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Jüdische Zeitung · 1910-02-25 · 8 (25.2.1910) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
4 (1910)
Issue
8 (25.2.1910)
Date
1910-02-25
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 8 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 7 die Beitragsfeistungen ' haben sich um 73 °fi> gesteigert Wie im vergangenen Jahr, hat auch 1909 die Alliance Israelite Universelle in mehr als 140 Schulen etwa 45.000 Zöglinge,unterrichtet, zum Teil gekleidet und gespeist. Die Alliance hat dafür im ■vorigen Jahr 1 '/■ Mill, Francs im. ordentlichen Etat ausgegeben; sie hat etwas mehr für das laufende Jahr ausgeworfen. Für Schulneubauten sind außerdem 380.000 Francs bewilligt, nämlich 80.000 Francs für Neubauten in Tripolis, 60.000 Francs in Tiberias, 100.000 Francs . in Haskeuy-Konstantinopel, 60.000 Francs in Teheran, 50.000 Francs in Ispahan und 30.000 Francs in Senneh (Persien). Die landwirtschaftlichen und die Handwerkerschulen, sowie die Institute für Lehrlinge aller Art, haben an Umfang gewonnen. Die Feier des fünfzigjährigen Bestehens der Alliance wird Anfang Mai vom Zentralkomitee festlich begangen werden-. Das Programm, das die Beteiligung aller Länder, in denen die Aliiänce vertreten ist, vorsieht, wirdjrechtzeitig veröffentlicht werden. — Am Schluß der Tagung gab Geheimrat Goldberger bekannt, daß er einen längst gefaßten Entsfchluß jetzt verwirkliche, indem er aus dem Zentralkomitee ausscheide und damit nach ungefähr fünfjähriger Aintierung das Präsidium der Deutschen Konferenzs-Gemeinschaft niederlege. Inwieweit die Niederlegung der Präsidentenstelle lijjt der seinerzeit gegen die zionistische Organisation vom Herrn Goldberger begangenen Taktlosigkeiten .zusammenhängt, wird im vorstehenden Berichte der Alliance wohlweislich verschwiegen. *■ * * Perez Smolenski. Der Freundlichkeit unseres Gg. Herrn Dr. Sc h n i er er verdanken wir das Originaltelegrämm dej Jerusalemer Gedenkversammlung zu Ehren des Dichters Perez S m o 1 e n"s k i, welches an die Witwe Smolenskis abgeschickt wurde. Es lautet in deutscher Uebersetzung: „Das Volkshaus in Jerusalem gedachte der 25. Wiederkehr des Todestages Perez Smolenskis. Das Volk versammelte sich zu Hunderten, spricht der Witwe und den Kindern Trost zm Das Volkshaus“. | .- Moses Lob Lilierrblum. . | In Odessa verschied vorige Woche einer der eifrigsten und unermüdlichsten Verfechter des zionistischen Gedankens und einer der bedeutendsten Vertreter der hebräischen Literatur, Moses Löb L i 1 i e n b 1 u m. Der Verstorbene wurde in Kcidany in Rußland am 22. Oktober 1843 als einziger Sohn überaus frommer Eltern geboren. Er genoß die traditionelle Chedererziehung, wurde im zarten Jünglingsalter nach Willomir verheiratet. Die Jahre im Hause seiner Schwiegereltern waren die traurigsten seines Lebens. Der Druck, der in dieser finsteren Umgebung auf ihm lastete, löste indes in ihm Kräfte aus, die sich gegen die hergebrachten Formen der •Orthodoxie aufiehnten. Er erhob zunächst die Forderung nach „Reform des Gesetzes im Einklang mit dem Leben.