Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 37 (16.9.1910)
- Date
- 1910-09-16
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 . . . ... .JÜDISCHE ZEITUNG. ..... „Nr. 37 Nun soll das Mandat Luegers in der Leopoldstadt besetzt werden und die vereinigten Kämpen wider „Gott Nimm“ lassen Hraba einen guten Mann sein und liegen sich in den Haaren. Die verschiedentlichen Tischgesellschaften wollen nämlich das Landtagsmandat einander abringen. Doktor Schwarz-Hiller, der Jünger und präsumtive Erbe Ofners, trat einfach aus der Fortschrittspartei des Gemeinderates aus, um gegen den vom Donauklub kandidierten Br. Mittler als Gegenkanditat auftreten zu können. Dabei wird krampfhaft nach einem Arier gesucht, der so gnädig wäre, sich von den Leopoldstädter Juden wählen zu lassen — bis zur Stunde ward aber keiner gefunden. Diese Katzbalgerei wird natürlich auf dem Rücken der Juden ausgetragen und es fragt sich,, ob die Leopoldstädter jüdischen Wähler diesem Treiben nicht doch einmal ein Ziel setzen wollen. Dort in den Stadtteilen jenseits der Donau wohnt auf engem Raum zusammengepfercht, das jüdische Elend, von den antisemitischen Machthabern mit Vorbedacht rayoniert Ein Massengrab jüdischer Existenzen ward hier von dem christlichsöziäleh Boykott geschaufelt. Die durch Luegers Agitation entwurzelten Landjuden sind hier zusammengeströmt und verbringen ein Bettterdasejn voll physischer Not und moralischer Erniedrigung, ein Zustand, der durch das Hausierverbot katastrophal zu werden droht. Und mit diesem Elend wird Mändatsschacher getrieben! Werden xiie Leopoldstädter Wählerendlich, die Schächer aus dem Tempel jagen und sich auf eigene Füße stellen? Werden sie sich endlich zur Einsicht durchringen, daß dieser eminent jü dische Bezirk von einem modernen, bewußten Juden vertreten seinm.uß? Die Zukunft wird es lehren. Tagung des Zionistischen Zentralkomitees für Westösterreich in Mähr.-Ostrau am 11. September 1910. Am 11. September tagte das Zionistische Zentralkomitee für Westösterreich in Mähr.-Ostrau. Der Kultusvorstand hatte in liebenswürdiger Weise sang der Stille. Plötzlich sagte er hastig und . halblaut: „Ich kam dich zu bitten .'. „Wonach verlangt dich?“ fragte Herodes lauernd. Der Jüngling hob die Augen, die den Wundem ungeborener Tage glichen und dem Dämmern entblätterter Lenze. „Nach Mariamnen, meiner Schwester. Ich weiß, daß ihre Seele mir entgegenbangt. Denn heute Nacht hörte ich sie im Traume weinen . . .“ Herodes schüttelte das Haupt. „Was zögerst du?“ Der Flehende öffnete die Augen groß und wartete. „Mit ihr reden will ich. Nichts.weiter . . . Herodes runzelte die Brauen: „Darum kamst du?“ Aristobul bog sich vor. „Ja. Das ist meine Bitte. Du darfst mich nicht fortweisen! Du wirst es nicht“ Des Königs Blick war leer und glanzlos. . „Vergib mir, wenn es dich kränkt, doch du kannst die Königin nicht sprechen.“ „Warum?“ Herodes schwieg. Da stand Kostobar auf und sagte demütig: „Fürst, stille deine Gram. Nicht böser Wille raubt dir den Anbiick der Herrin.“ Er warf einen halben Blick auf den König, dessen Mienen stumm und finster waren. „Sie ist nicht hier . . .“ „Was habt ihr mit Mariamnen getan?“ stöhnte Aristobul. „Sie weilt in Jericho.“ Das Wort verzitterte. Kostobar sah seinen seinen Sitzungssaal zur Verfügung gestellt, einen vornehm ausgestatteten Raum im jüdischen Gemeindehause; Anwesend waren: Adolf Böhm (Vorsitzender), Dr. Emil Margulies (Obmann des .Böhmischen D.-K.), Dri F r-i-t-z- Eckstein: (namens des Mähr.-schles. D.-K.), die Herren Rabb. D r. Friedmann (Troppau), Fritz Löw (Proßnitz), Josef SüßmandF (Mäh.