzertes ertönte brausender Beifall. Frl. Salz erhielt von Gg. und Kunstfreunden Kränze. Der ganze Saal stand unter dem Eindruck der mächtigen künstlerischen Persönlichkeit unserer jungen Freundin. — Anmerkung der Redaktion: Frl. Salz tritt auch in W i e n am 10. Dezember 1. J. um halb 8 Uhr abends im Bösendorfer- Saale mit folgendem Programm auf. Program nr. 1. Mozart, Fantasie C-moll. Scarlatti, Sonate A-dur. 2. Beethoven, Andante favori F-dur. 32 Variationen C-moll, 3. Chopin, Ballade G-moll, op. 23. Berceuse op. 57. Scherzo op. 20 Nr. 1. 4. Felix Löwe, Trois scenes inignonnes: