Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 35 (2.9.1910)
- Date
- 1910-09-02
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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ieite.4 , Außerdem wurden telegraphisch begrüßt der Präsident 4er .sfidslavischen Landesorganisation Dr. Hugo Spitzer, Osijek und; der, einzige-Abgeordnete im bpsnischep Landtage JesuaD. .Salon. Nach der Vorlesung der; vielen .eingelangten Gratulationen gnd Begrüßungen,-erteilte . der Präsident, das Wort dem cand. jur. Felix Kohn (Judäa), der ein vom Senior, der Bar Giora -und Judäa.. Dr. Alexander Ließt verfaßtes Referat über den Zionismus vorlas. Das Referat .wurde mit großen Beifall aufgenommen. Nachmittag machten die Kongreßteilnehmer einen gemeipsamen Ausflug nach, dem Bad Ilidze. Abends war im großen. Vereinsaale ein Kommers, den die Sarajevoer Bürger den Gästen zu Ehren veranstalteten. Zum Tischpräsidenten des Kommerses wurde Dr. Ehrenpreis gewählt, der eine schöne Anrede-hielt und auf dessen Anregung über K 200 für den Nationalfonds gesammelt wurden. Be; dem Kommers wurden abwechselnd Reden gehalten und vom Gesangsvereine „La Lira“ jüdische Gesangstücke zum -Vortrage gebracht.- Der Kommers schloß mit einem animierten Tanzkränzchen. Dienstag den 22. v. M. setzte der Kongreß seine Beratungen foit Es wurden folgende Referate gehalten: Vormittag: cand. jur.. Israel Baruch (Esperanto), Sepharden, cand. ing. Zlatko Rosenberg (Bar Giora) Palästinas wirtschaftliche, soziale und kulturelle Zustände; nachmittags: Abiturient Ezra El. Kajon: Die körperliche Regeneration der Juden. Alle Referate wurden sehr beifällig aufgenommen. Beim letzten Punkte der Tagesordnung „Eventualia“ wurde beschlossen, die nächsten Kongresse von allen drei Vereinen gemeinsam einzuberufen und möglichst, nicht wie bisher jedes zweite Jahr, sondern jedes Jahr abzuhalten. Weiter wurde ein Fonds zur Herausgabe und Verteilung von Broschüren in den sfidslavischen Ländern geschaffen. Zum Schlüsse wurden mehrere Resolutionen die Aufgaben der jüdischen Studentenschaft und die allgemeine zionistische Arbeit betreffend einstimmig angenommen: Präsident Albala schloß in später Abende, mit einer zündenden Rede , den überaus gelungenen Studentenkongreß. *. Während des Kongresses fand in einem Nebensaale eine, kleine, sehr schön arrangierte Bezalelausstellung statt. Z. ,R Osenberg. Aus dem jüdischen Leben. Ritaalmordinärchen. Das Budapester antisemitische Blatt „Ä1 k o t m a n y“ hat gegen die Juden von Nagy-Kövesd das Märchen eines Ritualmordes verbreitet, durch welches die christliche Bevölkerung jener Gegend in große Erregung versetzt wurde. Die Haltlosigkeit und Nichtigkeit des ganzen Märchens wurde bald erwiesen. Nun hat die genannte jüdische Gemeinde sowohl gegen das Blatt als auch insbesondere gegen den Jourdalisten Persian, der behauptet hatte, für die Authentizität seiner Darstellungen einstehen zu können, die Strafanzeige erstattet Der Staatsanwalt hat im Sinne der Anzeige gegen das genannte Blatt und den sauberen Herrn Redakteur die Anklage erhoben. Judenexzesse in Russisch-Polen. Dieser Tage fand im polnischen Orte Segrze ein kleiner Pogrom statt Anläßlich des katholischen Feiertages war in der dortigen Kirche eine große Menge Beter aus dem gesamten Kirchspiel versammelt Unfern der Kirche saß der jüdische Fuhrmann Don, der einige Passagiere aus dem benachbarten Flecken Serotzk zur Kirche gebracht hatte, und wartete auf den Schluß des Gottesdienstes, um die Passagiere nach Hause zurückbringen. In der Nähe befanden sich noch weitere sechs Juden aus Serotzk, lauter Kleinhändler die zur Messe herbeigeeilt waren, um den Kirchenbesuchem erfrischende Getränke, Früchte u. dgl. feilzubieten. Gegen 1 Uhr, als der Gottesdienst zu Ende war und die Menge die Kirche zu verlassen begann, wurden feindliche Aeußerungen gegen die Juden vernehmbar. Bald kam es zu deutlichen Drohungen und Hetzrufen „Haut die Juden!