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Jüdische Zeitung · 1910-08-12 · 32 (12.8.1910) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
4 (1910)
Issue
32 (12.8.1910)
Date
1910-08-12
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 32 JÜDISCH!: ZEITUNG. Seite 3 Wiedergeburt des jüdischen Volkes hervorragend, mitgearbeteit — deshalb wird es dir auch in unserer Geschichte ein,.Ehrenblatt widmen“. Der Vertreter der Ruthenen Herr. Longin C i e g i e 1 s k i, der das durch den Tod des Dr. Gabel erledigte Mandat als dessen Ersatzmann übernimmt, hielt folgenden Nachruf: „Der Tod entriß einen der besten Söhne Eures Volkes. Aber auch ein treuer Freund meines Volkes starb, der ein tüchtiger und aufrichtiger Verteidiger des unterdrücktesten österreichischen Volkes war. Wir verstehen Eure Trauer, denn wir wissen mit welchen Schwierigkeiten ein unterdrücktes Volk für sich eine parlamentarische Vertretung erorbert. Der Trauer des jüdischen Volkes schließt sich auch das ruthenische Volk, besonders die Wählerschaft des Verstorbenen an, die in ihm einen edlen Vertreter ihrer Interessen hatte, trotzdem Dr. Gabel einem anders nationalen Klubs angehörte. Intriganten sagen, daß die Ruthenen antisemitisch sind. Inwiefern das wahr ist, bewiesen gerade die Wahlen iu Buczacz, während welcher 12.000 Bauern aus ihren Hütten zogen, um dem Vertreter der jüdischen Renaissance zum Siege zu verhelfen. Im Namen des ruthenischen Volkes überbringe ich dem toten Kämpfer für Freiheit und Demokratie die letzten Grüße. Das ruthenische Volk wird Dich, Heinrich Gabel, im ewigen Angedenken bewahren. Auf mich fällt jetzt die Aufgabe, das Mandat des Dr. Gabel zu übernehmen.Juden! seid überzeigt, daß ich nach Kräften bemüht sein werde, den Schaden gutzumächen, den ihr erlitten habt. Wo es sich um eine gerechte jüdische Sache handeln wird, werdet ihr immer meine Unterstützung finden. Dann sprach noch im Namen der Wähler Herr L. Wechsler aus Buczacz, worauf HerrS. Herz namens der jüdischen Arbeiterpartei, Poale-Zion, Dr: Schneider im Namen der jüdischen Studenten und Herr T i e g e r im Namen der orthodoxen Zionisten vom Verstorbenen in bewegten Worten Abschied nahmen. Aufruf. Die Trauer über den Verlust unseres geliebten Führers Dr.' Gäbel 'gibt'sich weit über die' Grenzen unseres Landes kund. Jedermann fühlt es, daß nicht nur die zionistische Partei, sondern das ganze jüdische Volk plötzlich einen seiner edelsten und besten Söhne, einen seiner gesinnungstüchtigsten und treuesten Kämpfer verloren hat. Es wird allgemein als ein Bedürfnis empfunden, den Verewigten durch Errichtung einer seinen Namen tragenden Stiftung zu ehren. Das gefertigte Zentralkomitee der galiz. Zionisten hat daher beschlossen, ein Dr. Heinrich Gabel-Stipendium für einen Bezalelschüler ins Leben zu rufen. Wir bitten daher alle diejenigen, die ihren Gefühlen für den Verstorbenen Ausdruck geben wollen, alle denselben Zwecken zugedachten Spenden diesem Stipendienfond zuführen zu wollen. Es muß jedoch ein größerer Fonds aufgebracht werden, um so die Dankbarkeit unserer Partei, wie auch der jüdischen Bevölkerung für den verstorbenen Abgeordneten in würdiger Form zum Ausdruck zu bringen. Wir erwarten, daß alle unsere Gesinnungsgenossen und Freunde, alle Vereine und Institutionen sofort mit den Sammlungen beginnen werden. Spenden wolle man an die „Kredit-Union“ in Lemberg (Karl Ludwigstraße) mit der Bestimmung “für das Dr. Gabel-Stipendium“ richten und werden dieselben in den Parteiblättern ausgewiesen werden. Für das Zentralkomitee der Zionisten Galiziens Dr. D a v i d Schreiber. Trauerkundgebungen für Dr. Gabel. Wien. Der „Jüdische Nationalverein“ hielt Freitag, den 5. August im Cafe Marienbrücke eine Trauerfeier anläßlich des Todes seines Obmannes Abg. Dr. Heinrich Gabel ab, die einen sehr würdigen Verlauf nahm. Der Obmannstellvertreter Gg. Dr. K a d i s c h eröffnete die Versammlung und hielt nachfolgende Gedenkrede. Der Anlaß unserer heutigen Zusammenkunft ist ein äußerst trauriger, der „Jüdische Nationalverein“ und mit ihm die gesamte jungjüdische Bewegung hat einen furchtbaren Verlust zu verzeichnen. Unser allverehrter Obmann Dr. Gabel ist plötzlich verschieden. Eine kurze Spanne Zeit ist erst verflossen, seitdem er hier in unserer Mitte gesund und arbeitsfreudig verweilte, seitdem er mit mir zusammen Versammlungen in Lundenburg und G a y a abhielt, um auch in der Provinz unsere Anschauungen zu verbreiten. Nun hat ihn in der Blüte seiner Jahre, mitten in seiner ruhigen Arbeit ihn, der erfüllt war, von den weitgehendsten Plänen für die Zukunft, der Tod hinweggerafft. Sie wissen wohl alle am besten, was uns unser Gg. Dr. Heinrich Gabel war. Nicht nur ein ehrlicher Volksvertreter, ein unermüdlicher Obmann des „Jüdischen Nationalvereines“, ein fleißiger Arbeiter in der zionistischen Bewegung, nein, auch ein Mann, der nicht nur die demokratischen Prinzipien im Munde führte, sondern sie auch als Politiker und Mensch betätigte. Von ihm gilt tatsächlich der Satz: Nichts menschliches war ihm fremd. Nun ist er uns für ewig entrissen! Der „Jüdische Nationalverein“, der ihm so vieles verdankt, der „Jüdische Klub“, in dessen Dienste er noch unmittelbar vor seinem Tode einen ganzen Tag im sozialpolitischen Ausschüße des österreichischen Abgeordnetenhause verweilte, sind durch den Tod des Dr. Heinrich Gabels ebenso herb getroffen, wie seine Familie und insbesondere seine junge Ehegattin. Wir alle stehen noch zu sehr unter dem frischen Eindrücke der so plötzlich und unerwartet eingetretenen Katastrophe, daß es schwer wird, die Gefühle des Schmerzes, die uns erfüllen, in Worte zu kleiden und entsprechend zu würdigen, was Dr. Heinrich Gabel der jüdischen Gegenwart bedeutet hat. Ein ruhiger Arbeiter nach außen, ein Berater, Organisator und treuer Freund nach innen. Dr. Heinrich Gabel requiescat in pace! Wir werden deiner stets gedenken! Ich bitte alle Anwesenden, sich als Ausdruck des tiefen Beileides, von den Sitzen zu erheben. * Lemberg. Das Zentralkomitee hielt Montag den 1. August aus Anlaß des Ablebens seines Mitgliedes Dr. Gabel eine Trauersitzung ab, in welcher Dr. Schreiber dem Verstorbenen einen tiefempfundenen Nachruf hielt. Mittwoch den 3. August veranstaltete die zionistische Studentenschaft im großen Saale des jüdischen Studentenheimes eine Trauerversammlung, in welcher der Obmann des galizischen Studentenverbandes Dr. Schreiber und Dr. Sommerstein sprachen. Dienstag abends hielt die „Emunah“, deren Ehrenbursch der Verstorbene war, einen Trauerkonvent ab. Der Verbindungspräses Herr Knopf würdigte namens der Aktivitas und Dr. A s c h k en a s e namens des A. H. Verbandes die Verdienste des Verstorbenen um die „Emunah“. ' * Wien, ln seiner letzten Sitzung hielt der Obmann des Sozialversicherungsausschusses dem verstorbenen Abgeordneten Dr. Gabel einen warmen Nachruf. Außer den zahlreichen bereits bekannten Kondolenzen, kondolierten: Der Ministerpräsident, die einzelnen Minister, das Präsidium des Abgeordnetenhauses und sämtliche parlamentarische Klubs: — In einem überaus freundlich gehaltenen Schreiben kondolierte der reichsrätliche sozialdemokratische Verband durch das Vorstandsmitglied Abg. S e i t z dem Abg. Dr. Straucher als Obmann des jüdischen Klubs mit dem Ausdrucke des innigsten Beileids aus Anlaß des Hinscheidens des Abg. Dr. Gabel. Namens des Deutschen Nationalverbandes kondolierte Abg. Dr. Chiar i. « Stryj. Sonntag den 6. 