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Jüdische Zeitung · 1910-11-18 · 46 (18.11.1910) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
4 (1910)
Issue
46 (18.11.1910)
Date
1910-11-18
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. .4» jgBigefeik agmjjjQi Settel saaa^yij.,, ',».'H ■■;« VrOSU Riefi^ertiip r/ i®£d#feW«S8. r4«ß csie (»fe* keinen UmsläflÄCrtsiSÄhb betragftU-jferfniAlP'-.dL«h deo »tmn«oraneegi?iigeüLei\-jtJa|i;%ai5fiMges(^BBi)enen ^isenalieinköWwagteise^Tj;A-tf? b,$>u nü&Sa&it&ce?- öJHJffli SifthO n«:gU#i»;es n ttr$ gu t*g j_ d-.e;r S-itfettieitiS-ÄS-g fiib'j.SiJbu.Äff 1ajj,;..d-i;e;-sie,:!^U®j w*o dJ um gic.Ld'.e cciiKttiitiu?.5 i m^öiin^eJo vp:ä6[r e-si j (b&is ^ffoe 3 ■ .Vro>tJ:K s tha j*S (Stürmi-* scheiftBejgtu.) *r«nnr:->^ t,-^ .n-.s:f.:vm/. •* •-.:•■ Am 27> November. werden Sie zur Wahlurne schreiten. Ich rufe Sie zu keinem Werk der Rache, wohl aber zu einem Werk der Befreiung. Sorgen Sie dafür, daß der Modergeruch aus der Kultusstube verschwinde. Solange wir es nicht durchsetzen können, daß die Reaktion aus unserem eigenen Hause verbannt wird, solange sind wir nicht berechtigt, draußen im Namen der Freiheit zu sprechen. Solange die Kultusvorsteher selbst den kleinsten Fortschritt in der Kultusstube mit allen Mitteln verhindern, muß sie die Pose des Freiheitskämpfers, die sie; im politischen Leben anzunehmen pflegen, recht lächerlich erscheinen lassen. Der IX. Bezirk hat immer einen ehrenvollen Platz im Kampfe um die Freiheit in der Kultusstube eingenommen. Sorgen Sie dafür, daß er ihn auch im bevorstehenden Wahlkampf behaupte. Erfüllen wir alle unsere Pflicht im Interesse unserer eigenen Ehre und für die Ehre des ganzen jüdischen Volks. (Stürmischer Beifall.) Interpellation an den Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien und insbesondere an jene seiner Mitglieder, welche sich diesmal um eine Wiederwahl bewerben. Es ist Ihnen bekannt, daß Karl Lueger das anerkannte Haupt der christlichsozialen Partei Oesteireichs war, daß er ungezähltemale uns Juden öffentlich beschimpft und beleidigt, tausende jüdischer Existenzen durch seinen Einfluß auf Gesetzgebung und Verwaltung vernichtet und nach den schrecklichen-Pogromen in Rußland1 einen solchen den Wiener Juden angedroht hat. Wie rechtfertigen Sie es, daß Sie anläßlich des Todes dieser Mannes ein Kondolenzschreiben an den Wiener Gemeinderat gerichtet haben, welches sich nicht auf die konventionelle Beileidsphrase für die Vorgesetzte Behörde beschränkt hat, sondern .unsere Glaubensgenossen in herzlicher Anteilnahme tiefbewegt an der Bahre stehen“ ließ. Glauben Sie, hiedurch jene Eigenschaften bewährt zu haben, welche laut Punkt 1 des offiziellen Programmes vom Jahre 1906 für Ihre Berufung „zu dem ehrenvollen Amte der Leitung und Verwaltung unseres großen Gemeinwesens“ maßgebend waren, nämlich: „Integrität des Charakters, lebendige Glaubenstreue, reges Stammesbewußtsein, gereifte Erfahrung, umfassende Intelligenz und wahrhaft jüdisches Gemeingefühl?“ Ist es wahr, was der gedruckte Vorstandsbericht verschweigt, daß der dort so hochgepriesene kaiserl. Rat Leopold Sachs aus Entrüstung über die erbärmlicheWürdelosigkeitjenesKondolenzschreibens aus dem Vorstand geschieden ist? Es ist Ihnen bekannt, daß Sie schon 1904 „behufs Erweiterung des Wahlrechtes die Festsetzung des obligatorischen Steuerminimums auf 10 K“ ins offizialle Programm aufgenommen und 1908 diese Zusage der Wählerschaft mit den Worten erneuert halben: „Die Wahlordnung ist nach der Richtung zu ändern, daß die Bestimmungen für die Erlangung des aktiven Wahlrechtes eine wesentliche Erweiterung erfahren.