Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1910-03-18 · 11 (18.3.1910) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
4 (1910)
Issue
11 (18.3.1910)
Date
1910-03-18
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2438141-2438273-2438284--1762-2441378
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Seite 6 Bürger sind heute bis auf ein kleines Häuflein klerikal und reaktionär. Treu dem Freiheitsgedanken sind jedoch Studenten und Arbeiter geblieben. Den jüdischen Arbeitern rufe er zu, daß ste.national und den jüdischen Studenten, daß sie demokratisch werden. Die Lügen der „Blochs Wochenschrift“. Als die „Oesterreichische Wochenschrift“ bemerkte, daß gewisse Dunkelmänner unseren „Jüdischen Klub“ zu beschmieren beginnen, war auch für sie die Zeit gekommen, Sumpfblasen zu treiben und mit erlogenen Behauptungen der Arbeit des Klubs Prügel zwischen die Füße zu werfen. Daß diese fromme Zeitung nicht einen offenen Angriff gegen den ganzen Klub wagt, den Rabbi Bloch aufs tiefste haßt, mit der ganzen Kraft seiner Pfaffenseele, sondern drei Mitglieder des Klubs gegen seinen Obmann auszüspielen versucht, ist bei den sattsam bekannten Praktiken dieser Zeitschrift nur selbstverständlich. Aus Reinlichkeitsgefühl wollen wir uns nicht weiter mit diesem Geschwür beschäftigen, hier sei lediglich die Berichtigung unseres Abg. Dr. Straucher hingesetzt, aus der die ganze Verlogenheit der Darstellung in der „Wochenschrift“ ersichtlich wird. Abg. Dr. Benno Straucher, der Obmann des reichsrätlichen „Jüdischen Klub“, hat nun der „Oesterreichischen Wochenschrift“ folgende Berichtigung eingeschickt. „Es ist unwahr, daß ich in der Versammlung des „jüdischen Nationalvereines vom 2. d. M. Gelegenheit nahm, bittere Beschwerde über die „Oesterreichische Wochenschrift“ deshalb zu führen, weil diese meine Verdienste um die Gewährung einer eigenen Wahlkurie für die Juden] in Bosnien nicht laut und ausdrücklich genug in die Welt hinausgerufen hat. Es ist unwahr, daß ich außerordentlich reklambedürftig bin. Es ist unwahr, daß ich nicht die seltsamsten, absonderlichsten Praktiken scheue, um in die große Trommel für mich zu schlagen. Es ist ferner unwahr, daß ich einem Pu blizlsten mitgeteilt habe, daß meine Klubkollegen samt und sonders umfähig sind, und ebenso unwahr daß ich diesem befreundeXen^PuTiliz is'teri'g’ege'nüber geäußert hätte ich sei der einzige, der in politischen Angelegenheiten über Verständnis und Erfahrung verfüge. Es ist unwahr, daß der „Jüdische Klub“ unter meiner Führung Richtlinien verfolgt, welche mehr von dem Bedürfnisse diktiert war, populären Schlagworten, als ernsten jüdischen Interessen zu dienen, und unwahr, daß wir, der „Jüdische Klub“ oder ich, uns dem wüsten Rachechor der Hetzer gegen den gemeinsamen Minister Burian zugesellt haben. Ebenso ist es unwahr, daß es nur den Bemühungen anderer Faktoren gelungen war, die von mir angeblich begangenen politischen Fehler gutzumachen. Wahr ist vielmehr, daß ich sofort nach erfolgter Annexion der bosnischen Länder wegen Wahrnehmung der politischen Rechte der bosnischen Juden brieflich mit meinen Klubgenossen in Verbindung getreten bin, ferner wahr, daß sofort nach Zusammentritt des Abgeordnetenhauses im Monate November 1908 der „Jüdische Klub“ mehrfach Beratungen in dieser Frage gepflogen hat, — weiters wahr, daß ich in dieser Angelegenheit über Ermächtigung des Klubs beim Minister des Aeußeren, Grafen Aehrenthal, noch anfangs Dezember 1908, interveniert, — ebenso wahr, daß ich gleichzeitig namens des Klubs über Anraten des Grafen Aehrenthal ein diesbezügliches Memorandum an den gemeinsamen Finanzminister Baron Burian gerichtet habe. Wahr ist weiters, daß