Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 29 (22.7.1910)
- Date
- 1910-07-22
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 29 durch fortwährende Zwischenrufe, in denen er sich voll Neugier erkundigte, ob die Juden in Bulgarien viel Land besäßen und ob nicht etwa die ganze Industrie in ihrer Hand sei. Der Herr General wurde von Prof. Danailoff sehr kurz und entschieden abgefertigt Im übrigen fand vor Eröffnung des Kongresses eine von fortschrittlichen Studenten, Schriftstellern, Lehrern usw. veranstaltete Protestversammlung statt, in der auch die unmenschliche Bedrückung der Juden in Rußland eingehend besprochen und im Zusammenhänge damit nachdrücklich betont wurde, daß es in Bulgarien’ für Hooligans, Echtrussen und gesinnungsverwandte Elemente keine Sympathien gebe und daß das bulgarische Volk sich mit tiefem Abscheu von denjenigen Kreisen abwende, die in Rußland die schmachvolle Politik der Pogrome betreiben oder auch nur im entferntesten begünstigen. Der pogromlüsteme General und die übrigen Echtrussen — es befand sich unter ihnen sogar ein Vertreter des berüchtigten Verbandes des Erzengels Michael — sollen sehr enttäuscht und verstimmt die Heimreise angetreten haben. Parteinachrichten. Zionistischer Kongreß der eUdslavischen Akademiker. Der vierte zionistische Kongreß der jüdischen Hochschüler und Abiturienten aus den südslavischen Ländern veranstaltet von den akademischen Vereinen „Bar- Giora“, „Esperanza“ (Wien) und Judäa“ (Agram) findet am 21. und 22. August (und nicht wie irrtümlich publiziert wurde am 14.' und 15. August) in Sarajewo statt. Anläßlich des Kongresses findet eine große Bürgerversammlung statt. Referenten: Gg. Dr. Markus Ehrenpreis, Großrabbiner von Bulgarien und Dr. Heinrich Löwe, königlicher Bibliothekar in Berlin. Sämtliche Korrespondenzen in Sachen des Kongresses .,sinfi(, D. Kajon, Buchhandlung, Sarajewo. Das vorbereitende Komitee. Generalversammlung des Jüdischen Nationalfonds. Anläßlich der Jahreskonferenz in Berlin, fand am Dienstag den 28. Juni eine außerordentliche Generalversammlung des Jüdischen Nationalfonds statt, bei der nebst den Teilnehmern der Jahreskonferenz, folgende Mitglieder des Nationalfonds anwesend waren: Dr. M. J. Bodenheimer, Vorsitzender, D. Wolffsohn, stellvertretender Vorsitzender Prof. Dr. O. Warburg, Dr. A. Friedemann, J. Kretnenetzky, S. Rosenbaum, J. A. Rosoff, J. L. Goldberg. Dr. S. Franzie-Berenstein, Dr. Alexander Marmorek, A. Podlischewski. ferner H. Neumann, Sekretär der Genossenschaft. S. Hoofien, Direktor und N. Gross, Sekretär des Hauptbureaus in Köln. Durch Bevollmächtigte waren außerdem vertreten die Herren Dr. E. W. Tschlenow durch Herrn J. L. Goldbeig, H. Rosenbaum durch Herrn Prof. Dr. O. Warburg. Leopold Kessler und Samuel Pineies durch Herrn Dr. M. J. Bodenheimer, Jean Fischer durch Herrn D. Wolffsohn. Der Vorsitzende Herr Dr. Bodenheimer eröffnete die Versammlung und begrüßte die Gelegenheit, die es auch den Mitgliedern der Jahreskonferenz ermögliche, an den Beratungen des Nationalfonds teilzunehmen. Er gab sodann einen kurzen Rückblick auf die Tätigkeit des Hauptbureaus und der Landessammelstellen in den einzelnen Ländern seit Beginn dieses Jahres. Die Arbeitsgebiete des Hauptbureaus hätten sowohl quantitativ wie qualitativ in der letzten Zeit eine bedeutende Ausdehnung erfahren. Nichtsdestoweniger könne mit Genugtuung konstatiert werden, daß die Arbeit, sowohl nach innen wie nach außen, sich immer systematischer und erfolgreicher gestalte, was in erster Linie durch die anhaltende Steigerung der Einnahmen des Nationalfones dargetan wird. Die Tätigkeit des Hauptbureaus umfasse im allgemeinen folgende Hauptzweige: 1. Die Arbeit in Palästina, über welche die Anwesenden sich aus Berichten und den vorgelegten Protokollen der letzten Sitzungen unterrichten können. 