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Jüdische Zeitung · 1910-07-22 · 29 (22.7.1910) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
4 (1910)
Issue
29 (22.7.1910)
Date
1910-07-22
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 29 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 5 hat. Man konnte um so weniger glauben, daß man jetzt die Frage nochmals aufrollcn oder sogar ein Arbeitsverbot erlassen werde, als seither die Kolonisation sich weit und breit ausgedehnt hat und ein völliges Feiern der jüdischen Kolonisten während eines ganzen Jahres den Ruin fast aller in Palästina arbeitenden und erwerbenden Juden herbeiführen müßte. Leider aber ist dies geschehen. Der Rabbiner von Safed, ein in weiten Kreisen Palästinas wenig beliebter und wenig angesehener Mann, war der erste, der für ein Verbot der Arbeit eintrat. Natürlich konnten die Kolonisten darauf nicht eingehen. Sie hielten sich an die Anweisung des jetzigen Oberrabbiners Kuk in Jaffa, der bei seiner Ernennung ausdrücklich von den ersten Rabbinern Jerusalems (Salant und Diskin) auch für die Kolonien als der zuständige Rabbiner erklärt wurde und der das gesamte Problem der Schmittah in seinem groß angelegten Buche „Schabbath Ha-arez“ ausführlich behandelt hat. So ist das Jahr in Ruhe dahingegangen, als jetzt zum Schluß einige Winkelrabbiner Jerusalems, die von niemand als Autorität' angesehen werden, ein Verbot des Kaufs der jüdischen Produkte veröffentlicht haben. Wie leicht es diese Rabbinatsassistenten mit der Abfassung eines Verbots nehmen, das jüdische Existenzen in der empfindlichsten Weise schädigt, beweist auch folgender bezeichnender Vorfall: Ein Mann in Jerusalem, der, wie sich später herausstellte, völlig unglaubwürdig ist, begab sich zu den betreffenden Rabbinatsassistenten und erzählte ihnen, daß die Seife der jüdischen Fabrik in Ben- Schemen bei Lydda aus nicht koscherem Material hergestellt werde. Ohne lange Ueberlegung erließen darauf die Rabbinatsassistenten ein Verbot der jüdischen Seife schlechtweg durch öffentlichen Anschlag in den Straßen Jerusalems, ungeachtet dessen, daß die genannte Fabrik unter der Aufsicht des Oberrabbirters Kuk in Jaffa steht, und ohne zuerst bei den jüdischen Fabrikinhabern, die ausschließlich jüdische Arbeiter beschäftigen und vielen jüdischen Familien ehrlichen Broterwerb bieten, über den Sachverhalt anzufragen. Natürlich mußten sie nach wenigen Tagen in einem anderen Plakat das Ver- "bof ‘'zürffcttncWmen und' ausdrücklich' erklären,' daß auch nicht die geringste Grundlage für die Behauptung bestehe, als ob in der Fabrik von Ben-Schemen der Seife nicht koschere Bestandteile bei der Herstellung beigemengt würden. War schon dieser Vorfall geeignet, die weltfremden Jerusalemer Rabbinatsassistenten in einem merkwürdigen Lichte erscheinen zu lassen, so hat ihr respektloses Verhalten gegenüber dem Oberrabbiner Kuk, der anerkanntermaßen als einer der bedeutendsten Rabbiner Palästinas gilt, in den Kreisen der palästinischen Oithodoxie eine große Mißstimmung hervorgerufen. Selbst in Jerusalem sollen sich, wie verlautet, die unabhängigen Rabbiner zu einer Kundgebung gegen das Treiben der Friedensstörer zusammentun. ln Jaffa haben bereits mehrere Rabbiner einen geharnischten Protest erlassen, in welchem sie darauf hinweisen, wie sehr es den Bestimmungen unserer Lehre widerspricht, wenn sich Rabbiner geringeren Ranges gegen eine höhere talmudische Autorität auflehnen, und in welchem sie ferner klar dartun, daß das Verhalten dieser Jersalemer Gruppe lediglich dem Wunsche entsprungen ist, den Verfügungen des Oberrabbiners Kuk zuwiderzuhandeln. Die Beliebtheit des in hohem Ansehen stehenden, ebenso frommen wie gelehrten Rabbiners Kuk ist infolge der Quertreibereien dieser Feinde des Jischuw im ganzen Lande noch bedeutend gestiegen. Rabbi Jakob Meir und das Jerusalemer Großrabbinat. Aus Konstantinopel wird der „N. J. K.