“ ertönte es plötzlich; einer aus der Menge stürzte auf den jüdischen Fuhrmann und schlug ihn mit einem Knüppel aufs Haupt. Blutüberströmt brach der Fuhrmann auf der Stelle tot zusammen. Andere stürzten auf die jüdischen Verkäufer. Zwei von ihnen wurden JÜDISCHE. ZEITUNG. mit Fruchtweinflaschcn am Haupte verwundet. Die übrigen retteten sich mit knapper Not. DerErmordete, hinterläßt eine Frau und drei Kinder. Die Frau wurde vor Kummer wahnsinnig. Auf Anordnung der Behörde wurden der Mörder und fünf andere Personen, die der. Aufreizung der Menge beschuldigt werden, verhaftet. Der ganze Vorgang ist für die antisemitische Stimmung unter der nichtjüdischeri Bevölkerung in Russisch-Polen charakteristisch. Jüdische Aufdringlichkeit. Unter diesem Titel veröffentlicht Frido 'in der „Jugend“ folgende Satire: „Ein jüdischer Schreiner namens Gluskier Wurde von den russischen Gerichten wegen Mordes zürn Tode verurteilt, weil die Entlastungszeugen, die sein Alibi bekundeten,- juden Waren, denen nicht geglaubt wurde. Jetzt stellt sich heraus, daß der inzwischen Hingerichtete Gluskier den Mord nicht begangen hat. ES ist geradezu unglaublich, wie dieser freche Gluskier dazu kam, die staatlichen Hinrichtungsorgane zu inkommodieren, wenn er es doch gar nicht gewesen ist. Warum hat denn dieser Patron nicht einen Generäl oder einen Gouverneur oder einen christlichen Intendanturbeamten als Entlastungszeugen gestellt? Aber die russische Regierung ist gesonnen, sich nicht länger den Mißbrauch ihrer Toleranz gefallen zu lassen; sie wird die Erben des Gluskier auf Ersatz derjenigen Kosten in Anspruch nehmen, die durch die ungerechtfertigte Hinrichtung ihres Erblassers entstanden sind.“ Die Folgen der Einwanderüngserschwerungen in Texas. Als Illustration der in der vorigen Nummer unseres Blattes im Artikel ^Verschärfung der Krise“ veröffentlichten Ausführungen möge folgender Bericht aus Kiew dienen. Die Erschwerungen der Emigration nach Galveston sind für die Kiewer Abteilung der lto mit großen Unkosten verbunden. Die Zahl der zurfickgewiesenen Emigranten der 41. und 42. Galvestonpartie beträgt an die 50 Mann. Für die Hin- und Rückreise sowie für den Aufenthalt in Amerika in Erwartung der Erledigung der eingereichten Gesuche bedurfte es nicht weniger als drei Monate, während welcher Zeit auch die in Rußland zurückgebliebenen Familien der Emigranten unterstützt werden1 mußten.; Dazu kommt, daß die zurückgewiesenen Emigranten nicht die geringste Lust verspüren, nach Rußland zurückzukehren und die Beförderung nach/einem andern Einwanderungszentrum verlangen. - . Dieser Tage hat die Kiewer Ito-Verwaltung nach Bremen, wo sich zurzeit die zurückgewiesenen Emigranten befinden, den Betrag von 35.000 Rbl. überwiesen. Ein jüdischer Lordtnajor Unser bekannter Gg., Stadtverordneter und Friedensrichter Jacob Moser hat der Einladung des Gemeindetats der Stadt Bradford, das Amt eines Lordmajors dieser Stadt für die Amtsperiode 1910/11 zu übernehmen, Folge geleistet Die Einladung ging von der übe ralen und konservativen Partei des Stadtverordneten- Kollegiums aus und wurde Herrn Moser durch eine Abordnung unter der Führung des gegenwärtigen Lordmajors übermittelt Eine jüdische Versicherungsgesellschaft in Jerusalem. In einigen Tagen wird in Jerusalem eine jüdische Versicherungsgesellschaft gegründet werden. Das Statut der Gesellschaft ist bereits ausgearbeitet. Von der Schulnot Infolge des bekannten Zirkulars des Ministers für Volksaufklärung, wonach die Prozentnorm auch auf die privaten Lehranstalten ausgedehnt wird, befinden sich viele Privatgymnasien und Handelsschulen in einer sehr kritischen Lage: Viele Lehranstalten wandten sich an das Ministerium mit dem Gesuch, die Durchführung dieser Maßregel erst allmählich im Laufe von einigen Jahren erfolgen lassen zu dürfen, da sonst diebetreffenden Schulen nicht weiter existieren könnten. Es besteht aber keine Aussicht, daß der Herr Minister, dem in letzter Zeit besonders daran gelegen ist, im guten Einvernehmen mit dem „schwarzen Hundert“ zu leben, sich in der Rettung des Vaterlandes durch die Rücksicht auf die Existenz von Privatschulen soll behindern lassen. Dieser Tage hat Herr Schwarz wieder einmal Gelegenheit genommen, sein echt russisches Herz an den Tag zu legen. Er versandte nämlich an die Kuratoren der Lehrbezirke ein Rundschreiben, in