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Jüdische Zeitung · 1910-09-02 · 35 (2.9.1910) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
4 (1910)
Issue
35 (2.9.1910)
Date
1910-09-02
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 35 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 5 bald Scholem. Moses Montefiore. Von Dr. Heinrich Löwe-Berlin. Dr. Heinrich Gabel. Der Lauf über kurze Strecken. Von Martin Brustmann. Nachtturnfahrt. Von Fritz Abraham-Berlin. Jung Israel. Schon seit längerer Zeit macht sich der Mangel einer guten jüdischen Jugendzeitschrift empfindlich bemerkbar. — Der Schulunterricht und die Umgebung der heranwachsenden jüdischen Jugend ist häufig geeignet, unsere Kinder dem Judentum zu entfremden und ihr Interesse ausschließlich auf nichtjüdische Gebiete zu lenken. Auch der Religionsunterricht ist meistens außerstande, hieran etwas zu ändern, da es ihm ohne Unterstützung seitens des Elternhauses nur selten gelingt, im Kinde das Bewußtsein eines lebendigen, inneren Zusammenhanges zwischen der Vergangenheit des jüdischen Volkes und seiner heutigen Lage und Eigenart zu schaffen. Um diesem für die Zukunft, des Judentums äußerst bedenklichen Zustande abzuhelfen, erscheint es dringend geboten, Einflüsse auf unsere Kinder wirken zu lassen, die imstande sind, Liebe und Verständnis für jüdisches Wesen in ihnen zu wecken und zu stärken. Zur Erreichung di. ses Zieles hat sich ein Berliner Verlag entschlossen, eine Halbmonatsschrift für die jüdische Jugend herauszugeben. Das neue Blatt soll unter dem Namen Jung Israel in einer Stärke von 16 Textseiten vom 1. Oktober ab erscheinen. Die Zeitschrift wird Erzählungen enthalten, deren Stoff der jüdischen Geschichte und Ueberlieferung entnommen ist, die das jüdische Familienleben schildern oder an Ereignisse und Zustände der Gegenwart anknüpfen. In kleinen, leicht faßlich geschriebenen Plaudereien sollen den Kindern Fragen, die das Judentum betreffen, nahegerückt und gelegentlich sittliche Probleme in einer dem jugendlichen Verständnis ängepaßten Weise erörtert werden. Daneben wird die neue Zeitschrift bestrebt sein, den poetischen Gehalt der jüdischen Ueberlieferung durch Sprüche und Gedichte auszudrücken und die jungen Leser mit den klassischen Schätzen jüdischer Dichtkunst bekannt zu machen. Das Wirken und die Bedeutung unserer großen Männer der Vergangenheit und Gegenwart wird der Jugend'1'durch “Bilder' aus ihrem'Leben'und biographische Skizzen erläutert. Eine besondere Rubrik wird geographische und historische Schilderungen aus unserem Stammlande Palästina und Aufklärungen über die' Lebensweise seiner jetzigen Bewohner enthalten. Die neue Zeitschrift, die bei ihrem billigen Preise (im direkten Bezug durch die Post oder den Verlag vierteljährlich M 1.—) Aussicht hat, in die weitesten Kreise zu dringen, verfolgt, wie aus dem Programm hervorgeht, vor allem den Zweck, in unserer heranwachsenden Jugend jüdisches Empfinden zu wecken und die Anhänglichkeit an das Judentum zu kräftigen und wird daher sicherlich bald in keinem jüdischen Hause fehlen. Das Wiedererscheinen der „Hazefirah“. Die seinerzeit so beliebte hebräische Tageszeitung „Hazefirah“ wird vom 1. Oktober d. J. ab wieder unter der Redaktion Nahum Sokolows in Warschau erscheinen. Bekanntlich besteht in Warschau ein Komitee