“ Er verlangte die Aneignung europäischer Bildung, um im Lebenskämpfe der modernen Welt gerüstet dazustehen. Lilienblums innere Entwicklung war damit nicht abgeschlossen. Er stieg von Erkenntnis zu Erkenntnis, um schließlich einer der eifrigsten Zionisten zu werden. Ueber seinen Werdegang schreibt die Welt: „In Lilienblums Werdegang treten drei Hauptabschnitte hervor, die zugleich die Grundentwicklung des russischen Judentums wiederspiegeln: Auflehnung gegen die verknöcherte Erstarrung und den lebensabgewandten Dogmatismus des Rabbinismus und die Forderung, das „Gesetz mit dem Leben in Einklang zu bringen“ und die Tore des Ghetto der europäischen Kultur weit zu öffnen. Es folgt darauf eine nicht lange währende Enttäuschung an der allein beglückenden Wirkung moderner Bildung auf das Innenleben und das äußere Geschick der Juden in den Exilländern. Die Konsequenz davon war die Negierung des Golus, wo nur entweder eine Isolierung des Judentums oder eine fortschreitende Zersetzung desselben möglich ist. Und so wurde Lilienblum zu einem flammenden Verkünder und Verfechter der Zionsidee, deren Dienst er sich dann Jahrzehnte hindurch mit nie ermüdendem Eifer, mit der ganzen Kraft seines logischen und klaren Geistes bis zum letzten Atemzuge gewidmet, hat.“. Volkswirtschaft. Generalversammlung der „Kredit-Union“. Unter dem Vorsitz des Direktors DavidSchönfeld fand am 20. d. M. die Generalversammlung der Kredit-Union statt, welcher über 50 Genossenschaften mit über 450 Anteilen beiwohnten. Der leitende Direktor Herr Julius Eisler legte den Rechenschaftsbericht über die Tätigkeitsperiode vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 1909 vor. An den Bericht schloß sich eine lebhafte Debatte, in deren Verlaufe alle Redner der Tätigkeit der Direktion und des Aufsichtsrates Anerkennung zollten und ihrer vollen Zufriedenheit mit der Entwicklung des Institutes Ausdruck gaben. Vielfach wurde entschieden verlangt, daß der zionistische Charakter der Union gewahrt werde, und einige Redner — besonders aus der Provinz — beklagten sich, daß Zionisten oft nicht jene Unterstützung finden, die sie von einem zionistischen Institut mit Recht verlangen dürfen. Diesen Vorwürfen trat Direktor Eisler entgegen. Er erklärte, daß die „Kredit-Union“ in erster Linie mit jenen Juden Geschäftsbeziehungen unterhalte, die der zionistischen Partei nahestehen. Doch sei es selbstverständlich, daß sie nichtkreditfähigen Zionisten keinen Kredit gewähren könne, da sie sonst bald zugrunde gehen würde. Die Ausführungen des Direktors Eisler fanden allgemeine Zustimmung, welche sich besonders in der Erteilung des Absolutoriums und dem Ausdruck der Anerkennung für die. Tätigkeit der Direktion äußerte. Im weiteren Verlaufe wurde über Statutenänderungen, die den zionistischen Charakter des Institutes gewährleisten sollen, debattiert. Die betreffenden Vorschläge des Gg. Dr. Reiß wurden angenommen. Nach der Wiederwahl des bisherigen Aufsichtsrates, der sich aus lauter bekannten und bewährten Gesinnungsgenossen zusammensetzt, wurde beschlossen, dem Herrn Lucian Brunner in Wien für seine tatkräftige Unterstützung der Kredit-Union den Dank der Generalversammlung auszusprechen. * * * Jüdische Volkbank und Sparkasse in Suczawa. Dieses Institut, welches am I. März 1909 begründet wurde, hat in der kurzen Zeit große Fortschritte gemacht und ist in der Tat das geworden, was sich seine Gründer