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Jüdische Zeitung · 1910-04-15 · 15 (15.4.1910) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
4 (1910)
Issue
15 (15.4.1910)
Date
1910-04-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 15 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 3 von der PLDC. zu gründenden Siedelungen werden nicht Kolonieen im alten palästinensischen Stile sein, deren Geldeswert garnicht oder nur mangelhaft und auf Umwegen wieder herausgebracht werden kann, sondern in unserem Falle gelangt das im Boden steckende Kapital durch die Rückzahlungen immer von neuem in die Hände der Gesellschaft, die aus diesen Mitteln neuen Boden kauft. Es handelt sich also nicht um ein Stück Kleinarbeit, sondern um kolonisatorische Tätigkeit nach der großzügigsten Methode, bei der das Kapital andauernd in voller Höhe erhalten bleibt. Unser Fonds aber soll dazu dienen, die Maschine in Betrieb zu setzen. Ich rekapituliere als die wichtigste Feststellung, daß der Aktienverkauf keine Aussicht hat, einen wesentlich größeren Umfang arizunehmen als bisher, daß unsere Chancen dagegen recht bedeutend sind, wenn wir nur für zwei Fonds sammeln, hierfür jede beliebige Spende entgegennehmen und endlich die Möglichkeit haben, auch an Nichtzionisten werbend heranzutreten. Ich stelle meinen Vorschlag und hoffe, daß er eben so rasch innerhalb der Leitung wie in der Presse und in den einzelnen Ortsgruppen Zustimmung finden wird. Er gibt uns die Möglichkeit, unser Streben nach realer Palästinaarbeit zu betätigen. Ich hoffe ferner, daß sich die Vertrauensmänner und die Sammelstellen des NF. der neuen Sache bereitwillig zur Verfügung stellen werden. Es ist kein Grund einzusehen, warum nicht schon in vier Wochen eine frisch-fröhliche Arbeit unter der Parole' einsetzen könnte: Zionisten, sammelt für den Nationalfonds und für den Kolonialfonds! Die IX. Landeskoriferenz der galizischen Jaden. (Von unserem Spezialkorresponäenten.) Mit der Annahme des vorgelegten Organisationsprojektes und der Wahl eines neuen ZK. schloß die Landeskonferenz der galizischen Zionisten, nachdem Dr. Thon auf die Erstattung seines Referates über die „gegenwärtige Lage im Zionismus“ verzichtet hatte. Die Konferenz hatte keine prinzipiellen Fragen aufgeworfen und darum auch keine leidenschaftlichen großzügigen Debatten gezeitigt. Der Punkt der Tagesordnung, der einigermaßen strittig war, die Organisationsänderung, wurde fast debattenlos — allerdings nur provisorisch für ein Jahr — angenommen. Mit Recht konnte der Vorsitzende Abgeordneter Stand in seiner Schlußrede darauf hinweisen, daß die Konferenz die ruhigste und äußerlich würdigste gewesen sei, die je in Galizien getagt hat. Wenn wir ein allgemeines Werturteil über diese Tagung abgeben wollten, so müßten wir lediglich sagen, daß sie eine äußerst schön verlaufene Demonstration der galizischen Zionisten war, daß sie hingegen den wichtigen Fragen innerhalb des österreichischen Zionismus, der Stellungnahme zur allgemeinen Organisation, aus dem Wege gegangen ist. Nicht daß wir auf dem Standpunkt verharren würden, man müsse zu Köln in Opposition stehen! Wir meinen nur, daß dieses Verhältnis, sei es Gegensatz oder Einverständnis, klar formuliert sein muß. So aber müssen wir leider feststellen, daß die galizischen Gesinnungsgenossen, deren Opferwilligkeit und Parteitreue über jeden Zweifel erhaben ist, eigentlich nie eindeutig erklärt haben, was sie für die nächsten und besten Wege der zionistischen Taktik halten, was sie dazu bewogen hat, auf dem Hamburger Kongresse oppositionell und auf der galizischen Landeskonferenz — wenn man so sagen darf — lammfromm-loyal zu sein. Wohl stehen dazwischen die Erklärungen des Präsidenten Wolifsohn am erstenTage der Verhandlungen in Lemberg. Doch unterscheiden sich diese von den am Kongresse abgegebenen fast in gar nichts und waren in ganz allgemeinen Wendungen gehalten. Der tiefgreifendste Unterschied zwischen den Auffassungen der Leitung und der Opposition, mechanische und evolutionär-kulturelle Realisierung des zionistischen Ideals, kam nicht einmal zum Bewußtseifi! Es kann jedoch nicht gesagt werden, daß dadurch aie schwebenden Fragen für immer begraben wären. Sie sind latent und werden späterhin beantwortet werden müssen. Irri nachstehenden seien die