1. M. fand unter großer Beteiligung der hiesigen Bevölkerung und unter korporativer Teilnahme aller jüdischen Vereine eine Trauerandacht für den so früh hingeschiedenen Dr. Heinrich Gabel statt. Nach Absingung der liturgischen Kantate durch Oberkantor Daurd Nussenbaum ergriff Herr Nehemjas Lotringer aus Bolechow das Wort zu einer meisterhaften Rede, in welcher er die Verdienste des Verstorbenen würdigte und. den Verlust, den wir durch sein so frühes Hinscheiden erlitten, in rührenden Worten darlegte. Nach Absingung eines herzlichen „El mole rachmim“ schloß die imposante Trauerkundgebung. Bei dieser Gelegenheit wurden auch über hundert Broschüren „D e r j ü d i s c h e Klub“, die bekanntlich von Dr. H. Gabel verfaßt ist, verkauft. Es wurde beschlossen, einen Gabel-Hain im Herzl-Walde zu stiften. * Radautz. (Jüd. akad. Ferialvereinigung „Chermonia“.) Bei den am 31. Juli 1910 abgehaltenen ordentlichen Generalkonvente hielt Präses Jahr dem in der Blüte seines Lebens so früh dahingeschiedenen Reichsratsabgeordneten Dr. Heinrich Gabel, der als Mitglied des jüdischen Reichsratsklubs stets die Interessen der Judenschaft so treu vertreten hatte, einen warmen Nachruf. * Proßnitz. Am 4. August d. J. veranstaltete die „Giskalah“ in den Räumen des jüdischen Vereinslokales anläßlich des Hinscheidens des Reichratsabgeordneten Dr. Heinrich Gabel eine Trauerfeier. Nach der von Bb. kand. ing. Josef Sommer gehaltenen Trauerrede rezitierte Bb. ehern. Hans Löw „De profundis“ von David Rothblum. Mit der Absingung der „Hatikwah“ fand die eindrucksvolle Feier ihren Abschluß. * Prag. (Jüdischer Arbeiterverein Poale Zion.) In . der Mitgliederversammlung vom Sonntag, den 31. Juli wurde dem Abgeordneten Dr. Gabel ein Nachruf gehalten, in welchem Chawer Kulka des Verstorbenen politische Persönlichkeit, seine Stellung im Parlamente und dessen Ausschüssen, seine bleibende Bedeutung für die österreichische Gesamtpartei und sein programmatisches Vermächtnis würdigte. * Aus dem Briefe eines Wählers Dr. Gabels. „ . . . Wer seine kernigen Reden im Plenum des Hauses — wer mochte ahnen, daß seine Budgetrede vom 15. Juni 1. J. sein Schwanengesang bleiben sollte? wer seine emsige Arbeit in den Parlamentsausschüssen verfolgte, wird mir zustimmen, wenn ich sage, daß wir in ihm eine kostbare Perle besaßen. Wer Zeuge davon war, wie die jüdischen Wähler Galiziens massenhaft in die Synagogen zusammenströmtea, um den Rechenschaftsberichten Dr. Gabels zu lauschen, wer es mit ansah, wie dieser schlichte Volksmann überall mit Enthusiasmus empfangen wurde, jedem die Hand drückte und sich nach dessen Wohl und Wehe erkundigte, der weiß, was Popularität heißt. Bei dieser Gelegenheit sei die Judenschaft aus dem Städtchen Podhajce hervorgehoben, welche Dr. Gabel mit seiner Kandidatenrede im Jahre 1907 ganz für sich gewann; es wird wohl wenigen bekannt sein, daß am Wahltage alles, was jüdischen Namen führte, daselbst auf den Beinen war und daß sogar Kranke vom Ortsspital in Fiakern sich zur Urne holen ließen, ja am Tage der Stichwahl haben manche gläubige Juden gefastet, da sie auf diese Weise dem verehrten Kandidaten den Erfolg zu erbitten hofften. Die Leute ahnten eben, daß ihnen in Dr. Gabel ein selbstloser Helfer und teuerer Berater erstehen wird. Uns national bewußten Juden erwächst nun die Pflicht, das Andenken des Verblichenen in dauernder Dankbarkeit zu bewahren, vor allem in seinem Sinne und nach seinem Vorbilde zu wirken. An seiner Bahre sollten wir uns geloben, die nationale Organisation der Selbsthilfe allenthalben auszubauen und zu konsolidieren.“ I r o O s e r. Versammlung des „Jüdischen Nationalvereines“ in Mähr. Weißkirchen. Einen neuen und erfolgreichen Vorstoß für die jüdischnationale Sache unternahm der Wiener „JüdischeNationalverein“ in Mähr. Weißkirchen. Der Vizepräsident des Vereines, Gg. Herr Dr. Hermann Kadisch, sprach Sonntag, den 24. Juli in Mähr. Weißkirchen vor einem zahlreich erschienenen Publikum über die politische Lage der österreichischen Juden. Der Gedankeninhalt seiner Rede ist kurz skizziert folgender: Die Hoffnungen, die wir an ein durch das allgemeine Wahlrecht gewähltes Parlament knüpften, hat dieses Parlament selbst schmählich vernichtet; das Parlament läßt keine ersprießliche Arbeit für den sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt aufkommen, weil es durch den permanenten Nationalitätenstreit lahmgelegt ist. Der Nationalitätenhader, welcher eine Lebensbedingung für die nationalen Ultras, die nationalen Parteien und ihre Häuptlinge bildet, ist so der Ruin der

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