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Jüdische Zeitung · 1910-06-03 · 22 (3.6.1910) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
4 (1910)
Issue
22 (3.6.1910)
Date
1910-06-03
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 22 Gleichberechtigung, sowie die Erlangung des Maximums der in der Diaspora realisierbaren nationalautonomen Rechte zweifellos zu den.bedeutendsten Aufgaben der jüdischen Demokratie. j Maxim Anin erblickt aber weder in der bürgerlichen und politischen Emanzipation, noch in der personal-nationalen Autonomie der Juden in den Ländern ihrer Diaspora eine endgiltige Lösung ihrer nationalen Frage, sondern nur in der Schaffung eines territorial-autonomen jüdischen Ge- ( meindewesens „durch die Kolonisation zur '■ Schaffung eines kompakten Kernes mit gesunder sozial-autonomischer und national-kultureller Entwicklung. Durch die Schaffung dieses Zentrums materieller und geistiger Kultur zur verhältnismäßig freien national-kulturellen Estwicklung der größeren Minoritäten in der Diaspora.“ Trotzdem diese Ausführungen für die Leser der „jüdischen Zeitung“ schon bekannte Wahrheiten enthalten, so muß doch dem Autor Dank dafür gezollt werden, daß er in einer übersichtlichen, populären und überzeugenden Weise in seiner kurz gehaltenen Schrift das Wesen der modernen Nationalitätenfrage, speziell der österreichischen, und der Judenfrage, in einer für propagandistische Zwecke geeigneten Weise darlegte. Parteinachrichten. Sitzung des Zionistischen Zentralkomitees für Westösterreich in Wien am 29. Mai 1910. Das am letzten Parteitage neu gebildete Zentralkomitee für Westösterreich hielt am 29. Mai in Wien seine zweite Sitzung ab. Den Vorsitz führte der Präsident Gg. Adolf Böhm. Anwesend waren ferner: Dr. O. A b e 1 e s, Wilhelm B e i g e 1, Dr. L. Meisel, Dr. E. M. Zweig-Wien, Dr. E. Mar gu 1 i es-Prag, G. Finzi -Troppau, Josef Süßmandel -Mähr.-Ostrau, A. Geller-Wien als Schriftführer. Einem Teile der Beratungen wohnte der frühere Präsident des Z.-K. Gg. Dr. Isidor Margulies bei. Der Sitzung lag ein ausführlicher Bericht des ' Zentralkomitees vor. Es kamen folgende Angelegenheiten zur Sprache: Schekel: Die Vertreter des Distriktskomitees erklärten, daß im nächsten Monat größere Beträge für Schekel einfließen werden. Vizepräsident: Zum Vizepräsidenten des Z. Z.-K. wurde Gg. Dr. Emil Margulies- Prag gewählt und beauftragt, als solcher an der Jahreskonferenz in Berlin teilzunehmen. Die Berichte betrafen die Einrichtung eines Rednerbureaus, das im Zuge ist, ferner die Herausgabe von Jugendschriften, für welche ein Komitee eingesetzt wurde, welches im Kurzen einen Aufruf veröffentlichen wird. Von Spenden seien bisher 250 K eingeflossen und weitere 100 K von Herrn Kremenetzky zugesagt. Es besteht kein Zweifel darüber, daß aus dieser Organisation viel Gutes hervorgehen werde, doch braucht natürlich die Entwicklung einige Zeit. Besonders angelegentlich wurde die Frage der Errichtung eines Büchervertriebes, respektive -Verlages in Wien erörtert und nach eingehender Beratung der Vorsitzende ermächtigt, mit den in Betracht kommenden Faktoren weiter zu verhandeln. Die Mitteilung, daß das Z.-B. beabsichtigt, zwei Broschüren zu edieren, welche die für das Judentum günstigen Ergebnisse des Buches von Dr. Zollschan popularisieren sollen, wurden mit lebhafter Befriedigung zur Kenntnis genommen. Der Vorsitzende referierte auch über die Uebernahme der Zeitschrift „Palästina“ und macht die Mitteilung, daß sowohl in Bezug auf Mitarbeit als auch Anwerben von Abonnenten die befreundeten Organisationen in bereitwilliger Weise mitzuhelfen bereit sind und daß schon jetzt vor Erscheinen der ersten Nummer über 200 neue Interessenten sich gemeldet haben. Die Teilnehmer an der Sitzung versprachen eine lebhafte Agitation zu entfalten und zweifeln nicht daran, daß es gelingen wird, einige hundert Exemplare in Westösterreich abzusetzen. Den Vereinen, die mindestens 50 Exemplare auf einmal beziehen und bezahlen, wurde eine Ermäßigung um 331/3 % (2 K pro Jahr) bewilligt S iedl u ngs gen osse ns ch aft. Nachdem Westösterreich schon 5000 K für diese nach Köln abgeführt hat, so beschloß die Sitzung des Z.