als?iei gesteckt haben: den jüdischen Handwerker zu fördern und ihn von Ausbeutern und Wucherern zu schützen, dem jüdischen Kleinkrämer nach jeder Richtung hin zu helfen und schließlich auch ein Einigungsmittel der Suczawaer Judenschaft zu schaffen, in welchem sich sämtliche Parteischattierungen zusammenfinden. Am 6. Februar 1910 fand die I. ordentliche Generalversammlung statt. Das Gründungskapital betrug K 3000. Die Bilanz ist folgende: K 94.221’89 Aktiva, K 93.911’90 Passiva. Der Reingewinn beziffert sich auf K 309'99, wovon 20 Prozent für jüdischnationale Zwecke verwendet werden. Der Gebahrungsausweis beträgt K 301.494‘70. Auf Beschluß der Generalversammlung wird in diesem Jahre eine Dividende nicht ausbezahlt, sondern der Ueberschuß dem Reservefond zugewendet. Die Generalversammlung votierte dem Gesamtausschusse ihr Vertrauen, insbesonders wurde aber die ersprießliche und fruchtbringende Tätigkeit des Herrn Gemeinderates Abraham Körner und des Herrn Isak Haber betont. * * * Haupttreffer. Bei der Verlosung der Krakauerlose vom 2. Jänner 1908 entfiel der Haupttreffer von K 50.000, auf das bei dem Bankhause Eduard Urban in Brünn gekaufte Los Nr. 56.364. Die glückliche Gewinnerin wurde gelegentlich der Revision eines Nummernverzeichnisses ihrer Lose von diesem Glücksfalle verständigt und der Gewinn ihr nunmehr bar ausbezahlt. V ereinsu .V ersammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Wien. Im Monate März veranstaltet die Verbindung „Kadimah“ eine große $molenski-Gedenkfeier. Wien. Sonntag den 27. d. M. findet eine vom Allgemeinen jüdischen Arbeiterverein einberufene, allgemein zugängliche Versammlung mit der Tagesordnung statt: „Die Schandtaten der jüdischen Philanthropie (Ica) in den Kolonien und die jüdische Kolonisation in Argentinien“. Referent: Leon Chasanowitsch (Kasriet) aus Buenos-Aires. Ort: Hotel zum „Goldenen Widder“, II., Taborstraße. Zeit: 10 Uhr vormittags. Wien. Die 3. ordentliche Plenarversammlung des jüd.-akad. Philosophenvereines findet am 3: März d. J., 7 Uhr abends, im zionistischen Zentralverein, IX., Türkenstraße 9, statt. Wien. (Hebräischer Konversationsklub „Ivriah“.) Samstag den 16. Februar 1910 um halb 8 abends findet im Cafe Brammer, IX., Liechtensteinstraße I, eine Diskussion über den in der Welt erschienen Artikels Franz Oppenheimers, „Stammes- und Nationalbewußtsein“ statt. Gäste herzlichst willkommen. Wien. (Vortrag aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur.) Donnerstag, den 3. März 1910, präzise halb 8 Uhr abends findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekten-Vereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Max Grunwald statt. Thema: „Moses Montefiore“. Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karten. Wien. (Klub zionistischer Arbeiter.) Das vierte Referat des veranstalteten Zyklus von zehn» Vorträgen über den Zionismus: „Die Schaffung eines territorialen Zentrums in Palästina", gelangt Sonntag den 27. Februar 1. J. zum Vortrage. Referent: Samuel Terner. Lokal: VIII., Langegasse 5—7, Tiefparterre, Tür 1. Zeit: 2 Uhr nachmittags. Wien. (Verein zur Bekleidung und Unterstüzzung armer alter Männer isr. Konfession.) Samstag den 26. Februar a. c., halb 7 Uhr abends, findet im Sitzungssaale der