mein Klubkollege Abg. Dr. Mahler im gemeinsamen Reichsfinanzministerium wiederholt in dieser Frage interveniert hat, — wahr, daß ich namens des „Jüdischen Klub“ in dieser Frage an den Baron Bienerth ein Memorandum gerichtet und bei demselben mit dem Abg. Stand interveniert habe. Es ist demnach wahr, daß der „Jüdische Klub“ in der Fräse der bosnischen Landesverfassung für die dortigen Juden eine ebenso hingebende als verdienstvolle Tätigkeit entfaltet hat, und es ist wahr und notorisch, daß wir alles dies ohne jede Reklame getan haben. Was das Wahlrecht in der Kultusgemeinde von Czernowitz betrifft, berichtige ich der Wahrheit gemäß, daß der Wahlzensus auf nur K 4.— herabgesetzt wurde, daß gerade gegenwärtig an einer Revision des Kultusgemeindewahlrechtes gearbeitet und daß mindestens an die Bildung einer ausgiebigst mit Mandaten zu dotierenden allgemeinen Wählerklasse geschritten werden wird. Es ist unwahr, daß ich dagegen die Prinzipien der Demokratie lediglich dem Wiener Kultusvorstande empfohlen habe oder empfehle, wahr ist vielmehr, daß ich mich in die Angelegenheiten der Wiener Kultusgemeinde nie eingemengt habe. Was die Mitteilungen des Isr. Landes-Lehferverbandes inBöhmen betrifft, ist es einewillkürlichund un¬ JÜDISCHE ZEITUNG. gerechtfertigte Behauptung, daß der „Jüdische Klub“ in Sachen dieses Verbandes nichts geleistet hat. Wahr ist vielmehr, daß vor beinahe zwei Jahren mein Klubgen. Abg. Dr. Mahler eine Petition des genannten Verbandes im Parlament eingebracht und derpn Beidruck zum stenographischen Protokolle veranlaßt hat, ferner wahr, daß Abg. Dr. Mahler in einer kurz nachher im Parlament gehaltenen Rede zum,; Budget für den genannten Verband warm eingetreten ist, weiters wahr, daß Dr. Mahler eine Deputation des Verbandes zum damaligen Unterrichtsminister Dr. Marchet geführt, dieser die Berechtigung der vorgebrächten Wünsche anerkannt und Abhilfe versprochen hat. Ebenso wahr ist es, daß erst (in den letzten Tagen unser Klubgenosse Abg. Stand in seiner Budgetrede ausdrücklich die Subventionierung der jüdischen Kultusgemeinden gefordert hat und endlich wahr, daß ich gerade jetzt am; 12. März d. J. ein Schreiben des Isr. Landes-Lehreryerbandes in Böhmen erhielt, in welchem.’ Unter ausdrücklicher, besonderer Anerkennung der in dieser Angelegenheit vom „Jüdischen Klub“ entwickelten Tätigkeit, ich „als überall bekannter und anerkannter warmer Vertreter jüdischer Interessen und als besonders guter und begeisterter Jude“ ersucht werde, mich seiner Sache ebenso warm anzunehmen, wie ich dies „überall im Reichsrate, im Buköwinaer Landtage usw. für die allgemeinen und jüdischen Interessen es tue“. Endlich ist wahr und Tatsache, daß ich wiederholt und erst in meiner Budgetrede im Juni 1909 für die Dotierung der jüdischen K. G. aus Staatsmitteln, wie nicht minder für die Errichtung einer jüdisch-theologischen Fakultät in Oesterreich zum Zwecke der Ausbildung jüdischer Rabbiner und jüdischer Religionslehrer eingetreten bin. Ortsstatistik 1909 der Nationälfonds- und Oelbaumspenden aus dem Distrikte Innerösterreich. Innerösterreich umfaßt auch noch nach der Anfang 1909 erfolgten Abtretung Dalmatiens an die Landessammelstelle in; Essegg ein weites Gebiet, welches aber mit Ausnahme von Wien nur spärlich von Juden bewohnt ist. Es ist daher begreiflich, daß von der Jahressumme des Distriktes per K 14.530 (1908: (C 7900) Wien den Hauptanteil, nämlich K 12.064 (1908: K 6200), aufgebracht hat. Diese gegen das Vorjahr fast verdoppelte Leistung verdankt Wien neben einer Oelbaumspende. Kremenezkys per K 2100hauptsächlich der von eigener Kraft besorgten planmäßigen Verteilung und Leerung der Sammelbüchsen. Neben ,Wien, .welches 4909. noch -für.andere zioni-- stische Zwecke außer.Scbeiel und Parteifond weitere K 12.000 aufgebracht hat, trug zum Aufschwung des Distriktes fast nur noch Graz, welches seine NF.