wichtigsten Reden auszugsweise wiedergegeben: Rechenschaftsbericht des abtretenden Zentralkomitees. Das abtretende ZK. hat sich bemüht in der abgelaufenen Amtierungsperiode die drei wichtigsten Aufgaben der zionistischen Partei in Galizien gleichmäßig zu behandeln. So wurde denn sowohl auf rein zionistisch-palästinensischem, als auch auf dem politischen und organisatorischem Gebiete alles unternommen, was Augenblick und Verhältnisse erheischten und ermöglichten. Im abgelaufenen Jahre wurden 6116 Schekolim, beträchtlich mehr als im Vorjahre, verkauft. Die Einnahmen des ZK. betrugen 6658, die Ausgaben 5844 Kronen. Die Pälästinaarbeit wurde dank dem Leiter des Palästinaressorts Herrn Dr. Hausmann, in intensiverer Weise als in den vorhergehenden Jahren betrieben. Die Beteiligung der galizischen Zionisten am IX. Kongreß war ungewöhnlich zahlreich. Als Leistung auf kulturellem Gebiete ist zu verzeichnen die Gründung des hebräischen Schulvereines, der berufen erscheint, eine große Rolle in unserer Aufklärungsarbeit zu spielen. Als Betätigung auf politischem Gebiete ist vor allem die Beteiligung bei der Reichsratsersatzwahl in Böbrka-Zydaczöw zu erwähnen. Der Erfolg dieser Wahl — fast alle jüdischen Stimmen entfielen auf den zionistischen Kandidaten — bezeugte daß unsere Ideen in weiten Volkskreisen Eingang gefunden und Wurzel gefaßt haben. In der Stryjer Landtagswahl hingegen gebot reife Ueberlegung der zionistischen Partei Wahlenthaltung. Unsere Stellung zu den Assimilanten hat sich nicht verändert. Mit den Verneinern des Judentums kann es für die Bejaher desselben keinen Frieden geben. Man muß jedoch hervorheben, daß die Assimilantengruppe nicht homogen, sondern in eine alt- und jungassimilatorische geschieden ist. Unser Augenmerk muß sich besonders der rücksichtslosen Bekämpfung der jungassimilatorisehen Schichte zuwenden. Mit der „Poale-Zion“ verband uns die Gemeinsamkeit vieler zionistischer Tätigkeitsgebiete. Das Verhältnis zu den Polen ist nichts weniger als gut. Genau wie die polnische Politik vor 14 Jahren die Sozialisten bekämpft hatte, so verfolgt sie jetzt in unnachsichtiger Weise alles was zionistisch ist. Ursache hiefür sind nicht nur die von den Assimilanten der polnischen Presse übermittelten falschen und verleumderischen Informationen, sondern vielmehr der Antisemitismus der polnischen Gesellschaft, der in der Zionistenverfolgung eine bequeme Ausrede findet. Indes ist eine Verständigung mit den Polen nicht ausgeschlossen; freilich muß und kann sich diese nur ohne die Assimilanten vollziehen. Zum Schluß wurde noch der Aktion in Angelegenheit der Organisation der österreichischen Kultusgemeinden, der Gründung der Studenten- und Frauenorganisation, der Kredit-Union und ihrer Filialen Erwähnung getan. Der Bericht wurde beifällig aufgenommen. Rechenschaftsbericht des „jüdischen Klub“. Abg. Stand berichtete in erster Reihe über die Aktion im Interesse einer jüdischen Vertretung im bosnischen Landtag. Entgegen der vom Wiener Kultuspräsidenten Dr. S t e r n aufgestellten Behauptungen sei es gerade in erster Linie und als erster der „Jüdische Klub“ gewesen, der dieser Angelegenheit sein vollstes Interesse gewidmet und alle Schritte unternommen hat, um die gerechte Forderung unserer Brüder in Bosnien der Erfüllung zuzuführen. Es muß hervorgehoben werden, daß die Abg. Gail und Gold, die sich ja auch „jüdische Vertreter“ nennen, im Verlaufe der Aktion vollkommen abseits , gestanden sind. Der „Jüdische Klub“ beschäftigte sich auch angelegentlich mit der Frage der Wahlreform für den Bukowinaer Landtag. Leider wurde durch den Einfluß und den Widerstand der Assimilanten die Einführung einer jüdisch-nationalen Wahlkurie vereitelt. Auch die Schenkerfrage fand die größte Aufmerksamkeit des „Jüdischen Klub“. Redner habe einigemal beim Statthalter interveniert und die Ueberzeugung gewonnen, daß der Statthalter Bobrzynski sich Mühe gebe, gerecht und objektiv zu sein. Im Parlament haben die Mitglieder des „Jüdischen Klub“ zu jeder Vorlage Stellung genommen und in Reden und Interpellationen die Rechte der Juden zu wahren versucht und manchen Erfolg verzeichnen können. In den Ausschüssen sind die Mitglieder des „Jüdischen Klub“ immer für die Volksnotwendigkeiten eingetreten und haben sich stets von den modernsten Gesichtspunkten leiten