2. Organisation. Darunter ist vor allem der Ausbau der bereits bestehenden und die Schaffung neuer Sammelstellen, und Nationalfondskommissionen zu verstehen. Dieses Tätigkeitsgebiet erfordere unendlich viel Mühe und Ausdauer sowie insbesondere große Opfer; phne dieselben sei jedoch ein Fortschreiten des Nationalfoonds nicht zu erzielen. 3. Propaganda. Obwohl wir dahin streben, daß jede Sammelstelle.. ihre Propagandamittel selbst herstellt, und alle .Gelegenheiten in ihrem Lande für die Agitation benutzt, ist das Hauptbureau doch für lange hinaus genötigt, die wichtigeren Flugschriften und Broschüren zu edieren und sie den Sammelstellen zur Verfügung zu stellen sowie des weiteren auf jeden Anlaß hinzuweisen, der für den Nationalfonds nutzbar gemacht werden kann. In den letzten Monaten haben wir u. a. die Broschüre des Gg. Adolf Böhm herausgegeben, die eine ausgezeichnete Zusammenfassung der Aufgaben des Nationalfonds enthält. 4. Sammelmittel. Das zukunftsreichste Sammelmittel, die Büchse, beginne endlich, dank der Maßnahmen des Hauptbureaus, die in sie gesetzten Hoffnungen zu erfüllen. Durch_ die Kartothek und v die auf Grund derselben vorgenommene stramme Kontrolle gestaltete sich das Ergebnis jeder einzelnen Büchse immer günstiger und ist — vorausgesetzt, daß wir von allen unsern Organisationen entsprechend unterstützt werden — schon in absehbarer Zeit ein vielfaches der jetzigen Erträge aus den Büchsen zu erwarten. Es gelangte hierauf der Punkt: .,Generelle Ermächtigung des Direktoriums zum Ankauf von Boden“ zur Verhahdlung. Die Ermächtigung war bereits von der fetzten Generalversammlung am 11. April dem Direktorium mit Rücksicht darauf erteilt worden, daß oft bei Bodenkäufen günstige Gelegenheiten verpaßt werden können, und daß sich nicht immer rasch genug die Einberufung einer Generalversammlung bewerkstelligen läßt. Da aber die letzte Generalversammlung dem Direktorium die...generelle’'Ermächtigung’• hür-;bis> zur"jahreskonferenz erteilt hat, so beschloß nun die außerordentliche Generalversammlung, dem Direktorium die endgültige generelle Ermächtigung zu erteilen. Ferner beschloß die Generalversammlung, unter noch vorher zu vereinbarenden Bedingungen, ein Depot in der Höhe von Frcs. 500.000.— bei der APC. zu hinterlegen. Der Vorsitzende gab sodann von verschiedenen Schriftstücken Kenntnis, die mit Bezug auf Beschlüsse der Generalversammlung und des Direktoriums vom 11. April zwischen dem Direktorium und Herrn Dr. Tschlenow gewechselt wurden. Die Generalversammlung faßte hierauf einstimmig den Beschluß, dem Direktorium das Vertrauen auszusprechen und demselben die erwähnten Schriftstücke zur Erledigung zu überweisen. * * * Während der Tagung der zionistischen Jahreskonferenz wurden ' auch Boardsitzungen des JCT. und der APC. und die XIII. ordentliche Generalversammlung des JCT., ferner auch Sitzungen des Aufsichtsrates und der Gründeraktionäre des JCT. abgehalten. An den Boardsitzungen nahmen teil die Herren Dr. N. Katzeneisohn, J. H. Kann, Joseph Cowen, Hugo Urysohn, M. Feldstein, Direktoren; J. Kremenetzky und D. Wolffsohn, Governors; T. Hirsch, Manager und H. Neumann, Sekretär. An der Boardsitzung der APC. nahm außer den vorgenannten Herren noch Herr J. L. Goldberg teil. In der Boardsitzung des JCT. wurden verschiedene Angelegenheiten formeller Art und mit Bezug auf die internen Geschäfte des Trusts erledigt. Unter den Beschlüssen, die von allgemeinem Interesse sind, sind besonders erwähnenswert: Ein Beschluß der APC. um fernere Pfund 30.000 Aktien zum 31. Dezember d. J. zu applizieren, und ein Beschluß, dahingehend, daß fortan bei allen Aktienverkäufen im Laufe des ersten Semesters eines jeden Jahres der Kupon für das laufende Jahr mitgegeben werden soll, dagegen aber bei Verkäufen im zweiten Semester eines jeden Jahres der Kupon für das laufende Jahr abgetrennt, respektive annulliert werden soll. Unter den Beschlüssen des Board der APC. sind hervorzuheben: Ein Beschluß, die Filiale Saffed nunmehr zu eröffnen, ferner ein