Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1910-08-19 · 33 (19.8.1910) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
4 (1910)
Issue
33 (19.8.1910)
Date
1910-08-19
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2438141-2438273-2438306--2029-2441667
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. .33 jOÖiSßHE; ZEfflÜNG. Seite 5 meine gottselige Mutter1 noch1 gelebt,' ist sie'überallhingefäriht.‘jetzt'abe'r 'schläft die ganze Sache ein. Hochgeehrter Herr Bluni, Sie wollen «ich meiner annehmen; bedenken Sie,- ichr habe •lebenslänglichen schweren4 KerkeV unschuldig. Was ich schoridurch'ge'macht habe und noch durchmache, das spottet jeder Beschreibung und was steht mir aber noch bevor? Aber unser großer Gott;' der so furchtbar strafen" karin; muß" auch'die Wunde wieder heilen:1 J^ieses ist-mein Trost und - meine Hoffnung. Welcher1 Mefisch”känn'‘,siCh> meine Lage nur' Vorstehern; geschweige meinen Schmerz' und Kummer mitfühlen den1’ ich ■jahraus jahrfein mifzumachen habe: Ich flehe Sie an, •erbarmen Sie sich meiner und verhelfen’ Sie mir1 wenigstens zur’Hoffnung, daßes noch"Menschen1 gibt,11 in der Freiheit,1 die auch an meiner Unschuld glauben unddiemithelferi wollen mein Unglück zu lindem'uhd ’mein-sö hartes Schicksal zU brechen.’ Vor allem' bitte ich' Sie, sprechen’ Sie’hiif Dr. Auredniczek er hat'friif'bereits'über'ein' jahr' nlchts über meine’ Lage hierher1'berichtet Und sollte er nichts mehr fiir mich tun wollen','-so glaube ich doch,’ daß es noch andere gufe-Jürisferi gibt, die gerne die Sache in die Hand nehmen, z. B. Dr. Siegfried 'Türkei; Mariahifferstraße;ich glaube Nr. 22, wird auch meinen Prozeß'übernehmen. Sind Sie mir nicht böse, ’ wenn ich Sie noch mit einer Bitte belästige, aber'Not’bricht Eisen, und meine Lage wird vielleicht mein unbilliges' Verlangen entschuldigen. Ist es vielleicht möglich, wenn mäh für mich eine Kollekte machen'möchte'und"es an die'Direktion der Strafanstalt senden könnte. Ich könnte dann meine' Lage hie und da doch ein bischen verbessern. Im übrigen bitte ich Sie flehentlichst, mich nicht in Stiche zu lassen; der liebe Gott, wird gewiß Ihnen und den Ihrigen für die Herzensgüte und Mühe in anderer Weise'belohnen. ln diesem Sinne schließe" ich mein Schreiben und hoffe auf baldige Antwort, ln innigster Dankbarkeit und Ergebenheit Leopold riülsner. Aus dem jüdischen Leben. Neue’ Ausweisungen. ' Der Bauernmarschall des Kreises Andrzejew, Gouvernement Kjelzi, beantragte beim Landrat die Ausweisung der Juden aus sämtlichen Dörfern des Kreises. Der Antrag wurde ordnungsgemäß in Bewegung gesetzt. Es sollen 800'jüdische ’ Familien aus ihren Wohnorten, an. welchen sie seit undenklicher Zeit ansässig sind, ausgewiesen werden. Bekanntlich hat der Generärgouverheür von Turkestän sämtliche Bezirksfiaiiptleute und Gouverneure des Gebietes zirkularisch angewiesen, sämtliche buchärisChen Juden aus dem1 Turkestangebiete auszuwelsen." -Der Haupfm'änn deS transkaspischen Distrikts) Generäl Jewrejmow, wurde nun beim Generalgouvemeur darüber vorstellig, daß diese Maßregel auch auf die afghanischen - und’ persischen Juden,' wie äiich'auf die’ „Djddidri“, d.' h. auf die zuih Islam überg'efretehen 'buchäris'cheri "Juden ausgedehnt Werden sollte. Die Bemühungen ’des Generals Jewrejinow wurden’von Erfolg"gekrönt."Dieser Tagewurde er vom Generatgöuverrietir mit der Aufgabe "betraut, eirieh detaillierten Ausweisurigspläri auszuarbeiten. Nachdem1 vori Generäl jewrejiriow bereits ’gesammdlt'eri' Material sollen'iri dem' transkaspischen Bezirk ausgewiesen werden: 309 Familien aus Merw, 23 aus Tachtabazar, 210 aus dem Kreise Tedjen und 31 aus derii Kaiserlichen Gut zu Mürgab. Die autochthonen jüdischen Familien erhalten eine Frist von einigen Monaten behufs- Liquidation ihrer1 Geschäfte.1 Den’ Eingewanderten wird nur ein Moriät gewährt. Ein Tagesbefehl des1 Petersburger Stadthauptmannes vom 261 Juli beauftragt die Polizei mit der Vollstreckung der Ausweisurig an 12 jüdischen Handwerkern, die’ die bezügliche Behörde im Laufe des Monats Juni aus der Handwerkergilde ausgeschlossen hatte, Weil sie angeblich" ihr Handwerk nicht ausgeübt hätten. Kaftanjuden, Trunkenbolde?* Bettler1'uswt An den'Eingäiigeh'zu den öffentlichen'Gärten 'und Anlagen in Warschau Ist von jeher folgender Anschlag zu lesen: Trunkenbolden, Bettlern, Hausierern, Juden in Kaftans und Barfüßern Eintritt verboten. Diese unerHörte Verhöhnung1" der jüdischen Volksmasseif, die hunderttausenderi jüdischen Bewohnern der großen luft- und lichtiosen Kasernenhäuser der Nafewkrund Umgegend die Möglichkeit nimmt, jemals die frische Luft der von ihren Steuern riiiterlialtenen öffentlichen Gärten zu genießen, war immer ein Aergernis in den Augen der jüdischen Bevölkerung. Nur die offiziellen Juden — will sagen: der auf gutem Boden bestehende Gemeindevorstand — fand anscheinend diese Wirtschaft in der Ordnung und nahm nie Anlüß,'-gegen diese Barbarei Verwahrung einzufegen. Nun ist es anders geworden. Seitdem sich die Zionisten und die „Litwaks“ für Gemeindeangelegenheiten zu interessieren begannen, merkt man ab und zu in der Gemeinde Zeichen von wirklicher Teilnahme, wirkliches Interesse für die öffentlichen jüdischen Angelegenheiten. Vor kurzem hat nun der Gemeindevorstand beim Stadtrat wegen dieser Einschränkung Beschwerde geführt. Die polnische progressive Zeitschrift „Prawda“ nährii nun Anlaß, bei dieser Gelegenheit ihr Mütchen an den Kaftans zu kühlen. Charakteristisch ist es nun, daß das Organ der jüdischen Assimilanten „Israelita“ iri derii fraglichen Verbot nichts Demütigendes für die Juden erblickt, da das Verbot sich auch auf andere Gruppen erstrecke. Der Minister des Innern im jüdischen Hospital: Der Konstantinopeler Korrespondent der „N. J. K.“ berichtet: Die Parlamentsverhandlung, in der der Minister des Innern sich bemüßigt sah, an Stelle der vier schweigenden jüdischen Deputierten die Interessen des jüdischen Spitals zu vertreteri, ist wohl noch in Eririnerung. Der Minister hat nunmehr aufs neue sein lebhaftes Interesse an der Institution bekundet, indem er dem Hause einen Besuch abstatfete. Talaat Bej äußerte sich überaus befriedigt nach der Besichtigung; die Hauptstadt könne stolz sein auf den Besitz eines1 solchen Hauses. Auf die Ansprache eines Vorstehers der Anstalt 'erwiderte er, er wisse wohl, die Juden seien ein Grundpfeiler des ottomäriischeri Staates und nehmen regsten Anteil an allen Angelegenheiten, die1 das 'Reich zu höherer Entwicklung führen können. Emigrationserschwerungen im Staate Texas. Die Verwaltung der I. T. 0. in Kiew erhielt dieser Tage aus Amerika die Mitteilung, daß die Einwanderung nach Galveston unerwartet wesentlich erschwert wurde. Die lokale Einwanderungsbehörde läßt zurzeit nur noch Handwerker passieren, die über eine Barschaft von mindestens 25 Dollars verfügen. Sonstige Emigranten werden nur dann zugelassen, wenn sie in Nordamerika nahe Verwandte haben, an die sie sich ' wehderi. Viele Emigranten der fetzten zwei Galvestongruppen (der 41. und 42. Gruppe) wurden nach Europa zurückgeschickt. Die Kiewer Verwaltung der T. T.