angesehener Finanzleute und Schriftsteller, das sich mit den Vorbereitungsarbeiten zur Neuherausgabe der „Hazefirah“ befaßt und vor einiger Zeit an das hebräisch lesende Publikum mit einem Aufruf in dieser Angelegenheit bezw. einer Einladung zu Abonnementserklärungen herangetreten ist. Diese Einladung war nun von recht günstigem Erfolg begleitet, so daß das Unternehmen als ziemlich gesichert anzusehen ist. Von Ben-Jehudas großem hebräischen Wörterbuch. Soeben ist in dem bekannten Verlag G. Langenscheidt das dritte Heft des zweiten Bandes des Thesaurus Totius Hebraitatis von Elieser Ben- Jehuda erschienen. Von dem Werke liegen bis jetzt 15 Lieferungen vor, die bis zum Buchstaben Gimel reichen. Das vollständige Werk wird zwölf Bände von durchschnittlich 600 Seiten umfassen. Der erste Doppelband soll mit dem Ende dieses Jahres fertig vorliegen, ln den darauffolgenden Jahren soll die Herausgabe eine Beschleunigung erfahren, so daß das ganze Werk etwa im Jahre 1915 vollendet sein wird. Der Subskriptionspreis für das ganze Wörterbuch beträgt 250 Mk. V ereinsu .Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Troppau. Aus Anlaß des zehnjährigen Bestandes des zion. Vereines „Jeschurun“ in Troppau plant der Verein am 7. und 8. Dezember ein Stiftungfest im größeren Stile zu veranstalten. Dieses Fest ist in Verbindung mit einer Bezalel-Ausstellung gedacht, auch wird die Herausgabe einer Festschrift (Almanachs) vorbereitet. Das Festprogramm wird sehr reichhaltig sein und ist besonders die Vorbereitung einer Volksversammlung zu erwähnen, bei welcher die bedeutendsten Männer der zion. Bewegung das Wort ergreifen werden. Viele auswärtige Vereine haben bereits ihre Teilnahme zugesagt. Das mähr.-schles. Distriktskomitee ersucht gleichzeitig die verehrlichen Volks- und Studentenvereine in Mähren und Schlesien, die zwei Tage (7. und 8. Dezember a. c.) für die Beschickung des Stiftungsfestes freizuhalten. Wien (Gesangsektion des „Hasom i r“, Verein zur Förderung jüdischer Literatur und Kunst.) Die nächste Gesangsprobe findet Montag den 5. September im Cafe „Rembrandt“, II. Untere Augartenstraße 11, um 8 Uhr abends statt. Stimmbegabte Damen und Herren, die dieser Sektion beitreten wollen, werden höflichst eingeladen, zu dieser Probe zu kommen. Berichte. Prag. Der jüdische Schulverein in Prag, der erst seit sieben Monaten besteht, bildet doch bereits ein Forum, bei welchem die Zerfahrenheit in den jüdischen Schulzuständen Böhmens häufig bekannt gegeben wird. Der jüdische Schulverein hat mit einer großen Zahl von Gemeinden im Interesse der Besserung der Schulverhältnisse verhandelt und sich auch der mühseligen Arbeit unterzogen, für solche Gemeinden, die bisher keinen Lehrer hatten, Lehrer und Rabbiner in benachbarten Orten ausfindig zu machen, die bereit sind, gegen geringe Entschädigung den Unterricht zu erteilen. Er hat ferner mit der Anlegung eines Katasters über die Schulverhältnisse in Böhmen, soweit sie die Juden tangieren, begonnen und geht demnächst an die Vorarbeiten zur Errichtung einer jüdischen Volksschule in Prag für eines der nächsten Schuljahre. Soll der jüdische Schul verein, seine hohen Ziele tatkräftig verfolgen, so ist es notwendig, daß er über reichere Geldmittel verfügt, und darum werden alle, die Sinn und Interesse für das jüdische Schulwesen haben, ersucht, im Kreise ihrer Gemeinden und Bekannten für den jüdischen Schulverein einzutreten. Adresse für Zuschriften und Geldsendungen: Jüdischer Schulverein in Prag. Holleschau. Die jüd.