-Ostrau). Dem.nicht vertraulichen Teil der Beratungen wohnten.auch einige Vorstandsmitglieder der zionistischen Vereine Mähr.- Ostraü, Troppau und’Treudental bei. Der Präsident MGg. A. B ö h m begrüßte die Erschienenen und gedachte des verblichenen Gg. Dr. Gabel. Das Komitee vereinte sich zu folgender Kundgebung: „In seiner am Hl. September 1910 zu Mähr.- Ostrau tagenden Sitzung gibt das Zionistische Zentralkomitee für Westösterreich seiner tiefempfundenen Trauer um den so jäh verblichenenen Gesinnungsgenossen Abg. Dr. Heinrich Gabel Ausdruck. lri‘ ihm verlor, unsere Bewegung einen der tüchtigsten/ gesinnungstreuesten, arbeitsfreudigsten Führer, einen Mann von großem Charakter, starker Willenskraft und bedeutender Begabung. Sein Ableben ist ein unersetzlicher Verlust für den Zionismus. ' Das Zentralkomitee fühlt sich in der Trauer um den Verblichenen mit den Zionisten der ganzen Welt solidarisch und wird das Andenken Heinrich Gabels stets in hohen Ehren halten.“ - Sodann wurde ein Begrüßungstelegramm an den gleichzeitig tagenden deutschen Zionistentag in Frankfurt a. M. abgesandt, in dem der Hoffnung Ausdruck gegeben wurde, daß die Berliner Einigung dem Fortschreiten der Bewegung förderlich sei. In vertraulicher Sitzung berichtete der Vorsitzende und Dr. Emil Margulies über die Jahreskonferenz. Hierauf ging die Beratung zur Tagesordnung über. Der Vorsitzende berichtete über den Stand der Arbeiten im Zentralbureau. Wegen der Aktion betreffend diejudengesetzgebung in Oesterreich sei von verschiedenen Referenten Material eingefordert worden. Auf Antrag Dr. Friedmann wurde .'die Abfassung von verschiedenen Fragebogen jiüi^Xbsendüng an Kultusgemeinden, Rabbiner und Vertrauensleute beschlossen, des ferneren die Einsetzung einer Statistischen Kommission vereinbart, welcher in dieser und änderen Aktionen tätig sein1 und sich mit dem Bureau für Jüdische-Statistik, Berlin, ins Einvernehmen setzen solj. Bezüglich der Monatsschrift „Palästina“ wurde von allen Seiten die Einleitung einer lebhaften Agitation zur Gewinnung von Abonnenten zugesagt, damit die Zeitschrift ‘ ihre propagandistische Kraft Herrn in angstvoller Spannung an. Herodes atmete tief, wühlte in seinem Bart und lächelte grausam. „Treibt es . dich so mächtig zu ihr . . . ich wehre deiner Sehnsucht nicht.“ „Warum sandtest du sie nach Jericho?“ fragte der andere. „Sie fand nächtelang nicht den Schlaf und die lastende Traurigkeit *der Stadt beschwerte ihren Atem. Da dachten wir, die Kühle weißer Säulenhallen und der Duft der dunkelroten Rosen' müßten sie heilen . . .“ Aristobul starrte in den silbernen Kelch und rang mit einem qualvollen Gedanken. „Schwöre mir, daß du ihr nichts zuleide tun willst!“ Er schlang die| bebenden Hände ineinander und fügte schneidend hinzu: „Was liegt mir an meinem Leben . . .? Ich bin seiner satt“ , Herodes hob erstaunt das Angesicht und erschrak vor der rätselhaften Schönheit des Gehaßten, Er vermochte das unverhüllte Wissen seiner flammenden Augen nicht zu ertragen. „Wobei soll ich schwören?“ fragte er halblaut und fühlte, wie ein dumpfes Unbehagen seine Schläfen erfüllte. . Aristobul starrte in den Kelch und sah von seinem Giunde purpurnen Schaum aufsteigen und leise zerstieben, hr flüsterte: „Bei meinem frühen Sterben.“ Herodes stand auf. „Sohn Alexanders“, sprach er tonlos und um seine Worte war das Grauen geballt wie zerfließender. Rauch, „deine Rede ist entfalten und finanziell’ das Budget des ZK. nicht beiasten möge. . - ■; ‘ Betreffs , der „Jüdischen Zeitung“ wurde, beschlossen,-'zu deklarieren,-, da ß e s P 1 i c h t, j e des organ i.s:i erte’n. Z iqn i ste n iW es töste rr e i c h.s -Js e i>' d i ef' „J iüd i s c h e. Z e i t u.n.g‘r z u abonnieren. Ferner-:.wurde.