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Jüdische Zeitung · 1910-04-22 · 16 (22.4.1910) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
4 (1910)
Issue
16 (22.4.1910)
Date
1910-04-22
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 16 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 7 Ein jüdisch-literarischer Abend. Der neugegründete Verein „Hasomir“, der bestrebt ist, das Interesse der jüdischen Kunst und Literatur zu wecken, veranstaltete Dienstag den 12. d. M. im Saale des „Jüdischen Theaters“ einen Abend, welcher durch Vorträge jüdischer Lieder eingeleilet wurde. Herr M. Si eg 1 er und Fräulein Elise Weintraub (beide vom jüdischen Theater) sangen Volkslieder und entzückten das zahlreiche Publikum. Hierauf sprach Herr A. Loubetsky über „Perez Hirschbein“ als Dramatiker. Vortragender setzte vorerst Ziele und Zwecke des neuen Vereines auseinander. Als wichtigstes Ziel bezeichnete er die Vereinigung des „Menschen“ und „Juden“ in der Kunst zu einem harmonischen natürlichen Ganzen. Hierauf entwarf er einen kurzen Ueberblick über die Entwicklung des jüdischen Dramas, das in den Werken der jungen jüdischen Schriftsteller, besonders in denen des Perez Hirschbein eine ziemlich hohe künstlerische Stufe erreicht hat. Der Abschluß des Abend bildete die Aufführung des Dramas „Neweyle“ (Aas) von Perez Hirschbein. Die „Neweyle“ ist ein realistisches Drama voll düsterer und packender Szenen. Die Hauptfigur, der Pferdeschinder Mendel, der seines Berufes . wegen „Neweyle“ genannt wird, erfordert tüchtiges Können. Man muß daher mit besonderem Lob hervorheben, daß das Spiel des Herrn Aschkewary, der diese Figur darstellte, tadellos war. Rühmend seien auch die anderen Schauspieler darunter Frau Rosa S i g 1 e r (als Sprinze und Resel), welche sowohl als junges Mädchen im 1., 2. und 4., wie auch als alte kranke Frau im 3. Akte ein schönes Können verriet, in erster Reihe, sowie Herr Siegler und Frl. Weintraub erwähnt. Das Publikum spendete den Darstellern lauten und aufrichtigen Beifall. * * * Samstag den 9. d. fand die konstituierende Generalversammlung des Vereines „Hasomir“ statt, in welcher [Herr A. Loubetzky zum Obmann, Herr Bernhard Tag zum Obmannstellvertreter; Dr. Ostiller, Dr. Goldhammer, Dr. Lifczis und Herr A. Singer in den Ausschuß des Vereines gewähltwurden. An die Generalversammlung schlossen sich Liedervorträge des Herrn Siegler und des Frl. Weintraub sowie eine Vorlesung des Herrn Gottlieb aus Werken Scholem Aleichems an. Par tei nachr i ch ten. Aufruf! Der westösterreichische Zionistentag hat in Uebereinstimmung mit dem IX. Zionistenkongreß einstimmig den Wunsch nach praktischer Gegenwartsarbeit in Palästina ausgesprochen. Das innerösterreichische Distriktskomitee leistet freudig diesem Rufe Folge, indem es sich anschickt, als Erstes eine Aktion zu Gunsten jener wirtschaftlichen Palästinainstitutionen einzuleiten, welche eine großzügige Kolonisation des Landes zum Zwecke haben. Die Arbeit dient also in erster Linie der Oppenheimerschen Siedlungsgenossenschaft und der Palestine-Land-Developement-Company, für die es gilt, eine größtmögliche Zahl von Anteilscheinen uud Aktien in Wien abzusetzen; denn finanzieren wir nicht unsere wirtschaftlichen Institutionen, so sind alle Worte von praktischer Arbeit in Palästina Phrasen. Das DK., welches nur aus wenigen Gesinnungsgenossen besteht, ist jedoch nicht in der Lage, die große Arbeit von persönlichen Gängen und Besuchen, die mit der beabsichtigten Aktion notwendigerweise verbunden ist, ganz allein zu machen. Wir richten daher an alle Freunde und Gesinnungsgenossen, welche zu einem noch bekanntzugebenden Zeitpunkt einige Stunden der Sache opfern wollen, das dringende Ersuchen, dem DK. ehestens Name und Adresse bekanntzugeben, damit wir uns im nötigen Falle an sie wenden können. Wir hoffen hiemit keine Fehlbitte an die Wiener Zionisten zu tun; denn es wurde schon auf so vielen zionistischen Tagungen der Wunsch nach einem rascheren Tempo der Arbeit ausgesprochen, daß jetzt sicherlich die Gesinnungsgenossen freudig die Gelegenheit ergreifen werden, um bei einer großzügigen Aktion tätig mitzuhelfen. Für das i.