isr. Kuitusgemeinde, I. Seitenstettengasse 4, die ordentliche Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht; 2. Kassabericht; 3. Bericht der Revisoren; 4. Referat über die Statistik der uns zugehörigen Schützlinge; 5. Wahl von 7 Vorstandsmitgliedern mit 3jähriger Funktionsdauer und 3 Revisoren mit ljähriger Funktionsdauer; 6. Anträge und Interpellationen. Nach Erschöpfung der Tagesordnung: Vortrag Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiner Dr. J. Tag licht. Wien. Das Unterzeichnete Komitee ladet hiermit alle Hörer und Hörerinnen der Wiener Hochschulen, die des Hebräischen kundig sind und Mitglieder eines zu gründenden Studentenvereines zur Pflege der hebräischen Sprache und Kultur werden wollen, ein, bei der Samstag den 26. Februar 1910 um halb 9 Uhr abends ■ im Cafe Brammer, IX.' Liechtensteinstraße 1, stattfindenden Gründungsversammlung zu erscheinen. Tagesordnung: 1. Beratung der vom Komitee bereits ausgearbeiteten Statuten; 2. Wahl eines Gründungskomitees, und i 3. Eventualia. Das Komitee: Dr. K. Kupfer, Dr. Ch. Tartakower, Z. Disendruck, phil. L. Dichter, Ing. E. Pickholz, Dr. F. Korngrün, cand. phil. A. B. Rosenstein. Wien. („Jordania“. Vereinigung jüdischer Hochschülcr aus der Bukowina in Wien.) Am Samstag den 26. d. M. hält Bb. Abraham Robinsohn einen Vortrag „Die Zeit der Makkabäer“ im Vereinslokale, VIII., Langegasse 21, um halb 8 Uhr abends Gäste willkommen. Wien. (Neß Zionah). Dienstag den 1. März a. c. findet um '. iS Uhr abends im Klublokale Cafe Mokka, I., Schottenring 12, die G e n e r a 1 v e r s a m m 1 u n g des Vereines statt. Tagesordnung: 1. Neuwahlen, 2. Eventualia. Der Beratung folgt ein Vortrag. Referent und Thema Vorbehalten. Die P. T. Mitglieder werden im eigenen Interesse dringend ersucht, vollzählig und pünktlich zu erscheinen. Gäste, auch Damen, herzlich willkommen. Wien. (Verein der jüdischen Handels- und Privatangestellten „Achwah“). Donnerstag, 3. März, Cafe Stefanie, II., Stefaniestraße 2, Mitgliederversammlung mit Vortrag. Beginn präzise 8 Uhr abends. Gäste willkommen. Wien. Die jüd. akad. Verbindung „lvria“ veranstaltet Donnerstag den 3. März d. J. im Festsaale des Hotel Post eine Damenkneipe mit anschließendem Tanzkränzchen. Beginn präzise 9 Uhr abends. Die Musik besorgt die Kapelle des k. u. k. Inf.-Reg. Nr. 99, König der Hellenen. Wien. (Hum. Ges. Verein „Benei Zion“). Sonntag den 27. d. findet im Restaurant Weidmann IX., Seegasse 7, die Monatsversammlung des Vereines statt. Tagesordnung: 1. Berichte. 2. Ersatzwahlen. 3. Eventuelles. Anschließend gemütliche Unterhaltung. Beginn präzise 6 Uhr abends. Gäste willkommen. Ortsstatistik 1909 der National-Fonds- und Oelbaumspenden aus dem Distrikte Mähren-Schlesien. Auch heuer war wieder Mähren-Schlesien der erste Distrikt, dessen Kommissär uns pflichtgemäß die Ortsstatistik abgeliefert hat. Den Orten ist der Name ihres National-Fonds- Kommissärs und die Anzahl ihrer Juden laut Volkszählung von 1900 beigesetzt. Neben den Daten für 1909 stehen in Klammern Jene für 1908. Die Orte, welche zurückgingen, sind unterstrichen. Am Jahresertrag von K 10.674.— (K 6.900.— ) haben 63(61) Orte teilgenommen, und zwar 41 (36) mit Beträgen über K 20.—:

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