- Leistung gar vervierfacht hat, entsprechend bei/ Alle anderen Orte, so weit sie sich überhaupt beteiligten, weisen niedrige Beiträge auf. Jene Orte, welche gegen das Vorjahr zurückgegangen sind, werden in der folgenden Tabelle durch Sperrdruck gekennzeichnet. Es hat eben an einer planmäßigen Organisierung und Ueberwachung des Distriktes gefehlt und ist es Aufgabe des neuernannten Distriktskommissärs Dr. Hugo Zuckermann, hier gründlich Wandel zu schaffen' und vor allem in den verwaisten Orten verantwortliche NF.-Kommissäre unverzüglich einzusetzen. Der die Jahressumme des Distriktes ergänzende Betrag von ca. K 300 ist aus den Gebieten fremder Landessammelstelien, zumal Ungarn und Kroatien, Bosnien, Dalmatien irrtümlich nach Wien geflossen: Von den 38 (31) beitragenden Orten haben 13. (14) mehr als K 20 abgeführt, und zwar: ,, Ort: NF.-Kommissär: 1£09: 1908: 1. Wien Dr. H. Zuckermann 12.064 6227 2. Graz Karl Schwarz 1.239 295 3. Triest Dr. Viktor Kleinzeller 160 134 4. Leoben Ludwig Röhr 111 104 5. Korneuburg N. Lederer 87 —. 6. Stockerau Richard Stern 78 —_ 7. Mauer - — 70 8. Krems Otto Auspitz 61 69 9. Laibach — 55 101 10. Ischl Dr. Karl Pollak 49 31 11. Meran — 35 89 12. Klagenfurt Dir. Seelenfreund 33 13. Innsbruck Dr. J. Sagher 27 182 Weniger als K 20 brachten auf: ... Alland, Modling.Baden,Purgstall, St. Pölten, Wels, Weidlingau, Stein, Vorderbrühl, Ardagger, Neudörfl, Neunkirchen, Gänserndorf, Klosterneuburg, Waidhofen a. :Th-> Langenwang, Vöslau, Langenfeld, Ried, Rosenau, Abbazia, Velden, Felixdorf, Semmering, Hadersdorf. Gar nichts brachten auf: Amstetten, Aupsee, Bludenz, Bozen, Dornbirn, D.-W agram.Enns, Gleichenberg, Gmu nden, Görz!, Hainburgj Hohenems, Horn,Kaftenleutgeben, Langau,Langenlois, Xiesing, Linz 1, Mistelbach, Murau, Ober-Hollabrunn, Salzburg 1, Steyr, Tulln, Wr.-NeuStadt! Hiemit ergehtdie dringende Aufforderung, unverzüglich für die.obgenannten Orte, welche noch keinen NF.-Kommissär haben, Ernennungsvorvorschläge an uns zu leiten. Die Landessammelstelle des JNF., Wien, IX., Türkenstraße 9. Nr. 11 V ereinsr u .V ersammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Wien. (Gafizisches und Buköwinaer rituelles Speisehaus, 11., Herminengasse 8). Der Vorstand des Vereines „Achwa, Jüdische Brüder“ erlaubt sich hiemit mitzuteilen, daß die neuen Lokalitäten seiner S p e i s e h a 11 e zur Ausspeisung unbemittelter Juden bereits fertiggestellt sind und am 20. März bezogen werden. Der Tag der feierlichen Einweihung wird demnächst bekanntgegeben werden. Der obengenannte Verein, der von galiziSchen ■ und Buköwinaer Juden"'gegründet wurde, hat es sich zum Ziele gesetzt, den minder bemittelten Juden durch Errichtung einer Speisehalle Gelegenheit zu geben, um billiges Geld streng rituelle, nahrhafte Kost zu erhalten. Die Speisehalle, in welcher heute schon 300 Portionen verabreicht werden, besteht aus sechs hellen Gassenzimmern, die mit' allem Komfort eingerichtet sind und - den Erfordernissen der Hygiene zur Genüge entsprechen. Für die jüdischen Studenten wird eine separate Abteilung der Speisehalle, die ihnen zur „Mensa Academica“ werden soll, reserviert werden. Der Verein verspricht sich von seinem humanitären Plan sehr viel und hofft auf wohlwollende Förderung, vollkommenes Vertrauen und zahlreichen Zuspruch. Wien. Am 19. März findet im Cafe Prückl, I., Stubenring 24, 3 Uhr nachmittags, eine Akademie statt. Reichsratsabgeordneter Universitätsprofessor Dr. Arthur Mahler wird die Festrede