-ö. DK. Emil Kugel. Dr. Leop. Meisl. Freies zionistisches Seminar. Am 17. März d. J. hielt Gg. Dr. Schön wald das Referat über Dr. Zollschans Buch „Das jüdische Rassenproblem“. Unter den Anwesenden befand sich der Autor des Buches, ferner Professor Dr. Obermayer von der orientalischen Akademie und Universitätsprofessor Dr. Leon Kellner. Leider lassen sich die glänzenden, plastischen Ausführungen des Referenten auszugsweise nicht gut wiedergeben. Besonders interessant war die Charakterisierung der germanischen Rassentheoretiker, deren, pseudowissenschaftliche „Erkenntnis“, alles Gute und Edle in der Welt sei germanischen Ursprungs, schon an Wahnsinn grenze. Zollschan weist nach, daß es eine indogermanische oder arische Rasse nicht gibt, sondern lediglich eine Sprachgemeinschaft der Völker, welche zu dieser Rasse gezählt werden. Es könne nur von zwei Rassen in Europa die Rede sein, einer blonden und einer schwarzen; zu letzterer sind außer den Juden auch die alten Griechen und Römer, die hervorragenden Kulturvölker der Antike, zu zählen. Mit besonderer Wärme schilderte der Referent die Periode der jüdisch-arabischen Kultur in Spanien, deren Einfluß auf die Renaissance der Juden sei durch Zollschans Buch entgiltig zerstört und vielmehr der Nachweis geliefert, daß die möglichst reine Weitererhaltung der jüdischen Rasse der menschlichen Kultur förderlich sei. Den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen folgte eine anregende Debatte, an welcher sich die Gg. Gg. Dr. Weisengrün, Professor Dr. Kellner, Dr. Zollschan und der Referent beteiligten' Die drei letzten Redner hoben auch hervor, daß nur mißverständliche Auffassung in dem Buche eine Spitze gegen den Zionismus erblicken könne. Der Autor wollte mit den Schlußausführungen seines Buches sagen, was der Zionismus bisher geleistet hat, sei zu wenig, als daß es die gewünschte Erhaltung der Rasse verbürgen würde. Bedeutend mehr müsse geschehe, um dieses Ziel zu erreichen. Jetzt, wo er die Bedeutung der jüdischen Rasse für die Kultur nachgewiesen habe, glaube er auch auf ein um viel beschleunigteres Tempo in der Repatriierung der Juden in Palästina hoffen zu können. Nicht zur Verstimmung brauche das Buch den Zionisten Anlaß zu geben, ein Ansporn soll es vielmehr für sie sein. Die Rede Wolffsohns auf dem galizischen Parteitag. (Schluß.) In einer Versammlung wie der ihrigen, in einer Tagung von zionistischen Delegierten, die sich jahrein jahraus mit der Sache beschäftigen, halte ich es für überflüssig, über das, was geschaffen worden ist, zu sprechen. Dagegen will ich ihnen etwas über unsere Arbeit in der Zukunft sagen. Nach meiner Ansicht müssen wir, nachdem wir jetzt größere Möglichkeiten dazu haben, praktisch in Palästina arbeiten, wenn auch vorsichtig, so doch in schnellerem Tempo, als dies bisher der Fall gewesen ist. Wir können es jetzt auch sicherer und ruhiger tun. Früher hatten wir es mit einer Regierung zu tun, an deren Spitze ein Selbstherrscher stand. Wir mußten damals eine Politik verfolgen, die mit dem Worte Charter gekennzeichnet wurde. Dr. Nordau hat in seiner Kongreßrede unter allgemeiner Zustimmung den Charter falten lassen. Aber auch da ist ein kleines Mißverständnis eingetreten. Was ist ein Charter? Doch nichts anderes als ein Vertrag. In unserem Falle ein Vertrag mit einer Regierung. Wenn man ein Schiff für eine Reise mietet, so chartert man es, man schließt einen „Charter“ mit dem Rheder. Nicht das Wort, die Bezeichnung ist von Bedeutung, sondern der Inhalt. Wir können auch das, was wir heute von der türkischen Regierung verlangen, als Charter bezeichnen. Dr. Herzl hat den Charter vom Sultan nicht erreicht. Wir können ihn auch von der heutigen Türkei, von der modernen Regierung verlangen. Ich gehe noch weiter: Wir können heute sogar noch mehr erlangen, weil eine Reihe von Konzessionen für die Sicherheit unseres Lebens und unseres Kapitals, eine Reihe unserer Grundbedingungen, die wir früher unter der Garantie der Mächte forderten, nun wegfällt, weil in der Türkei jetzt Freiheit herrscht, weil dort jetzt eine Regierung besteht, die sich bemüht, das, was wir als Grundbedingung aufstellen, für die Bewohner der ganzen Türkei zu schaffen. Wir können heute viel eher praktische Arbeiten in Angriff nehmen als vorher, weil heute andere Bedingungen hiefür geschaffen worden sind, oder richtiger gesagt, geschaffen werden sollen. Die Türkei hat noch viel zu tun, bis sie solche Ordnung schaffen wird, wie sie in jedem Kulturstaate herrscht. Bis es so weit ist, wird das türkische Volk und die Regierung