“ berichtet: Herr Hiskia Issaharolf, der bekannte Nabob der bucharisch-jüdischen Gemeinde in Jerusalem, ist Montag den 4. d. M. in unserer Stadt eingetroffen und reiste am 6. d. M. nach Saloniki, um den Rabbiner Jakob Meir, mit dem er befreundet ist, zu besuchen und ihn zu bestimmen, die Stelle des Chachambaschi von Jerusalem anzunehmen. Sowohl in Jerusalem als in Saloniki und in Konstantinopel sieht man dem Entschlüsse Rabbi Jakob Meirs mit gespannter Erwartung entgegen. Zu den Bodenkaufserschwerungen in Palästina. Es ist vollkommen unrichtig, daß die vom neuen Gouverneur von Jerusalem eingeführten Erschwerungen eine gegen die Juden und gar auf Befehl der Zentralregierung getroffene Maßregel seien. Der neue Beamte, der übrigens dem jüdischen Element sehr wohlgesinnt ist, suchte sich aus den alten Akten über die Obliegenheiten seines Amtes zu informieren und stieß dabei auf die administrativen Verordnungen aus dem alten Regime, die bekanntlich überhaupt den Bodenkauf an Ausländer in Palästina erschwerten. Er wandte sie sofort gewissenhaft und streng auf einige vorliegende Fälle an, woraus dann die pessimistisch übertriebenen Gerüchte entstanden. Auf zahlreichen Einspruch gegen diese Praxis hin wandte sich der Mutessarif nun nach Konstantinopel, um neue endgültige Weisungen zu erbitten Diese lauteten dahin, daß bis auf weiteres nach den alten Bestimmungen verfahren werden müsse, bis ein neues Gesetz die Frage regele. Es ergibt sich also, daß es sich nicht um eine gegen Juden speziell, sondern gegen alleAusländer gerichtete Praxis handelt, gegen die übrigens verschiedene Auslandsvertretungen bereits entschiedenen Protest eingelegt haben. '' Aus dem jüdischen Leben. Dumapräsident Gutschkow über die Judenfrage. Der Präsident der Reichsduma, der auf der Durchreise nach Sofia zum Panslawistenkongreß Odessa passierte, empfing den Vertreter der „Odesskija Nowosty“ und hatte mit ihm ein längeres Gespräch über die Judenfrage. Gutschkow sprach die Vermutung aus, daß die Gesetzesvorlage wegen Aufhebung des Ansiedlungsrayons von der Duma mit dqr Einschränkung angenonjmen werden wird, daß den Juden das Wohnrecht in den Städten, keineswegs aber in den Dörfern qingeräumt wird. Bezügiich der jüdischen Schulnot erklärte Gutschkow offenherzig, daß-er gegen die Aufhebung der Prozentnorm für jüdische Aspiranten ist, da in diesem Falle die Juden sehr bald die autochthonen Elemente aus den Schulen verdrängen wüden. Hingegen ist Gutschkow .für eineVermehrung. der Staat- ■ liehen Schulen; dadurch würden sich auch der jüdischen Schuljugend neue Bildungsmöglichkeiten eröffnen. Gutsckow verwies schließlich auf die in den Kreisen der Rechten geplante Vorlage betreffs Schaffung einer speziellen Hochschule für die Juden während die allgemeinen Hochschulen für sie ganz gesperrt werden sollen. Auf diese Weise würden die jüdischen Abiturienten Unterkunft finden und die russische Jugend vor dem „demoralisierenden politischen Einfluß der Juden“ bewahit bleiben. . . . Man sollte es gar nicht glauben, von welch zärtlicher Fürsorge für das Wohl der studierenden jüdischen Jugend die herrschenden Parteien in Rußland beseelt sind. Nun wollen sie sogar eine eigene jüdische Hochschule gründen. . . . Man darf der angekündigten Vorlage der Rechten mit einiger Spannung entgegensehen. Das fünfundzwanzigjährige Schriftstellerjubiläum Frugs. Der bekannte russisch-jüdische Dichter Samuel Frug feiert in diesem Sommer sein 25-jähriges Schriftstellerjubiläum. Frug war einer der ersten Wortführer der jüdisch-nationalen Idee die er dichterisch verherrlichte. Durch seine hervorragenden jüdischen Balladen und Legenden wie auch durch seine von edlem Pathos und poetischer Kraft getragenen Zionslieder hat sich Frug in weiten Volkskreisen eine außerordentliche Popularität erworben. Auch die russische Literaturgeschichte erkennt Frug als erstklassigen Dichter an. Frug hat auch in jüdischer Sprache viele hervorragende Gedichte geschrieben. Die jüdisch-israelitischen Kreise in Rußland treffen Vorbereitungen, um die Jubiläumsfeier des beliebten Dichters in gebührender Weise zu begehen. Vor einigen Monaten hat sich Frug aus Gesundheitsrücksichten in Odessa, dessen mildes Klima ihm zuträglich ist, niedergelassen. Ein neues jüdisches Theater in London. Eine Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 12.000 Pfund wurde diese Woche hier unter dem Namen „The Feinman Yidpish People’s Theatre Company“ zur Errichtung eines Jüdischen Theaters in White- . chapel gegründet. Die Gründer beabsichtigen ein modernes Theater zu bauen, das allen Ansprüchen