-K. nach dem Kontingentierungsvorschlage des Herrn Böhm für die Aufbringung von noch je 1200 K per Distrikt, also 3600 K, tätig zu sein, dann aber die Aktion für die Siedlungsgenossenschaft einzustellen und sich anderen Sammelzvvecken zuzuwenden. ln der Angelegenheit York-Steiner beschloß das Z.-K., demselben, nachdem er bisher weder geantwortet, noch sein Schiedsgericht nominiert hat, eine Frist von acht Tagen zu geben, um dies zu tun, widrigenfalls das Z.-K. auch die anderen beiden Schiedsrichter nominieren werde. Der Vorsitzende berichtet noch über die Anschaffung eines Lichtbildervortrages, ferner über die Politische Konferenz in Krakau, von deren Verlauf er vertrauliche Mitteilungen macht; die Sitzung beschäftigt sich sodann mit der Frage der Einleitung einer Aktion zur Erweiterung des Kultuswahlrechtes. Es wurde beschlossen, damit bis zum Herbste zu zu warten, dann jedoch in energischer Weise die ganze Frage der Jüdengesetzgebung in Oesterreich zur öffentlichen Diskussion zu stellen. Bis dahin soll Material gesammelt werden, um eine Arbeit über die Kultusgemeinden in Oesterreich zu edieren. Die Sitzung beschäftigt sich mit der Ausgestaltung der „Jüdischen Zeitung“ und mit jener der Verbreitung der Hebräischen Sprache in Westösterreich, ferner wurde eingehend der Modus diskutiert, in welcher Weise man mit dem D.-K. und dem Z.Z.-V. eventuell mit der Sammelstelle in Wien ein Sekretariat zu schaffen imstande wäre. Es wurde eine bestimmte Persönlichkeit in Aussicht genommen, so daß die Hoffnung begründet ist, das Sekretariat bereits am 1. Juli ins Leben zu rufen. Ferner wurde mit Befriedigung festgestellt, daß sich das Palästina-Informationsbur .e a u gut entwickelt und seine Funktionen aufs Beste erfüllt In der Nachmittagssitzung kam die Frage des Preßfppds in eingehender Weise zur Sprache. Die diesbezügliche Debatte wurde als vertraulich erklärt. Es wurde einstimmig beschlossen, eine energische Aktion für den Preßfonds einzuleiten. Sodann wurde die Frage der Anteilnahme an der Berliner Vorkonferenz erörtert und beschlossen, dieselbe nur in dem Falle zu beschicken, wenn sie tatsächlich nur eine Aussprache zwischen den Landsmannschaften darstellen werde, da ja die Verhandlungen mit dem EAC. auf der Jahreskonferenz selbst stattfinden werden. Es wurde einstimmig betont, daß es notwendig sei, in Berlin in der Frage der Leitung zu einer Einigung zu kommen, um dem Provisorium, welches für die Bewegung schädlich sei, ein Ende zu bereiten. Sollten die Berliner Verhandlungen zu einem Resultat führen, so sollte noch in diesem Jahre ein außerordentlicher Kongreß abgehalten werden, der sich ausschließlich mit der Schaffung einer definitiven Leitung zu befassen hätte. Als seine Vertreter zur Vorkonferenz nominierte das Z.-K. die Gg. A. Böhm, Dr. Emi Margulies und Dr. Isidor Margulies, denen einstimmig gefaßte Beschlüsse zur Richtschnur für ihr Verhalten auf den Weg gegeben wurden. Bezüglich der Jahreskonferenz wurden gleichfalls einige als vertraulich erklärte Beschlüsse auf Grund, der Parteitagsresolutionen gefaßt Schließlich wurde noch die Eintragung des früheren Präsidenten in das Goldene Buch desJNF. beschlossen. * * * Sitzung des Engeren Aktionskomitees. Am Dienstag den 24. Mai fand im Zionistischen Zentralbureau zu Köln eine Sitzung ges Engeren Aktionskomitees statt, an der sämtliche Mitglieder desselben, Präsident Wolffsohn, J. H. Kann und Prof. Warburg teilnahmen. Außerdem wurden zu den Beratungen zugezogen der Vorsitzende des J. N. F., Herr Dr. Bodenheimer, Herr Agronom Aaronson,- Herr Dr. W. Munk aus Berlin, sowie der Direktor des Zentralbureaus Herr S. Hoofien und Herr