“ Wie rechtfertigen Sie es nun, daß Sie diese Reform trotz Verlautbarung Ihres Präsidenten vom November 1808, das Elaborat der Reformkommission werde „in wenigen Wochen“ vom Vorstand zum Beschluß erhoben werden, bis zur Stunde nicht durchgeführt haben. Wie rechtfertigen Sie es, daß dieser selbe Präsident am 16. Jänner 1910 die von Herrn Dr. Karl Pollak geführte zionistische Deputation, welche um Verwirklichung der zugesagten Reform bat, wörtlich anfuhr: „Fällt mir nicht im Traume ein!“ und sich in der Vorstandssitzung am gleichen Tage, ohne Widerspruch zu finden, auf die Zustimmung des Vorstandes berief. •■ste-j tfe: ist^bskpöi ,!da^.jd^r.^r^9d6fiiW^lllQ^r nungjeden.Kultussteueiträger^der-nichti'in'äeriidrei reizten 'jähren‘-\seine: Steuer'• -fpiirtfttltc'fjbezählPhäf, im \W^hljahr i9Ö8."zum’ erstenmal nacjtzwölfjjähren zur: Anwendung gebracht wordent ist,..und: daß: ihr Präsident^ eVklä'rt'hat,^-«'wertle üb'?r.'^söhaffimg äl^er.r/härteh.^Maßregei“: feesclüießefy Iäsäen'.' Vne rechtfertigen Sie-es’ nun, .daß diesen § 2 b heuer neuerdings und mit der Wirkung angewendet worden ist, daß von 27.000 Steuerzahlern kaum 13.000 das Wahlrecht erhalten haben. Wie rechtfertigen Sie es, daß der obligatorische Mindeststeuersatz in der israelitischen Kultusgemeinde Wien 20 K, während Prag 2 K, Warschau 2 Rubel, Berlin 6 Mark und die protestantische Gemeinde Wien 2 K einzuheben für rentabel findet. Warum beladen Sie sich mit der Schuld, so viele „gemeindeerhaltende Elemente von der Verwaltung der Gemeinde zu verdrängen“. Wie rechtfertigen Sie es, die Sie sich im Gegensätze zu uns als Männer rühmten, „die gewohnt sind, ihre Worte zu erwägen, ihre Versprechungen zu halten“, daß auch die anderen „gesunden Reformen“, wie „Vermehrung der Vorstandsmandate“, „Bemessung der Kultussteuer auf fester Grundlage“ etc. nicht durchgeführt wurden und von dem „geläuterten Fortschritt“, von der „zielbewußten Entwicklung“ nichts, aber rein gar nichts zu merken ist. Halten Sie es nicht für gerecht, für jüdisch und für den „engen Zusammenschluß innerhalb des Judentums notwendig“, einer so ernsten Oppositionsgruppe, wie es die Zionisten sind, welche seit 1898 auf Grund eines sachlichen Programms um die Mitarbeit im Vorstand warben und schon in Wahlgängen in die Stichwahl gelangt sind, von 36 Mandaten eine entsprechende Anzahl freiwillig einzuräumen? Fürchten Sie nicht, daß Sie durch das Erdrücken der Opposition, das tun, was Sie uns vorwerfen wollen, nämlich „in leichtfertiger Weise in unseren Reihen Zwietracht säen“, zur hämischen Freude unserer Feinde, denen die oft gerühmte jüdische Solidarität längst ein Dorn im Auge war. Billigen Sie die „skrupellose Agitation“, welche der Oberhirt dieser Gemeinde unter Mißbrauch der Kanzel gegen einen Teil der Gemeindeangehörigen betreibt? Wollen Sie endlich die Aera der volksfeindlichen Reaktion, des Wortbruches und der Vergewaltigung jeder Opposition ein Ende machen und ein friedliches Zusammenarbeiten aller Juden dieser zur Führung bestimmten Gemeinde ermöglichen? Geben Sie auf diese Interpellation in Ihren vier Wählerversammlungen, in denen wir ihnen das Wort überlassen, nicht uns, sondern der Wählerschaft eine klare, unzweideutige Antwort! Kultusvorsteher aus der Kurie der Höherbesteuerten und ihre jüdischen Beamten. Mehr als ein Jahr haben wir gewartet, ln den Nummern 33 u. 35 der „Jüd. Ztg.