Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 35 (2.9.1910)
- Date
- 1910-09-02
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG. Aufruf. Jüdische Mädchen Wiens! Ein Komitee hat sich gebildet, das es sich zum Ziel gesetzt hat, einen zionistischen Mädchenverein in Wien zu gründen. ,j [■ In allen Städten und Städtchen blühen und entstehen neue jüdische Mädchenvereiue; überall versammeln sich die Frauen unter der blau-weißen Fahne, gedrängt von der Liebe zu ihrem unterdrückten Volke und dem Bewußtsein ihrer Pflichten gegen dasselbe. Gemeinsam erheben sie sich an dem Beispiel unserer großen Vergangenheit, gemeinsam lesen sie die Werke unserer Dichter und schöpfen aus ihnen Hoffnung auf eine schöne Zukunft und Kraft, für dieselbe zu arbeiten. Und hier in Wien, wo uns der Schatten unseres großen Führers umschwebt, wo seine ersten Prophetenworte erschallten und begeistertes Echo in der ganzen Welt fanden, soll kein geeigneter Boden für zionistische Bestrebungen sein? Jüdische Mädchen! Verbindet euch mit uns zu gemeinsamer ernster Arbeit. Wir wollen unsere Geschichte kennen lernen, uns in die Werke unserer Dichter und Denker vertiefen und uns so selbt erziehen zur Mitarbeit an der jüdischen Zukunft. Dazu rufen wir Euch und hoffen, daß unser Ruf nicht ungehört bleiben wird. Anmeldungen und Anfragen sind an den Verein „Moria“, Kongreßbureau, IX. Türkenstraße 9, zu richten. Das vorbereitende Komitee. Sport. Sportklub „Hakoah“, Wien. Nach zweimonatlichen Ferien tritt der Sportklub „Hakoah“ mit frischen Kräften in die Saison ein. Während die übrigen Sektionen erst in den Monaten September und Oktober wiedereröffnet werden, hat die Fußballsektion ihre Tätigkeit bereits aufgenommen und mit einem Sieg eröffnet, den die 1L Mannschaft über die Reserven des jetzt erstklassig erklärten I. Simmeringer Sportklub errungen hat. Auch finden diesen Samstag abends im Klublokal Cafe Jägerhof die Kapitänswahlen für die Herbstsaison statt, die Ausschußsitzungen werden von nun ab wieder regelmäßig abgehalten und alle Vorbereitungen für die Mitte September d. J. abzuhaltende erste Jahresversammlung getroffen. Simmering II gegen Hakoah II. Mit wechselnden Angriffen verläuft die erste Spielhälfte. Längere Zeit bleiben die Simmeringer in der besseren Position. Aber trotzdem sie fast eine Viertelstunde hindurch ununterbrochen das Hakoahtor belagern und hart bedrängen, bleibt ihnen ein Erfolg versagt. Ludwig Fuchs im Tor hält die schwersten Bälle mit seltener Bravour. Halbzeit .0:0. Die zweite Spielhälfte sieht die Hakoahner sofort im Angriff und in der 10. Minute erzielt Sträuhsler das erste Goal. (Beifall.) 7 Minuten später erzielt Glück das zweite Goal. Zwar gelingt es bald darauf auch Simmering einen Treffer zu erzielen, aber das Spiel war bereits entschieden, ln der 30. Minute verwandelt Sträuhsler einen Strafstoß gegen Simmering mit einem Meisterschuß in das dritte Goal. Kurz vor Schluß durch Glück das vierte Goal. Hakoah siegt 4:1. Besondere Erwähnung verdienen Brunner, der die Bälle schön vorlegt, Brückner, Schanner und Fuchs. Sonntag, 4. September, spielt „Hakoah“ gegen Nußdorfer Athletik-Klub auf dem Kricketer-Platz. Beginn ’/s2 Uhr. * * * Jüdischer Sportklub „Hakoach“ in Czernowitz. Die konstituierende Generalversammlung fand unter zahlreicher Beteiligung fast sämtlicher ausübenden Mitglieder des Vereines statt Die Eröffnung erfolgte durch den Proponenten Dr. Max Diamant •unter stürmischen Zurufen seitens der Versammlung. Die Wahlen in den Vorstand ergaben folgendes Resultat: Inspektor Dr. Neumann Wender, Obmann; Dr. Max Diamant, I. Obmannstellvertreter; Finanzsekretär Lazar Weinreb, II. Obmannstellvertreter; Bankdirektor Karl Baltinester, Kassier; Dr. Moses Hauer, 1. Schriftführer; Jurist Marem Somer, 11. Schriftführer; ferner wurden zu Vorstandsmitgliedern gewählt die Herren Juwelier Herman Bianovici, Bankbeamter Simon Berger, Kanzlei vorsteher Berthold Budabin, Advokat Dr. Salomon Kinsbrunner, kais. Rat Josef Oehlgießer und Max Weinmann. Herr Dr. Wender dankte für die Wahl, bezeichnet das rege Interesse, welches sich in jüdischen Kreisen für sportliche Betätigung kundgibt als ein günstiges Zeichen für die Entwicklung der jungen Vereinigung. Der Vorstand beschloß nach Maßgabe der Teilnehmer für die