Beschluß bezüglich, der Mitgabe, von Kupons-im selben Wortlaute wie der vom Board des JCT. gefaßte und oben erwähnte, und schließlich auf Verlangen des Managingdirektors in Jaffa ein Beschluß, ihm einen Beirat zur Seite zu steifen, welcher Herrn von Levontin behilflich sei und mit ihm wichtige Fragen und schwierige Vorfälle in der Tätigkeit der APC. beraten soll. Die Wahl der Mitglieder wird vom Direktorium getroffen werden. An der XIII. ordentlichen Generalversammlung des JCT. nahmen die Mitglieder der Jahreskonferenz und außerdem mehrere Berliner Aktionäre teil. Herr Dr. Katzeneisohn führte den Vorsitz. Der Bericht des Direktoriums und die Bilanz für das Jahr 1909 nebst dem Berichte der Bücherrevisoren wurden nach längerer Diskussion einstimmig angenommen und dem Direktorium die Decharge erteilt. Es wurde für das Jahr 1S09 eine Dividende von sechs Pence pro ein Pfund Aktie auf Kupon Nr. 6 erklärt. Der statutengemäß ausscheidende Direktor. Herr Hugo Urysohn, wurde zum Direktor wiedergewählt. Nach Erledigung einiger weiterer Punkte formeller Art wurde die Versammlung mit Dankesvoten an das Direktorium und die Beamten geschlossen. An der ^Sitzung des Aufsichtsrates nahmen teil die Herren D. Wolffsohn, Vorsitzender; Prof. Dr. O. Warburg, Dr. M. J. Bodenheimer, Doktor A. Friedemann, J. Kremenezky, Dr. A. Marmorek, S. Rosenbaum, A. Podlischewsky, J. A. Rosoff, J. L. Goldberg, Dr. S. Franzie Berenstein, Mitglieder des Aufsichtsrates; ferner die Herren Dr. N. Katze'nelsohn, J. H. Kann. Josef . Cowen, Hugo Urysohn und M. Feldstein, Mitglieder des Direktoriums; T. Hirsch, Manager und H. Neumann, Sekretär. Der Vorsitzende erstattete einen kurzen Bericht über die Angelegenheiten des JCT., der APC. und der ALBC., an welchen sich eine Diskussion über die internen Geschäfte der Banken anschloß. Beschlüsse von allgemeinem Interesse wurden in dieser Sitzung nicht gefaßt. Die Gründeraktionäre beschäftigten sich in ihrer Sitzung ausschließlich mit Angelegenheiten formeller Art. Palästinanachrichten. Zur Schmittahfrage in Palästina. Bekanntlich bildet das jetzt zu Ende gehende Jahr die vierte Schmittah in der Geschichte der neuen Kolonisation. Die erste Schmittah war im Jahre 1889, und da die Frage zu jener Zeit zum erstenmal auftauchte, so wurde sie in rabbinischen Kreisen verschieden beantwortet. Die Rabbiner Jerusalems bestanden auf der völligen Einstellung der Arbeit während des Schmittahjahres. Sie machten geltend, daß die Kolonisation noch (anno 1889) kleinen Umfangs sei und daß der damalige Protektor der Kolonisation, Baron Edmond Rothschild in Paris, den Kolonisten wohl über das Schmittahjahr hinweghelfen werde. Baron Rothschild lehnte es aber auf das entschiedenste ab, die feiernden Kolonisten schadlos zu halten. Und so sahen sich die größten rabbinischen Autoritäten, allen voran der gefeierte Rabbiner von Kowno, Rabbi Jizchok Elchonon s. A., ferner die Rabhiner von Bialystok, Bausck, Warschau auf Grund eingehenden Studiums der einschlägigen religionsgesetzlichen Literatur veranlaßt, die notwendigen Feldarbeiten nnter gewissen Modalitäten freizugeben. Inzwischen wurde Rabbi Naftali Herz zum Oberrabbiner von Jaffa gewählt, der sowohl wegen seiner rabbinischen Gelehrsamkeit wie auch wegen seiner Frömmigkeit in allen Kreisen in höchstem Ansehen stand. Als er daher in den beiden folgenden Schmittahjahren, 1896 und 1903, den Kolonisten erlaubte, die Feldarbeiten unter Beobachtung gewisser Vorschriften vorzunehmen, gaben die damals noch lebenden berühmten Rabbiner Jerusalems ihre vollständige Zustimmung zu seinem Vorgehen. Die einzelnen Bedingungen, unter denen die verschiedenen landwirtschaftlichen Arbeiten gestattet werden sollten, wurden ein für allemal im Einvernehmen mit den Rabbinern S. Salant und J. L. Diskin s. A. festgestellt. Seit damals herrschte im ganzen Lande die zuversichtliche Annahme, daß die heikle Frage ihre definitive Erledigung gefunden