“ des Jahres 1909 haben wir eine Statistik der Beamtenverhältnisse bei den Großindustriellen Rothschild und Gutmann gebracht. Wir hofften, die Verhältnisse würden sich bessern. Wir haben den Eigentümern das statistische Material geliefert und es ist uns auch ganz genau bekannt, daß es zu ihrer Kenntnis gelangt ist. Haben die Herren irgend etwas getan, um diesen Verhältnissen zu steuern? Sie haben von ihren Direktoren nicht einmal Aufklärung gefordert! So rufen wir die jüdische Oeffentlichkeit auf zum Kampfe gegen die Schädiger des Judentums. An den Pranger mit Kultusvorstehern, die zwar Antisemiten, aber nicht Juden beschäftigen! In den antisemitischen Versammlungen wird über den jüdischen Kapitalismus losgezogen. Die reichen Juden Rothschild, und Gutmann sind der Sack, auf dem die Christlichsozialen schlagen und der kleine jüdische Kaufmann,’ der Hausierer und der Akademiker sind es, die den Hieb verspüren. Von den Staatsanstellungen ausgeschlossen, bilden die Juden das Massenproletariat in den freien Berufen. Es bleibt ihnen keine Wahl. Wissens- und t^epdurstjg; stiirzen, sie £jcl| auLdas ^tudürni, , Sie wollen in eine höhere,-soziale! Schichte aufsteigen. Mit einem» Idealismus; 'der1 sdnst nirgends1 iti! finden ist, hungern s>(£ sich durch ihre Studentenzeit. Haben sre-' dänm thretf akademischen Grad erreicht,,.dann beginnt erst die Zeit der neuerlichen Kämpfe*: neuer Demütigungen, neuer Kränkungen. Tag für, Tag: erhält der jüdische Petent seine Gesuche,2üfüelfc'':15j ist kein Bedarf vorhanden' Matt Biedauerf auf vorgedruckteni Bescheid. Spricht man dann mit einem der hohen Herren in den öffentlichen Aemtern, beruft sich auf seine Studienerfolge, dann kann man es gar häufig hören: die Verhältnisse seien bedauerlich, es sei nur eine formale Kleinigkeit zu erfüllen, dem Gesuche fehlt eine Beilage, der Taufschein. Und in seinem Innersten verletzt, hofft der arme Stellensucher in der Privatindustrie, bei Rotschild und Gutmann unterzukommen. Ein neuer Hoffnungsstrahl! Aber wehe! „Wir benötigen niemanden“, ist die Antwort nnd am selben Tage wird ein Arier aufgenommen. Es hilft keine Protektion, es helfen keine Zeugnisse. ln seiner seelischen Qual, in seiner Verzweiflung und Verbitterung läßt er sich dann taufen. Wieviele Renegaten haben die Herren Rothschild und Gutmann auf dem Gewissen! Wenn die Herren Kultusvorstände einmal das Gelüste haben sollten, sich den Kopf über die Judentaufen unter den Akademikern zu zerbrechen, dann sollen sie nur Herrn Kultusrat David Ritter v. Gutmann über dieses Thema referieren lassen. Das Korreferat dazu könnte der Vertreter des Hauses Rothschild halten. Rothschild hält es ja unter seiner Würde, selbst im Kultusrate zu sitzen. Er schickt nur seinen Beamten. Und so veröffentlichen wir neuerlich die Statistik. Sie ist heute nicht mehr ganz richtig, sie hat sich für die Juden nur noch verschlechtert. Beamtenstand des Witkowit’erEisenw e rkes.*) 1909 Betriebsabteilung w c - S O <U >-o JZ 03 Direktion. . 5 Administration. . 33 2 Arbeiteraufnahme. . 4 —. Quartieramt. . 5 i Buchhaltung. . 16 3 Revisionsamt. . 15 1 Werkskassa. . 6 — Kommerzielles Bureau. . 26 1 Hochofenbetrieb.. . 16 2 „ (Sofienhütte). . 7 Kupferextraktionsanstalt. . 2 1 Chemisches Laboratorium. . 10 1 Konstruktionsbureau (Hochofen) . . . 5 Stahlwerk. . 45 2 Walzwerk. . 61 2 Röhrenwalzwerk. . 22 1 Maschinenfabrik. . 50 4 Gießerei. . 13 — Brückenbauanstalt. . 37 1 Kesselfabrik. . 10 1 Chamottefabrik. . 7 ‘ 1 Gasanstalt. 1 1 Baubureau. . 14 1 Elektrizitätswerk . . 9 — Werksbahn. . 17 — Materialverwaltung. . 17 — Bruderlade. . 12 1 465 26 Witkowitzer Bergbau- und Eisenhütten-Gewerkschaft. Eigentümer: Rothschild-Gutmann. Betrieb Direktion. Louisenschacht. Tiefbau. Karolinen- und Salmanschacht. Theresienschacht. Iüaschacht.• . . . . Bettinaschacht. Eleonoraschacht. Koksanstalt Karolinenschacht Koksanstalt Theresienschacht . Koksanstalt Eisenwerk . . . . Beamten Gesamtzahl Juden 37 6 3 4 — 4 4 — 2 3 1 2 - 2 2 1 — 64 7 *) Die Aufstellung ist insoferne mangelhaft, als aus ihr nicht ersichtlich ist, wie viel Dienstjabre die Beamten haben. Tatsächlich haben die meisten jüdischen Beamten mindestens 15 Dienstjahre und stammen aus der AeraKuppel wies er. Unter Holz und Schuster wurden keine Juden mehr engagiert.

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