Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 12 (25.3.1910)
- Date
- 1910-03-25
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 12 Parteinachrichten. Der zweite ordentliche westösterreichische Zionistentag findet am Sonntag, den 27. und Montag, den 28. März d. J. in : Wien - —- im Festsaal des Hotel Zentral, II., Taborstraße 8, statt Tagesordnung: 1. Begrüßung durch den Präsidenten. 2. Bericht des Zentralkomitees. 3. Das Verhältnis der zionistischen Organisation zu den Kultusgemeinden und das zionistische Kultusgemeindeprogramm. Referenten: Dr. Egon Zweig (Wien) und Dr. Robert Lichtwitz (Troppau). 4. Aufgaben der Landesorganisation: Ueber die durch den IX. Kongreß geschaffene Situation. Referent: Dr. Emil M a r g u 1 i e s (Prag). 5. Palästinareferat. Referent: Adolf Böhm. 6. Bericht der österreichischen Sammelstelle des „J. N. F.“. 7. Bericht des Palästina-Informationsbureaus. 8. Budget des Zentralbureaus und des Informationsbureaus. 9. Neuwahlen. Beginn der Tagung: Sonntag, den 27. März um 10 Uhr vormittags. Zum Zwecke der Information für die auswärtigen Delegierten wird für Samstag, den 26. d. M., ein Permanenzdienst im Zionistischen Bureau, IX., Türkenstraße 9, eingerichtet. (Das N. F.-Bureau ist am Samstag geschlossen.) Die Delegiertenkarten sind daselbst während des ganzen Tages zu beheben. Am Sonntag sind die Delegiertenkarten im Hotel Zentral, II., Taborstraße 8 zu beheben. Das zionistische Zentralbureau für West Österreich. Der Präsident: Dr. Isidor Margulies. * * * Sitzung des Zentralkomitees. Samstag den 26. März um S Uhr abends findet in Wien IX., Türkenstraße 9, eine Sitzung des westösterreichischen Zentralkomitees statt Tagesordnung: Der Parteitag. * * _*_ sie sich nicht erklären. Ihr war nur, als ob sie der Geist ihrer Kindheit vorwurfsvoll angesehen hätte.. . Auch andere Gefühle waren in ihr .. aber so unklar und durcheinanderwogend. . . ’ Am ganzen Körper zitternd, saß der Schaffer neben seinem ruhenden, kreidebleichen Weibe und wiederholte ab und zu: „Wenn, Gott behüt, etwas geschieht, dann erschlag ich den Elenden.“- Seit diesem Tage lebten sie in immerwährender Angst Und als nach einiger Zeit — da die Bäume bereits Knospen trugen, — ein Kind zur Welt kam und der Schaffer verhaltenen Atems seine fliehenden Hände, wie im Traum, danach streckte und kein Lebenszeichen, auch nicht das leiseste, vernahm, schwollen seine Schläfen mächtig an und seine Augen rollten fürchterlich. Er wollte es nicht glauben und als er es glauben mußte, stürzte er hinaus, finster und stumm. ... Eine Stunde mochte er über die einsame Fahrstraße gelaufen sein, bis er das Nachbarstädtchen erreichte, wo die Häuser und Hütten gleich Vogelnestern an den baumbestandenen Hügeln hingen. In eine der kleinsten Hütten trat er ein, finster und stumm. Freundlich und redselig bot ihm die Mutter des Beifers einen Sessel an. „Sie können ja hier auf meinen Sohn warten,“ Galizische Landeskonferenz. Am 27. und 28. März 1910 findet in Lemberg im Lokale des Vereines „Jad Charuzim“ (Bernsteingasse 11) die IX. Zionistische Landeskonferenz mit folgender Tagesordnung statt: 1. Eröffnungsrede: Abg. Adolf Stand. 2. Tätigkeitsbericht: a) des Zentralkomitees: Dr. Michael Ringel; b) des „Jüdischen Klubs“: Abg. Adolf Stand. 3. Organisationsstatut: Dr. Israel Waldmann; 4. Unsere nächsten Aufgaben: a) die allgemeine Lage im Zionismus: Rath Dr. Thon; b) unsere Palästinaarbeit: Dr. Alex. Hausmann; c) unsere kulturellen Aufgaben: Sal. Schil ler; d) unsere wirtschaftlichen Aufgaben: Redakteur M. Frostig. 