noch viel zu arbeiten haben. Es will aber alles seine Zeit haben. Aber wir können es mit fester Ucber zeugung aussprechen, daß es von Jahr zu Jahr besser sein wird. Unter solchen Bedingungen ist es viel eher möglich, praktisch zu arbeiten. Und ich kann ihnen die Versicherung geben, daß wir in der Leitung immer an großen Plänen arbeiten, großen Plänen in aem Sinne, wie ich vorhin ausgeführt habe, Plänen, die nicht nur für Zehn oder Hundert, meinetwegen Tausend, sondern für uns, für das ganze Land von dem größten Vorteile sein können, und ich hoffe, daß unter den heutigen Verhältnissen diese Arbeiten sich leichter werden durchführen lassen, als früher. Meine Damen und Herren! Auf die hiesigen lokalen Verhältnisse will ich nicht eingehen. In Ihre politischen Fragen darf sich die Leitung nicht einmengen. Das sind Angelegenheiten, die in jedem Lande von den Zionisten des Landes selbst ausgetragen werden müssen. Ich glaube, man ist mir in Galizien böse gewesen, weil ich nicht in Ihre innere Politik eingegriffen habe. Das darf ich aber nicht tun. Die Landespolitik ist Ihre Sache. Was ich verlangen darf und muß, ist, daß alles, was unternommen wird, sich innerhalb des Rahmens unseres politischen Prinzipes hält und daß darüber nicht das große Ziel aus den Augen verloren wird, daß diese Arbeit nicht Selbstzweck wird, sondern Mittel zum Ziel bleibt. Im übrigen müssen Sie über diese Fragen selbst abstimmen. Ich muß aber sagen: ich bin stolz auf die zionistischen Abgeordneten, ich bin stolz darauf, daß Sie aus Ihrer Mitte vier Männer in das Reichsparlament entsendet haben. (Lebhafter Beifall). Der Präsident der zionistischen Organisation hat es nicht sehr gut. Ich will mich durchaus nicht beklagen, aber es ist gut, daß Sie es auch wissen. Wenn der Präsident irgendeines Staates, oder der Präsident irgendeiner andern großen Organisation zu einer Versammlung kommt, dann bringt er seinen Leuten etwas mit, dann regnet es Orden, werden Titel verliehen und Würden ausgeteilt. Der Präsident der zionistischen Organisation hat keine Titel zu verleihen, keine Orden zu verteilen, hat nichts zu geben; er kommt und verlangt etwas. Er verlangt, man soll ihm etwas geben. Er verlangt es nicht nur, er schreit ab und zu und drängt, was man ihm sehr oft übelgenommen hat, das er immer Schkolim und Schkolim und wieder Geld will. Sehr beliebt wird man dadurch nicht. Aber wir dürfen nicht vergessen, daß das notwendig ist, wenn wir existieren wollen. Dann verlangt man vom Präsidenten, er soll doch auch andere zulassen, damit sie mitarbeiten. Und wenn das nicht geschieht, wenn z. B. wie es am letzten Kongreß der Fall war, ich mich dagegen gesträubt habe, weil ich gesehen habe, daß die Arbeit auf dieser Weise nicht vorwärts kommen kann, dann hat man mich einen Autokraten genannt, dann hat mann von mit gesagt, daß ich zu selbstherrisch bin, daß ich andere zur Arbeit nicht zulassen will. Meine Damen und Herren! Ich glaube nicht, daß es einer von den Herren der Opposition so sehnlich gewünscht har, daß auch andere mitarbeiten sollen, wie ich es vom Herzen wünschte. Aber ich will Mitarbeiter haben. Ich habe auf dem Kongreß gesagt, daß ich Mitglieder des EAC. welche über die ganze Welt zersreut sind, nicht gebrauchen kann, Sendern daß in das EAC., wenn es vergrößert werden soll, auch tatsächliche Mitarbeiter hineinkommen müssen. Man mag über den Umstand, daß die Leitung die alte geblieben ist, denken wie man will. Das eine muß wohl jeder verstehen, daß wieder Frieden in unsere Reihen einkehren soll. Und das ist es, was ich Sie bitte, das soll Ihnen zur Richtschnur dienen. Ich selbst bemühe mich, den Weg zu finden, daß wir wieder Frieden unter uns machen, daß die Opposition wieder zur Arbeit herangezogen wird, daß wir uns wieder verständigen. Ich beabsichtige, bei der nächsten Sitzung des Großen A. C. oder bei der Jahreskonferenz Vorschläge für eine Erweiterung des E. A. C. zu machen, daß für die Leitung eine ganze Reihe neuer Männer herangezogen wurde. Ich beabsichtige vorzuschlagen, daß vielleicht ein großes „kleines A. C.“ gebildet werde, welches in erster Linie die Präsidenten unserer Institutionen; dann aber auch eine Reihe von führenden Zionisten aus verschiedenen Ländern umfaßt, damit wir gemeinsam arbeiten können. (Stürmischer Beifall.) Bis dahin aber,

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