Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 31 (5.8.1910)
- Date
- 1910-08-05
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 31 Wir veröffentlichen nachstehend einen kleinen Bruchteil der Kundgebungen. Köln. Ich bin von der Nachricht des plötzlichen Todes unseres Doktor Gabel tief ergriffen und spreche Ihnen mein innigstes Beileid aus. Ersuche Sie, das Aktionskomitee und mich bei der Beerdigung zu vertreten: David Wolfsohn. * Schriftsteller Berth. F e i w e 1, Berlin, schreibt uns: Aufs schmerzlichste ergriffen-durch die Nachricht von dem Hinscheiden Heinrich Gabels, unseres ebenso schlichten wie tüchtigen, ebenso treuen wie hingebungsvollen Gesinnungsgenossen, bitte ich Sie als Vermittlerin für unsere österreichischen Zionisten den Ausdruck meines tiefstgefünlten Beileids entgegenzunehmen. Unwillkürlich erweckt die Tragik dieses Sterbens in der Blüte der Jahre, noch sozusagen in der Säemannsarbeit, die Erinnerung an das jähe, überfrühe Sterben Herzls, Kokeschs und anderer — ebensoviele schwere Prüfungen, die mit dem Gesamtzionismus im besonderen die österreichischen Zionisten getroffen-.haben. Nichts bleibt :ngesichts solchen Verhängnisses übrig als der Wunsch und die Hoffnung, daß die Erinnerung an die toten Führer und Kameraden die Lebenden umso fester aneinanderschließe! * Die Exekutive der „Jüdischsozialistischen Arbeiterpartei P o a 1 e Zion: Tief erschüttert stehen wir vor der Bahre Ihres hochverdienten, ausgezeichneten Obmannes, Abg. Dr. Heinrich Gabel, den ein tragisches Geschick so frühzeitig, so unerwartet und tückisch hingerafft hat Wir teilen Ihre Trauer und Ihren Schmerz über den unersetzlichen Verlust, den die Jüdische Nationalpartei Österreichs erlitten hat Wir werdeh dem Verblichenen stets ein ehrendes Andenken bewahren. Mit vorzüglicher Hochachtung Salomon Kaplansky, dzt. Vorsitzender. * Wien. Im Namen des Cesky-Kiub erlaube mir zum Ableben unseres hochgeschätzten Kollegen Dr. Gabel mein innigstes Beileid auszusprechen. Mastalka. * Tarnopol. Der Vorstand der isralitischen Kultusgemeinde inTarnoppl spricht dem jüdischen Klub anläßlich des Ablebens des Abgeordneten Dr. Heinrich Gabel sein Beileid aus. Für den Vorstand: Dr. Landesberg.. * K o s o w. Unser Beileid tiefst erschüttert zum Ableben ihres nie ermüdeten Obmannes Dr. Gabel, Reichsratsabgeordneten. Zion. * M.-Ostrau Empfangen Sie die Versicherung unserer innigsten Teilnahme zu dem schweren Verluste, den wir Alle mit Ihnen durch den Heimgang Dr. Gabels erlitten. Ehre dem Angedenken dieses edlen Mannes, der selbstlos an der Spitze seines Volkes für sein Volk lebte und strebte. Jüdischer Volksverein „Zion“ für M.-Ostrau und Umgebung. * Wien. Anläßlich des so jähen Verlustes Ihres Präsidenten Dr. Heinrich Gabel, dessen Leben ein rastloses Schaffen für die national-jüdische Idee bedeutet, erlauben wir uus unserer innigen Kondolenz Ausdruck zu verleihen. Sportklub „Hakoah“. * . Profinitz. Tieferschüttert durch den Tod unseres allverehrten R.-Abg. Dr, Gabel, spreche Ihnen, dem Naionalvereine und der Parteilung tiefes Mitempfinden aus. „Zion“ Proßnitz. * T r o p p a u. Tief erschüttert durch das plötzliche Hinscbeiden des bewährten Vorkämpfers für unser Volk, senden wir den Ausdruck unserer herzlichsten Teilnahme. Mähr.-schles. Distriktskomitee. * Rozdol. Wir trauern mit. Die Juden Rozdols. Zloczow. Erschüttert durch die traurige Nachricht über das Ableben des geliebten Abgeordneten, übersenden wir unser Beileid dem Klub und der verwitweten Gattin. Ferialverbindung Bar-Kochba. * G o r 1 i c e. Den tieftragischen Verlust der österreichischen Judenschäft betrauert mit dem Jüdischen Klub. Zionistische Ortsgruppe Gorlice. * Zborow. Tiefbewegt von dem Unglücksfall, welcher uns und die gesamte Judenheit Oesterreichs durch den plötzlichen Tod unseres Volksvertreters Dr. Heinrich Gabel getroffen hat, trauern wir an der Bahre des unvergesslichen Toten und drücken der schwer geprüften Witwe und unserer parlamentarischen Vertretung unser tiefstes Beileid aus. Verein Achwah, Verein Deborah, Zborow. Zborow. Tief erschüttert vom plötzliche Hinscheiden unseres Volkskämpfers R.