Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 13 (1.4.1910)
- Date
- 1910-04-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 13 einmal die 700 Kronen pro Jahr von Seite der DK. bekommen, da wir sahen, daß die DK. nicht in der Lage waren, das Geld herzugeben. Wir hätten die Organisation der Distrikte gestört, wenn wir verlangt hätten, was uns gebührte. Es war das ein Zurücktreten im Interesse der Sache. Jeder von uns ist gerne bereit zurückzutreten und stellt seinen Platz mit Freuden zur Verfügung. Wir können nur das leisten, was wir nach unseren eigenen Kräften, den eigenen Mitteln und den gegebenen Möglichkeiten zu leisten imstande sind. Unter diesen Möglichkeiten ist noch der Umstand zu berücksichtigen, daß wir ein Komitee sind, dessen Mitglieder in zehn verschiedenen Orten wohnen. Das Zentralbureau ist nur ein ausführendes Organ, das nichts machen kann, was das ZK. nicht gutgeheißen hat. Das ZK. kann nur selten zusammentreten und diese Sitzungen werden nur spärlich beschickt. Beschlüsse könnten daher nicht gefaßt werden. Wie soll denn das ZK. arbeiten? Aber diesen „Kampf mit der Geographie* werden wir immer führen und selten gewinnen. In Bezug auf das zukünftige ZK. sage ich ihnen daher: Verlangen sie von ihm nichts Unmögliches, kritisieren sie uns, geben sie uns Anregungen, aber glauben sie nicht, daß wir das, was wir nicht gemacht haben, aus Lethargie oder Faulheit unterlassen haben. Redner bittet schließlich die Delegierten, dem künftigen ZK. ihr Wohlwollen mit auf den Weg zu geben. (Beifall.) Die Sitzung wird um 1 Uhr auf zwei Stunden unterbrochen. Nachmittagsitzung (Sonntag). Der Präsident verliest die eingelaufenen Begrüßungsdepeschen. Vom Präsidenten Wolffsohn langte folgendes Telegramm ein: „Ich begrüße den westösterreichischen Delegierteetag aufs herzlichste und wünsche Ihren Beratungen den besten Erfolg. Möge es uns in gemeinsamer friedlicher und praktischer Arbeit bald gelingen, unser Ziel zu erreichen. Das Zentralkomitee der russischen Zionisten in Wilna telegraphierte: „Wir erwarten lebhafte Bekämpfung der Politik des „Wartens“ und energische Vertretung der gemeinsamen Organisationsprinzipien. Vollen Erfolg Ihrer Arbeit.“ Außerdem begrüßten den Parteitag: Dr. Isidor Schalit, der krankheitshalber verhindert war, den Beratungen beizuwohnen, Der galizische Zionistentag, Abgeordneter Adolf Stand, Zionistische Vereinigung für Deutschland, Das NF.- Hauptbureau in Köln, „Jeschume“ (Troppau), Moritz und Emilie Löwy (Prag), Dr. R. Beer (Zabreh), „Zion“ (Proßnitz), „Bar Kochba“ (Prag), „Zion“ (Mähr.-Ostrau), „Ruth“ (Eywanowitz), Zion. Mittelschüler (Mähr.-Ostrau), Hans Fischl (Ardägger), mehrere Gesinnungsgenossen aus Trebitsch u. v. a. R'J, Gg. L. Sitzmann (Zentralverein Wien) wendet Sich gegen die Ausführungen des Gg. Steiner aus Prag- Die Verhältnisse in Wien seien andere als die'-' in der Provinz. Die Wiener Gesinnungsgenossen hätten den Kampf gegen die Kultusgemeinde nicht gesucht, er wurde ihnen aufgedrängt. Die radikale Politik' sei eine Notwendigkeit, so lange wir nicht die genügende Macht haben. Kompromisse werden nur mft “Machtfaktoren geschlossen. Das ZK. sei gegenüber. der Autonomie der Distrikte machtlos. Die Majotttät der Gg. aus Niederösterreich sei für die'imiefjioTi tische Betätigung. Redner verweist auf die Erfölge;J die der Nationalverein in der Richtung äüfzu^eisen ••'habe. "Cjigl!Ör, Egon Zweig Qüd. N.-F. Wien) wendet sieb gegfeu Vorschlag der Schaffung eines offiziellen Organes derTäftei. Man möge an das Bestehende mtkhüp|en‘t,4?|e„t3üdische Zeitung“ könne die Publil^ttiöriefl.aes^lC.aufnehmen. Die Schaffung eines Gg. Löschner (Ivria, Wien) tritt den Angriffen auf dierfS&denüiSn) (entgegen und verlangt von den FJhöirjj; jnp&rrilffiträtkve. ,:r!