einzelnen Sports besondere Sektionen zu gründen. Bis jetzt wurden gebildet die Fußball-, Turn-, Schwimm- und Schützensektion. Als Leiter der einzelnen Sektionen wurden bestellt: Herr Dr Klarfeld für die Schützensektion, Herr Magistratsoberoffizial Georg Haller für die Turn- und Schwimmsektion und Herr Jurist Neumann Miseles für die Fußballsektion. Eine Tennissektion ist in Bildung begriffen. Die, Fußballsektion, die über mehrere ausgebildeteMannschaften verfügt, gedenkt in der nächsten Zeit Training-Matches zu veranstalten. Personalnachrichten. Unser gesch. Mitarbeiter Qg. Dr. D. Rotblum hat durch das Hinscheiden seines Vaters, des Herrn Salomon Peretz Rotblum, einen herben Verlust erlitten. Der Verblichene war ein Jude im besten Sinne des Wortes und gedachte nach Palästina zu gehen, um dort sein Leben zu beschließen. Am 15. Ab erreichte ihn aber in Antwerpen, wo er wegen seiner Rechtschaffenheit allgemein geachtet wurde, der Tod und bereitete seinem Lebenstraume, im Lande seiner Väter zu sterben, ein Ende. Dr. Nison Kahan hat seine Advokaturskanzlei in Budapest, VIII., jözsefkörüt 25 eröffnet. Dr. Emil Margulies hat sich in Leitmeritz a. E. (Böhmen) als Advoikät niedergelassen. Zur Beachtung! Die „Jüdische Zeitung“ vom 30. September erscheint als Neujahrsnummer und wird eine eigene Rubrik nenjahrsgratnlatiDiieii für Rosch-Haschonoh 5671 (n;rn t?>o) enthalten. Unsere Leser und Gesinnungsgenossen werden zweifellos diese günstige Gelegenheit benützen, um auf bequeme Weise allen ihren Bekannten und Freunden ihre Glückwünsche darzubieten. Ein Inserat dieser Größe kostet K 3.—, wovon ein Teil dem JNF zufließt. Diese Nummer wird auf Wunsch an drei aufgegebene Adressen gratis versendet. Für die Versendung dieser Nummer an jede : weitere Adresse sind je 10 h zu entrichten. Wir ersuchen um umgehende Uebersendung der Aufträge. „Jüdische Zeitung“ Gesellschaft m. b. H. Nr. 35 Liste der Ueberläufer. (Vom 23. bis 31. August 1910.) Johanna Hermann, geb. Glauber, 1849, Neudörfl, verw., Priv., VIII. Srrozzig. 17. Marianne Fanto, 1880, Wien, ledig, Künstlerin, II. Praterstr. 44. Michael Rosenzweig, 1874, Bialypotek (Gal.), Bankbeamter, 11. Brigittenauerlände 4. Selma Stein, 1882, Wr. Neustadt, ledig,.Friseurin, II. Nordwestbahnstr. 13. Malwine Kredens, geb. Felder, 1879, Neutra (Ung.), ger. gesch., Kleidermacherin, VI. Webg. 30. Debora Rendler, 1876, Rudko (Gal.), ledig, XVI. Grundsteing. 10. Melanie Zeckendorf, 1889, Weinberge (Böhm.), ledig, XX. Staudingerg. 14. Ernst Rosenthal, 1888, Wien, ledig, VI. Amerlingstraße 19. Palästina-Ethrogim des Jüdischen Nationalfonds. Hiemit teilen wir allen Palästina- Freunden mit, daß wir eine Anzahl von Ethrogim vom Palästinaamte in Jaffa zum Weiterverkäufe bezogen haben. Die Ethrogim stammen aus dem in der galiläischen Kolonie „Chederah“ gelegenenen „Gan Schmüel“, welcher im Jahre 1909 ins Eigentum des JNF übergegangen ist und werden von uns zum Preise von K5.— per Stück frko. verkauft. Hiemit wollen wir einem längst empfundenen Wunsche zur Verwirklichung verhelfen und dem wahrhaft skandalösen Zustande ein Ende machen, daß wir Juden an einem unserer höchsten Festtage zum Gottesdienste Früchte benützen, welche von Griechen, seit jeher Totfeinde der Juden, in Korfu geerntet werden. Nicht nur entspricht die Benützung von durch Juden in Palästina gepflanzten Ethrogim allein dem religiösen Gebote, sondern fördert dies zugleich die wirtschaftliche Entwicklung unserer Palästina-Pioniere. Da unser Vorrat an Ethrogim ein beschränkter ist, bitten wir um sofortige Aufgabe der Bestellungen und Zusendung des Kaufpreises. Insbesondere die NFK werden aufgefordert, diese Mitteilung den in Betracht kommenden Kreisen unverzüglich zu übermitteln. Mit treujüdischem Gruß die Landessammelstelle des JNF für Oesterreich Wien, IX., Türkenstraße 9 Postsparkassenkonto 100.20S. An die P. T. Kultuswähler Wiens! Mit Rücksicht auf die Ende dieses Jahres stattfindenden Wahlen in den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde in Wien wird aufmerksam gemacht, daß laut §§ 1 und 2 der Wahlordnung nur jene Steuerzahler wahlberechtigt sind, welche bis zum Ablauf der Reklamationsfrist, d. i. bis spätestens 26. September 1910, die Kultussteuer für die Jahre 1908, 1909 und 1910 voll entrichtet haben.