halten. Wien. (Verein der jüdischen Handels- und Privatangestellten „Achwah“.) Mittwoch, den 23. d. M. im Cafe Dohan, II., Untere Augartenstraße 26, Mitgliederversammlung. Referent Dr. Herrn. Kadi sch. Thema: „Nationalismus und Sozialismus“. Beginn präzise 8 Uhr abends. Gäste — auch Damen — herzlichst willkommen. — Samstag, den 2. April Gründungsfest im Hotel „Bayrischer Hof“. Akademie mit Tanzkränzchen. Ihre Mitwirkung haben u. a. zugesagt die Herren: Oberkantor Don Fuchs, Max Pallenberg, Juliusz Wolffsohn. Karten ä K 120 bei allen Vereinsmitgliedern erhältlich. Wien. Der humanitäre Verein der Mattersdorfer veranstaltet am 27. d. M. (Ostermontag), 9 Uhr in dem Festsaale des Hotels „Bayrischer Hof“, II., Taborsttaße 39, eine Purim-Feier. Wohltätigkeits-Akademie mit Tanzkränzchen. Bisher haben ihre geschätzte Mitwirkung" zugesagt': die. Fräuleins Mimi Marlow und Trude Voigt, sowie die Herren Sigwart Gruder, Hofopernsänger Hans Burkstädt.iund-Ernst Oesterreicher. -Die Musik besorgt die Kapelle des k. k. bosnisch-herzegowinischen Infanterieregiments Nr. 1 unter persönlicher , Leitung des Herrn k. k. Kapellmeisters F. Domansky. Tanzarrangeur Herr Tanzmeister. Rudolf Heimann, Entree im Vorverkaufe K 2, an der Kassa K,2'50. Familienkarten im Vorverkaufe K 6, an der Kassa K 8 -, Wien. (Jüdischer Mädchenklub). Dienstag, den 22. März 1910, 7 Uhr abends, findet im Damensälon des Cafe City, IX., Porzellangasse 1, .ein Vortrag des Herrn Dr. Leopold M e i s e 1 über „Wesen und Bedeutung des Zionismus“ statt. Eintritt frei. Gäste willkommen. Wien. Hebräischer Konversationsklub „Ivriah“, Cafe Brammer, IX., Liechtensteinsträße 1. Samstag, den 19. d. M. 7'/i Uhr abends:. Diskussion über die verschiedenen Auffassungen des Judentums. Wien. (Jüdische Toynbee-Halle, Wien, XX. Othmargasse 46.) Beginn der Vorträge: An Wochentagen halb 8 Uhr, Samstag sowie an Sonn- und Feiertagen 7 Uhr abends. Eintritt frei für jeden Erwachsenen. Vortragsprogramm für die Zeit vom 18, bis 24. März 1910: Das nächstwöchentliche Vortragsprogramm wurde wie folgt festgesetzt: Freitag, den 18. Bibel-- vortrag, Religionslehrer Leopold Weiß. Samstag, den 19. Konzert, Arrangement Herr Organist Menzer. Sonntae, den 20. „Der gereche Fürst in Tausenund- , eine Nacht“ (Harun al Raschid), Schriftsteller Adolf Gelber. Montag, den 21. „Medizinisches des Alltagslebens“, Frl. Dr. Amalie Friedmann. Dienstag den 22. „Jiddisches in Literatur und Musik“, Herr J. Grob. Mittwoch, den 23. „Unsere Mädchenerziehung“, Sekretär Jakob Kraus. Donnerstag, den 24. „Aus der jüdischen Geschichte“, Rabb. Kand. Bela Fischer. Wien. (Krankenunterstützungsverein „Liwias Chen“). Sonntag, den 20. März 1910 präzise 5.Uhr abends findet im Vereinslokale II., Stefaniestraße 2 (Stefaniehof), die 23. Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Verlesung des Jahresberichtes pro 1909. 2. Bericht der Revisoren. 3. Neuwahl von 4 Vorstandsmitgliedern und 2 -Ersatzmitgliedern mit •3jähriger Funktionsdauer. 4. Neuwahl von 2 Revisoreu pro 1910. 5. Beschlußfassung über Antrag auf Erhöhung der Mitgliederbeiträge unter gleichzeitiger Abschaffung der Einsammlung von Witwenbeiträgen, dagegen sofortige Auszahlung einer fixen Witwenabfertigung. 6. Anträge und Interpellationen. Diese wollen bis längsten 18. März beim Obmanne, Herrn David Kolieb, II., Kleine Schiffgasse 24 schriftlich angemeldet werden. Im Falle die für 5 Uhr einberufene Generalversammlung nicht beschlußfähig sein sollte, wird um 6 Uhr abends an demselben Tage und an demselben Orte im Sinne des § 23 der Statuten eine neuerliche Generalversammlung mit der gleichen Tagesordnung abgehalten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.