der Kunst genügen soll. Das Unternehmen erfreut sich großer Beliebtheit in Eastend. Das Protokoll der russischen Rabbinerkonferenz. Die von der Rabbinerkonferenz zur Abfassung des Protokolls ihrer Verhandlungen eingesetzte Kommission hat ihre Arbeit unter der Leitung des Rechtsanwalts Sliosberg bereits beendet und wird das Protokoll demnächst der Regierung zur Genehmigung unterbreiten. In dem Bericht an die Regierung wird insbesondere für diejenigen Beschlüsse die Genehmigung erbeten, die die Bildung autonomer jüdischer Gemeinden zum Gegenstände haben. Diese Gemeinden sollen die religiösen und humantären Angelegenheiten ihrer Mitglieder selbständig regeln und insbesondere das Recht zur freien Rabbinerwahl haben. Bisher wurden bekanntlich die sogenannten „geistlichen“ Rabbiner von der Regierung überhaupt nicht anerkannt, und die als offizielle Oberhäupter der jüdischen Bevölkerung geltenden Kronrabbiner bedurften der behördlichen Genehmigung. Judenverfolgungen in Persien. Infolge der Vorstellungen, die bei den europäischen Gesandschaften in Teheran wegen der Angriffe auf Juden in verschiedenen persischen Städten, namentlich in Hamadan, erhoben worden waren, beauftragte der britische Gesandte den Konsularagenten in Hamadan eine genaue Untersuchung einzuleiten. Der Direktor der dortigen Allianceschule übergab dem britischen Konsularagenten das Aktenmaterial über den jungen Juden, der unter falscher Beschuldigung verhaftet worden war. Auch der französische Botschafter in Teheran hat an den persischen Minister der auswärtigen Angelegenheiten eine dringende Noie gerichtet und versprach dem Direktor der AHicnceschule, den weiteren Verlauf der Angelegenheit mit der größten Aufmerksamkeit verfolgen zu wollen. Ein „Feuerbuch“ zugunsten der jüdischen Abbrändler in Rußland. Der bekannte Jjrgonschriftsteller Scholem-Aleichem (S. Rabbinowitz), der gegenwärtig in Badenweiler (Schwarzwald) zur Kur weilt, erläßt im „Heed Hasman“ einen Aufruf an die jüdischen Schriftsteller, Journalisten, Zeichner und Komponisten Rußlands, in dem er folgende Aktion anregt: Es soll eine Sammelschrift in hebräischer, jüdischer und russischer Sprache mit Bilderschmuck uud musikalischen Beiträgen herausgegeben werden, deren Ertrag zum Besten der von der Feuersbrunst heimgesuchten|jüdischen Bevölkerung im Ansiedlungsrayon verwendet werden soll. Sämtliche literarischen, zeichnerischen und musikalischen Beiträge sollen unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden, desgleichen sollen jüdische Papierhändler das Papier umsonst liefern, und auch der Satz und Druck sowie die Buchbinderarbeiten usw. sollen ohne jedes Entgelt besorgt werden, so daß die Herstellung des „Feuerbuches“ — diesen Namen schlägt Scholem- Aleichem für das geplante Sammelwerk vor — völlig kostenlos erfolgen würde. Die jüdischen Zeitungen sollen Gratisannoncen betreffs der Sammelschrift aufnehmen, die jüdischen Buchhändler den Vertrieb unentgeltlich übernehmen. Ein eigenes Redaktionskomitee, das selbstverständlich ebenfalls unentgeltlich mitwirkt, soll sich an sämtliche bekannten Schriftsteller und Künstler Rußlands — eventuell auch an nichtjüdische — um literarische Beiträge, Autogramme, Zeichnungen, Kompositionen usw. wenden und alle erforderlichen Vorarbeiten leisten. — Auf diesen Aufruf hin haben sich bereits die Hand- und Maschinensetzer des „Heed Hasman“ bereit erklärt, zehn Bogen des geplanten Feuerbuchs unentgeltlich zu setzen. Zeitschriften und Bücherschau. Mitteilungen zur jüdischen Völkerkunde. Herausgegeben von Dr. Max Grunwald. 13. Jahrgang. 3. Heft. Wien 1910. Inhalt: M. Grunwald, Das Josefspiel. S. Weissenberg — M. Grunwald, Josef und seine Brüder. J. Wellesz, Volksmedizinisches aus dem jüdischen Mittelalter. B. Wachstein, Inlibris. N. Weldler, Kinderreime aus Galizien. — Bücherschau. — Berichtigungen von J. Löw und W. Bacher. — Beilage: M. Grunwald, Die Familie Arnstein. — Alle Sendungen werden erbeten an den Herausgeber, Wien, XV. Mariahilferstraße 167. „Ost und West“. Illustrierte Monatsschrift für das gesamte Judentum: Aus dem Inhalte des Juliheftes: Judenkörperschaft von Prof. Dr. Kalischer, Luisens Ehrenpfort und die Huldigung der Juden von Franz

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