lassen. Zum Schluß befaßte sich Abg. Stand mit den Gegnern und Verleumdern des „Jüdischen Klub“. Die Gegnerschaft der Assimilanten ist leicht zu erklären. Der „Jüdische Klub“ macht ihnen „schmutzige Konkurrenz“, da er all das, wofür sie Bestechung zu nehmen pflegten, ohne anderes Entgelt als das des Bewußtseins erfüllter Pflicht erledigen. Die assimilatorische Clique streut Gerüchte aus, der „Jüdische Klub“ sei vollständig einflußlos. Demgegenüber könne Redner nur feststellen, daß sogar Assimilantenführer sich an ihn um Unterstützung gewendet und diese auch gefunden haben. Die Abgeordneten des „Jüdischen Klub“ sind in erster Reihe Zionisten, in zweiter Reihe Landespolitiker. Und als Zionisten haben alle Abgeordneten ihre Pflicht erfüllt. In unzähligen Versammlungen haben Mitglieder des „Jüdischen Klub“ als Zionisten gesprochen. Ihr oberstes Leitmotiv ist die Arbeit für das jüdische Volk, mit welchem zusammen sie bereit sind zu siegen oder zu fallen. (Stürmischer Beifall.) Hierauf betrat Präsident Wolffsohn den Saal, wurde mit frenetischem Jubel empfangen und hielt nach der Begrüßung durch den Abg. Stand folgende Ansprache. Rede des Präsidenten Wolffsohn. Ich freue mich sehr in ihrer Mitte zu sein, denn in Galizien herrscht wahrhaft jüdisches Leben und die zionistische Partei ist im Lande stark verbreitet. Obendrein freut es mich, daß ich an ihrer Landeskonferenz teilnehmen, ihre Wünsche und Forderungen entgegennehmen und so vielleicht die Mißverständnisse zerstreuen kann, welche die Arbeit erschweren, auf dem Kongreß nutzlose Kämpfe hervorgerufen haben und nur darum entstanden sind, weil wir so selten Zusammenkommen. Man hat mir sowohl vor als auch nach dem Kongreß vorgeworfen, daß ich, als Politiker, Gegner der praktischen Arbeit, daß ich zu viel Kaufmann bin. Das hat man aber, vor fünf Jahren wissen können, daß ich kein Dichter und Gelehrter, sondern nur ein Kaufmann bin. Das aber ist lange kein Fehler. Dank meiner Arbeit herrscht jetzt in der Partei Ordnung. Man sagt, ich sei politischer Zionist. Prof. W a r b u r g hat es selbst zugegeben, daß wir dieselben Ansichten vertreten und uns nur in Bezug auf das Tempo in der praktischen Arbeit unterscheiden. Ich bin wohl für die praktische Arbeit, doch verlange ich, daß die verschiedenen Institutionen, die wir in Palästina gründen, bloß Mittel für den Zweck darstellen. Ich gestehe es offen, daß ich zur Richtung des politischen Zionismus gehöre. Das schließt natürlich nicht aus, daß wir als praktische Leute praktisch arbeiten wollen. Die Differenz zwischen und den Chowewe-Zionisten besteht, wie die nähere Betrachtung zeigt, daß ich der Ansicht bin, daß wir jede Arbeit, die wir ausführen, jede praktische Leistung niemals als den Zweck betrachten dürfen, sondern als Mittel für unser großes Ziel, als Endzweck. (Lebhafter Beifall). We n wir praktische Arbeit machen, dann sollen wir nur solche unternehmen, welche für eine große Masse von Kolonisten, für das ganze Land, und nicht nur für einzelne Personen oder Familien von Nutzen ist. Das ist es, was ich unter praktischer Arbeit verstehe. Die Mittel, die man uns anvertraut, müssen wir, wie ich bereits in Hamburg gesagt habe, wie Waisen- und Mündelgelder verwalten. Wir müssen das deshalb tun, damit wir uns den Kredit, den wir heute noch nicht haben, erwerben. Unsere Brüder in Rußland, vielleicht auch hier und in Rumänien, haben keine Zeit und drängen. Diejenigen aber, die die Verantwortung tragen, müssen kaltes Blut und ruhigen Kopf bewahren, sie dürfen sich nicht drängen lassen, weil der Gewinn in keinem Verhältnis stände zu dem Schaden, den man dadurch anrichtet. Wir können nur solche Dinge unternehmen, von denen wir die Ueberzeugung haben, daß sie gelingen werden. Und wenn es noch so lange dauert. Nur in diesem Falle hat Nordau vom Warten gesprochen. Wir verstehen aber nicht darunter: die Hände in den Schoß legen und gar nichts tun. Im Gegenteil: Wir sind immer und fortwährend bei der Arbeit. (Schluß folgt.) Von der Woche. Zu den Gemeinderatswahlen im I. Gemeindebezirke. DasWahlkomitee des ersten Gemeindebezirkes, in welchem der Vizepräsident der „Israelitischen Union“, Herr kais. Rat A n n i n g e r, Hofrat K ur a n d a und Kultusvorstand Dr. Is. S a m u e 1 y sitzen,

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