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Jüdische Zeitung · 1910-04-01 · 13 (1.4.1910) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
4 (1910)
Issue
13 (1.4.1910)
Date
1910-04-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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■■Nr. 13 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 7 Amtspflicht beschuldigt wird, umso mehr, als dieser seine jetzige Stellung nur nach einer langjährigen tadellosen Aufführung erlangen konnte. Sollte die „Arbeiter-Zeitung“ recht haben, was wir wünschen, aber kaum glauben können, so wäre es Sache unserer parlamentarischen Vertreter, sich öffentlich dagegen zu verwahren, daß der militärische Gehorsam eines jüdischen Soldaten mißbraucht wird, um unserem Stamme in der Oeffentlichkeit eine Gehässigkeit zuzuziehen. Wenn schon Lockspitzel notwendig sind, was sich unserer Beurteilung entzieht, möge man sie anderen Kreisen entnehmen. Unser Name ist in den letzten Jahren unter hoher Patronanz genügend besudelt worden. J. L. * * * Maximilian Hardens Luegernekrolog. Maximilian Harden, der Herausgeber der Zukunft, der bekanntlich ein polnischer Jude ist und vom Haus aus MaxiWitkowsky heißt, entwirft in seinem Luegernachrufe ein Bild der Residenz und leistet sich folgenden Satz: „Das Reichszentrum, fast schon der Herrschaft eines fremden, rasch wachsenden Stammes untertan, dem die Erhaltung unserer alten Voiksart nicht Lebensnotwendigkeit ist.“ Und dieser Charlatan, der sich hinter einem geänderten Namen vermummt, wagte'es, im Eulenburgpiozeß als Hüter der Moral und Vaterlandsretter aufzutreten. Was haben wir von den Erben Luegers zu erwarten? (Eine Versammlung des Jüdischen Nationalvereines.) Mittwoch den 30. März fand im Saale „Zum goldenen Widder“ eine neuerliche Versammlung des Jüdischen Nationalvereines statt, die trotz der Wetterkatastrophe massenhaft besucht war, ein Beweis, daß die Arbeit des Jüdischen Nationalvereines den Bedürfnissen der breitesten jüdischen Schichten entgegenkommt. Als erster Redner sprach Dr. Fritz Löhner. Er warf zunächst einen-Rückblick über die Entwicklung der christlichsozialen Partei. Als Lueger auftrat, seien ihm drei gegnerische Gruppen feindlich gegenübergestanden. Der hohe Adel und die Klerisei, die Bourgeoisie und die Juden. Man brauche nur an die letzten Wochen zu denken und man werde einsehen müssen, daß die beiden ersten Gruppen zu Bannerträgern der Christlichsozialen geworden sind und daß leider auch das repräsentative Judentum, das einst mit großem Geschrei gegen Lueger zu Felde zog, unters Joch gekrochen sei, ja dem Herrn von Wien die Hände geleckt habe. Die größten Trauerfahnen haben sie ausgesteckt, die jüdischen liberalen Blätter haben so viel Weihrauch ausgestreut, daß einem das Erbrechen ankommt, und der israelitische Kultusvorstand überreichte das famose Kondolenzschreiben, wonach alle Wiener Juden „tief erschüttert an der Bahre stehen“. (Lebhafte Pfuirufe, der Versammlung bemächtigt sich große Erregung.) Nachdem sich der Redner in seiner urwüchsigen Art mit unseren Assimilanten auseinandergesetzt hatte, entwickelte er das Programm des Jüdischen Nationalvereines und weist nach, daß nur ein moderner demokratischer Nationalismus der Juden unser Volk regenerieren könne, gleichzeitig aber auch dem Interesse des Staatswohls entspreche und gerade in Oesterreich völkerversöhnend wirken werde. (Lebhafter Beifall.) Nach ihm sprach Lucian Brunner. Er brachte sehr interessante Episoden aus der Entwicklungsgeschichte der christlichsozialen Partei und; bewies gerade 'an dem Entwicklungsgang Lüegers, daß die größten Feinde des Judentums immer die jüdischen Renegaten waren. Man dürfe auch nicht glauben, daß die plötzlich bewußt jüdisch schillernden Gemeinderatskandidaten des zweiten Bezirkes etwas anderes wären als Geschäftspolitiker, die sich vor den Wahlen jüdisch gebärden, weil sie eben jüdischen Wählern gegenüberstehen. Mit reicher Personen- und Sachkenntnis wird nun das unwürdige Benehmen der „israelitischen“ Gemeinderäte, die zugleich mit dem Referenten im Gemeinderate saßen, humorvoll geschildert. Auch er schließt mit dem Nachweise, daß dem christlichsozialen und nationalchauvinistischen Antisemitismus gegenüber nur ein Mittel helfen könne: treu zur eigenen Fahne zu halten. (Stürmischer Beifall.) Als letzter Re 'ner sprach im Namen des „Jüdischen Klub“ Reichsratsabgeordneter Dr. Heinrich Gabel. Nichts sei lächerlicher, als zu glauben, die christlichsoziale Partei stehe vor dem Zerfalle. Im Gegenteil: Bis in die äußersten Spitzen des Staatsgewebes ist der Geist Luegers vorgedrungen und die jüngsten Vorlagen im Abgeordnetenhause beweisen nur allzu deutlich, wie die Christlichsozialen mit steigender Macht und insbesondere gegen die Juden mit größtem Erfolg arbeiten. Er bespricht das Hausiergesetz, das es nicht verschmähe, einem wirklich winzigen Häuflein armseliger jüdischer Existenzen den Garaus zu machen, beleuchtet die furchtbaren Konsequenzen, die die mörderische Schänkervorlage für 1200 jüdische Familien mit sich bringen werde. Nach einem beifälligst aufgenommenen Resume der Tätigkeit des ,Jüdischen Klub“ fordert Abg. Gabel zum Anschluß an die zionistische und jüdisch-politische Organisation auf, der die jüdische Zukunft gehöre. (Stürmischer Beifall.) Wir geben der Erwartung Ausdruck, daß der Jüdische Nationalverein in seiner segensreichen Aufklärungsarbeit nicht erlahmen wird. Die massenhafte Beteiligung der jüdischen Bevölkerung beweist, daß seine Bestrebungen fruchtbaren Boden gefunden haben. (Anmeldungen werden im Sekretariat, Wien, IX., Liechtensteinstraße 11, entgegengenommen. Auf Wunsch wird das Programm des Vereines zugesendet. Jahresbeitrag K 4*—.) Die IX. Landeskonferenz der galizischen Zionisten*). (Von unserem Spezialkorrespondenten). Sonntag den 27. und Montag den 28. März fand in Lemberg die IX. Landeskonferenz der galizischen Zionisten statt. Die Konferenz, welche durch die Anwesenheit des Präsidenten der zionistischen Weltorganisation, sowie durch die auf ihr behandelten Fragen eine ungewöhnliche-Bedeutung hatte, war von 167 Delegierten aus 82 Ortschaften beschickt und nahm einen ernsten und würdigen Verlauf. Die wichtigste Frage, welche auf dieser Konferenz zur Entscheidung kommen sollte, war die Aenderung der Organisationsform in Galizien, ln zweiter Linie interessierte die Frage der Aktion der Zionisten in Angelegenheit der tristen wirtschaftlichen Lage der galizischen Juden, sowie das Referat über die gegenwärtige Lage im Zionismus und der Bericht über die Tätigkeit des „Jüdischen Klubs“. Am ersten Tage wurde von Gg. Dr. R i ngel der Bericht des abtretenden ZK. erstattet. Diesem entnahm man, daß im abgelaufenen Jahre in Galizien 6116 Schekel gesammelt wurden und daß die galizischen Zionisten in dieser Zeit für den NF. 44.150 K — um 7615 K mehr als im Vorjahre — und für Palästinazwecke 7838 K gespendet haben. Außerdem veranstaltete das ZK. mehrere Palästinaausstellungen, nahm Anteil an den Reichsratsersatzwahlen inBöbrka, unterstützte dieAktion der Bukowinaer Juden zur Erlangung einer jüdischen Kurie, förderte den hebräischen Schulverein, half bei der Gründung der „Kredit-Union“ und ihrer vier Filialen, denen sich in der nächsten Zeit neue zwei anschließen werden, mit. Der Bericht wurde beifällig aufgenommen. Hierauf erstattete Abgeordneter Adolf Stand Bericht über die Tätigkeit des „Jüdischen Klubs“ und über die politische Lage der Juden in Galizien. Seine Ausführungen fanden begeisterten Beifall. Die Art, wie er sich mit den Gegnern der jüdischnationalen Politik auseinandersetzte, wie er über alle Verleumder, inneren und äußeren Feinde, Schmäher und falschen Freunde, besonders jedoch über die Moschkos zu Gerichte saß, wie er die Beweggründe ihres Hasses gegen die Zionisten klarlegte, wie er ihrGeschäftsmachertum brandmarkte, machte auf die Anwesenden einen unverwischbaren Eindruck. Das war eine Abrechnung, wie sie die Herren Assimilanten, Querulanten, *) Wegen Raummangels, der durch die ausführliche Berichterstattung