-akad. Ferialverbindung „Zephyra“ in Holleschau gibt hiemit sämtlichen Gg. Gg. bekannt, daß am 15. d. M. die konstituierende Versammlung derselben stattgefunden hat, bei welcher die Chargenwahlen für das Jahr 1910 vorgenommen wurden, die folgendes Resultat ergaben: stud. jur. Max Michalowsky X, cand. ing. Nathan Gänger XX, vet. med. Viktor Braun XXX- Andrychow. Am 27. d. M. fand hier unter reger Beteiligung ein zionistischer Vortragsabend mit anschließendem Tanz statt. Der Reinertrag von 155 K wurde folgendermaßen verteilt: 80 K für den Genossenschaftsfonds, 50 K für den jüdischen Frauenverein, 25 K für den jüdischen Krankenverein in Andrychow. Um das Gelingen des Festes haben sich insbesondere die Andrychower Frauen und Mädchen verdient gemacht. Wien. Bei der am 25. d. M. stattgefundenen Versammlung des vom verstorbenen Herrn Samuel M e i s e 1 s in den letzten Jahren gegründeten Vereines „Esrath Israel“ sind folgende Herren in den Vorstand gewählt worden, und zwar: A. Schwamm, M. Hammer, S. Komet, Isak Schapira, Chaim Kranzier, Adolf Kranzier, Berisch Falk, Pinkas Gniwisch, Abraham Hofstätter, Otto Kranzier, Isak Schwarz, Josef Kanikel und Herrmann Wertheimer. Einen schweren Verlust hat die Lemberger Verbindung „Judäa“ durch den Tod ihres Mitgliedes Gg. cand. iur. Julian KI e i n m a n n erlitten. Der Verstorbene widmete seit der frühesten Jugend seine ganze Kraft der zionistischen Bewegung. Arbeitsam und aufopfernd in jeder Beziehung, vergaß er, trotzdem er in ärmlichen Verhältnissen lebte, nie an seine Pflichten der zionistischen Partei gegenüber. Ehre seinem Andenken 1 Bielitz. Die jüd.-akad. Ferialverbindung „Emunah“ veranstaltete am 21. August in Dzieditz einen zion. Vortragsabend mit anschließender Akademie und Tanz. Der außerordentlich gut besuchte Abend hat gezeigt, daß die „Emunah“ und mit ihr die jüdisch-nationale Idee in Dzieditz festen Fuß gefaßt hat. Die Bevölkerung hat die „Emunah“ jubelnd begrüßt und die herzlichen Worte, die der Vertreter des Dzieditzer Bethausvereines Herr Wolf am Schlüsse gesprochen hat, sind gewiß den meisten Dzieditzern aus dem Herzen gesprochen gewesen. Nach dem Vortrage hielt A. H. Dr. W. Wagner eine Ansprache, in der er die verschiedenen Institutionen des Zionismus, ihre Beziehung zu uns, den Westjuden, beleuchtete. Er sprach ferner, über die letzten Bielitzer Kultuswahlen, bei der die Dzieditzer in unserem Sinne gewählt hatten. Seine tiefempfundenen Worte übten eine nachhaltige Wirkung aus. Der Bethausverein „Bnei Emunah“ verzichtete auf den ihm versprochenen Teil des Reingewinnes zu Gunsten des Nationalfonds, so daß an diesen die Summe von 40 K abgeführt werden konnte. Mödling. Am 28. August fand im „Jüd. Bildungs¬ und Geselligkeitsverein“ ein Vortrag des Gg. Herrn jur. Fritz Kreith über die „Jüdische Nation“ statt. Der Vortragende gab zunächst die besten Beweise, die für das Bestehen der jüdischen Nation anzuführen sind, wieder, und entwickelte sodann seine zionistische Anschauung von der einzigen Erhaltungsmöglichkeit dieser Nation. Am 5. September findet im selben Vereine ein Vortrag des Herrn J. U. C. Georg Weiner über die „Austrittsbewegung“ statt. Mähr.