Ö. sah sich'durch diese neue Praxis’ der' Emigrationsbehörden veranlaßt, ihre Tätigkeit vorläufig’einzustellen und Dr. Jochelmarin naCh Amerika zu entsenden, der in dieser Angelegenheit die' geeigneten Schritte unternehmen soll. Auch iri die Vereinigten Städten ist die-Emigration in den letzten'Tagen durctf mefiiere Verfügungen bedeutend erschwert werden. Auf Grund dieser Verfügung wurden viele Einwanderer zurückgewieseri. Jüdischer Sportklub „Hakoach*‘ In Czernowitz.' In den nächsten Tagen Wird sich in CzernöWitz ein' jüdischer" Sportklub,1 der"dib Pflege aller Art körperlicher Uebüngeri, wie Turnen, FuÄball, Schwimmen, Athletik u. dgli mehr zum Zwecke hat, konstituieren: Die' Vorbereitungen' zur Gründung dieses KtubSTsind‘bereits von einem rührigeri'Kornitee getroffen worden! Die Genehriiigung der Statuten seitens der Landesregierung ist bereits erfolgt. Es sei Schon jetzt darauf hingewiesen, daß die Leiter des Klubs die Absicht haben, noch im Laufe dieses Sommers mit einer größeren sportlichen Veranstaltung vor die Oeffentlichkeit zu treten. Die Generalversammlung findet in deri nächsten Tagen statt und wird 'rechtzeitig bekariritgegeben werden. Jüdischer ' Altnariach 5670. Heraüsgegeben anläßlich, des’, 25 setüestrigen ' Jubiläums der Vereinigung" jüdischer Hbcnschüler aus Galizien Bar- Kochba in Wien. Selbstverlag: K 6.—. Wir lenken die Aufmerksamkeit der Parteigenossen auf das Inserat der Druckerei der „Jüdischen Zeitung“ und bitten urir weitgehendste Unterstützung. * * * Wir verweisen hiemit auf das in dieser Nummer befindliche Inserat des Herrn Geza Arvay, II- Gredlerstraße 9 und ersuchen alle Gesinnungsgenossen bei eintretenden Bedarf diese als solid bekannte Firma vorzuziehen und sich auf das Inserat in unserem Blatte zu berufen. V ereins-u .Versammlungs- Nachrichten. Wien. (Verein jüdischer Portiers und Hausbesorger.) Vorigen Mittwoch hielten im Hotel Guth mehrere Portiers und. Hausbesorger unter Vorsitz des Portiers der israel. Kultusgemeinde, Herrn Karl Zerkowitz, eirie Beratung ab, in weicher die Gründung eines Vereines jüdischer Potiers und Hausbesorger für Wien und Umgebung beschlossen wurde. Sämtliche Redner wiesen auf die traurige Tatsache hin, daß die jüdischen Hausbesitzer in Wien und Umgebung noch immer in dem Vorurteile befangen sind, daß Juden sich für die Arbeiten eines Portiers oder Hausbesorgers nicht eignen und daher prinzipiell keine Juden als Hausbesorger anstellen. Demgegenüber wurde festgestelit, daß diejenigen Hausbesitzer, welche sich von diesem Vorurteile befreit und Juden angestellt haben, mit diesen die besten Erfahrungen gemacht haben. Die jüdischen Hausbesorger und Portiers die ein Handwerk verstehen, zeichnen sich durch ihre Nüchternheit, Verträglich- und Ehrlichkeit aus. Die Versamirilung beschloß,bei allen jüdischen öffentlichen Anstalten, sowie bei jüdischen Hausbesitzern im Wege der Presse und durch Aufklärungsschriften für die Unterbringung jüdischer Hausbesorger und Portiers eifrige Propaganda zu machen. Diesem Zwecke wird auch der vom