-Abg. Dr. | Gabel drücken die hiesigen jüdischen Gymnasial- und Hochschüler dem Jüdischen Klub, Zionistischen Organisation und verwitweten Frau ihr vom gebrochenen Herzen fließendes Beileid aus. * G a y a. Tieferschüttert von dem Ableben des vielverdienten Obmannes Dr. Gabel übermitteln wir. den Ausdruck innigster Teilnahme. Er lebte dem Wohle des Judentums kurz aber ganz. Sein Andenken wird weiterleben. Trösten Sie die schwer geprüfte Witwe. „Zion Gaya“, Max Siebenschein, Obmann. Es kondolierten'ferner: Der Ministerpräsident, die einzelnen Minister, das Präsidium des Abgeordnetenhauses, sämtliche parlamentarische Klubs, zionistische Organisationen Oesterreichs und des Auslandes, viele Gesinnungsgenossen, die Wiener Kultusgemeinde, zahlreiche Kultusgemeinden Galiziens u. v. a. Politische Rundschau. (Der „deutsche Freisinn“ an der Arbeit — Eine saubere Koalition. — Ein bezeichnendes Symptom in Ungarn. — Eine gemischte Gesellschaft.) Der Pseudoliberalismus wittert Morgenluft, das jüdische Assimilantum hofft auf die Wiedereroberung Wiens und beide erwecken den Radauantisemitismus der Christlichsozialen und die Erbitterung gegen die Juden in den großen Volksmassen zu neuem Leben. Das ist die „neue“ Situation vor der wir stehen und mit welcher die jüdische Volkspolitik ernstlich zu rechnen hat. Der „glorreiche Sieg“ der magyarischen „Liberalen“ mittels Schnaps, Panduren, Militär und eines, ultrareaktionären Wahlgesetzes sowie der Tod Dr. Luegers hat in den Wiener Ablegern des Deutschen Nationalverbandes die Wahnidee der Renaissance des dem magyarischen „Freisinn“ gleichwertigen deutsch-jüdischen Klingeis gezüchtet. Und wie Hungrige auf einen Knochen, so stürzen sich die „Wiedereroberer Wiens“ auf die Hraba-Affaire’ und — eine päpstliche Enzy- J klika, pilgern von Bezirk zu Bezirk und verkünden den Völkern Oesterreichs und ganz besonders den neuerlich irregeführten und mißbrauchten Juden das alleinseligmachende Evangelium des Pseudoliberalismus und der Scheindemokratie sowie den nahe bevorstehenden Zusammenbruch der christlichsozialen Herrschaft. Und der Erfolg, der alleinige Erfolg dieser „freisinnigen“ Tätigkeit sind christlichsoziale Protestversammlungen, in welchen der tausendstimmige Ruf erschallt: Nieder mit den Juden, hinaus mit den Juden aus Oesterreich . . . * * * Der jüdisch-deutsche „Freisinn“ züchtet also in der Vergangenheit, auch in der Gegenwart den Antisemitismus und galvanisiert mit dessen Hilfe die christlichsoziale Partei. Er hat übrigens eine saubere Koalition geschlossen. Unser „Freisinn“ geht nämlich Hand in Hand mit den deutschradikalen Antisemiten des „Deutschen Nationalverband“ und treibt durch die antislavische Hetze die slavische Bevölkerung in die Arme der Christlichsozialen. — Im Sinne der Gewaltherrschaft der magyarischen Oligarchie über die Nichtmagyaren soll auch in Zisleithanien — versteht sich mit Hilfe der jüdischen Stimmen und des jüdischen Geldes — ein einseitiges Regime der deutsch-polnischen Bourgeoisie gegen alle anderen Klassen und Nationalitäten neuerdings aufgerichtet werden! Und für eine solche tatsächlich reaktionäre, 'hirnrissige Politik sollen die österreichischen Juden ihre Haut auf den Markt tragen, weil die Vorkämpfer dieser Politik sich „freisinnig“ und „demokratisch“ zu nennen belieben, obwohl sie die Bundesgenossen der Chauvinisten und Antisemiten im österreichischen Abgeordnetenhause sind. Und dabei wird immer wieder betont, was in Ungarn so schöne Früchte gezeitigt, müsse auch diesseits der Leitha möglich sein. » * Ja ist denn die ungarische Nationalitätenfrage schon gelöst und der Judenhaß in Ungarn-Kroatien schon verschwunden? Nach dem Wunsche und den Behauptungen der Wiener sowie der Pester pseudoliberalen Presse freilich. In der Tat aber besteht trotz des dummen Geschwätzes vom „einheitlichem ungarischen Nationalstaate“ in Ungarn eine Nationalitätenfrage von derselben