5. Neuwahlen. Bericht des Zentralkomitees an den westösterreichischen Parteitag in Wien. 27. und 28. März 1910. Vorgeschichte. Anläßlich der Vorlage unseres Tätigkeitsberichtes an den Parteitag sehenwir uns veranlaßt, einen kurzen Rückblick auf die Entstehungsgeschichte des Distriktsverbandes Westösterreich zu werfen. Dies halten wir deshalb für notwendig, weil in letzter Zeit in manchen Parteikreisen der Meinung Ausdruck gegeben wurde, daß die Trennung der österreichischen Gesamtpartei in zwei nur lose zusammenhängende Hälften von den dem Zentralkomitee angehörigen Gg. ausgegangen wäre. Anfangs 1908, zu einer Zeit, wo das österreichische Landeskomitee noch'bestand, haben die galizischen Zionisten unter Führung Dr. Braudes sich eine eigene Organisation mit einem Zentralkomitee an der Spitze geschaffen. Die langwierigen Verhandlungen, welche vom Ländeskomitee mit dem galizischen Zentralkomitee geführt wurden, ergaben, daß dieses volle Autonomie beansprucht und nur eine rein formale Verbindung mit Westösterreich aufrechterhalten wolle. Daraufhin erschien es notwendig, daß die westösterreichische Organisation hiezu Stellung nehme und die Voraussetzungen für eine arbeitsfähige Oberleitung schaffe. Am 10. Mai 1908 fand eine Konferenz der Distrikte von Westösterreich statt, welche nachdrücklichst die Einheit der gesamt-österreichischen Organisation betonte, einige Konferenzteilnehmer beauftragte, mit Galizien wegen eines Gesamtparteitages in Fühlung zu treten, gleichzeitig aber beschloß, sich zu einem Distriktsverbande für West- Österreich, mit einem Zentralkomitee an der Spitze, zusammenzuschließen. Es soll gleich hier betont werden, daß die Verhandlungen mit Galizien wegen Einberufung eines Gesamtparteitages zu keinem Resultat geführt haben, daß aber jedenfalls die westösterreichischen Distrikte alles aufgewendet haben, um die gesamtsagte das kleine greise Mütterlein, „er kommt bald vom Beten, er ist. überhaupt so fromm seit dem letzten Purim.“ Gedankenlos nickend, verließ der Schaffer, die Hütte und ging in das Bethaus. Das stand am Rande des Städchens mit seinen hellen Wänden und Fenstern, wie ein Ausschnitt einer besseren Weltf lieblich winkend, und die Frühlingssonne breitete auf dem Wege dahin einen Strahlenteppich aus. Was will ich dort eigentlich? fragte sich plötzlich der Schaffer, werde ich denn beten können? Und wozu auch? Ihn aber-ihn sollte ich eher hier am Weg erwarten. Aug um Aug, Zahn um Zahn! Mag auch seine Mutter dann hilflos dastehen. Er hat mich um mein Kind gebracht. Tot ist es zur Welt gekommen. Getötet hat es der Elende schon im Mutterleib. Aus einem Gärtlein vor einem Bauernhause klangen Kinderstimmen. Die Kleinen spielten mit einer gutmütigen zottigen Ziege. Das Bild gab dem Schaffer einen Stich ins Herz. Der Elende! preßte er hervor. Ich hab ihm den Tod geschworen. — Das Herz krampfte sich ihmzusammen, denn eben nahte gemessenen Schrittes der Jüngling, blaß und scheu, den Tefilinsack unter dem Arm. Die Augen des Schaffers blitzten, seine Rechte erzitterte und hob sichösterreichische Organisation als Einheit aufrecht zu erhalten. Am 28. und 29. Juni 1908 fand in Brünn der erste westösterreichische Zionistentag statt. Die Grundzüge des Verbandsstatutes wurden festgelegt, deren endgültige Redigierung dem gewählten Zentralkomitee übertragen. Dieses wurde aus folgenden Herren zusammengesetzt: Dr. Isidor Margulies (Wien), Adolf Böhm (Wien), Ing. Robert Stricker (Wien), Dr. Julius Beer (Brünn), Ernst Bechert (Teplitz), Dr. Ludwig Singer (Prag), Dr Emil Margulies (Prag), Ob.