‘);äjg:iiKHtf«BecHer4 (Zion, Teplitz) wendet sich gegen idiefjFaWikl'JdeßWiener Gg., welche er nicht «rgdfeaffchtig^ Jiältna n o ,ut;jj<S^nßtEiKailnPaIlak (Unitas, Wien) stellt den Bericht 'JÜesUöL'Jfäahini richtig, daß in InnerösterrieiChiihiBländmip’femAltaw -acht Bürgervereine existiereayiilnnWienii fasftegnslth die Situation in den letztem dweiejühröri‘nttriaBdsseren gewendet. Wir haÖensi:heatef>ChienmIbet>eSitS!< eine statliche Zahl tfönin ArbeitskräfterumDib’iuZahl der Anhänger mfisseiwärtiehda «teltdenjsadeeh müsse man die Npugpj^wiöWlblrfsgiüJoYi^nj.Ibetrachten, und sie njphtIuaftiM^®nbWirtlk*«np9SfeB stellen. Wer an l§i^ed§fnSte!Jft)dStiirfBBßeEduoSb und durch Zionist Sftnnä»AnAaff7dO)roangMP08l«Bi(RriOgramm nicht ein Hgrehfihng&gfib^ciMaW njtHSflnfiiaander verstehen, dann rwefdRimasbßyuwidefciauehrtfgftrauen. Während ifh de£taPkQWn2(toauty)fttft£flsiy/£j/Arlj£it das Hauptgewiob.tl gfiJeglrrWeta&iüBiü.ssp gjgn -HijWien intensiv arJwt§OäftelBa}^tti»ll9S»a0i|5(Se ^?iffationale ChaiBMpr.idStßßH^gSüfef1SJHtilf* ilteibpp. i Redner beaplragfclföe d%Sa?KeßankoUBd Afesotejprium. (Bei- &l.v99dbMSfidekJatSfheildirnor'9S tihsnA . . sr,v. )Rrlä!4?9tbiD!>!ilIsidPrgiMSfieWI9Ssierklärt in seinem Schlußwotrt^c«rj/4^?§fef^n«ineaKritik gefaJl^lovdoßbiidjicffiiaSichindie^pjFh^gpgpp einzelne ÄiitgliedaradÄes liZJCjficbtem.-ißaf; [Zsflfeplkomitee habe «Öidanseh-jgeBrb.ftttetg fgesettlüsses s«Juden nur bei -OberwiegieildAriAlajorttät'^urichgefÜhrt. ßfecösterreichiscl^iUDdßfnftM^cbäftj h^ft fßiehj aiiftfermKongresse , #ermpidtujgsniüglichpr rnBBDP wlicher Motive auf die Verteidigung rein sachlicher Postulate unter Hinweis auf die erheblichen Verdienste des Präsidenten Wolffsohn beschränkt. Den Maßstab, den man an die Tätigkeit des EAC. lege, könne man nicht an die des ZK. legen. Aus der Kritik hätten auch die Gravamina gegen die Wiener Gg. ausgeschaltet werden müssen. Diese gehören vordas Forum des i.-ö. DK. Die Herren aus Böhmen, die auf die Autonomie ein so großes Gewicht legen, würden sich dagegen wehren, wenn die Wiener unangenehme Fragen der böhmischen Zionisten, die uns Wienern manchmal sehr gegen den Strich gehen, hier aufrollen würden. Ich gebe zu, daß die organisatorischen Verhältnisse manches zu wünschen übrig gelassen haben. Das ist jedoch nicht Schuld des ZK., das immer energisch für intensive Arbeit, die allein die DK. verrichten, können, eingetreten ist. Das heutige Wiener DK., das sehr gut funktioniert, ist ein Werk des ZK. Die Zurückhaltung, die das ZK. in vielen Fällen gezeigt habe, sei im Interesse der Ralliierung der Organisationen und zur Vermeidung von Spaltungen notwendig gewesen. Der Bericht des Informationsbureaus sei nicht entsprechend gewürdigt worden. Das Informationsbureau ist als eine Schöpfung des ZK. zu betrachten, das eine ganz erhebliche Leistung ist. Das IB. stellt einen Ansatz für ein sehr weit auszubauendes Tätigkeitsgebiet des ZK. dar. Wir haben nach gemeinsamen Aufgaben gesucht und solche gefunden. In r der Schaffung von Jugendschriften und am freien zionistischen Seminar sind Tätigkeitsgebiete eröffnet worden, auf denen das neue ZK. wird weiter arbeiten können. Die Leistungen des ZK. lassen sich im großen ganzen nicht so bar‘auf den Tisch legen. Wenn die bisher vorhandenen Reibungen zwischen den einzelnen Distrikten nunmehr zum Teil überwunden sind und die Distrikte' sich im Innern nunmehr frei entwickeln können und hiebei Anregungen vom ZK. erhalten, so ist das ein ungeheures Verdienst, welches auf das Konto des ZK. zu stellen ist. Außerdem kann man jene-gegenseitige Annäherung und das Verständnis, das gerade heute auf dem Parteitage platzgegriffen hat, als ein Verdienst des ZK. ansehen. Und wenn das ZK. später ein festes Organ sein wird, so wird das die Fortsetzung der organischen Entwicklung sein, die das ZK. heute schon nimmt. Wir glauben des Absolutoriums würdig zu sein. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Hierauf wird über die Anträge und die Resolutionen abgestimmt. : Der Antrag Dr. Friedmann: „Der westösterr. Zionistentag hält es für wünschenswert die Schaffung eines mindestens monatlich einmal erscheinenden Informationsorgans,. daß, jedem dfr Schekel- und Parteisteuer leistet, unentgeltlich'zukommt.“ ‘ 1 wird angenommen. Die Resolution des Gg. Dr. K o h n zur Umwandlung der „Jüdischen Zeitung“ in ein Tagblatt wird einstimmig angenommen. Von den Anträgen des Informationsbureaus werden der erste einstimmig angenommen, die anderen dem ZK. zur Würdi- §ing überwiesen. Hierauf wird der Antrag der g. Gg. F i n z i - Dr. P o 11 a k: „Der westösterr. Parteitag dankt dem abtretenden ZK. für seine Tätigkeit und spricht ihm sein vollstes Vertrauen aus.“ einstimmig unter lebhaftem Beifall und Händeklatschen angenommen. Hierauf erstattet Dr. E- M a r g u 1 i e s—Prag das Referat über j Die Lage im Zionismus nabh dem IX. Kongresse. Wir bringen das Referat in einer der nächsten Nummern. Gg. Prof. Werthgimer (Volksverein, Prag) erklärt sich mit dem Referenten nicht einverstanden. Die Postulate der westösterreichischen Landsmannschaft auf dem Kongresse konnten nicht erfüllt werden. Solange wir keinen Besseren an Stelle unseres Präsidenten haben, dürfen wir nichts tun, was als. Mißtrauen gegen die Leitung gedeutet werden könnte. (Beifall.) Gg. Dr. Abeies XZK.) führt in längerer Rede aus, welches Programm die Wiener Zionisten ihren Delegierten mit auf dem Weg gegeben hätten. Es sei bedauerlich, daß! es die Ungunst der Verhältnisse unseren Bevollmächtigten unmöglich machte dieses Programm von. der Kongreßtribüne aus zu entwickeln. Ganz unbegreiflich sei es den Fernestehenden, wie man1 unseren Delegierten irgendwelche persönlich gefärbte Opposition vorwerfen konnte. Er entwickelt die auf Grund dieses Programmes notwendige,innerpolitische und kulturelle Arbeit. Bei den Westjüden kann nichts von ailedem, was ist, so weiter bestehen, wie es ist. Daraus ererklärt sich unser Radikalismus, der gesund und natürlich ist. Schließlich wünscht Redner, daß den linken Flügel von (lern rechten nichts anderes trennen möge als der überall gewitterte „rüde Ton“ und empfiehlt die Annahme der Thesen, denen er eine präzisere Fassung wünscht. Gg. Franz Steiner (Prag) erklärt, daß die Forderungen der österr. Delegierten auf dem Kongreß gegen die Person des Präsidenten gerichtet waren, wenn es auch nicht ausgesprochen wurde. Auch die Thesen enthalten eine Spitze gegen den Präsidenten, weshalb er sie ablehnen müsse. Gg. Dr. Müller (Theodor Herzl, Wien) kann die Thesen des Referenten nicht annehmen, weil sie die ganze Tragweite der Situation nicht erschöpfen. Redner wünscht, daß noch vor dem ^.Kongresse mit der jetzigen Leitung bezüglich der nächsten Leitung eine Einigung erzielt werde. In dieser müßten alle Richtungen im Zionismus vertreten sein. Gg. Ludwig Steiner (ZK., Teplitz) erklärt, daß er ein Anhänger Wolffsohns sei, aber die Führung durch einzelne Personen berge doch eine große Gefahr in sich. Er müsse deshalb für die Verlegung der Leitung nach einen Ort stimmen, wo auch andere Personen dem Präsidenten zur Seite stehen, was in Köln nicht möglich sei. Gegenüber den Vorrednern aus Böhmen kann Redner in den Thesen des Referenten kein Mißtrauen gegen den Präsidenten finuen. Niemand könne es verargen, wenn die