Stärke wie in Böhmen und Galizien und der neueste Konflikt mit Kroatien beweist, daß auch die kroatische Frage weiter als je von der „Lösung“'entfernt ist. Nichts spricht für die Richtigkeit unserer Auffassung von der Intensität der ungarischen Nationalitätenfrage so sehr als der Umstand, daß der ungarische Reichstag sich in den letzten Wochen mit ihr beschäftigte, trotz des „Sieges„ der magyarischen Oligarchie und trotzdem die 12 Millionen Nichtmagyaren, also dieMehrheit der Landesbewohner 8, sage acht Vertreter, in der ungarischen „Volks“- vertretung zählen. Daß aber die ungarischen J u d e n keine besondere Ursache haben, sich über die wieder zur Herrschaft in Ungarn gelangte „freisinnige“ Majorität so besonders zu freuen, könnte ihnen schon der Umstand zeigen, daß von Seite der volksparteilichen Redner wiederholt mit Befriedigung konstatiert wurde, daß auf den Bänken der „nationalen Arbeiterpartei“ nicht-mehr der „doktrinäre Liberalismus“ von früher herrsche. Sapienti sat. Die ungarischen Juden aber — wir wetten drum — werden diese feine Andeutung nicht verstehen. * . * Genau so wie der „Liberalismus“ der magyarischen „nationalen Abeitspartei“, sieht jener der „serbo-kroatischen Koalition“ aus, an deren Spitze der Antisemitenhäuptling*Tuschan, der Begründer der antisemitischen Bewegung in Kroation steht! Die serbo-kroatische Koalition ist dieselbe gemischte Gesellschaft, wie ihre nun glücklicherweise verschiedene magyarische Schwesterpartei. Und sowie diese die ungarischen Juden, so hat jene die kroatischen getauscht. Aber nicht nur aus dem Aufstiege und Niedergange der kroatisch-serbischen Koalition und ihres ehemaligen geistigen Führers S u p i 1 o, sondern auch aus der Entwicklung der vom Judens t ä m m 1 i n g Dr. Josip Frank begründeten und nunmehr christlichsozial gewordenen Rechtspartei, können die kroatischen Juden ersehen, wie I korrupt und prinzipienlos alle kroatischen Parteien sind und wie sie der Chauvinismus und Antisemitismus durchseucht hat. Auch der kroatische „Freisinn“ ist ebenso wie der magyarische, der tschechische und deutsche nur ein Pionier der Reaktion. Diese aber kann nicht überwunden werden, ohne Herstellung der nationalen Ordnung und des nationalen Friedens im ganzen Reiche. Der Weg hiezu — auch in Kroatien — ist der nationale Föderalismus. Aus dem jüdischen Leben. Eine erschütternde Tragödie. Aus K a 1 i s c h wird geschrieben: Eine erschütternde Tragödie hat sich in dem Grenzort Klementow abgespielt. Ein 72 jähriger jüdischer Kaufmann weilte gerade bei seinem Schwiegersohn in Klementow zu Besuch, als das Haus von einer Räuberbande überfallen wurde. Bald lagen die Schwiegertochter und der Enkelsohn in ihrem Blute, und die Räuber machten sich mit reicher Bente davon. Der alte Mann, der plötzlich erwachte und die Greueltat erblickte, setzte den Mordbuben nach. Er erreichte sie zwar noch, vermochte aber nichts mit seinen schwachen Kräften und sank alsbald ebenfalls zu Tode getroffen nieder. Früh gegen 5 Uhr wurde er in einem Kornfelde als Leiche aufgefunden und am Sonntag bereits in Modrzejow zur letzten Ruhe gebettet. Die Tragik dieses Vorfalles wird dadurch erhöht, daß der Ermordete bei dem Pogrom in Kischenew bereits einen Sohn und eine Tochter durch Mörderhand verloren hatte. Den damals mit knapper Not den Fanatikern entkommenen Mann hat nunmehr dennoch dasselbe grausige Schicksal ereilt. Zurückweisung russischer Juden in Kanada. Wie die hiesigen Zeitungen berichten, haben sich vor kurzem verschiedene europäische und amerikanische jüdische Kolonisationsgesellschaften an das kanadische Einwanderungsamt mit der Bitte gewendet, mehreren tausend russischen Juden, die infolge der jüngsten Vertreibungen aus Rußland auswandern müssen, einige Kozessionen zu gewähren. Die betreffenden jüdischen Gesellschaften erklärten sich bereit, für die Uebersiedlungsspesen aufzukommen und dafür zu sorgen, daß die Einwanderer nicht mittellos in Kanada ankommen. Trotzdem die Petition der gedachten Gesellschaften von einfluß-