welchem mitgeteilt wird, daß jüdische Abiturienten, die nach Petersburg kommen Ijr. 35; uni sich beim Ministerium wegen. Aufnahme in eine Hochschule zu bemühen, von nun ab weder vom . Minister, noch von dessen Gehilfe empfangen und ohne weiteres aus .Peterburg, ausgewiese^ würden. Zeitschriften ünd Bücherschau. Palästina. Monatsschrift für die Erschließung Palästinas./Nr.: 8, '1910. Die jüngste Nummer dieser Zeitschrift weist wieder einen sehr gediegenen Inhalt auf. Dr. Ernst Müller behandelt in einem ausgezeichneten Aufsatze „Der Jude in seinem Lande“ die Frage, wie sich der Jude mit seinem Wesen zu Palästina verhalte. Folgende treffliche Ausführungen über das Kuiturproblem seien hier wiedergegeben: „Nicht das .Jüdische“'dem Namen nach macht idäs' Wertvolle, Eigene äuk, sondern das Weäed des Jüdischen. -Nur .'durch-. das- Einfache, allem Applohib Ferne kann ein neues Lieben kuiturschöpferisch werden. Das Agitatiönshationäle hat seinen gewissen Platz auf dem Wege nach Palästina, nicht eigentlich in Palästina Selbst. Mit' Recht bemerkt neulich ein palästinensischer Publizist, es fühlejeder, der in Palästina ärbeita't, sogar der Lehrer auf dem Katheder, noch zuviel den „Agitator“ in sich.' . Und' in doppeltet WeiSe, scheint es, wird dieses heute noch nicht getilgte Moment — däs natürlich mit einem gesunden Patriotismus nicht identisch ist -- überwunden , Werden — durch eine größere Bescheidenheit gegetiüber deii übertragenen Kulturwerten und durch höhere Ansprüche in Bezug auf die Werfe der zu Weckenden Bigenkultur. Geiade das Jüdische in Seiner feinen Ürgestalt, durch manches im .Golds' vielleicht' gesteigert, "aber' irii Golus selbst verdunkelt; Wird iins dort iiü‘ eigenen Lände klarer Und kläret werden., 'Erst wöhri von Wahlen geistigen Zentren aus, die ebefi natürlicherweise jüdisch sind, daS Leben in materieller, sozialer und geistiger Beziehung beffUÜMiet werden wird, wird man im Ernste Beginnen köHhen, von einer neuen jüdischen Kültür "'in1'.Palästina zu sprechen“..'".,'. '" ‘‘" Davis Trietsch setzt'' seine .Afbeit "über .jüdische F r ä ü e n a r b e i f ,i n Pklästinä“ fort und behandelt die wichtigen Kapitel Ärindn- ’iiMd Krankenpflege, ScHülweseh und AüfkiäfüHgsafbeif find Ausbildung zü‘ lohnender Berufsarbeit. Trietsch führt nebst einzelnen Zweigen der Hausindustrie eine ganze Reihe von landwirtschaftlichen Tätigkeiten an, in welchen die jüdischen Frauen dauernden und lohnenden Erwerb finden können und fordert die Errichtung, einer Haushaltungsschule zwecks Heranbildung , des Dienstbotenelementes. Sehr willkommen sind Dr. Alexander Hausmanns „Reisebeobächtungeh und Informationen über Palästina“. Ein Bericht des Wiener IhformationsbureäUs für Palästina; eine Originalkorrespondenz aus Jaffa über „Chachanibasehis“ und eine instruktive „kurze Nachrichtenschau“ ergänzen das interessante Juliheft. Vereinsliederbüch für Jung-Judä. Wie bereits mehrfach mitgeteilt, Wird von dem „Vereinsliederbuch für Jung-Juda“, Verlag der Jüdischen Turnerschaft, Berlin C. Alexanderstr. 39, eine dritte, wesentlich verbesserte Auflage vorbereitet. Diese Auflage wird sowohl in ihrem' allgemeinen und jüdischen Teil, wie auch in ihrem Notenanhang eine erhebliche Verstärkung erfahren und eignet sich daher zur Einführung nicht bloß wie bisher in den jüdischen Turn- und Stndentenvereinigungen, sondern in anderen sonstigen Geselligkeitsvereinen, Wie auch überhaupt für alle jüdischen Veranstaltungen, in denen das Volkslied gepflegt Wird. Insbesondere seien die zahlreichen jüdischen Jugendvereine auf das für sie sehr geeignete Büchlein hingewiesen. Das Erscheinen der neuen Auflage ist in den nächsten Wochen zu erwarten. Vereine und Privatpersonen, die bezüglich der aufzunehmenden Lieder irgend welche Wünsche haben, mögen sich daher baldigst an den oben genannten Verlag wenden. Derselbe nimmt auch schon jetzt Vorausbestellungen auf das Büchlein an. Jüdische Turnzeitung, Monatsschrift für die körperliche Hebung der Juden, herausgegeben von der jüdischen Turnerschaft, Berlin C. (Juli-August 1910.) Aus dem Inhalte: Was hät’ man unter einer „jüdischen Turnbewegung“ zu verstehen? Von Theo-