Delegierten bei aller Verehrung für die Person des Präsidenten als freie Männer ihrer Meinung offen Ausdruck gegeben haben. Gg. Kellner (Bar Kochba, Prag) spricht sich gegen einige Thesen des Referenten aus. Gg. Böhm begründet seine Haltung auf dem Kongreß und sagt, daß jeder denkende Zionist eine Vorstellung von den Aufgaben haben muß, welche der Leitung obliegen. Seine Haltung gegenüber der Leitung wird er danach einrichten, ob diese dieser Vorstellung entsprochen hat oder nicht. Redner legt dar, daß er nach gewissenhafter Prüfung aller Momente bezüglich sämtlicher Aufgaben: Politische Führung, Palästinaarbeit, Agitation, Kulturarbeit etc. die Ueberzeugung habe, daß die jetzige Leitung ohne Vergrößerung allein nicht genügt. Im Schlußworte verteidigt der Referent Dr. E. Margulies seine Thesen: Wenn diese zu lange geraten wären, so habe dies darin seinen Grund, daß er sie möglichst prinzipiell formulieren und möglichst wenigaufnacktetaktischeFragen konzentrieren wollte, die man eher als eine Spitze gegen die Leitung ansehen könnte. Die Thesen werden hierauf mit großer Majorität angenommen. Sie lauten: I. Der westösterreichische Zionistentag begrüßt freudig das auf dem IX. Kongreß von offizieller Stelle und in offizieller Form erfolgte Aufgeben des Chartergedankens und gibt seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß im Mittelpunkte aller zionistischen Arbeit nunmehr im Rahmen der in der Verfassung des türkischen Reiches gegebenen Möglichkeiten, die von Initiative und Energie erfüllte systematische, großzügige und intensive wirtschafts- und kulturpolitische Arbeit im Lande Palästina stehen muß. II. Der demokratische Gedanke ist nicht eine zufällige, aus praktischen Notwendigkeiten geborene Aeußerlichkeit, sondern ein essentieller, integrierender Bestandteil der zionistischen Idee, mit deren Wiesen und Entstehung unlösbar verwachsen. Eine Zurückdrängung oder Behinderung der Entwicklung dieses Prinzips in der Organisation müßte das Verantwortlichkeitsgefühl weitester Kreise für die Ereignisse und Geschehnisse in der Bewegung und damit das Interesse abschwächen und den gerade durch das Bewußtsein der gemeinsamen auf jedem lastenden Verantwortung festgeschlossenen Zusammenhang aller Teile lockern. Der westösterreichische Zionistentag hält daher für notwendig: 1) Daß das große AC., das in der Kongreßverfassung als oberste Behörde vorgesehen ist, gegenwärtig aber jeden maßgebenden Einfluß auf den Fortgang der Bewegung verloren hat, den ihm gebührenden Einfluß auf die Organisation und Arbeit der zionistischen Organisation in Anspruch nimmt und ausübt; 2) daß das heute in dem Kongreßstatut für die Organisation der obersten Exekutive vorhergesehene Kollegialprinzip eine wirksame Ausgestaltung erfährt, wobei für die Möglichkeit einer innigen Verständigung und Zusammenarbeit der Mitglieder des EAC. als notwendige Voraussetzung anzusehen ist, daß die Majorität der zu erwartenden Exekutive an dem Sitze der Zentrale wohnt; 3) daß die nunmehr bereits auf zwei aufeinanderfolgenden Kongressen eingetretene Ausschließung des moralisch und politisch, national und kulturell wichtigsten östlichen Teiles unsere Organisation von aktiver Einflußnahme auf die Leitung, die den Unterschied zwischen Ost und West verschärft und wachsende Verstimmung in unseren Massen bewirkt, nicht mehr wiederholt und dem Osten der ihm gebührende aktive Einfluß auf die Leitung eingeräumt werde. Zweiter Tag. Vormittagssitzung. Wahl des Zentralkomitees. Namens des innerösterreichischen Distriktskomitees erklärt Gg. Dr. Meisel, er müsse zu seinem lebhaften Bedauern, daß der Präsident Dr. Isidor Margulies bereits vor längerer Zeit erklärt habe,