> eine -Reihe von weiteren .Beschlüssen, die auf.Verbreitung und Forderung der Zeitung abzielen, gefaßt. >, ■ i' 1^* > Der Vorsitzende berichtete . über - seine Bemühungen, sin -Wieneine jüdische Verlagsunternehmung^mft~’Urilerstützurig/ des“' Jüdischen VerlägöS, Köln, ins Leben zu rufen und wurde ermächtigt, in dieser Angelegenheit weitere Schritte zu tun. Das Palästinä-Informationsbure.au funktioniert nach wie vor in vorzüglicher Weise. Der Leiter, Herr Beigel, befindet sich momentan in Palästina; seine Erfahrungen werden dem Bureau sehr zu statten kommen. Die Aktion wegen Herausgabe von Jugendschriften ist noch nicht recht vorwärts gekommen. Bisher sind bloß 368 K eingelaufen, damit läßt sich noch nichts machen. Nachdem“ das Deutsche Zentralbureau soeben ein Preisaiischreiben erließ, so wird es gut sein, den Erfolg-desselben abzuwarten.;; Wegen Verbreitung der hebräischen Sprache wurde beschlossen, auf Einrichtung lokaler Spiachhurse hinzuwirken. Ein solcher soll - im Herbst in Wien ins Leben treten. Der Vorsitzende legte das Budget vor und urgierte den Abschluß der Schekels ammlungen. .Die Leiter der D.-K. betonten, daß.diese durchaus nicht weniger ergeben werden als' im Vorjahre, nur konnte, wegen . des Dezemberkongresses noch nirgends ein Abschluß erzielt werden. Es wurde. , auch der. Beschluß, der Jahreskonferenz erwogen, wonach im nächsten Jahre die Schekel voll abgeführt werden sollen. Allseits wurde betont, daß es sehr schwer sein würde, auf die Schekelquote. Verzicht. zu - leisten, nachdem das Budget der Vereine und der. D.-Ks. ohnehin überlastet ist.. , . . .. ' Wegen der weiteren Agitation wies der Vorsitzende—darauf •hin,-i-daß—in Oesterreich dür-die Sie d I u n g s g e n o s s e n s c hä f t schon viel mehr eingegangensei; als es im Verhältnis zu anderen Sammlungen zu leisten hätte. Trotzdem werden die Sammlungen fortgesetzt. Dr. Oppenheimer wird Ende Oktober selbst nach Prag und Wien kommen. Für weiter aber soll sich die Agitation in Westösterreich vor allem auf die Development Gy. konzentrieren. Im November, wird ein Spezialheft von „Palästina“ für die PLDC. erscheinen, das zur Grundlage für die Agitation dienen soll. bitter und 'ohne Sinn. Birgt sich ein Vorwurf hinter ihrem Dunkel?“ Der Jüngling hob die Hände: „Herr, einmal noch laß mich meine Schwester, sehen. Dann magst du über mich beschließen, wgs deinem Herzen lieblich dünkt . .. . Du ahnst ja nicht, , wie" müde ich allen Kampfes .bin und wie. wund und bange nach der großen .Stille ..." Der König' bezwang das Grauen, das stark und brausend in ihm aufstieg wie das Schluchzen weißer Nächte. „Mißtraüst du meinem Wort?“ sagte er lind und streckte seine Hände aus. „Nimm meinen Kuß als Zeichen meiner Gnade und bringe ihn Mariamne.“ Aristobul trat hastig zurück und neigte sich tief. Seine Hände bebten, als scheuten sie, des Königs Purpurmantel zu berühren. „Gib mir Urlaub, o Herr!“ Herodes sah den Knienden in fahler Härte an und winkte Entlassung. „Kostobar“, knirschte er, als sie allein waren, „geh! . . . Eile! . . . Sende Boten. Laß ihn nicht aus den Augen ... Er muß morgen abends, kalt und still sein wie die Silberflut meiner Teiche, zu Jericho . . .“ . * * Aristobul ritt durch das Tor der vier Winde in Jericho ein. In den Gassen wandten sich die Menschen und sahen den Fremden an, über dessen Brauen der Glanz verstiömender Brunnen gebreitet war und dessen Augen eine seltsame Schwermut bargen. Mancher, der den Blassen erschaut hatte, ging in