Vereine einzuführende Stellungsnachweis dienen. Nach Verlesung und Annahme der Statuten wurden die Herren Karl Zerkowitz, Samuel Zwillinger und Simon Kasper ins Verbreitungs- und Proporientenkomitee gewählt und die Versammlung geschlossen. Zuschriften sind bis auf weiteres an Herrn Karl Zerkowitz, Portier, I. Seitenstettengasse 4, zu richten. Wien. („Hasomir“, Verein zur Förderung jüd. Literatur und Kunst.) Der rührige Verein, der eine Reihe von Darbietungen ostjüdischer Literatur und Kunst dem Wiener Publikum bescheerte, beschloß seine Sommertätigkeit mit einem im Cafe Neptun, XX. Mathildenplatz, abgehaltenen, gut besuchten jüdischen Abend. Herr Redakteur Jakob Krausz sprach über das Thema: „Der ethische Wert der jüd. Literatur“ und fand für seine geistvollen Ausführungen lebhaften Beifall. Lebendig gestaltete sich die jüd. Literatur in den Schöpfungen des Herrn Kantor Grob, die dieser meisterhaft vortrug. — Nach dieser Saat will der Verein ernten gehen, und nachdem er dem jüd. Publikum die regsame, schaffende jüd. Seele gezeigt hat, ruft er die Juden Wiens zu tätiger Mitarbeit. — Nicht durch den Dolmetsch, nicht durch die Brille des Kritikers soll der Wiener Jude Kenntnis vom ostjüd. Kulturleben erlangen, unmittelbar soll es auf ihn wirken und alles jüdische, das in seiner Seele schlummert zum Leben wecken. Unmittelbare Berührung mit der Sprache und ihren Bildungen verleiht das nötige Verständnis, die selbstverständliche Voraussetzung zum Zusammentun von Ost und West. Und dem Träger unserer Sprache, dem feinsten Gebilde unserer Seele; dem Gesang, soll ein Heim in Wien geschaffen, werden: Der Verein eröffnet nächste Woche die Gesangsektion und ladet alle Damen und Herren, die derselben .beitreten wollen, zu der, Dienstag, den 24. d. M., um 8 Uhr abends im Soutereinlokal des Hotel Gutb, II. Stefanistraße 14, stattfindenden ersten Gesangsprobe höflichst ein. Brody. Samstag, den 7. August, fand um 6 Uhr abends in der hiesigen Synagoge eine Seelenandacht für Reichratsabgeordneten Dr. H. Gabel statt. Die Trauerrede hielt der Präsident des „Tikwath Zion“, H. Paul Braff. Er schilderte das Wirken des Verstorbenen und legte in tief empfundenen Worten dar, welchen unersetzlichen Verlust das jüd. Volk durch den Heimgang eines so hervorragenden Mannes erlitten hat. Er wies ferner darauf hin, daß die Thamustage schon oftmals für uns verhängnisvoll geworden sind und so auch jetzt. Die Rede machte auf dje sehr zahlreich Erschienenen einen tiefen Eindruck. Zum Schluß intonierte der Kantor das „El mole rachmim“. Es wurden Spenden für das Gabelstipendium gesammelt. Wien. Lese- und Redehalle jüd. Hochschüler (IX. Hahngasse 15). In seiner letzten Sitzung hat der Ausschuß auf Anregung des Seminarleiters phil. Max Präger eine neue Institution beschlossen, die aller Voraussicht nach von großem Erfolge begleitet sein wird. Es sind nämlich für die jeweiligen Ferialzeiten studentische Agitationsreisen in die bedeutenderen Provinzstädte der österreichischen Monarchie vorgesehen, auf welchen durch rein agitatorische und jüdisch-literarische Abende unserer Bewegurig neue Freunde geworben werden sollen. Den ersten Versuch will Herr Präger selbst machen, inderii er, ermutigt durch einige kleine Erfolge im Vorjahre, in 18 Städten Galiziens die Veranstaltung solcher Abende im Rahmen lokaler

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.