über den westösterreichischen Parteitag verursacht wurde, veröffentlichen wir vorläufig einen kurzen Bericht über die wichtige i agung der galizischen Zionisten. (Anm. d. Red.) Israeliten deutscher und polnischer Couleur noch nicht erlebt haben. Wie Donnergrollen klang das Pfuigeschrei im Saale, als Abg. Stand die Namen gewisser Journalisten erwähnte, welche den Zionisten in den Rücken fallen. Die Rede des Abgeordneten Stand wird im Lande mächtigen Widerhall finden und einfür allemal allen Verdrehungen und Lügen der Assimilanten ein Ende bereiten, sowie in den Massen aufklärend wirken. Bedeutsamer noch für die zionistische Arbeit* in Galizien war die Rede des Präsidenten Wolffsohn, der gerade nach dem Referate des Abgeordneten Stand den Saal betrat und mit Beifall begrüßt wurde. Namens des galizischen ZK. ergriff der Vorsitzende der Konferenz, Abg. Stand, das Wort und begrüßte den Präsidenten Wolffsohn, indem er der Freude Ausdruck gab, zum erstenmal den Präsidenten der Weltorganisation Galizien zu beherbergen. Wenn auch, sagte Abg. Stand, zwischen der Leitung und der galizischen Partei Differenzen taktischer Art bestehen, so wissen sich gleichwohl die galizischen Zionisten bezüglich der prinzipiellen Fragen mit dem Präsidenten der EAC. vollkommen einig. Präsident Wolffsohn beantwortete die Begrüßungsansprache des Abg. Stand mit einer großangelegten Rede, in welcher er die Aussichten der Leitung über die nächsten Arbeiten der zionistischen Organisation klarlegte und ausdrücklich hervorhob, daß die Leitung es sich angelegen sein lasse, der praktischen Arbeit in Palästina ein rascheres Tempo zu verleihen. Außerdem ließ Präsident Wolffsohn durchblicken, daß die Leitung intensiv und permanent bemüht sei, Konzessionen zu erwerben und Unternehmungen verschiedener Art teils zu fördern, teils ins Leben zu rufen. Die Erklärungen des Präsidenten wurden beifällig aufgenommen. Doch schloß sich an dieselbe vorläufig keine Diskussion, da die Debatte über die gegenwärtige Lage im Zionismus für den zweiten Tag Vorbehalten blieb. Damit war der wichtigste, sozusagen an Spannung reichste dramatische Teil der Konferenz erledigt. Die nachfolgenden Referate und Verhandlungen befaßten sich mit den verschiedenen Problemen des jüdischen und zionistischen Lebens in Galizien. * * * (Telegramm der „jüdischen Zeitung“.) ln das neue galizische Zentralkomitee wurden folgende Gesinnungsgenossen gewählt: Abg. Adolf Stand, Präsident; Dr. Michael Ringel und Dr. Dawid Schreiber, Vizepräsident; Kart Stand, Salomon SchiTtfrr, Dr. Hausmann, Dr. Reiß, Dr. Spindel und Jac. S. Philipp. Außerdem gehören dem ZK. die Chefredakteure des „Wschöd“ und des „Tagblatt“, sowie je zwei Delegierte der vier DK. an. * * * (Telegramm der „jüdischen Zeitung“.) Das von Dr. Waldmann vorgelegte neue Organisationsstatut, wonach die Elemente der Organisation nicht Vereine, sondern freie Vereinigungen mit Lokalkomitees an der Spitze sind, wurde angenommen. Ebenso wurde sein Reorganisationsvorscblag, betreffend die Einhebung der Parteiabgaben für Lokalkomitees, DK. und ZK. vermittelst von Parteisteuermarken, welche zum Nominalwerte von 20 h ausgegeben werden sollen, wurde' angenommen. Desgleichen fand der Antrag Schwarzbar t- Dr. Schmorak eine Art jüdischer Rosegger- Stiftung für den hebräischen Schulverein im Betrage von 100.000 Kronen zu schaffen, begeisterte einstimmige Annahme. * . * Große Volksversammlung. Sonntag den 27. März fand eine Massenversammlung statt, in welcher Präsident Wolffsohn, Dr. Thon (Krakau), Abg. Stand und Dr. Max Rosenfeld sprachen. Die Versammlung war nach Angaben der meisten Gesinnungsgenossen die größte jüdische Versammlung, welche Lemberg je gesehen hat. Hunderte und aber Hunderte baten der Saalüberfüllung wegen vergeblich um Einlaß. Der agitatorische Erfolg überstieg alle Erwartungen. Montag den 28. März besuchte Präsident Wolffsohn die Lemberger Kultusgemeinde, wo er vom Vizepräsidenten Dr. Czeszer empfangen

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