-Weißkirchen. Die Chargenwahlen der jüd.-akad. Ferialverbindung „Massada“ ergaben folgendes Resultat: cand. med. Hugo Adler X, cand. jur. Fritz Steiner XX, cand. phil. Isidor Goldberger XXX- Neunkirchen N.-Oe. Am 21. August fand über Veranlassung des i. ö. Distrikskomitees eine glänzend besuchte Versammlung statt. Dr. Hugo Zuckermann sprach über „Zionismus“ und regte die Gründung eines Vereines an. Sämtliche Anwesende meldeten ihren Beitritt, so daß der Vorsitzende Herr Lehrer Moses, eine Resolution zur Annahme bringen konnte, in welcher die Gründung eines Vereines „Ahawath Zion“ beschlossen wurde. Ein vorbereitendes Komitee wurde gewählt und steht die Konstituierung in nächster Zeit bevor. Wir wünschen dem jungen Verein das beste Gedeihen. Korneuburg N.-Oe. Am 28. August a. c. fand hier eine Versammlung des Vereines „Zion“ Stockerau- Korneuburg statt. Vom i.-ö. Distriktskomitee waren Dr. Zuckermann und Dr. Beer erschienen. Dr. Zuckermann sprach über „Die Zukunft Palästinas“. In den Ausschuß wurden darauf aus Korneuburg die Herren Fritz Lederer, Alois Bauer und Ad. Lederer kooptieit. Herr Fritz Lederer übernahm den Verschleiß von N. F.-Marken etc. Nach einer anregenden Debatte schloß der Vorsitzende Herr Josef Greipl (Stockerau) mit Dankesworten an die Erschienenen die Versammlung. Für die Oelbaumspende wurde gesammelt. Korolöwka. Samstag, am 7. v. M. versammelte sich eine große Menge jüd. Männer, Frauen und Kinder in der großen Synagoge zu einer Trauerandacht für Dr. Gabel. Sie wurde vom Gutsbesitzer, Kultusvorstand und Obmann des jüd. kaufm. Kasino, Herrn Isak Korn eröffnet. Mit trefflichen Worten schilderte er die Bedeutung des Verlustes unseres unvergeßlichen Dr. Gabel. Dann sprach Herr Josef S t e m p 1 e r. Hierauf ergriff das Wort zur Trauerrede stud. jur. Herr Isak Waldmann (Mitglied des jfid.-nat. akad. Vereines „Emunah“, Czernowitz). In beredter Weise schilderte er in einer einstündigen Rede die Bedeutung Dr. Gabels für das jüdische Volk. Redner sprach dann im allgemeinen über Zionismus und über die Bedeutung des Jüdischen Klub“ und hob die aufopferungsvolle Tätigkeit Dr. Gabels als Zionist und als Landespolitiker besonders hervor. Am Schlüsse seiner Ausführungen stellte Redner Dr. Gabel als Muster eines Zionisten und eines Volksvertreters hm. Gerührt lauschte die Zuhörerschaft seinen Ausführungen. Es sprachen noch Herr N. Zellesmayer und stud. med. Herr J. Rosenstock in glänzender Weise. Ein „EI mole rachmim“ schloß diese Trauerfeier, die auf das Städtchen einen großen Eindruck machte. Wir verweisen auf das in dieser Nummer befindliche Inserat der Blumenhandlung A s c h n e r, I. Dorotheergasse 6 und bitten unsere Gg. im Bedarfsfälle diese Firma zu berücksichtigen. Wir verweisen auf das Inserat des Herrn Geza Orvay, II., Gredlerstr. 9 und ersuchen die Gg. ihren Bedarf dort zu decken und sich auf unser Inserat zu berufen. * * * Wir lenken die Aufmerksamkeit der Parteigenossen auf das Inserat der Druckerei der „Jüdischen Zeitung“ und bitten um weitgehendste Unterstützung. Nachricht der Redaktion. Wir teilen mit, daß wir den Bericht Dr. Franz Oppenheimers über seine Studienreise in Palästina, den wir teilweise im Wortlaute reproduzierten, unserem Zentralorgan „Die Welt“ entnommen haben.

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