-Ing. Josef Lau (Baden), Fritz Löw (Proßnitz). Infolge Ausscheidung der Herren Dr. Beer und Dr. E. Margulies traten die Ersatzmänner Dr. Otto Abel es und Ludwig Steiner an ihre Stelle. Außerdem haben bei der Sitzung des ZK. die geschäftsführenden Obmänner der" DK. Sitz und Stimme. Auch auf dem Parteitage wurde dem Wunsche nach Zusammenschluß sämtlicher österreichischer DK. in einer Resolution Ausdruck gegeben. Aufgaben des Zentralkomitees. Naturgemäß ist die Einrichtung des Zentralkomitees zunächst ein Versuch gewesen, bei dem es sich insbesondere darum gehandelt hat, unter Schonung der Autonomie der Distrikte die Möglichkeiten einer gegenseitigen Verständigung sowie einer Milderung vorhandener Gegensätze zu schaffen, den Verband’ nach außen zu vertreten und größere Aktionen, zu welchen die Kraft der einzelnen DK. nicht ausreicht, durchzuführen. Die Institution des ZK. hat sich erst langsam einleben müssen, seine Stellung ist infolge der Autonomie der Distrikte und der Schwierigkeiten einer Verständigung unter den Mitgliedern des ZK. keine leichte. So ist es z. B. bei brieflichen Abstimmungen nur selten zu einer Willensbildung gekommen. Das Zentralbureau (ZB.) ist nach der Bestimmung unseres Statutes nur ein Ausführungsorgan des ZK., ist daher an dessen Beschlüsse gebunden und kann ohne dessen Zustimmung eine größere Aktion nicht unternehmen. Da eine solche gründlich durchberaten werden muß, Sitzungen aber nur selten stattfinden können und diese auch erfahrungsgemäß nicht stark beschickt werden, so ist dessen Aufgabe eine schwierige. Bei Beurteilung der Tätigkeit des ZK. und des ZB. müssen daher alle diese Schwierigkeiten berücksichtigt werden. Doch glauben wir sagen zu müssen, daß sich die Institution des ZK. einlebt und bewährt. Vertretung nach außen. Das Zentralkomitee hat seiner Pflicht gemäß den Verkehr der Distriktskomitees und des Verbandes mit der Zentralbehörde vermittelt. Der westösterreichischen Organisation wurde die Stellung einer Landesorganisation zueikannt, der Präsident hat bei den Sitzungen des ACr-Sitz und Stimme und ‘hat dieses Recht auch ausgeübt und auf Grund der Beschlüsse des ZK. die Desiderate der westösterreichischen Organisation bei den Sitzungen des AC. nachdrücklich vertreten. Das ZB. erhielt die für die Mitglieder des AC. bestimmten Berichte über Sitzungen und sonstige Vorgänge in der Bewegung von der Zentrale in Köln, welche, soweit sie vertraulicher Natur waren, den Mitgliedern des ZK. bei dessen jeweilig nächster Sitzung in geeigneter Form zur Kenntnis der Organisationen gebracht wurden. Das ZK. war stets bemüht, einen engeren Kontakt mit der Leitung in Köln herbeizuführen. Anläßlich seiner Anwesenheit in Wien im Oktober 1908 wohnte der Präsident, Herr David Wolffsohn, einer SiLung des ZK. bei. Leider fanden jedoch zahlreiche Anregungen des ZK., so u. a. die Abhaltungen der Sitzungen des AC. in Berlin, des Kongresses an einem Orte, der in der Nähe der Judenzentren liegt, sowie in Bezug auf die Berichterstattung der „Welt“ über die Vorgänge in Oesterreich bisher wenig Berücksichtigung. Es freut uns mitteilen zu können, daß Aber keine Waffe, kein Werkzeug war in ihr, womit er täten könnte. Erst jetzt war er dessen inne. Und das Gelüst nach Rache schwand, wie Rauch im Winde dahin. Und die dunklen Flecke, die vor seinen Augen durcheinanderschwirrten, zerflossen wie Nebel in Licht und Klarheit. „Dein Glück, du kommst vom Bethaus,“ stammelte er. — Aber der Jüngling, dem sein böses Gewissen und die einstige Drohung des Schaffers genug zu ahnen gaben, ergriff die Hand des finsteren Mannes und flehte: „Verzeihe mir, ich war damals wild und wahnsinnig. Zu Purim trinkt man soviel. Ich wollte dich früher um Verzeihung bitten, aber ich fürchtete mich vor dir. Jetzt kommst du zu mir -— sag, ist deinem Weib nur nichts geschehen? „Ich fürchte“-— „Was geht es dich an, Lump“ rief der Schaffer. „Ist deiner Frau nichts geschehen?“ wiederholte der Andere. „Du schweigst .... ist, Gott bewahre, vielleicht. Wie aus einem schweren Traum aufgerüttelt, stammelte Eili: „Du hast Recht-daß du fragst.“ „Wie? schrie der Jüngling.“ „Dann kannst du mich totschlagen —-wie einen Hund! Dein Weib. . . . Was hab ich getan . . . .? Warum schweigst du?“ ... .