Dr. M. Rosenblüth als Sekretär. Den Hauptpunkt der Verhandlungen bildete die Vorbereitung der bevorstehenden Jahreskonferenz. Die Tagesordnung derselben wurde durchbesprochen und festgestellt. Ausführliche Beratungen fanden statt über die Neueinrichtungen innerhalb der Organisation, welche das E. A. C. der Jahreskonferenz vorschlagen wird. Das der Jahreskonferenz vorzulegende Budget für das nächste Jahr wurde durchberaten; der Jahreskonferenz werden Vorschläge für die Deckung der vorgesehenen Ausgaben unterbreitet werden. Es wurde beschlossen, die Beschlußfassung über die Preßangelegenheiten bis zur Jahreskonferenz auszusetzen. Herr Prof. Warburg erstattete Bericht über den Fortgang der Arbeiten der Agrar-Kreditbank- Kommission. Herr Dr. Oppenheimer wird über das Projekt der Siedlungsgenossenschaft sowie über seine Reise nach Palästina der Jahreskonferenz referieren. Herr Agronom Aaronson, der nunmehr aus Amerika zurückgekehrt ist, berichtete über die landwirtschaftliche Versuchsstation in Palästina, deren Zustandekommen gesichert ist. (Wir berichten darüber an anderer Stelle. D. R.) Ferner wurden über eine Reihe organisatorischer und interner Angelegenheiten eingehende Beratungen gepflogen und Beschlüsse gefaßt. * * * Bureau des Jüdischen Nationalvereines für politischen Rechtsschutz. Der Jüdische Nationalverein für Oesterreich hat in der Erkenntnis der Notwendigkeit des Schutzes der politischen Rechte der Juden Oesterreichs beschlossen, ein Bureau für diesen Zweck ins Leben zu rufen. Folgende Herren haben ihre Mitwirkung zugesagt: Dr. Oskar Marian, Doktor Michal Feuerstein, Dr. Wilhelm Klein, Dr. Egon Zweig, Dr. Alfred Lanzer, Dr. Leopold Meisel, Dr. Jakob Kommer, Dr. Leo Blum, Dr. Jakob Kohn, Dr. David Rothblum, Dr. Emil Krasny, Dr. Max Bernhardt, Dr. Arthur Immerglück, Dr. Isidor Margulies, Dr. Jakob Ehrlich, Dr. Heinrich Gabel, Dr. Maximilian Piekarsky, Dr. Armin Fischl. Auskünfte werden im Redaktionslokal der „Jüdischen Zeitung“, Wien, IX/’, Liechten stein s'traße II, erteilt. Franz Oppenheimer über die Siedelungs-Genossenschaft. Das „Frankfurter israelitische Familienblatt“ veröffentlichte in seiner Nummer vom 27. Mai ein Interview mit dem aus Palästina zurückgekehrten Dr. Franz Oppenhe imer. Wir entnehmen demselben folgendes: Dr. Oppenheimer äußerte sich über die ökonomische Lage in den jüdischen Kolonien: „Die allgemeine ökonomische Lage ist eine solide, aber es ist möglich, sie noch zu verbessern. Boden haben die Kolonisten genug, und noch mehr als genug — zu viel. Darum wird der Boden nicht intensiv genug bearbeitet. Die Mehrzahl der Kolonisten sind gute Erdarbeiter, aber schlechte Bauern; es fehlen ihnen die Kenntnisse, die zu einer rationellen Bodenwirtschaft gehören. Es hat mich sehr überrascht, zu sehen, wie wenig, fast garnicht, man sich mit Viehzucht beschäftigt. Warum tun sie es nicht? Ich verstehe es nicht. Und weil sie es nicht tun, fehlt es ihnen auch an Dünger, ohne welchen eine Verbesserung des Bodens unmöglich ist.“ Die Bedingungen für genossenschaftliche Kolonisation erscheinen ihm folgendermaßen: „Zwei Fragen haben mich interessiert, als ich Erez-Jisroel durchreiste: 1. In Bezug auf das Land. Ob der Boden zur Führung einer intensiven Wirtschaft gut ist, und 2. In Bezug auf die dortigen Menschen. Ob ich die nötige Anzahl tüchtiger, gesunder und verständiger Arbeiter finden werde, die nötig sind, wenn unser Unternehmen einen Erfolg haben soll. Auf die erste kann ich antworten, daß das, was ich dort angetroffen habe, meine Erwartungen übertraf. Der Boden ist vorzüglich, Wasser ist genug da. Manche Ländereien wären sogar in Europa eine Seltenheit. Es ist die vollständige Möglichkeit vorhanden, eine rationelle Wirtschaft zu führen. Auch Viehzucht kann man da treiben. Es ist möglich, einen Absatzmarkt in den Städten für die Milcherzeugnisse zu finden, auch Dünger werden

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